Nett hier

Da kann man nicht meckern

Die größte Sorge heute ist, wie fasse ich das eigentlich alles zusammen? Als wären die letzten Tage nicht bereits randvoll mit Highlights gewesen, kam heute ein Tag, der sich nahtlos in die Kategorie „unvergesslich“ einordnen wollte. Spoiler: Er hat es (und uns) geschafft.

Eine grundsätzliche Regel im Sommer in Island ist, wenn du irgendwo mehr oder minder deine Ruhe haben möchtest: Sei vor 9 Uhr da. Danach kommen Reisebusse und vielleicht hast du trotzdem ein schönes Erlebnis – vielleicht aber auch nicht. Wir haben uns für heute vorgenommen, dass wir entlang des Fimmvörðuháls Trails ein Stück wandern. Theoretisch könnte man hier einen 3-5 Tagesmarsch übers Hochland machen aber ganz so verrückt sind wir dann doch nicht. Um den Trail aber eben nicht in Menschenmassen begehen zu müssen, waren wir zum Sonnenaufgang dort.

Es geht los…

Vor Ort wurden wir sofort von einem isländischen Trail-Komitee begrüßt.

Määäähr Gras

Die Regeln hier sind einfach: Friss den Schafen nicht das Gras weg, lass keinen Müll zurück, bleib auf den Wegen, hab eine gute Zeit. Auch hier kann ich spoilern – haben wir alles exakt so befolgt.

Ja und so geht man den Weg entlang und könnte alle paar Meter stehenbleiben und Fotos machen. Es ist malerisch. Jeder Schritt ist ein Privileg und die Natur einfach unbeschreiblich schön. Das die Sonne scheint, der Himmel blau ist und der Wind auch noch entspannt ist, hilft dabei natürlich.

Einer von Vielen

Ein kleiner Einwurf zwischendurch. Meine Frau und ich haben – wie das in einer Ehe nach 20 Jahren so ist, den ein oder anderen Knall. Eine Sache, die sich aus nicht-erklärbaren Gründen etabliert hat, ist ein Tanz. Wobei „Tanz“ schon wirklich sehr wohlwollend formuliert ist. Jedenfalls hat der Bewegungsablauf in Insiderkreisen den Namen „kackender Skifahrer“ und er wird vorzugsweise im Urlaub statt klassischer Posen für Fotos und Videos aufgeführt. Ich schieß das einfach mal vorneweg, damit das nächste Bild irgendwie verständlicher wird.

Beweisbild

Tatsache sind aber heute natürlich auch wieder viiiiele normale Bilder und Videos entstanden. Es war gar nicht so leicht, die Auswahl für den Blog zu reduzieren.

Läuft

Doch am Ende soll es hier ja auch kein minutiöser Tagesbericht werden sondern eine halbwegs kompakte Erinnerungsstütze für das Erlebte. Zu den Erlebnissen auf diesem Weg gehört auch, dass die Drohne mal kurzweilig in der Luft war und mich um ein paar schöne Aufnahmen bereichert.

Wasserchaos

Ich mag ja senkrechte Aufnahmen über Stromschnellen und Wasserfällen. Die Perspektive hat einfach was. Allerdings wäre es in dieser Umgebung wohl auch eher eine Herausforderung, kein schönes Motiv zu finden. Praktischerweise kann ich Dank der Drohne aber auch gut erklären, warum ich heute die Wasserfälle nicht benenne. Teilweise sind wirklich prachtvolle Exemplare keine 50m voneinander entfernt. Es gibt hier mehr Wasserfälle als Menschen.

Wasserfall neben Wasserfall

Nach knapp 5 Stunden standen wir dann wieder beim Ausgangspunkt. Dort wartete der Skógafoss auf uns. Auch hier – das reinste Bilderbuch. Im saftigen Grün, bei blauem Himmel, rauschte dieser wunderbare Wasserfall und erzeugte einen Regenbogen. Ich möchte dazu jenen Aufkleber zitieren, den wir heute bei einem Schild eines Wasserfalls sahen „Nett hier“.

Kann man nicht meckern

Damit war der Vormittag rum. Mittag gab es im Restaurant nebenan und gleichzeitig wurde der Plan geschmiedet, dass der Tag heute noch mehr bringen kann.

Luftlinie quasi nebenan, mit dem Auto aber doch 30 Minuten weiter, gibt es einen Berg namens Stora-Dimon. Einst der Ort, wo ich beinahe meine Drohne verloren hätte. Heute der Inbegriff von spannenden Farbwelten der Natur.

Meine Frau übte sich hier vor Ort in Nahaufnahmen. Wobei man wohl dazuschreiben muss, was genau sie fotografiert hat, weil man es sonst eher nicht erkennt.

Alienglibber oder…?

Und weil ich eh schon wieder viel zu schreibe, gibt es besser ein Bild, was die Gegend beschreibt.

Halb Fluss… halb… Alienglibber?

