Sommer in Norwegen
Als der Tag begann, war die Welt noch in Ordnung. Nun in den Abendstunden, ist der Tag auch wieder in Ordnung. Dazwischen sollte eine ereignisreiche Zeit liegen, von dem ich nun berichten möchte.
Heute mussten wir den Weg aus den Geirangerfjord antreten. Nach dem Frühstück ging es erstmal den schweren Gang zur Rezeption, die angefallenen Kosten zu begleichen. Damit wäre der ekligste Part des Tages aber immerhin auch gleich geschafft.
Bei der Ausfahrt aus dem Fjord gingen wir noch einmal zu einem Aussichtspunkt und verweilten ein wenig.

Ich würde jedem wünschen, so einen Ort mindestens einmal live zu erleben. Denn auch wenn man einerseits demütig sein darf, sowas überhaupt zu sehen – es hat etwas erhabenes und majestätisches so ein Panorama aufsaugen zu dürfen. Ich behaupte, solche Momente veredeln das Leben.
Unser nächster Halt sollte der Bergsee werden, bei dem wir auch bereits auf der Hinfahrt hielten. Heute war es beinahe windstill und der See damit spiegelglatt. Sehr zur Freude meiner Frau, die dadurch eine perfekte Gelegenheit fand, den Berg plus seine Reflektion einzufangen.

Als wir hier so saßen und die Ruhe genossen, dröhnte es auf einmal. Ich würde das Geräusch so beschreiben, als ob ein Kipplaster über eine Kopfsteinstraße fährt. Es rumpelte und knallte… doch, da kam kein Lastwagen. Stattdessen sahen wir am Berg, wie auf einmal Steine und Geröll mit einem Getöse nach unten rauschten. Wir (und auch die paar wenigen Häuser am See) waren Gott sei Dank weit genug weg. Die Staubwolke legte sich relativ schnell und auf einmal war es still, ruhig und friedlich. Natur ist schon unheimlich manchmal.
Eher fasziniert als eingeschüchtert zogen wir weiter. Wir wollten mit einer Fähre die nächste Etappe überbrücken und hatten dabei das Glück, dass jene Fähre gerade schon da stand. Ohne Wartezeit ging es also direkt wieder übers Wasser. Das ist nun unsere vierte Fährfahrt in kürzester Zeit gewesen. Die Aufregung der ersten Fahrt ist weit weg. Wie am Ende der Fahrt so ein Schiff aufklappt, bleibt indes faszinierend.

Unsere Fahrt ging dann (wie immer) durch eine malerische Landschaft. Wenn wir die letzten Tage schon dachten, dass das Wetter gut ist – heute sprang das Thermometer auf Zahlen oberhalb der 20°C-Marke. Wir hatten damit einen spannenden Mix aus Winter und Sommer.

Je weiter wir fuhren, desto grüner wurde es auch um uns herum. Ich muss sagen, dass hat mir heute sehr gut gefallen. Es war wirklich sattes, saftiges Gras zu sehen und die Bäume strahlten auch um einiges mehr in der Sonne.

Irgendwann meldete sich dann meine Frau zu Wort – Pipipause war gewünscht. Als wir einen passenden Parkplatz fanden, fragte meine Frau nach der Kreditkarte. Diverse Toiletten sind hier zu bezahlen und von daher war die Frage an dieser Stelle legitim.
Joa, und dann blickte ich ins Portmonnaie – Kreditkarte weg.
Ihr kennt diesen Moment der Panik, oder? Karte weg und AAAAAHHHH – dann greift man in die Hosentasche und schmunzelt darüber, wie dumm man doch ist. Nur, dass in meiner Hosentasche keine Kreditkarte war. Auch nicht in der anderen Tasche. Auch nicht im Pullover… auch nicht in der Jacke… die Kreditkarte war weg. Verdammt!
Ich schnappte mein Handy und rief bei der Tankstelle an, bei der wir vor einer guten Stunde getankt hatten. Dort hatte ich die Karte noch. Vielleicht hab ich sie an der Zapfsäule verloren? Der Tankwart ging ans Telefon und war so nett und schaute nach – aber nichts. Er hätte nun meine Nummer und meldet sich, falls jemand die Karte abgibt. Das klingt zwar irgendwie hilfsbereit aber wer nimmt eine Kreditkarte mit und gibt sie erst viel später wieder am Fundort ab?
Mir schossen zig Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Die Karte sollte erstmal sofort gesperrt werden… wie tanken wir den Mietwagen jetzt weiter? Brauche ich die Karte noch fürs letzte Hotel? Wie viel Geld würde ein böser Mensch wohl binnen einer Stunde mit einer Kreditkarte ausgeben können?
„ICH HAB SIE!“ hörte ich es dann auf einmal vom Rücksitz rufen. Meine Frau fand die Karte unterhalb unserer Beutel. Scheinbar hatte ich sie wirklich im Pullover gehabt und da ich diesen recht unbedacht irgendwann auf die Rückbank warf, machte sich die Karte vermutlich aus Trotz erstmal unauffindbar. Mir fielen tonnenweise Steine vom Herzen. Danach stellte sich raus: Die Toilette war nicht zu bezahlen.
Auf der Habenseite – wir standen dann immer noch auf einem Parkplatz mit sensationellem Blick. Wir konnten daher nahtlos an die schönen Seiten des Urlaubs anknüpfen.

