Die Gleichgesinnte

Öffne deinen Geist.

Nennt es einen Mangel, im Normalzustand grinse ich nicht wie ein Honigkuchenpferd. Den Drei-Tage-Bart trage ich auch mal gerne zwei Wochen und im Gesamtbild sehe ich vielleicht nicht aus wie das blühende Leben.

Der Punkt ist, dass es mir trotz des Erscheinungsbildes nicht schlecht geht. Genau genommen geht es mir sogar ganz okay, wenn nicht sogar gut. Es gibt also auch keine Grund mich aufmuntern zu müssen.

Mein Äußeres scheint jedoch gelegentlich zu irritieren. Besonders meine Kollegin mit dem Heilstein (ich erwähnte sie bereits hier) scheint gelegentlich das Bedürfnis zu verspüren, Licht in mein Dunkel bringen zu wollen. So auch heute wieder.

Da man aus seinen Fehlern lernt, habe ich eine neue Strategie für sie entwickelt. Es ist eigentlich recht simpel. Ich muss nur die Gesprächsführung übernehmen. Wenn ich der aktive Part des Gesprächs werde, dann nimmt ihr das womöglich die Grundlage mein nicht vorhandenes Leid zu lindern.

Nur worüber redet man?

  • Urlaub? Nachher erzählt sie von ihrer spirituellen Reise – lieber nicht.
  • Kinder? Mein Humor ist teils oberflächlich und schwarz. Bei fremden Kindern immer eine gern gesehene Kombination.
  • Arbeit? Hm, dann vielleicht doch lieber über spirituelles Zeug.

Gedacht – getan – und los ging es. Ich setzte mein freundlichstes Gesicht auf und sagte schlaue Sätze der Marke „Man müsse den guten Dingen der Welt mehr Aufmerksamkeit schenken“.Ja, der Nobelpreis für Philosophie ist mir kaum mehr zu nehmen. Aber egal – sie nickte anerkennend und ich wähnte mich auf der Erfolgsspur.

Irgendwann gingen mir allerdings die Floskeln aus. Um nicht in Verlegenheit zu geraten, griff ich einfach Sätze von ihr auf, änderte hier und da das Verb und auf einmal klang es wieder nach einem schlauen Satz.

Von wegen „aus den Fehlern gelernt“. Ich hatte einen Fehler umgegangen um in einen viel größeren zu rennen. Aus diesem Gespräch kam ich nicht mehr unbeschadet raus, soviel war sicher. Zumal mir mangels Initiative auch die Gesprächsführung immer mehr aus der Hand glitt. In ihren Augen mutierte ich mehr und mehr zu einem Gleichgesinnten.

Es kam dann was kommen musste, sie erwähnte ihren Heilstein. Bedingt durch die länge des Gesprächs und ihrer Freude daran, hielt ich es für unangemessen ihr direkt zu sagen, wie blödsinnig ich einen Heilstein finde und das ganze Esoterikzeug generell finde – also ließ ich sie gewähren.

Sie erklärte mir seine Kräfte, wie sie manchmal das Gefühl habe, dass sein Wesen universell ist und sogar mit ihr sprechen würde. Sie meinte, man müsse sich manchmal auch etwas im Leben trauen und man müsse seinen Geist und den Verstand öffnen.

Mir fiel dazu nur ein: „Man muss jedoch aufpassen. Wenn man seinen Geist zu weit öffnet, fällt das Gehirn raus“. Immerhin war das Gespräch dann doch recht schnell vorbei.

gleichgesinnte

DailyBadLuck

Im Geist verbunden

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3 Gedanken zu “Die Gleichgesinnte

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