Steinwasserweitwurfmeisterschaft in Norwegen
Tja, so kann es gehen. Neulich noch aufgeregt und voller Vorfreude gewesen. Heute immer wieder die Stimme im Ohr, die flüsterte „Morgen geht’s wieder nach Hause.“ Obligatorisch war der Urlaub natürlich zu kurz. Selbstredend wären wir gern länger hier geblieben und auch völlig klar ist: Es gäbe noch unendlich viel mehr in Norwegen zu erleben und zu entdecken. Das Phrasenschwein sollte an dieser Stelle also genug gefüttert sein.
Für diesen Urlaub nähern wir uns der Zielgeraden. Heute bestand der Tag weitestgehend daraus, dass wir die Reise gen Oslo Gardermoen antraten. Wir hatten dabei das Wahlmodell, ob wir stumpf Autobahn fahren und damit schnellstmöglich ankommen oder – und ihr ahnt wofür wir uns entschieden haben – versuchen Wege mit besonders schöner Landschaft abzufahren. Auf geht’s.
Beim ersten Halt darf man sich berechtigt fragen, ob meine Frau mich noch liebt oder subtil versucht mich loszuwerden. Da war eine Brücke. Vor der Brücke erstmal ein Warnschild.

Ja okay, ich wollte nicht Bungee jumpen. Ich bin keine 10 Personen. Und für mich ist es auch das Selbstverständlichste, dass ich die Brücke nicht irgendwie zum schwingen bringen. Das Problem bei der Sache war aber: Die blöde Brücke vibrierte schon beim leisesten Mückenpups.

Beim Speedboot nannte mich der Einweiser einen „Big Boy“ und klar, es gibt sicher viel dickere Menschen als mich aber auch viel schlankere – wie zum Beispiel meine Frau. Und während bei mir die Brücke bebte und wackelte, konnte sie grazil wie eine Elfe drüber hüpfen.
Ich weiß nicht wie es euch so geht, aber ich starte meinen Tag nicht so gern mit dem Gedanken daran, durch eine Brücke in frostiges Wasser zu fallen. Die Aussicht vom Rand der Brücke war aber fairerweise auch sehr schön. Insofern lass ich das als guten Start in den Tag gelten.
Beim nächsten Stopp stand ich dann auf relativ festen Boden. Wir kamen an ein Gewässer mit kleinem Steinstrand. Die Männer werden mich verstehen. Wenn man am Strand ist, buddelt man entweder ein Loch oder man wirft Steine ins Wasser. Ohne Schaufel entschied ich mich entsprechend für zweiteres. Kleckerburg bauen wäre übrigens auch noch akzeptabel gewesen – ging an dem Strand nicht wirklich.

Als wir weiter fuhren, wurde es mehr und mehr wieder winterlich. Irgendwo in einem Wald hielten wir dann zum Frühstück an. Heute bescherte uns die kulinarische Urlaubsküche: Selbstgemachte Hotdogs.
Meine Frau fragte dann nach einer kurzen Inspektion der Umgebung. „Hast du Lust hier ein bisschen zu fliegen?“ Ja, hab ich tatsächlich. Unweit vom Rastplatz und den Bäumen durchzog ein noch teilweise zugeschneiter Fluss die Landschaft. Zu Fuß kommt man da vermutlich gar nicht hin. Mir gefällt der Gedanke, dass ich mit der Drohne etwas „einfangen“ konnte, was man sonst wohl nie zu Gesicht bekommen hätte.

Da meine Drohne zwischen den Bergen aber keine allzu weiten Flüge erlaubte (Signalabbrüche yay), fuhren wir bald weiter. Auch am nächsten Rastplatz sollte es dann einen eisigen eingeschneiten Fluss geben.

Und während meine Frau wieder mal Profifotos machte, sammelte ich Steine, um sie dann anschließend aufs Eis zu werfen. Ich erwarte nicht, dass meine Begeisterung hierfür geteilt wird. Aber ich hatte schon sehr viel Spaß daran.
Generell war wohl heute der Tag, wo das Kind in mir etwas mehr Tatendrang spürte. Während der Fahrt, heute übrigens wieder mit dezenten 22°C – fuhr ich das Fenster runter und machte meine linke Hand zum Flugzeug.

Wenn Straße und Verkehr das hergeben, kann ich das nur jedem empfehlen. Kostet kein Geld, ist kurzweilig und macht mit Sicherheit gute Laune.
Wir hielten kurz danach dann noch mal an einem zugefrorenem See. Ihr ahnt bestimmt schon, was ich dieses mal dort tat.

Ich habe nie behauptet, dass meine Freizeitaktivitäten sonderlich abwechslungsreich oder originell sind. Ich sage nur, dass sie mich sehr gut unterhalten. Fürs Protokoll: nach bestimmt 15 Steinen (~0,5 bis 5kg) ist die blöde Eisdecke immer noch nicht eingebrochen.
Im Anschluss erlebte ich hautnah, wie sich eine Fahrt durch ein norwegisches Skigebiet anfühlt. Die Straßen waren im Grunde tip top. Links und rechts war aber teilweise 3-4m hoch eine Wand aus Schnee.

