Wieder alles mitgenommen
Und wenn jetzt die Welt untergeht, ich würde es wohl gar nicht mitkriegen. Wenn wir mal davon ausgehen, dass Island per se ein sehr abgelegenes Fleckchen Erde ist, dann sitze ich hier in den Ostfjorden (auch nicht gerade dicht besiedelt) am letzten Zipfel eines Fjords. Neben viel Natur gibt es hier Stille. Ich tippe sogar etwas sanfter, weil ich das Gefühl habe, dass jeder Tastendruck sonst das Idyll stört. Es ist herrlich hier. Und wie ich hier her kam, das ist die Geschichte des heutigen Tages.
Ohne Wecker und trotzdem in der Früh verließen wir Akureyri und ein wirklich schönes Apartment. Es tröpfelt ein wenig und mal abgesehen von einem kurzem Stopp zum Tanken ging es erstmal stumpf 1,5h Richtung Osten entlang der Ringstraße.
Als erstes fand der Canyon mit dem wunderschönen Namen Stuðlagil den Weg in unser Navi. Auf dem Weg dorthin stellte ich fest, dass ich wahlweise ein zu guter Autofahrer bin oder mittlerweile einfach viel zu gewöhnt an Schotterpisten. Der Weg zum Stuðlagil ist sicherlich nicht optimal aber kann problemlos gefahren werden. Vor uns bewegten sich jedoch auf einmal mehrere Autos im Schneckentempo. Wenn ich an ihre Geschwindigkeit denke, könnte man die These aufstellen, dass sie die 10km zum Canyon noch immer nicht geschafft haben. Aber sei es drum – Kraft meiner Wassersuppe und dem Gaspedal konnten alle überholt werden und wir kamen damit relativ gut auf dem Parkplatz an. Als nächstes folgen Treppen – viele Treppen.

Doch ich finde, der Weg lohnt sich. Man kommt auf eine kleine Aussichtsplattform und hat einen schönen Blick in und um den Canyon.

Wir hatten dabei sogar das Glück, dass die Sonne rauskam. Bis dahin war es doch eher eine feuchtfröhliche Angelegenheit. Mit Sonne ist es natürlich immer noch mal ein wenig schöner.

Die meisten Touristen wählen aus Gründen auch eher die andere Seite des Stuðlagil. Hier wandert man je nach Verfassung irgendwas um 45-60 Minuten um im Grunde an der gleichen Stelle zu stehen. Theoretisch kann man dann noch elegant für Instagramfotos an den Basaltsäulen stehen. Allerdings versuchen das parallel mindestens 20 andere Leute auch. Mir wäre das ja zu stressig.
Für uns ging es nach ein paar entspannten Aufnahmen weiter zum Rjúkandifoss. Dieser liegt praktischerweise direkt an der Ringstraße und bedeutet damit exakt 0-Umweg. Gleichzeitig zählt er durch diese örtliche Gegebenheit wohl kaum zur Kategorie Geheimtipp. Wir bekamen trotzdem mühelos einen guten Parkplatz und machten uns auf den kurzen Weg den Hügel hinauf.

Bei diesem Foss wurde einmal mehr deutlich, was uns schon ein paar mal in diesem Urlaub aufgefallen ist. Er führt zurzeit verhältnismäßig wenig Wasser. Der Juli war in Island wohl sehr trocken und selbst mächtige Wasserfälle zahlen dafür dann einen Preis. Trotzdem kommt hier noch genug Nass von oben, dass man beeindruckt davor stehen kann.

Unser nächster Stopp war wirklich nur ein Stopp. Namentlich Jökulsá á Brú. Es handelt sich um einen kleinen Parkplatz neben einer Brücke. Der Fluss unter der Brücke ist der gleiche, der beim Stuðlagil bereits fotogen durch einen Canyon fließt.

Theoretisch stehen hier sogar mehrere Picknick-Tische. Man könnte also in diesem Idyll auch länger verweilen und ein wenig die Zeit totschlagen. Ein Minivan, gefüllt mit zuvielen Menschen, hatte auch genau diese Idee. Weswegen wir weiterzogen.
Es sollte in die Abgeschiedenheit des Mjóifjörður gehen. Die Fahrt dorthin hatten wir im Mai schon einmal gewagt. Seiner Zeit lag alles noch voller Schnee und wir hatten das Glück gepachtet, denn einen Tag nach unserem Ausflug war wegen Lawinen die Straße gesperrt.
Heute hatten Schnee und Eis sich in ihrer wässrigen Gestalt als harmlos und hübsch präsentiert. Dort wo der Winter im Mai noch imposant die Begrenzung für den Straßenrand festgelegt hat, war heute alles grün und blühte. Und als wir gerade über den Kamm des Fjords drüber waren, begrüßte uns schon beinahe kitschig ein Regenbogen.

