Was ein Tag so kann

Die Wunder eines Urlaubs

Wer kennt es nicht? Man sitzt acht Stunden vor einem Computer, danach isst man irgendwie was, was innerhalb von 10 Minuten „gekocht“ wurde und der restliche Abend unterliegt der Frage, warum es eigentlich nichts vernünftiges im Fernsehen gibt.

Es ist schon verrückt, dass so ein Tag letztlich genau so viel Zeit kostet, wie mein heutiger. Ich war auf einem Berg, ich war in einer Gondel, ich war in einem Stau, ich war in einer Klamm, ich war irgendwie auch auf dem Jakobsweg… nur über das Fernsehprogramm habe ich ehrlich gesagt nie nachgedacht.

Vielleicht muss man die eine Sorte von Tag haben, um die andere bessere schätzen zu lernen. Ich weiß es nicht. Ich möchte auch gar nicht zu viel philosophieren. Fakt ist, der heutige Tag fing erstmal so an, wie jeder Tag im Leben anfängt: Ich stand auf! So weit, so unspektakulär.

Heute sollte das Wetter ganz gut okay werden. Der Blick aus dem Fenster fand sich jedoch schnell in einem trüben Wolkemeer wieder. So richtig überzeugt war ich nicht vom „guten Wetter“. Da ich heute allerdings mal mit einer Standseilbahn fahren wollte, dachte ich erstmal gar nicht mehr übers Wetter nach, sondern machte mich auf den Weg zur Talstation.

Bevor die Fahrt richtig losging, eröffnete sich mir jedoch noch ein Rätsel. Warum sind da Pfotenabdrücke auf meinem Auto?

Ein Fall für Akte X!

Ich hoffe, dass ich die Verdächtige noch vorm Urlaubsende kennenlerne.

Bei der Talstation angekommen, hing erstmal eine richtig fette Wolke an den Bergen. Da sich die Bahn allerdings um 15min verspätete, hatte die Wolke noch genug Zeit, sich von dannen zu wehen. Tat sie dann auch und schwupps. sah die Welt sehr freundlich aus.

Der Sonne hinterher…

Ich habe Höhenangst und von daher ist so eine Fahrt für mich immer doppelt aufregend. Aber selbst ich konnte nicht anders, als staunend aus dem Fenster zu schauen.

Oberhalb der Baumgrenze

Die Standseilbahn fährt „nur“ bis zur Rosshütte. Ich hatte mir aber gleich ein Ticket besorgt, um noch eine Etage höher zum Härmelekopf zu fahren. Das letzte Stück macht man dann in einer klassischen Seilbahn. Oben angenkommen, war von einer Wolke nichts mehr zu sehen. Und so stand ich da, als König der Welt!

Ganz oben

Auf einmal wurde ich angesprochen – ich sollte mal bissl zur Seite gehen. Ein Paraglider breitete sich gerade auf der Wiese aus und hatte offensichtlich seinerseits Pläne für den Tag. Es dauerte ein Weilchen bis alles vorbereitet war. Dann lief er los und flog – völlig verrückt.

Vom Winde verweht

Ich hatte meinerseits die Idee gefasst, dass ich zu Fuß zur Rosshütte (der Zwischenstation) gehen könnte. Allerdings sagten mir zwei Arbeiter, die ich nach dem Weg fragte, dass der einzige Pfad gestern noch mal matschigen Schnee gekriegt hat. Ein falscher Schritt wäre recht sicher mit der Bekanntschaft der Bergrettung verbunden. Das wollte ich dann doch nicht. Also fuhr ich artig wieder mit der Seilbahn zur Zwischenstation.

Die Rosshütte ist merklich touristisch. Hier gibt es alles. Einen riesigen Kinderspielplatz, ein Restaurant und Krams, der ziemlich sicher für Touris wie ich mich da steht. Ich nahm die Angebote für die Fotomotive dankend an.

Da wäre z.B. ein riesiger kreisförmiger Bilderrahmen, in den man sich setzen kann. Mein männliches Gen verbietet es mir aber weiterhin Menschen anzusprechen. Daher habe ich das Teil eben „leer“ fotografiert.

Kreis ohne mich

Dann sah ich aber auch noch eine Art hölzerne Hollywoodschaukel und das war total mein Ding.

Schaukeln in den Bergen

Tatsächlich saß ich da eine Weile. Der Ausblick war großartig und das Wetter ebenso. Warum also nicht mal den Moment auskosten?

