Was will man mehr
Diese Zeilen entstehen unter dem Einfluss von Aperol. Insider wissen, ich liebe Bademäntel. Etwas angetüdelt sitze ich also gerade im Wohlfühloutfit hier und schreibe einen Blog. Es soll schon schlechtere Tage gegeben haben. Doch wie immer – von vorn.
Der Tag begann um 7.30 Uhr für mich. Scheinbar werde ich auf meine alten Tage doch noch zum Langschläfer. Die Sonne lachte über einen spiegelglatten Fjord. Im Hotel gab es noch Frühstück und wenngleich die ein oder andere Wolke dann doch herbei eilte – es blieb freundlich als wir uns aufmachten, diesen Tag zu erleben.

Die erste ehrenhafte Erwähnung des Blogs sei Harald gewidmet. Einst teilten wir uns ein Büro. Heute wohl die Begeisterung für Norwegen. Er war es jedenfalls, der mir schrieb, dass ich nicht weit weg vom Briksdalsbreen bin. Dort gäbe es eine Schaukel und auch sonst viel zu sehen. Meine Frau prüfte das, stellte fest – ist wirklich nur 40 Minuten weg und schwupps hatten wir unser erstes Ziel.
Auf dem Weg dorthin kommt man an Olden vorbei. Ich denke „verschlafenes Nest“ trifft es hier ganz gut als Beschreibung. Wir fanden in Olden eine kleine Brücke und sowas, wie eine Stromschnelle.

Für eine Weile gehörte das alles uns. Gerade als wir zufrieden mit uns und unseren Fotos waren, kam gerade ein Bus, der dort parken wollte, wo wir noch standen. Mit so vielen Menschen dort, wollten wir sowieso nicht bleiben – also ging es schnell weiter.
Beim Briksdalsbreen fanden wir dann als erstes einen dünnen aber hohen Wasserfall.

Danach war es so, dass wir die Reisebusse schon gar nicht mehr zählen konnten. Ganze Menschenmassen fluteten den Gletscher. Zwar meinte Harald, die wenigstens gehen zu Fuß und am Ende verläuft es sich dann… wir hatten dann aber doch eher keine Lust zwischen so vielen Menschen spazieren zu gehen. Wir fuhren kurzerhand also zurück und machten uns auf die Suche nach Plätzen, wo wir etwas ungestörter sind.
Den ersten dieser Plätze sollten wir noch auf den Rückweg nach Olden finden. Auf einem kleinen Parkplatz hatten wir ein tolles Panorama.

Es sei hier kurz angemerkt, dass ich wirklich gern die Ortsnamen immer dazuschreiben wollen würde. Aber… ich sitze eh schon immer eine Stunde vor so einem Blog. Wenn ich jetzt noch jedesmal meine Frau frage, wie die Orte hießen, werde ich gefühlt nie fertig. Wir werden wohl oder übel also damit leben müssen, dass ich beim nächsten Ort sowas schreibe wie…
Wir kamen nach einer Weile zu einer Brücke. (Ja, ich weiß – die Präzision, der Detailreichtum, die Genauigkeit meiner Beschreibungen… unübertroffen). Es war eine alte und schöne Brücke (hilft immer noch nicht, oder?)

Meine Geschichte zu dieser Brücke ist irgendwann vielleicht lustig – heute war sie eher schwierig. Ich habe es nicht sonderlich mit Höhen. Mir wird schnell schwindelig und das bisschen Gleichgewicht was ich habe, kippt schon um, wenn ich nur mal zu schnell den Kopf von einer Seite zur anderen drehe.
Aus irgendeinem Grund hatten meine Frau und ich den Gedanken, dass es sicherlich ein hübsches Foto wäre, wenn wir beide die Beine übers Geländer baumeln lassen….
Also saß ich da – erste Bein übers Geländer – kein Problem. Zweite Bein übers Geländer – Hey, das klappt ja auch noch. Dann ging mein Blick kurz nach unten, sah meine Beine… dann ein paar Meter nichts. Und mein Kopf war der Meinung – wenn du Blödsinn machst – mach ich jetzt auch welchen. Mir wurde so arg schwindelig und schwummerig, dass ich nur noch irgendwie in Sicherheit wollte. Sicherheit hieß in diesem Fall – nach hinten und damit auf die Brücke kippen und nicht nach vorn.
Die Lichter blieben Gott sei Dank an aber wisst ihr, was das dümmste an der ganzen Geschichte ist? Die Kamera war nicht mal an – ich hab diese Nahtoderfahrung auch noch völlig umsonst gemacht. Tja, so kann’s gehen. Immerhin eine Urlaubsgeschichte reicher.
Nachdem sich Kreislauf und Kopf wieder stabilisiert hatten, fuhren wir weiter. Irgendwann wollten wir ja noch nach Geiranger. Dazwischen lagen aber noch einige Kilometer und mindestens zwei Fährfahrten. Außerdem – viele beeindruckende Ausblicke. So wie dieser:

Bei der Fähre habe ich heute gelernt, dass die Autos spaltenweise und nicht reihenweise reingelassen werden. Als ich so als einziger in Spalte 2 stand und sah, wie etwa 10 Autos aus Spalte 1 an mir vorbeifuhren, erschien mir das irgendwie auch sinnvoll.

Aber hey, wer in der Fähre hinten steht, kommt auch nicht später auf der anderen Seite an, als alle anderen. Wir waren heute auch schon so routiniert auf der Fähre, dass wir während der Fahrt ein wenig über Deck spazierten und die Aussicht genossen.
Als nächstes landeten wir dann in Sylte. Hier sei der Dank an Henning und Julia gerichtet, die uns einerseits Norwegen so allgemein schmackhaft gemacht haben, diesen konkreten Ort aber im speziellen dann auch noch mal besonders hervorgehoben haben.
Als kleine persönliche Challenge durfte ich für Henning ein Foto bei der Grenze zwischen ELV und SJÖ machen. Fragt mich jetzt bitte nicht, wofür ELV und SJÖ stehen. Das Foto sah dann so aus:

Fürs Fototagebuch gibt es natürlich auch noch ein ordentliches Bild.

In Sylte ist die Welt noch in Ordnung. Man schaut aufs Wasser, man hat die Berge um sich. Die Sorgen der Welt sind für eine Weile ganz weit weg.
Für uns war das aber auch nur ein Zwischenstopp. Von Sylte aus sollte es dann noch weitergehen in Richtung Geiranger. Das bedeutet – wieder Fähre fahren. Dieses mal stiegen wir nicht mal mehr aus. Es dauerte also nur drei Fährfahrten, bis Fährfahrten zur Routine wurden. Einzig besonders bei dieser Fähre, die gesamte Nase des Schiffes klappte hoch, um die Autos raus- und reinzulassen. Das war schon noch spannend zu sehen.

Ja und dann waren wir auf den letzten Metern nach Geiranger. Zuerst stoppten wir aber noch bei einem kleinen See.

Man weiß ja grob, worauf man sich einlässt, wenn man ein Hotel im Geirangerfjord bucht. Trotzdem glaube ich, dass wir heute verdammt glücklich sein dürfen. Das Wetter war so, dass man immer wieder im T-Shirt draußen rumlaufen konnte. Die Sicht… kilometerweit klar. Was will man hier mehr?
Es hat seinen Grund, warum der norwegische Tourismus den Geirangerfjord überall zeigt. Es ist einfach unfassbar schön hier.

Und so schlängelten wir uns noch die letzten Kilometer den Berg hinab und kamen zu unserem Hotel. Auch hier gehen noch mal Grüße an Henning und Julia raus, die es freundlicherweise in ihren Flitterwochen für uns getestet und für sehr gut befunden hatten.
Und die beiden haben schon Geschmack (siehe ihre Freunde – höhö). Unser Ausblick aus dem Hotelzimmer ist dieser:

Im Hotel selbst gibt es zwei Restaurants und ich darf gerade mit Fug und Recht behaupten, dass wir uns erfolgreich kugelrund vollgefuttert haben. Dazu gesellte sich der eingangs erwähnte Aperol.

Und während die Nacht allmählich über den Fjord hereinbricht, schreibe ich diese letzten Zeilen des heutigen Tagebuchs. Das Leben kann schon wirklich schön sein.
Habe die Ehre
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