Es ist schon erstaunlich was das Wasser da treibt. Ich finde, es wirkt ein wenig, als hätte die Erde sich dort ein Tattoo machen lassen. Ein paar Kringel hier, eine verspielte Linie dort – es sieht so gar nicht zufällig aus und versprüht viel Ästhetik.

Ein paar Minuten und einen leeren Drohnenakku später, fanden wir uns beim Gluggafoss. Die alten Bloghasen wissen schon, dass das einer – wenn nicht DER – Lieblingswasserfall von mir ist. Und seht ihn euch an, kann man mir das verübeln?

Das Fenster im Grünen

In der kleinen Schlucht wartete ein Regenbogen auf mich. Bei knapp 23°C war die Gischt sehr erfrischend. In mir weckt dieser Wasserfall immer wieder die Lebensgeister. Ich klettere da auf eine Steine, geh am Wasser entlang, lass die Seele baumeln. Ein wunderbarer Ort.

Wie Zuhause

Hachja, da kam beim schreiben und Bilder gucken gerade noch mal die Dankbarkeit hoch, dass ich heute wieder dort sein durfte. Aber gut – wie ich mich vorhin räumlich vom Gluggafoss trennen musste, so muss ich es jetzt textlich. Wir haben schließlich noch mehr erlebt.

Unsere Reise führte uns zum Þjófafoss. Falls ihr den Namen mal aussprechen wollte: Einfach richtig hart ein f oder englisch th nuscheln und dann ofafoss. Eigentlich ganz einfach oder?

Nachdem wir die letzten Tage immer mal wieder feststellen mussten, dass so manch ein Wasserfall weniger Wasser führt, hatte ich angenommen, uns würde eher ein Wasserfällchen erwarten. Aber Pustekuchen!

Hier geht’s rund

Selbstredend ist dieser Wasserfall auch wieder mit einer wahnsinnigen Landschaft drumrum gesegnet. Man hat die Wahl ob man die gründe Umgebung auf dem Bild haben will, einen stolzen Berg oder doch gleich einen Gletscher im Hintergrund. Auch heute sind (wen wundert es) wieder hunderte Bilder und Videos entstanden. Eins schöner als das andere.

Als nächstes fuhren wir eine wirklich äußerst fragwürdige 2er Strage entlang. Ich bin schon bessere F-Straßen gefahren. Diese 2er Straße bestand nur aus Rillen. Man fühlte sich weniger in einem Auto sondern eher wie in einem Vibrator auf rädern. Alles klappte, zitterte und vibrierte und das knapp 25km lang.

Mit leicht zittrigen Händen kamen wir dann beim Hjálparfoss an. Nur um dort dann aber zu sehen, dass mehrere Wege und die Aussichtsplattform abgesperrt waren. Dort standen zwei Frauen, die gerade scheinbar das Holz neu streichen wollten.

Als wir uns näherten, winkten sie uns gleich, wir sollten außen rumgehen. Nun, außen ist Wasser – wir fragten dann noch mal kurz nach und man gestattete uns, dass wir über die Wiese tapern und so zum Wasser gelangen.

Hjálp – I need somebody

Wir fanden ein schattiges Plätzchen und genossen diesen herrlichen Anblick. Nach ein paar Minuten kam dann aber doch wieder Aufbruchsstimmung, Schließlich ist der Tag immer noch nicht zu Ende.

Die Straße runter ist nämlich noch Gaukshöfði. Hier kann man ewig weit ins Tal schauen und am Horizont die Gletscher sehen.

Wieder eine Postkarte

Oder – man stellt sich hin und macht wirre lustige Figuren aus Schatten.

Der vierarmige Discotänzer

Unser letzter Stopp des Tages sollte dann der Seljalandsfoss werden. Vermutlich der meistbesuchte Wasserfall Islands. Aber da wir erst gegen 19.30 Uhr da waren, hielt sich der Ansturm in Grenzen.

Goldenes Licht

Und was soll ich sagen? Ein niedrigstehende Sonne sorgte für atemberaubende Farben und einen herrlichen Ausklang des Tages. Wir sind zwar nicht hinter den Wasserfall gegangen aber waren auch so sehr zufrieden mit unserem kleinen Besuch.

Pünktlich zur Heimfahrt legte sich dann eine Wolkenschicht wie eine Decke über Island. Teilweise war es schon beinahe unheimlich, wie auf einmal alles in ein Grau versank. Doch Sorgen mussten wir uns nicht machen, denn die Sonne passte dann letztlich trotzdem noch auf uns auf.

Sonne in der Wolke

Was war das wieder für ein Tag? Völliger Wahnsinn wie viel Glück wir mit echt allem hier haben. Morgen soll das Wetter wieder schön werden und wir werden wohl wieder viel erleben. Für übermorgen ist dann starker Regen angesagt. Lasst uns also schauen, das wir aus Morgen das Beste rausholen.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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