Von Fahrten und Fähren
Einmal wollten Arbeitskollegen und ich in Erfurt zusammen in ein Restaurant. Der Weg dorthin hätte eigentlich 5 Minuten gedauert. Blöderweise bin ich vorgegangen und die anderen dachten, ich wüsste was ich tue. Wir haben seiner Zeit viele Seitenstraßen kennengelernt.
Ich könnte gerade nicht genau sagen, wo in Norwegen ich bin und wo ich heute überall war. Ich steige in ein Auto. Ich fahre los. Ich staune – ich fahre weiter und wieder von vorn.
Unser Tag begann jedenfalls mit ganz gutem Wetter. Nachdem wir gestern Abend Nudeln mit Tomatensauce hatten, planten wir, dass das Frühstück irgendwo unterwegs stattfinden könnte.

Und ganz so planlos, wie am Anfang beschrieben, bin ich dann vielleicht auch nicht immer. Schließlich kann ich sagen, dass wir beim gleichen Wasserfall anhielten, wie gestern Abend.

Gefühlt kam heute schon mehr Wasser runter als gestern. So oder so waren wir ganz allein dort. Selbst der Souvenirladen nebenan hatte noch geschlossen. So kann der Tag doch starten.
Als nächstes fuhren wir dann zu einem Pass, den meine Frau mit den Worten einleitete „da dürfte wieder Schnee liegen“. Ja – war dann auch so.

Je höher wir kamen, desto mehr fing es an zu schneien. Ich bin übrigens der Meinung, dass die deutsche Sprache hier diverse Lücken aufzeigt. Denn es schneit ja nicht immer gleich. Wir müssten viel mehr differenzieren. Zum Beispiel die Intensität oder die Sichtweite oder die Flockengröße. Heute war es stürmisches Klarsicht-Schneegestöber. Das sieht etwa so aus.

Wenn das Auto mal stand, konnte man sofort sehen, wie der Schnee uns begraben möchte. Gleichzeitig konnten wir teilweise kilometerweit gucken. Auf jeden Fall war das eine Verbesserung zum weißen Schneechaos von gestern.
Irgendwann ging es dann bergab – also, wortwörtlich. Dabei bildete die Straße gerne genau die Trennlinie zwischen dem okayen und dem nicht-so-gutem Wetter. Das war spannend zu sehen und sehr entspannend zu fahren.

Als ungeplantes Highlight fanden wir dann kurze Zeit später einen kleinen Parkplatz, der uns einen Blick ins Tal und den Fjord spendierte.

Ich weiß was ihr jetzt denkt -“ WOW!“ und da habt ihr absolut recht. Norwegen ist ein geiles Land. Es schenkt uns solch tolle Eindrücke und gleichzeitig ist es so, dass das hier für uns alles neu ist. Dadurch kriegt man auch immer wieder das Gefühl, dass man auch ein stückweit herausgefordert wird und seine Grenzen besser justiert.
Das klingt so nach hochdramatischen Dingen aber ich rede eher von den kleinen Aufregungen des Urlaubsalltags. Als wir zum Beispiel im Tal ankamen, war die Aufgabe, dass wir zur Fähre müssen die uns nach „Hella“ bringt. Ich bin in meinem Leben exakt einmal auf eine Fähre gefahren und das war an der Ostsee. Irgendwo in Norwegen an einem Fjord stehen, ist im Themenbereich „Fähre“ anders aufregend.

Die Fährfahrt war dann eigentlich unspektakulär. Zumindest dann, wenn man wohl Norweger ist. Für uns war es das pure Adrenalin. Etwa 20 Minuten tängelten wir in einem norwegischen Fjord zwischen den schneebedeckten Bergen einem Ufer entgegen. Es war sehr aufregend.
Auf der anderen Seite angekommen stellten wir fest, dass Norweger zwar problemlos kilometerlange Tunnel bauen können aber zweispurige Straßen haben sich noch nicht überall durchgesetzt. Und wenn es sie doch mal gibt, dann haben Sören, Björn und Einar vom norwegischen Bautrupp leider vergessen bei Naturhighlights auch mal einen Parkplatz zu bauen.
So fährt man eben einfach an 100m hohen Wasserfällen vorbei und kann bestenfalls aus dem Auto winken.

Offen gesprochen dachte ich zu dem Zeitpunkt, dass der Tag nun weiter im satten Grün und geprägt von Wasserfällen weitergehen wird. Doch Norwegen hatte andere Pläne. Es dauerte keine halbe Stunde und uns wurde sehr glaubhaft versichert, dass wir heute noch nicht mit dem Thema Schnee durch sind.

Immerhin ergab sich dabei dann aber mal die Gelegenheit, dass ich meine Drohne auspacke und einen halbeingefrorenen See knipse. Hatten wir so ja auch noch nie.

Ich kann leider immer noch nicht genau sagen, wo wir dann eigentlich langgefahren sind und wo genau wir am Ende standen. Was ich jedoch berichten kann ist, dass es wieder den Blick in einen Fjord gab und wieder war es wunderschön.

Wer nun denkt, dass der Winter hier schon wieder vorbei war – weit gefehlt. Meine Frau schaffte es sogar, dem Ganzen noch einen drauf zu setzen. Wir wanderten durch halbgefrorenen Schnee zu einem Gletscher… denk ich.

Man steht dann vor diesen Bergen und sieht dort in luftiger Höhe tonnenweise Eis und Schnee. Immer mal wieder kam der Gedanke hoch „Was machst du eigentlich, wenn das jetzt runterfällt?“ und da sämtliche Antworten wohl dazu führen würden, dass ich diesen Blog nicht mehr schreibe, vertiefen wir sie an dieser Stelle nicht weiter. Fakt ist: Auch hier kriegt Norwegen den Stempel „beeindruckend“.
So langsam ging unser Weg dann zum Hotel. Wieder gesellten sich atemberaubende Ausblicke zu uns und veredelten einen bereits ereignisreichen Tag.

Unser Hotel in Innvik liegt direkt am Wasser. Während ich diese Zeilen tippe, kann ich zur Rechten aus dem Fenster schauen und sehe wieder schneebedeckte Berge und davor tiefes welliges Fjordwasser. Es ist wunderschön und ich glaube, dass dieser Ort mindestens in die Top 5 meiner besten Blogschreibeorte kommen kann.
Morgen geht unsere Tour weiter in der Geirangerfjord. Weltnaturerbe und Prunkstück des norwegischen Tourismus. Die Erwartungen sind hoch. Morgen Abend möchte ich geflasht vom Tag sein. Ich bin aber auch guter Dinge, dass Norwegen diese Challenge spielend meistern wird.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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