Island ohne Ende… oder?

Der vorletzte Tag

Wenn wir dem Sprichwort glauben geschenkt hätten, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist – wir wären wohl an Tag zwei schon umgekehrt und nach Deutschland zurück. Jeder Tag ist ein Genuss und auch der heutige Tag reiht sich nahtlos in die Liste der wunderbaren Momente ein.

Ich spürte Tatendrang, als ich heute früh wach wurde. Morgen verheißt uns der Wetterbericht nichts Gutes. Aber heute – heute soll noch mal die Sonne scheinen und es wäre doch gelacht, wenn wir da nichts draus machen,

Das große Ziel war der „Golden Circle“. Von hier sind das etwa 2 Stunden Autofahrt. Ein Klacks, bedenkt man, was wir die Tage zuvor schon an Kilometern abgerissen haben.

Nach gut einer Stunde Fahrt fanden wir uns bei einer Baustelle wieder. Dort stand ein ein digitales Display mit viel Text (natürlich auf isländisch) und ein unmotivierter Pfeil auf einem Schild mit dem Schriftzug „Detour“ (Umleitung). Na gut, dann fahren wir wohl eine Umleitung. Diese führte uns direkt zu einem Highlight, was wir irgendwie auch noch im Tag unterbringen wollten, bislang aber gar nicht recht wussten wie. Der Zufall meint es also auch gut mit uns.

Árbæjarfoss

Da durch die Umleitung relativ viele Fahrzeuge sehr nah an dem Wasserfall vorbeigeleitet wurden, hatte ich schon befürchtet, wir wären hier heute mal nicht ungestört. Aber was soll ich sagen – menschenleer. Es war ein guter Start.

Der nächste Halt war der Faxi. Ein hübscher Wasserfall und nachdem ich neulich gelernt habe, dass es eine „Angler Straße“ gibt, finde ich nur noch Schilder, die darauf hinweisen, wo überall geangelt wird. Der Faxi ist ein sogenannter Laxá also ein Fluss, der Lachse beheimatet. Ich habe ehrlicherweise keine gesehen. Wohl aber Angler, die vermutlich mehr Ahnung von Fischen haben und deswegen wird es sicherlich Lachse geben.

Mehr Blumen als Lachs

Mir soll es gleich sein. Ich stand dort, die Sonne schien mir ins Gesicht und meine Frau produzierte einmal mehr Hochglanzbilder von mir.

Ein Mann wie ein Fels… oder so 😉

Und dann war es auch schon soweit. Wir kamen beim Strokkur an. Mein persönliches Highlight im ganzen Golden Circle. Das Wetter war immer noch prima. Der Himmel hat ein paar wenige Wolken aber es dominierte ganz klar das Blau. Perfektes Wetter, um die emporschießende Säule des Geysir zu bewundern.

Ich stand wie angewurzelt da und bestaunte eine Eruption nach der anderen. Spannenderweise dreht der Wind immer mal wieder und so geschah natürlich auch das, was passieren musste. Ich habe im Geysir geduscht. Ich war sehr glücklich damit. Ich versuch das mal per Slideshow darzustellen.

Das ganze Areal ist im Grunde kochende Erde. Wenn man anfängt darüber nachzudenken, möchte man am liebsten möglichst schnell und möglichst weit weg. Dann schießt die nächste Dampfwolke meterhoch in den Himmel und man vergisst alle Sorgen. Man ist manchmal so leicht abzulenken…

Wie dem auch sei. Der nächste Halt auf unserer Tour durch den Golden Circle sollte der namensgebende Wasserfall – Gullfoss werden. Als erstes möchte ich den Humor der isländischen Verkehrsführung erwähnen. Ich fuhr mit 90km/h auf einen Parkplatz zu. Keine Möglichkeit zum wenden und dann so ein kleines Schild „Ach übrigens, hier nur Busse und Behindertenparkplätze“. Ich ahnte bei dem Umleitungsschild vorhin schon, dass Autofahren hier ganz eigene Tücken haben kann. Aber gut – dann wende ich eben auf einem Behindertenparkplatz und fahr zu einem anderen Parkplatz – gar kein Problem.