Hierhin verirrt sich kein Reisebus. Wer den Weg hierher antritt, weiß, dass ihn im Grunde nichts erwartet, außer friedlicher Natur. Die meisten Wasserfälle hier, haben weder Parkplätze noch einen irgendwie nutzbaren Zugang, um davor Fotos zu machen. Was es gibt, ist der Klifbrekkurfossar. Allerdings muss auch hier erstmal hinkommen. Es geht über einen kleinen Fluss und dann einen Weg entlang, wo keine zwei Menschen – in meinem Fall nicht mal zwei Beine – nebeneinander stehen können. Wenn man es trotzdem durchzieht, steht man für eine Weile im Paradies.

Ich hab auch einen Schnappschuss davon, wie der Weg aussieht und in was für einem Terrain man sich dort bewegt.

Sonne und Nieselregen lieferten sich nebenbei einen kleinen Wettkampf um unsere Gunst. Es blieb dabei durchgehend schön, nur eben manchmal etwas nass. Der guten Laune tat das keinen Abbruch.
Für uns ging es dann noch ein Stück in den Fjord, zu einem alten Schiffswrack der amerikanischen Navy. In den 60iger kam jemand auf die Idee, dass es clever wäre die schweren Bulldozer nicht um die Fjorde zu fahren sondern mit einem Landungsschiff zu transportieren. Nachdem das Ding binnen eines Jahres mehrfach beinahe gesunken wäre, wurde es beim letzten Retten einfach am Strand geparkt und da liegt es nun.

Über den Gipfeln der umliegenden Berge türmten sich aber so nach und nach mehr Wolken auf. Da wir in den letzten Urlauben so unsere Erfahrungen mit Wetterumschwüngen gemacht hatten, ging es für uns daher wieder in die Zivilisation zurück.
Wir landeten in Seyðisfjörður und sind schnurstracks zum Búðareyrarfoss. Dieser liegt einfach die Straße runter und wird von den meisten Touristen auch komplett ignoriert. Zugegeben, heute sah er auch nicht wirklich beeindruckend aus. Aber wenn man sich überlegt, dass hier ganzen Menschenherden per Kreuzfahrtschiff landen, würde man doch glauben, dass sich wenigstens eine handvoll Leute hierher verirrt. Aber außer uns, war da niemand. Mir war es sehr recht.

Und ja, das Wetter war wirklich so schön, wie es auf dem Bild aussieht. Wir haben den Spaziergang zum Wasserfall in T-Shirt gemacht. Island kann durchaus Sommer – wenngleich die Temperaturen mit 15°C natürlich erstmal anders klingen. Man gewöhnt sich schnell ans Klima und es ist durchaus angenehm.
Wir gingen dann vor Ort auch gleich noch eine leckere Backkartoffel essen. Danach fuhren wir aus der Stadt. Allerdings nicht weit, denn vor den Toren von Seyðisfjörður wartete bereits der Gufufoss auf uns.

Es war eine weitere Gelegenheit für mich mit der Drohne ein paar Aufnahmen zu machen. Wir sind nun schon mehr als eine Woche hier und ich konnte beinahe jeden Tag ein wenig fliegen. Das hatten wir in Island auch noch nie.
Wenn man das Haar in der Suppe suchen mag: Ich hatte mir extra für den Urlaub eine 2TB externe Festplatte besorgt, um Fotos und Videos abends immer gleich ordentlich sortiert zu speichern. Es sind jetzt nur noch 600GB frei und wir haben ja noch fast eine ganze Woche. Das wird wohl knapp werden. Aber hey, es gibt schlimmere Sorgen.
Ja und dann ging der Tag auch schon zu Ende. Nach einer Stunde Fahrt landeten wir auf der Straße 917 in einem Hotel, welches irgendwann vor 20 Jahren in der Zeit stehen geblieben ist. Aber das Bett ist gemütlich und das Zimmer geräumig. Wir werden also auch diese Nacht recht sicher gut rumkriegen. Morgen treten wir dann den Weg in den Süden der Insel an. Dort geht dann das Besuchen der großen Attraktionen los. Ich freue mich schon drauf.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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