Der Schreck um die Kreditkarte war ähnlich schnell vergessen wie der Erdrutsch heute Früh. Das ist ein Satz, den ich auch recht sicher noch nie so gesagt oder geschrieben habe.
Unsere weitere Fahrt führte uns dann zu ein paar Aussichtspunkten. Ähnlich wie in Island, fahren irgendwie sehr viele Menschen an den Stellen vorbei, wo meine Frau und ich anhalten. Fairerweise sind die Beschilderungen in Norwegen aber auch echt ausbaufähig. Gern hat man 80km/h auf dem Tacho und sieht dann aus dem Nichts neben sich das Schild „hier wäre es schön gewesen – Schade, dass du die nächsten 10km nicht wenden kannst“. Insofern mag es sein, dass viele Leute unfreiwillig einige Naturschauspiele verpassen. Wie dem auch sei – wir fanden zum Beispiel Wasserfälle.

In diesem Fall sogar ein Lauf an Wasserfällen, der durch diverses Geäst etwas sehr malerisches in meinen Augen bekam. Beispielbilder habe ich selbstredend dabei.


Kurze Zeit später fanden wir einen Rastplatz, auf dem erstaunlich viel Schnee lag. Aus Gründen, die sich nur schwer mit den Worten Vernunft oder Achtsamkeit verbinden lassen, laufe ich bei sowas gern mal stumpf los. Im Ergebnis passiert dann sowas:

Aber hey, ich stand in Island auch schon bis zum Knie in Modder – da stört mich Schnee am Schienbein wenig. Zumal immer noch über 20°C waren und die Abkühlung gar nicht so ungelegen kam.
Bei dem Schneeplatz gab es übrigens auch Wasser. Das fand ich auch wieder sehr schick. Dieser Kontrast zwischen „Ich stehe im T-Shirt da und vor mir liegt Schnee“ hat etwas sehr unterhaltsames.

Und was machen erwachsene Menschen, wenn sie im angehenden Sommer Schnee finden? Richtig! Eine Schneeballschlacht!

Habe ich bei der Schneeballschlacht einen Ball direkt in den Schuh meiner Frau geworfen? Vielleicht. Habe ich, als sie sich gerade den Schnee aus dem Schuh holen wollte, genau ihren Nacken mit einem weiteren Ball getroffen? Womöglich. Bin ich daher eindeutig Sieger dieser Geschichte? Auf jeden Fall!
Es sollte dann langsam zu unserer Unterkunft gehen. Heute sind wir irgendwo im Nirgendwo. Das las sich auf AirBnB alles ganz nett und sah auf den Bildern gut aus. In der Realität stellte sich dann raus, ist das Nirgendwo sehr treffend beschrieben gewesen. Die Hütte selbst wirkte vor Ort um einiges größer, als auf den Bildern.

Dank vollausgestatteter Küche gab es dann Lachs und Nudeln zum Abendbrot. Während man vor dem Herd stand, gab es also gutes Essen. Wenn man sich umdrehte, gab es den Ausblick….

Morgen ist dann im Grunde schon der letzte Tag. Am Samstag werden wir in aller Früh zurück nach Deutschland fliegen. Aber lasst uns jetzt noch nicht vom Rückflug reden. Zwischen uns und Oslo liegen mindestens noch 3,5 Stunden Fahrt und mit Sicherheit gibt es auf dem Weg auch wieder einiges zu entdecken. Ich freu mich drauf.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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