Der Gullfoss ist es nämlich durchaus wert, dass man auch mal einen kleinen Extraweg fährt. Es fällt sehr viel Wasser über mehrere Kaskaden und teilweise in echt wildem Getöse. Dazu gesellte sich einmal mehr der blaue Himmel und Dank der Gischt auch der ein oder andere Regenbogen. Kurzum – ein weiteres Postkartenmotiv made in Island.

Der goldene Fall

Aber wenn hier ein Parkplatz ausschließlich für Reisebusse reserviert wird, ahnt ihr sicherlich, wie voll es ist. Und genau so voll ist es auch. Man kommt trotzdem dazu seine Fotos zu machen und wir hatten auf jeden Fall auch eine gute Zeit. Menschenleer gibt es hier indes so gar nicht.

Beim Ægissíðufoss dagegen, da ist man recht sicher sehr allein. Und das obwohl die Straße dort gemacht wurde. Sie ist immer noch holprig aber mittlerweile passen in die Schlaglöcher keine Mehrfamilienhäuser mehr.

Entlang des Flusses

Und was mache ich, wenn ich allein an einem schönem Fleckchen Erde stehe? Richtig, ich packe die Drohne aus und schau mir das ganze auch noch aus der Vogelperspektive an.

Ægissíðufoss von oben

Apropos Vogelperspektive (mein Gott, was für elegante Brücken zwischen den Absätzen) – als nächstes kamen wir zu Dyrhólaey. Normalerweise hausen hier die Puffins. Leider sind diese aber schon vor gut einer Woche wieder abgereist. Von daher sahen wir primär Möwen und andere Vögel, die ich nicht bestimmen kann.

Möwe von unten

Ja, okay – die Möwe könnte auch genau so gut an der Ostsee fliegen. Am Himmel sehen die Viecher ja irgendwie doch immer alle gleich aus. Deswegen zeig ich euch nun lieber mal ein Bild, welchen Ausblick man von Dyrhólaey hat.

„The bridge“ und daneben „The Arch“

Und auch hier bestand der Löwenanteil meiner Aufgabe darin, irgendwie in der Gegend rumzustehen und mich über mein Dasein zu freuen, damit meine Frau eine Herausforderung für die Fotos hat. Schöne Natur knipsen kann ja jeder. Mich da sinnvoll zu integrieren, muss man erstmal können.

Ich im Gegenlicht

Wir näherten uns dann langsam unserem Tourende. Wie bestellt, zeigte sich Island noch mal in all seiner Pracht. Selbst die Bergspitzen der Gletscher kamen noch mal zum Vorschein und ließen sich fotografieren.

Grün, weniger Grün, Eis

Der letzte Halt heute war einer der berühmtesten Strände Islands. Der Black Sand Beach oder Reynisfjiara. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich schwarze Strände mittlerweile als mehr oder minder gottgegeben einfach so hinnehme. Die Schönheit kommt dann eher durch die raue See oder die Basaltsäulen. Als ich dann aber am Strand stand und hörte, wie die Wellen den vulkanischen Steinsand umspülten… es ist schon was besonderes.

Zwei Trolle

Tja und dann war der Tag auch schon fast zu Ende. In unserem Hotel gönnten wir uns noch ein Abendessen und während ich diese Zeilen tippe, packt meine Frau schon mal die Koffer so um, dass wir morgen wenig bis gar nichts damit zu tun haben werden,

Morgen soll, wie beschrieben, das Wetter leider sehr sehr nass werden. Ich bin dennoch überzeugt, dass wir einen würdigen Abschluss für diesen Wahnsinnsurlaub finden werden.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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