Island von oben

Einblicke und Ausblicke

Heute bitte anschnallen – es wird wild. Nachdem der gestrige Plan, halbwegs früh ins Bett zu kommen, grandios an der Realität gescheitert ist, stand heute um 6 Uhr die Abfahrt nach Reykjavik auf dem Programm. Gute zwei Stunden liegen zwischen unserem hier in Snæfellsnes und dem dort unseres gebuchten Erlebnisses. Aber was macht man nicht alles für einen Flug im Helikopter über Island. Ja, ganz genau – mit dem Helikopter!

Als Mensch mit Höhenangst darf an dieser Stelle naturgemäß die Sinnhaftigkeit meiner Entscheidungen hinterfragt werden. Ursprünglich wollten wir mit dem Hubschrauber zum Vulkan fliegen. Da dieser aber eine Woche vor unserer Ankunft recht einseitig beschlossen hat, dass es zwischen uns kein Feuer mehr gibt, haben wir spontan die Tour umgeändert.

Der Start ging vom Domestic Airport in Reykjavik los. Für uns auch eine Premiere, da wir sonst nur Keflavik als Start- und Landepunkt kennen. Auf der Habenseite stand an dieser Stelle also auch schon mal fest, dass wir mindestens Reykjavik von oben sehen werden. So kam es dann auch und das bei bestem Wetter.

Europas nördlichste Hauptstadt

Es folgten schier unbeschreibliche Momente. Island ist vom Boden unbestreitbar schön. Aber wie das im Leben so ist. Wir kennen viele Ecken schon und vielleicht gewöhnt man sich doch ein wenig daran. Aus der Luft war das für uns Neuland und so saßen wir in 300 bis 500m Höhe mit offenem Mund und waren völlig überwältigt.

Es ist so, als ob man völlig unterschiedliche Planeten besucht und das in Rekordzeit. Alle paar Minuten ist man woanders. Mal auf einen kargen, schroffen Mond. Mal in einer grünen Oase. Und zwischendurch kommt mit dem Glymur einer der höchsten Wasserfälle, die man je gesehen hat.

Immer, wenn man denkt, dass es nicht besser werden kann, kommt dann das nächste Highlight. Wir näherten uns nach guten 40 Minuten Staunen einem Gletscher. Wie sich das Eis dort formt, welche Spalten und Kluften es zieht… wenn man das einmal gesehen hat, vergisst man es nicht mehr.

Risse im ewigen Eis

Und selbst hier… es wurde noch besser. Denn wir durften auf dem Gletscher landen. Natürlich nicht an so einer Stelle, wo wir instant in eine Spalte fallen und tot sind. Nein, wir standen auf einer riesigen Eisdecke. Immer noch bei strahlendem Sonnenschein und in kompletter Stille.

Das weiße Nichts und wir

Diese Stille war wunderbar und erstaunlich fremd. Sie hielt ehrlicherweise auch nicht lang, denn wie ihr seht, musste die Drohne bei dieser Gelegenheit in die Luft. Wie oft steht man schon mit einem Hubschrauber auf einem Gletscher? Eben

Wie glücklich ich über all dies war / bin, hat meine Frau dann natürlich (Profi, der sie ist) eingefangen.

Happy me is happy

Nach etwa 20 Minuten, wo der Pilot des Hubschraubers womöglich mehrfach meinte „wir müssten langsam los“ und ich eventuell mehrfach mit „noch kurz so ein Video“ reagierte, ging es dann wieder zurück in Richtung Reykjavik. Dabei flogen wir über den Nationalpark Þingvellir. Das ist der Park, wo die europäische- und die nordamerikanische Erdplatte auseinander driften und eine Spalte erzeugen. Diese Spalte ist übrigens die Gleiche, die wir gestern per Brücke überquert haben und wo ich mich leicht gelangweilt über die Brücke geäußert habe. Stellt sich raus, es ist eine Frage der Perspektive.

Keine Faltencreme für Island

Insgesamt sind wir knapp zwei Stunden unterwegs gewesen und haben in dieser Zeit mal eben unzählige Erinnerungen für die Ewigkeit geschaffen. Auf einmal saßen wir nicht mehr im Hubschrauber sondern im Auto und mussten erstmal sortieren, was da eigentlich passiert ist. Ein wirklich einmaliges Erlebnis und ich kann es nur jedem empfehlen.

Da wir heute früh knapp zwei Stunden nach Reykjavik gefahren sind, ahnt ihr sicher schon, wie lang der Rückweg etwa dauerte. Zusätzlich dazu wollten wir heute aber auch noch mehr erleben. Es ging also klassisch erstmal zu einem Wasserfall. Namentlich dem Bjarnarfoss. Was soviel heißt wie „Bären Wassserfall“.

Bärenstark

Mit so einem Wasserfall macht man natürlich nie etwas falsch. Er ist fotogen, imposant und wenn dazu noch die Sonnen scheint, fühlt man sich einmal mehr in eine Postkarte versetzt.

Ach – Stichwort Postkarte. Ich habe mal ein Bild von unserem Auto gemacht. Es handelt sich um einen Suzuki Across den wir (ja, sehr kreativ) Suzi getauft haben. Die gute tut bislang einwandfrei ihre Dienste und ihre technischen Spielerein verwirren uns in einem vertretbarem Ausmaß.

Vielleicht geht es doch nicht ums Auto…

Im Hintergrund des Bildes seht ihr übrigens den Snæfellsjökull. Normalerweise würde man statt einer üppigen Schneekuppe eine Wulst von Wolken und Verwirbelungen sehen. Da es das Wetter aber weiterhin gut mit uns meinte, erstrahlte dieser majestätische Gletscherberg direkt vor uns. Fast so, als wollte er uns einladen, entdeckten wir kurz darauf eine Straße, die uns wohl hätte zum Gletscher direkt führen können.

Wir fuhre diese Straße ein Stück und es war von der Natur her auch wirklich beeindruckend. Gleichzeitig gab es Stellen, da fährt man einspurig auf Schotter und selbstredend kommt genau dann Gegenverkehr. Wenn es dazu dann noch Neigungen jenseits der 25% gibt…. wir drehten dann doch lieber um. Sicher ist sicher

Schön war es trotzdem

Das finale des Tages macht der Svöðufoss. Der Wasserfall ist von weitem zu sehen und scheinbar reicht das für die meisten Touristen. Die Wanderung dorthin dauert vielleicht 15min, wenn man nicht alle 5m für Fotos stehenbleibt. Wir waren heute dann recht schnell wieder allein dort.

Svöðufoss von oben

Wobei, stimmt gar nicht – da standen noch sehr viele Schafe rum. Es war so kitschig typisch isländisch. Ein Gletscher im Hintergrund, ein Wasserfall davor und drumrum Schafe – dazu keine Menschenseele außer man selbst. Die Welt kann so gut sein.

Und trotzdem bin ich heute wieder müde und werde sicherlich schlafen wie ein Stein. Morgen geht es in die Westfjorde. Meine geliebten Westfjorde. Ich bin schon sehr gespannt, was uns dort erwartet. Bislang ist doch jede Tour dorthin ein Highlight geworden.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
X

Hinterlasse einen Kommentar