Irgendwann ging es für mich dann aber doch weiter. Ich entschloss mich, den Weg ins Tal zu Fuß zu machen. Ich wusste durch die Fahrt nach oben und ein paar Informationsfetzen vorab, dass der Weg auch noch ein paar Highlights haben würde.

Nach guten 10 Minuten kam ich zum Kaltwassersee. Dem kreativen Namen zum Trotz, ist das Wasser tatsächlich kalt. Der See ist künstlich angelegt und dient im Zweifelsfall wohl als Futter für die Schneekanonen, falls der Winter mal eine helfende Hand braucht.

Kaltwassersee

Im Sommer kann man hier gemütlich spazieren und hat einen grandiosen Ausblick.

Dem Weg weiter folgend, kam ich dann an der Hocheggalm vorbei. Kurz überlegte ich, ob ich hier mal einkehren möchte, entschied mich aber dagegen. Ich wollte dann heute lieber doch noch mehr erleben.

Hocheggalm am Ende des Weges

Beispielsweise wollte ich gerade noch kleine Steintürme vergrößern.

Check

Oder einfach noch viel von diesen tollen Ausblicken aufsaugen. Wenn man so einen Berg hinunterläuft, sieht man letztlich andauernd in der Ferne irgendwelche Gipfel. Das ist schon für sich toll. Aber es kriegt noch mal einen besonderen Charme, wenn man etwas niedriger unterwegs ist, recht viele Bäume sieht und sich mitmal eine kleine Lichtung auftut.

Vorhang auf fürs Panorama

Ich fuhr nach der Wanderung erstmal ins Hotel. Einmal frisch machen war angesagt und dann wollte ich noch mehr erleben. Aus irgendeinem Grund hing mein Kopf bei dem Gedanken fest, dass ich eine Klamm besuchen möchte.

Meine Wahl fiel auf die Wolfsklamm. Das ist von mir aus circa eine Stunde entfernt. Kurzerhand sprang ich also ins Auto und fuhr los.

Beim Parkplatz der Klamm sprach mich direkt jemand an, als ich gerade aussteigen wollte. „Willst haben?“ fragte er mich und hielt ein Stück Papier in der Hand. Ich schaute etwas irritiert, als er nicht mal meine Antwort abwartete sondern mir den Zettel direkt in die Hand drückte. Es handelte sich um einen Parkschein. Zack – 6 Euro gespart. Ich freute mich.

Ich machte mich dann auf den Weg zur Klamm. Am Eingang hatte ich noch einen netten Plausch mit der Ticketverkäuferin. Sie erzählte mir, dass die Klamm gerade sehr wenig Besucher hat und von daher wäre es okay, wenn ich entgegen der Regeln am Ende einfach wieder zurückgehe. Normalerweise müsste man nämlich raus und dann irgendwie außen zurück. Falls ich doch außen langgehen möchte, sollte ich nach rechts gehen -> das ist kürzer. Wir merken uns das mal…

Kaum in der Klamm, sah ich erstmal richtig klares Wasser.

Ein Vorgeschmack

Es war merklich kühler dort aber das Wasser war kristallklar und wunderschön anzusehen, wie es über die Steine rauschte.

Ich sollte euch vielleicht auch warnen. Meine Blogs werden ja per se immer relativ lang. Ich hatte wirklich eine schwere Zeit nicht alle Bilder und Aufnahmen der Klamm hier zu veröffentlichen. Es war wirklich grandios.

Man geht da circa eine Stunde durch und ich war richtig geflasht. Es ist völlig verrückt, was die Natur da geschaffen hat. Klar, es ist hier und da etwas eng und vielleicht auch nass. Aber insgesamt ist der ganze Weg wirklich gut ausgebaut. Das dann kaum Menschen da waren, hat mir natürlich auch gefallen. Ich war am Ende des Weges sehr sehr zufrieden mit mir und der Welt.

Yeah!

Ja und dann kam ich zum Ende der Klamm. Ich ging durch ein Drehkreuz und hörte aus dem Off noch mal die Frau vom Eingang: „Du kannst einfach zurückgehen….“ …. „Wenn du rausgehst, geh nach rechts – das ist kürzer….“ Ich sah ein Schild auf dem mehr Wörter standen, als auf dem Schild nach rechts. Ich sage nicht, dass ich kluge Entscheidungen treffe.

Vorweg gesagt: Mein Rückweg hätte knapp 2 Kilometer sein können. Er war dann 6km lang. Wir hatten zu dem Zeitpunkt gute 25°C und mein Rücken floss fröhlich dahin.

Und wofür? Es stellte sich raus, dass man links dann auf den Jakobsweg kommt. Ich habe es jetzt nicht so mit Religion. Insofern kann ich mit solchen Bildern nur bedingt viel anfangen.

