Das innere des Metalltiers

metalltier

Tag 15

Liebes Tagebuch,

zusammengekauert liege ich in meinem Gefängnis. Hilflos musste ich feststellen, dass die neuen Zweibeiner mehr Entführer als Diener sind. Ja, sie wirkten interessant und ich mochte sie zu Beginn. Meine Leichtfertigkeit und das naive Vertrauen in fremde Zweibeiner wird nun gnadenlos mit meiner Entführung bestraft.

Durch die Gitterstäbe meiner viel zu kleinen Zelle sehe ich, wie meine Entführer mich von meiner angetrauten Wohnung entfernen. Leb wohl geliebter Schlafplatz. Lebe wohl geliebte Toilette und vor allem, lebe wohl geliebter Pappkarton – dich werde ich am meisten vermissen.

Ich höre die Stimmen der Zweibeiner, sie wirken fröhlich. Hin und wieder schaut einer der beiden zu mir in die Zelle und grinst mich höhnisch an. Die Panik nagt an mir und ich scheine den Verstand zu verlieren. Es sieht so aus, als wären die Zweibeiner mit mir in eine Herde Metalltiere gelaufen, welche runde schwarze Pfoten haben. Manche von ihnen sind ziemlich laut, andere scheinen einfach zu lauern. Ich mag diese Metalltiere jedenfalls nicht – doch meine Entführer steuern schnurstraks auf eines davon zu.

„Ihr Idioten,“ rufe ich so laut ich kann. „Passt doch auf, es wird uns sicher gleich fressen!!!“ Als wäre dies das Zeichen gewesen, öffnet das Metalltier eines seiner Mäuler und scheint darauf zu warten mit mir gefüttert zu werden. Ich schließe die Augen und ergebe mich meinem Schicksal… ade, du grausame Welt.

Verdammte sieben Leben, beziehungsweise jetzt wohl nur noch sechs. Ich scheine noch immer zu leben. Das Grauen steigt in mir auf, als ich merke, dass ich nicht nur in meiner Zelle bin, sondern auch im Inneren des Metalltiers. Und als ob das nicht reicht, nun bewegt sich auch noch alles.

Ist das die Hölle? Was ist das? Einen Meter von mir entfernt bemerke ich meine Entführer. Na klar, die verdammten Zweibeiner waren blöd genug sich auch vom Metalltier fressen zu lassen. Na toll, ewige Verdammnis mit Zweibeinern, die mich lieber entführen, als mir zu dienen – das kann ja heiter werden.

Nicht dass es für mich relevant wäre, aber die Zweibeiner scheinen nicht mal sonderlich gut zu schmecken. Das Metalltier hält auf einmal an. Ein Maul öffnet sich und ehe ich mich versehe, sind die Zweibeiner nicht mehr im Inneren des Metalltieres.

Plötzlich öffnet sich ein weiteres Maul und ich erahne Freiheit. Natürlich sitze ich immernoch in meiner viel zu kleinen Zelle. Doch nicht von einem Metalltier gefressen zu werden, scheint mir für den Moment ein erster Erfolg zu sein.

Die Pfoten der Zweibeiner greifen nach meiner Zelle. Liebes Tagesbuch, ich scheine wirklich der Verdauung des Metalltiers zu entgehen. Nun müssen wir nur noch hoffen, dass die Zweibeiner nicht noch schlimmere Teufeleien für mich vorgesehen haben. Ich werde berichten.

Maunz

4 Gedanken zu “Das innere des Metalltiers

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