Lehrstunde für Gott

catgott

Tag 22

Was bisher geschah: Das innere des Metalltiers

Liebes Tagebuch,

meine Zelle fliegt! Nicht hoch und nicht schnell, aber sie fliegt. Selbstredend sitze ich armes Geschöpf noch immer in der Zelle. Keinen Meter entfernt schwebe ich neben den Zweibeinern her. Es hat seinen Grund, warum wir Katzen Vögel töten – fliegen ist einfach unnatürlich und sollte verboten werden. Alles wackelt, alles ruckelt und ich stoße dauernd an die Wände meiner viel zu kleinen Zelle. Halbherzig befehle ich das Fliegen zu beenden. Wohlwissend, dass niemand auf mich hören wird.

Immerhin, durch die Gitterstäbe sehe ich, wie sich meine fliegende Zelle vom Metalltier entfernt. Moment, vielleicht bin ich doch tot und komme gerade in den Himmel. Zugegebener Maßen, um in den Himmel zu kommen, müsste man schon fliegen.

Von einem allmächtigen Gott hätte ich zwar schon erwartet, dass der Flug etwas sanfter und komfortabler gestaltet wird. Bestimmt ist Gott auch Zweibeiner, so stümperhaft wie der Weg zum Himmel verläuft. Aber da will ich mal nicht so sein. Niemand ist perfekt. Sobald ich im Himmel angekommen bin, werde ich ihm einfach erklären, wie er es besser zu machen hat. Sicher ist er dankbar, von mir lernen zu dürfen. Womöglich ist das sogar der Grund für mein frühzeitiges Ableben – ich soll ihm helfen!

Ja, das gefällt mir. War das Leben auf der Erde generell doch viel zu sehr von Zweibeinern bestimmt. Manche leisteten mir gute Dienste. Insgesamt wäre die Welt aber sicher eine bessere, wenn ich als Gottausbilder erstmal ein paar Grundregeln neu definiere.

Anfangen werde ich damit, Wasser abzuschaffen. Niemand sollte Wasser mögen! Zum trinken nehmen wir Milch oder Sauce vom Essen. Wer nun meint, dass Pflanzen Wasser brauchen und ich deswegen das Wasser nicht abschaffen kann, hat offensichtlich meinen Intellekt unterschätzt. Alle Bäume werden ersatzlos zu Kratzbäumen transformiert, Wiesen aus Sisal und Blumen aus Wollbändchen. Make cat-earth great again!

Wo ich darüber nachdenke, gefällt mir mein neuer Job als Weltverbesserer schlagartig sehr sehr gut. Meine Gedanken kreisen weiter. Bis ich auf einmal merke, dass meine Zelle an Höhe verliert. Oh Gott… ich meine: Oh ich – nicht schon wieder irgendetwas unvorhergesehenes.

Ich versuche die Situation zu begreifen. Die Zweibeiner sind noch da, meine Zelle ist noch da, ich bin noch da. Vom Himmelreich oder dem lieben Gott allerdings weit und breit keine Spur.

Unruhe durchfährt mich erneut. Die Zweibeiner kommunizieren in ihrer unverständlichen Sprache und klimpern mit irgendwas umher. Meine Zelle sinkt indes weiter. Mit einem kurzen Rums landet die Zelle – mir inklusive dann auf dem Boden. Ich wage einen Blick nach draußen und sehe, dass wir vor einer Wand stehen. Sie scheint aus Holz zu sein.

Mit etwas Mühe kann ich sehen, womit der eine Zweibeiner geklimpert hat. Es ist klein, aus Metall, glitzert und ich will es haben! Er hält es in seiner Pfote und scheint damit die Holzwand töten zu wollen. Tatsächlich! Er sticht auf sie ein und rüttelt an ihr. „Sie hat dir doch gar nichts getan,“ rufe ich dem Mörder zu.

Es bleibt keine Zeit für Panik, denn plötzlich hebt meine Zelle wieder ab und fliegt ruckelnd auf den dunklen Raum zu, der sich hinter der toten Holzwand aufgetan hat. Nimmt dieser Horrortrip denn kein Ende?

Ich werde berichten.

Maunz


Auch kleine Dinge machen die Welt besser

hfh

Ein Gedanke zu “Lehrstunde für Gott

  1. Pingback: Der neue Raum | my daily bad luck

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