Station X

Ansonsten war ein kleines Feld mit Steintürmen eins meiner Lieblings-Highlights vom Weg.

Steinpupsis

Auch wenn ich den Weg völlig unnötig verdoppelt hatte, bereue ich die Wahl letztlich nicht. Denn auch hier taten sich immer mal wieder kleine Lücken in den Bäumen auf und man sah wunderschöne Gemälde der Natur.

Hübsch isses

Irgendwann kam ich dann aber doch noch beim Parkplatz an und machte mich zurück auf den Weg ins Hotel.

Hierzu möchte ich eine Geschichte erzählen, die mich nach wie vor etwas ratlos zurücklässt. Ich fuhr auf der Autobahn um Innsbruck herum. Das Navi warnte mich bereits, dass ich zwar auf der schnellsten Route bin, vor mir jedoch mit ordentlich Stau zu rechnen ist.

Ich sah vor mir, wie mehrere Fahrzeuge den Warnblinker anmachten und langsamer wurden – also tat ich es ihnen gleich. Als gut-erzogener Autofahrer fuhr ich, weil ich auf der linken Spur war, ganz nach links und leistete meinen Teil für eine mögliche Rettungsgasse.

So stand ich da. Ein paar (4-5) Minuten vergingen und es rollte wieder 100m. Dann stand ich wieder ein paar Minuten… dann rollte ich wieder… dann stand ich wieder. Ihr kriegt die Idee.

Es gab dann eine Passage, wo wir vielleicht 50km/h im Pulk fuhren. Auf einmal sah ich im Spiegel, wie das Auto hinter mir sehr dicht an mir hängt und ein Lichthupenkonzert gab. Ich war doch sehr irritiert, was da gerade los ist. In Costa Rica hatten wir mal erlebt, dass unser Nummernschild abgefallen ist und jemand hinter uns deswegen ganz viel Lichthupe machte. Ich hatte gedacht, dass vielleicht jetzt auch was mit meinem Auto war.

Da wir wieder standen und die Gewohnheit mich ahnen lies, dass das wieder 1-2 Minuten dauern könnte, sprintete ich kurz aus dem Auto und lief zum Fahrzeug hinter mir. Ich fragte, was passiert wäre und warum er Lichthupen gibt. Er sagte mir, ich müsste schneller fahren. Ich erwiderte, dass wir im Stau sind und ich da wenig regeln kann. Er seinerseits legte mir da, dass, wenn ich schneller fahren würde, die anderen auch schneller fahren müssten. Da er das relativ nüchtern bis freundlich sagte, nahm ich das einfach mal so zur Kenntnis und ging zurück in mein Auto. Ich denke, ich werde noch viel an diese Situation zurückdenken.

Im Hotel begrüßte mich mein Freund, der Barkeeper dann erstmal mit einem Gin Tonic. Ich setzte mich auf die Terrasse und genoss den Tag.

Stammplatz

Natürlich gab es dann noch ein Abendessen und auch heute war das wieder ganz wunderbar. Fairerweise sei gesagt – dass es von allen Abendessen das Schwächste war. Trotzdem – das liegt eher daran, weil die anderen Essen extrem stark waren. Das heute war einfach „nur“ sehr gut.

Es ist jetzt kurz vor 22 Uhr und ich denke, heute werde ich mir noch einen Absacker in der Bar gönnen. Morgen ist theoretisch wieder schlechtes Wetter angekündigt. So richtig schüchtert mich das gerade aber nicht ein. Wir werden zusammen herausfinden, was genau am Ende passiert sein wird.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
X

Eine Antwort zu „Was ein Tag so kann”.
  1. Avatar von lordnibblerblog

    Ich könnte jetzt viel meckern, über andere Autofahrer und wie sehr mich solche Menschen nerven, die glauben alles besser zu wissen und dadurch andere Menschen belehren zu müssen ABER: Nicht das negative soll im Gedächtnis bleiben, sondern die wirklich beeindruckenden Bilder die du gemacht hast. Die sind echt so schön, dass ich gleich ins Auto steigen möchte um nach Seefeld zu fahren. Und ich finde toll wie sich das Wetter bisher hält, wo doch jeden Tag Unwetter vorher gesagt wurde. Gestern Abend im Wetterbericht war schon wieder „da unten“ von Unwettern die Rede, aber ich bin mir sicher, dass da wo du bist immer ein wenig die Sonne scheint. Oh man, wie schnulzig. 🙂 Viel Spaß noch.

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