Der Motor

Vom tucker tucker zum WRUM WRUM!

Vor einigen Jahre waren meine Frau und ich in Amerika. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und wie mir sehr schnell klar wurde, auch das Land der Autofahrer.

Wir hatten einen Mietwagen gebucht und ich wusste schon bei der Buchung, dass das Gefährt deutlich größer sein würde, als mein hiesiges. Zur Orientierung, ich fahre einen Kombi in der Größenordnung großer Kleinwagen oder auch kleiner Mittelklassewagen. Schließlich bin ich die meiste Zeit Fahrradfahrer. Falls es doch mal am Wochenende etwas weiter weg gehen soll, brauche ich kein Auto, was eine ganze Tankstelle leersäuft.

Also, in Amerika angekommen, ging es zur Mietstation und es passierte das, was in Mietstationen immer passiert. „Leider haben wir das gebuchte Fahrzeug nicht mehr. Wir würden Ihnen gerne ein größeres als Ersatz anbieten.“ Und weil ich meinen Urlaub nicht mit einer sinnfreien Diskussion beginnen wollte, willigte ich ein.

Auf dem Parkplatz angekommen,  stand es dort. Eine fahrende Schrankwand. Wäre die Autobahn ein natürlicher Lebensraum, dieses Fahrzeug war das Ende der Nahrungskette. Über 300 PS, ein Hubraum wie bei einem Panzer und ich schwöre, ich hörte es flüstern „Wir werden die Welt beherrschen.“ Ich hab es eigentlich nicht so mit Autobesessenheit. Aber diese Karre war ein metallgewordener Orgasmus!

motor

Der Zündschlüssel drehte sich und es schallte mir ein dominantes und intensives Wrum Wruuuuuuum entgegen. Meine Liebe zum Motorgeräusch war entflammt. Endlich habe ich verstanden, warum meine Freunde besessen von Autos waren.

Das Auto blieb den gesamten Urlaub über ein Highlight. Meine Euphorie für den Motorsound hielt ebenfalls die gesamte Zeit an. Doch wie das eben ist, alles Gute hat irgendwann ein Ende und wir mussten natürlich zurück nach Deutschland. Wohlwissend, dass mich dort mein kleiner Kombi erwartet, der selbst mit viel Phantasie nicht solchen Klang erzeugt.

Aber was will man machen. Ich hatte drei Wochen Spaß und konnte meinen Freunden berichten, wie toll der Motor geblubbert hat und wie ich dieses Geräusch zu schätzen weiß.

Es stellte sich heraus, dass ich doch noch nicht so weit bin. Als ich das erste mal von der Geschichte erzählen wollte, sind ein paar Biker damit beschäftigt gewesen, sich gegenseitig zu zeigen, wie laut ihre Maschinen werden können. Die Motorräder haben sich regelrecht angeschrien. Es war nur noch Lärm.

Und während alle um mich herum den Sound von blubbernden Motorädern als unheimlich cool empfanden, habe ich, vom Krach völlig genervt erzählt, wie schön ein Motor für mich klingen kann.

DailyBadLuck

Motorsound

Habe die Ehre
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3 Gedanken zu “Der Motor

  1. Dabei machen solche Autos in den USA gar keinen Sinn, oder? Was ist die Höchstgeschwindigkeit, 120km/h? Toll… Also meine Mum mit ihrer 95PS-Schaukel schaffte es (bei lautem Röhren und heftigem Klappern) auf 160km/h. Also was sollen all die überschüssigen PS?
    Das sind diselben Leute, die in der Stadt wohnen und sich einen Porsche/Ferrari/sonstwas kaufen. *kopfschüddel*

    Der einzige Motor, der mich interessiert, ist der Motor meines 12 Jahre alten Kühlschranks. Und der klingt so verstörend und „schlägt“ teilweise, dass Besucher schon ins andere Zimmer geflüchtet sind.
    Aber er kühlt…

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