Der Doktortitel

Inselbegabung mit zwei Buchstaben

In einem früheren Beruf hatte ich regelmäßig mit Kundendaten zu tun. Da kam es öfter mal vor, dass jemand mehrere Doktortitel hatte und jedes mal durchfuhr mich etwas Ehrfurcht, weil ich dachte, da spricht ein intelligenter Mensch mit mir.

Sicher war das sehr oberflächlich. Schließlich sagt ein Doktortitel erst mal nichts über den Menschen aus. Außer natürlich, dass er recht lange die Schulbank gedrückt hat oder genug Kleingeld hatte, um sich einen Titel zu leisten.

Wie man es auch dreht, ich dachte immer es wäre etwas besonderes einen Doktortitel zu haben. Bis zu dem Tag, wo ich bemerkte, dass man den Doktortitel deshalb bekommt, weil man sich sehr lange mit eigentlich nur einer Sache befasst hat.

Klar, man muss etwas neues erforschen und das erfordert sicherlich einen gewissen intellektuellen Grad. Aber erstmal dokumentiert der Doktortitel eben nur genau das: Man hat EINE Sache erforscht.

Leider hat sich mein Bild von Personen mit Doktortitel inzwischen sehr ins Negative gewandelt. Das liegt vor allem daran, dass diese Personen gerne dazu neigen, ihr umfangreiches Wissen mit dem Gebiet der Allgemeinbildung zu verwechseln.

Beispielsweise durfte ich erst kürzlich miterleben, wie jemand, der seinen Doktortitel durch Germanistik erlangte, den IT-Spezialisten unseres Hauses erklärte, warum es nicht sein kann, dass Software vorgibt, was ein Nutzer mit ihr machen kann. Unser Informatiker versuchte es mit Logik und praktischen Beispielen. Ohne Erfolg. Unser Doktor beharrte auf seiner Sichtweise – weil – er ist schließlich ein gebildeter Mann von Welt.

Was die Idee angeht, stimme ich besagtem Doktor sogar zu. Selbstredend wäre es in einer idealen Welt so, dass ein Programm immer tut, was man von ihm verlangt. Dazu ist es intuitiv, fehler- und am besten noch kostenfrei.

Doktortitel

Auf der anderen Seite hätte ich von einem wirklich intelligenten Menschen irgendwie erwartet, dass er etwas mehr Sinn für die Realität hat.

DailyBadLuck

Doktor der Allgemeinbildung

Habe die Ehre
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6 Gedanken zu “Der Doktortitel

  1. Ich hatte in meinem früheren Job ebenfalls mit Kundendaten zu tun – und habe sämtliche Titel wie „Dr.“ oder „Prof.“ direkt gelöscht. Erfahrungsgemäß sind solche Menschen – leider – viel hochnäsiger, als der Rest der Menschheit.
    Bei mir gilt: Besser behandelt werden nur die Menschen, die morgens goldene Eier scheißen. Und so einen Menschen habe ich noch nicht getroffen 😎

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  2. In meinem einen Studentenjob hatte ich ebenfalls das Vergnügen mit Kundendaten und konnte ähnliche Erfahrungen sammeln. Lieblingssatz eines der damaligen Fachmenschen: „Wie Sie ja sicherlich wissen …“ Nein, ich wusste es nicht und weigere mich bis heute, mich deswegen beschämt zu fühlen, denn was seiner Meinung nach jeder Wissen sollte zählte ganz sicher nicht zur Allgemeinbildung. Muss aber auch dazu sagen, dass viele andere Doktoren, mit denen ich beruflich zu tun hatte, überhaupt keine Allüren hatten und ganz normal und freundlich zu den Kollegen und mir waren. Lustiger waren natürlich die anderen 😉

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