Murphy und die Sicherheitskontrolle

murphy_sicherheitskontrolle

Einmal schütteln und der Zauber wirkt.

Lasst mich eine Geschichte erzählen. Ich war etwas überrascht, als ich gerade nachgesehen habe und feststellte, dass ich diese wunderbare Anekdote noch nicht zum Besten gegeben habe.

Wir befinden uns am Flughafen. Mit mir meine Frau und der übliche Berg an Gepäck, den man für drei Wochen Urlaub eben so benötigt. Klassisch haben wir zwei Koffer und leichtes Handgepäck.

Für all jene, die mit dem Prozedere des Eincheckens am Flughafen nicht so vertraut sind: Man gibt seine Koffer am Schalter ab. Dort werden sie gewogen, erhalten einen lustigen Aufkleber und eine um Freundlichkeit bemühte Mitarbeiterin wünscht einen angenehmen Flug.

Anschließend stellt man sich artig in eine unendlich lange Schlange und wartet darauf von fremden Menschen mit Gummihandschuhen am ganzen Körper betatscht zu werden. Was klingt, wie die Geschichte eines langweiligen Pornos, ist in Wahrheit eine Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit.

Kurzer Hinweis: Bei den Sicherheitschecks wird man gern mal gebeten die Schuhe auszuziehen und Kleidungsstücke mit erhöhtem Metallanteil (wie zum Beispiel einen Gürtel) abzulegen.

Um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nutzt das geschulte Sicherheitspersonal die Zeit um das Handgepäck mit messerscharfen Blicken auseinander zu nehmen. Unterstützt werden sie dabei von Hightech-Röntgen-Laser-Plasma-Huijuijui-Strahlen-Zeug, das einmal quer durchs Gepäck leuchtet.

Das Abtasten verlief meinerseits ohne Höhepunkt (bei dem Mann mit Gummihandschuhen bin ich mir nicht sicher). Es musste also am Gepäck liegen, dass auf einmal zwei unifomierte Männer vor mir standen und mich freundlich aber bestimmt aufforderten ihnen zu folgen.

Ohne Schuhe und mangels Gürtel mit rutschender Hose folgte ich. Ein paar Meter weiter stand mein Rucksack. Mit etwas schärferen Ton wurde ich gefragt, ob das meiner ist. Unauffälig versuchte ich meine Hose festzuhalten und dabei möglichst eindeutig die Frage mit einem Nicken zu bestätigen.

Aus dem Augelnwinkel sah ich, wie einer der beiden Männer etwas in sein Handy murmelte. Der zweite Mann forderte mich auf, den Rucksack langsam zu öffnen. Als ich ansetzte, fragte er mich allerhand Sachen. War der Rucksack unbeaufsichtigt? Hat mir jemand etwas gegeben? Habe ich irgendetwas da drin, was ich ihm mitteilen sollte?

Nun…. meine Frau packt die Sachen. So ganz genau weiß ich daher nicht mal, was eigentlich alles im Rucksack ist. Nachdem wir ein paar Jahre verheiratet sind, weiß ich allerdings recht sicher, dass meine Frau vielleicht nach 3 Jahren ununterbrochener Arbeit zum Amoklauf neigen könnte, jedoch nicht nach 3 Wochen idyllischem Entspannungsurlaub. Der Blick des Sicherheitspersonals sagte mir, dass meine Ausführungen sein Humorzentrum etwa um die Distanz Sonne – Mond verfehlten.

Meine Hand glitt in den Rucksack und ich versuchte zu ertasten, was wohl für die Aufregung sorgte. Ein großes, rundes, schweres Ding schien mir ein guter Anwärter. Etwas neugierig war ich inzwischen auch.

Ein leichtes Schmunzeln schoss über mein Gesicht, als sich aus den dunklen Gefilden meines Rucksacks eine Schneekugel offenbarte. Ein Orca auf einer Welle… und wenn man sie schüttelte, flogen in ihr Millionen Glitzerteilchen umher.

Ein kitschiges Geschenk für die Familie, welches wir in einem Park erstanden hatten. Das Gefahrenpotential hält sich in überschaubaren Grenzen. Sicher könnte die Kugel runterfallen, die Flüssigkeit auslaufen und jemand darauf ausrutschen. Aber dieses Risiko würde ich eingehen – ich bin ein Rebell.

Der Sicherheitsbeamte hatte indes andere Pläne. Er teilte mir mit, dass das gute Stück zwar keine Gefahr mehr ist. Allerdings dürfte man soviel Flüssigkeit nicht mit in den Innenraum des Flugzeugs nehmen – so sind die Sicherheitsbestimmungen.

Meine Frau, die irgendwann in der spannenden Phase dazu kam, fragte, was wir denn tun könnten. Schließlich wollten wir die Geschenke für die Familie gern auch der Familie schenken.

Wegschmeißen oder nochmal zurück zum Schalter, der die Koffer eincheckt und den Rucksack ebenfalls aufgeben – mehr Optionen gibt es nicht – Sicherheitsbestimmungen! Wir wollten das Teil schon gern behalten. Unser Blick fiel auf die kilometerlange Schlange und zurück auf den uniformierten Mann. Er hatte Mitleid und versprach, dass meine Frau sich nicht nochmal anstellen müsste, wenn sie zurück ist.

Für mich war es nun an der Zeit im Sicherheitsbereich erstmal meine Hose in die angetraute Position zu bringen und mit einem Gürtel zu sichern. Schuhe anziehen wurde mir ebenfalls erlaubt und dann durfte ich auf meine Frau warten, die zwischenzeitlich mit Schneekugelrucksack losgelaufen war.

Nach einer Weile sah ich, wie sie sich durch die Schlange mogelte. Der Sicherheitsmann hielt Wort und lies sie nach einem Minicheck zu mir durch. Geknickt setzte sie sich neben mir hin.

Vermutlich war das gerade doch etwas viel Stress, dachte ich so bei mir. Ein paar aufmunternde Floskeln später schaute sie allerdings immer noch etwas bedröppelt gen Boden. „Alles okay bei dir?“ fragte ich nach.

Sie erklärte mir, dass sie den Rucksack abgegeben hat. „Gut,“ sagte ich – dann hat doch alles geklappt. „Nur war das nicht umsonst…“ schob sie hinterher. Langsam hob sich der Kopf und… „Der Rucksack war Extragepäck und damit nochmal $200“.

Uff…. und plötzlich sah ich die Situation von oben. Ich sitze mit dem Handgepäck meiner Frau hinter dem Sicherheitsbereich. Meine Frau war mit meinem Handgepäck den Rucksack einchecken. Es folgte die Frage der Fragen: „Wo hast du denn die $200 hergenommen?“ Schweigend reichte sie mir mein Portemonnaiee.

DailyBadLuck

bleibende Urlaubserinnerungen

Habe die Ehre
X


Auch kleine Dinge machen die Welt besser

hfh

2 Gedanken zu “Murphy und die Sicherheitskontrolle

  1. Oh, das weckt schöne Erinnerungen an meinen letzten Flug 😁 Unsere chicen Teegläser, Souvenir für meine Mutter, wurden ebenfalls als zu gefährlich deklariert und aus dem Handgepäck verdammt. Beim Hinflug schaffte ich es dann noch, keine Ahnung wie, bei der Sprengstoffkontrolle einen falsch positiven Alarm auszulösen … Mein Mann fand das furchtbar witzig 😌

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s