Irgendwann standen dann viele Autos in Ausbuchtungen und man sah relativ viele Menschen mit Skiern durch provisorische Treppen stapfen. Was mich aber viel mehr beschäftigte war die Hitze. Ihr Lieben, ihr ahnt nicht wie man in einem Auto gebraten werden kann. Die Sonne scheint einem sowie so schon an. Der Schnee reflektiert dann nicht nur das Licht sondern auch noch die Wärme. Einerseits war diese Winterlandschaft wirklich schön anzusehen. Auf der anderen Seite war ich nach einer guten Stunde „well done“. Ganz zu schweigen davon, dass es vom Licht her auch oft sehr grell war und meine Augen irgendwann nur noch als Schlitz funktionierten.
Zur Belohnung für diese Fahrt holten wir uns im nächsten Dorf erstmal ein Eis. Ich liebe Skandinavien und die hiesigen Eissorten. Es gibt eigentlich immer Lakritzeis. Eine Sorte, die ich in Deutschland nur allzu oft vermisse.
Aber gut – wir spulen die Zeit um etwa eine Stunde nach vorn und sind beim nächsten Aussichtspunkt. Meine Frau hatte entdeckt, dass es in Norwegen eine Brandenburgbrücke gibt. Als Berliner ist das damit mehr oder minder ein Pflichtstopp für uns.

Die Brücke selbst ist… ja… nun… der Fluss darunter macht viel her. Die Brücke selbst könnte ich selbst jetzt, zwei Zeilen unter dem Bild, schon nicht mehr so richtig gut beschreiben.
Meine liebe Frau machte den Stopp indes noch mal richtig unterhaltsam und nachhaltig einprägsam. Wir erinnern uns an den Tagesbeginn und die grazile Elfe? Nun, am Wegrand neben der Brandenburgbrücke lag Schnee und den Rest darf das folgende Bild einfach selbst erzählen.

Man mag von Karma halten, was man will. In diesem Fall fand ich es lustig. Zumal man gestern noch über mich den Kopf schüttelte, als ich vor der Schneeballschlacht ähnlich im Schnee versank.
Weitere fünf Minuten später die Straße runter, hatten wir Gelegenheit den gleichen Fluss noch mal genauer zu betrachten. Ich muss sagen, der hatte schon ganz schön Power.

Wie man auf dem Bild vielleicht auch schon gesehen hat, habe ich dazu einen Weg gefunden, sehr nah ans Geschehen zu kommen. Ich stand dabei recht sicher und erhöht auf einem Felsen. Es reichte indes, dass ich wenig Spritzwasser abbekam und den kühlen Luftzug spürte, den der Fluss erzeugte. Ich war sehr angetan und beeindruckt.

Und dann verließen wir doch irgendwann die Abgeschiedenheit Norwegens und näherten uns immer mehr Oslo. Klar, auch hier gibt es noch schöne Rastplätze aber es wird dann doch zusehends immer mehr. Mehr an Autos, mehr an Menschen – mehr eben.

Fürs Reisetagebuch möchte ich an dieser Stelle auch noch festhalten, dass der Kapitän des grünen Schiffes auf dem Bild nach Stand meines Wissens eine A-Fähre hat. Ich fand das sehr lustig… nun…
Wenig später kamen wir dann am Flughafen an. Der Check-in im Hotel lief problemlos. Die Auto-Rückgabe sah so aus, dass bei Europcar ein Mitarbeiter stand und etwa 20 Leute warteten. Wir gingen kurz vor, legten den Schlüssel einfach auf seinen Tisch, er bedankte sich – fertig.
Im Hotel aßen wir noch ein echt gutes Abendessen und brachten danach schon mal unsere Koffer weg. Es ist so großartig, dass man bei Flügen vor 9 Uhr die Koffer schon abends abgeben kann. Wir können damit morgen direkt zur Security und dann wieder im Flughafen rumgammeln.
Gegen Mittag sollten wir dann wieder Zuhause sein. Ich weiß gar nicht so genau, warum ich so einen Groll auf den BER habe, aber aus dem Bauch heraus verzögern die Leute da wieder irgendwie unsere Heimreise. Wir werden sehen. Am Ende wurde bislang ja doch alles gut.
Ja und was noch bleibt, ist die Frage, die diese Woche erstaunlich oft kam: Was ist denn nun besser? Norwegen oder Island? Ich flüchte mich mal in die Diplomatie und sage, dass das immer davon abhängt, was man will. Unser Herz ist eindeutig isländisch aber Norwegen hat uns in dieser einen Woche sehr deutlich gezeigt, dass es wunderschön ist. Es ist ja Gott sei Dank kein Wettkampf und niemand hindert uns daran, in Zukunft einfach beide Länder toll zu finden und zu bereisen.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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