Die Entführung

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Tag 8

Liebes Tagebuch,

es war ein Tag, wie die meisten seit ich in meiner neuen Wohnung lebe. Meine Diener brachten mir eine Mahlzeit, welche ich nach kurzer Bewertung als „unzureichend“ definierte.

Da meine Diener aber leider Zweibeiner sind und somit von Natur aus schwer von Begriff, wurde meine Kritik mangels Intellekt offensichtlich überhört. Gutes Personal ist so schwer zu bekommen. Nun gut, man muss die kleinen Dinge loben und auf die großen Dinge hoffen. Ich beschloss meine Mahlzeit dann widerwillig doch zu essen.

Dank meines Scharfsinnes weiß ich, dass Desinteresse eine sehr bequeme Art des Bestrafens ist. Wenngleich meine Diener sicherlich keine böse Absichten verfolgten – Strafe muss sein. Im Klartext heißt das, ich legte mich in eine Ecke und war bis auf weiteres nicht mehr ansprechbar. Soweit mein Plan. Ich legte mich hin, schloss die Augen und träumte im Schlaf der Gerechten.

Die Geräuschkulisse war auf einmal ungewöhlich laut. Wieso stand meine Wohnungstür offen? Meine Diener erkannte ich, aber wer waren die anderen beiden Zweibeiner? Was geht hier vor?!

Nur die Ruhe! Vielleicht haben die Diener ihre Unfähigkeit erkannt und hoffen Qualität durch Quantität ausgleichen zu können. Ja, so wird es wohl sein. Trotzdem hätte ich es besser gefunden, wenn man mich langsam an weitere Zweibeiner gewöhnt.

Die alten Diener hatten ein Einsehen, dass meine Wohnung nicht für derart viele Leute ausgerichtet ist. Nach ein paar murmeligen Lauten verließen sie rückwärts meine Wohnung und ließen mich allein mit den beiden neuen Dienern zurück.

Es waren zwei typische Zweibeiner, so wie sie schon x-mal an meiner Wohnung vorbeigegangen waren. Ein großer, etwas dickerer, bärtiger Zweibeiner und ein kleiner, mit langen Haaren und eigenartigen Wölbungen am Oberkörper. Vermutlich ein männliches und ein weibliches Exemplar. Zugegeben, mich interessierte wer die beiden sind und ob sie womöglich bessere Fähigkeiten haben, als meine bisherigen Diener.

Sie setzten sich hin und starrten mich an. „Wenn ihr eine Audienz wollt, solltet ihr auf die Knie fallen oder mir ein Leckerli-Opfer bringen“ sagte ich ihnen. Keine Reaktion. Na gut, wollen wir mal nicht so sein und begrüßen sie, wie es beim niederen Volk scheinbar üblich ist. Es ist ja schließlich ihr erster Tag.

In aller Höflichkeit reibte ich mich an den Beinen der Zweibeiner. Sie nutzten im Gegenzug ihre Pfoten (die sie – warum auch immer – „Hände“ nennen) und massierten mich. So lob ich mir das! Das hat Potential! Ein guter Start!

Plötzlich bemerkte ich, dass mich nur zwei Hände kneteten. Eine Frechheit! Wenn vier Hände zur Verfügung stehen, sollten mich auch vier Hände massieren! Das ist das Gesetz das ich gerade etabliert habe!

Empört wollte ich den Zweibeinern gleich mal Disziplin beibringen, musste aber feststellen, dass der große bärtige gar nicht mehr da war. Ein Blick aus dem Fenster und ich sah, dass der große bärtige mit meinen alten Dienern sprach. Wollte er die Händeanzahl auf Sechs oder gar Acht erhöhen? Welch famose Idee! Vielleicht habe ich ihm Unrecht getan.

Pustekuchen! Auch der kleine Zweibeiner nahm seine Hände von mir. Auch sie ging nun zu den alten Dienern. Ab da ging alles viel zu schnell.

Meine alten Diener kamen in meine Wohnung – ohne weitere Mahlzeit – was für sich schon ein Skandal ist. Ungefragt nahmen sie mich hoch und steckten mich in ein Gefängnis! Durch das Gitter konnte ich sehen, wie sich meine Wohnung immer weiter entfernte…

Liebes Tagebuch, wir kennen uns noch nicht solang, doch ich denke, dass ist bereits das Ende…

Maunz!


Auch kleine Dinge machen die Welt besser

hfh

2 Gedanken zu “Die Entführung

  1. Pingback: Der neue Raum | my daily bad luck

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