Kleinigkeiten

Ereignisse eines Urlaubsantritts

Es ist 2.56 Uhr. Um 3 Uhr sollte der Wecker klingeln und ich bin wach. Nicht sehr, aber mein Kater Yoshi hatte Bedürfnisse, die nur ein Futternapf auf der Couch befriedigen konnte. Vielleicht habe ich Urlaub von meinem Beruf – aber nie von der Katerbetreuung. Aber das ist ja auch keine Arbeit für mich, sondern eine geliebte Kleinigkeit.

Leicht zerknautscht und mit steigender Aufregung begann der Tag. Die letzten Handgriffe in der Wohnung waren schnell gemacht. Bis ich in die Küche ging und feststellte, dass der Boden unterm Waschbecken deutlich nasser ist, als er sein sollte. Ein Blick unter die Spüle: Scheinbar ist der Wasserzufluss zum Geschirrspüler undicht – großartig. Erstmal alles trocken gemacht, einen Eimer unter den Schlauch gestellt und schon mal gedanklich geplant, dass wir die Verantwortung für diesen Unruhepol an unseren Fahrer, einen lieben Freund, übergeben.

Eben jener Freund sollte uns um 4.30 Uhr abholen. Es war circa 4.29 Uhr als uns seine bessere Hälfte anrief und beichtete, dass da wohl was mit dem Wecker schiefging. Aber er ist unterwegs… So eine 15 minütige Verspätung legitimierte dann erstaunlich gut, dass man ihm den defekten Schlauch des Geschirrspülers aufdrückte. Aus irgendeinem Grund wurden zwei Sachen, die einzeln jeweils sehr gestört hätten, auf einmal zu einer Kleinigkeit. Der Spirit für den Tag war damit gesetzt.

Wir kamen dann trotz des kleinen Malheurs überpünktlich am Flughafen an. Die Koffer waren binnen weniger Minuten weg und die Security war irgendwie auch noch aufregender, als man nicht so oft geflogen ist. Mittlerweile bin ich Dank der Drohne jedes mal Ehrengast, bei der Sonderuntersuchung. Aber im Grunde ist das auch eher nett, weil es einem noch mal 10 Minuten von der Uhr nimmt, die man sonst sinnbefreit am Gate rumsitzt.

Später am Gate passierte dann etwas eigenartiges. Es wurden die erste Klasse Kunden und Premiummenschen an Bord gebeten. Das restliche Fußvolk musste warten. Allerdings wurden wir von der Frau am Schalter herbeigerufen und durften direkt einchecken. Ich weiß nicht, ob wir irgendwie wichtig aussahen. Ich beschwere mich nicht. Ich sitze gern früh im Flieger – dann hat man wenigstens keinen Stress sein Handgepäck unterzubringen.

Der Flug selbst verlief entspannt. In guten drei Stunden ist man von Berlin in Keflavik gelandet. Die letzte Stunde sieht man schon Island und ab und zu ergeben sich dann solche Bilder.

Sonne über Island

Unsere Glückssträhne ging dann direkt am Gepäckband weiter. Wir hatten sofort Mr. Koffer wieder bei uns und konnten direkt zum Mietwagenverleih weiter.

Heute früh sagte ich auf dem Weg zum Flughafen noch, dass ich gerne wieder einen Kia oder einen Hyundai hätte. Die haben immer so viele schöne fancy Features. Entsprechend freute ich mich, als ich der Mitarbeiter am Schalter als erstes fragte „Soll es ein Toyota oder Kia werden?“ Kia!

Läuft bislang! Das Wetter machte auch gut mit. Ein paar Wolken und es war windig aber insgesamt mutete es freundlich an und hatte viel schönes. Und dann waren wir auch schon auf der Straße. Das erste Highlight war Gunnuhver. Ein großes brodelndes Loch.

Volldampf im Urlaub

Es riecht hier überall nach Schwefel. Teilweise brodelt die Erde spürbar. Es gibt Bereiche, da sind in Bodennähe bis zu 50-60°C Erdtemperatur. Und trotzdem haben sich hier damals Menschen angesiedelt. Es würde mich wirklich interessieren, ob man das einfach für Thors Fußbodenheizung hielt oder warum das für die Siedler irgendwie okay war.

Für mich war es jedenfalls ein spektakulärer Start in den isländischen Tag. Ach und übrigens begleitet uns diesen Urlaub noch jemand….

Murphy am Start

Er guckt so wunderbar panisch, wenn ich ihn so in die Jacke klemme. Ich glaube, dass werden wir diesen Urlaub noch öfter sehen.

Nach unserem Schwefeldampfbad, wollte ich Murphy die Lavapools vom Brimketill zeigen. Dort war ich schon mal und die Wellen spritzen bestimmt 10 Meter hoch. Heute stand der Wind aber leider dafür nicht günstig. Für eine unruhige See hat es dennoch gereicht.

Baden verboten

Auf dem Rückweg zum Auto wollte dann ein Vogel Murphy besser kennenlernen. Er flog recht konstant auf seiner Höhe und machte dabei ordentlich Krach.

Piep?

Wahrscheinlich wollte er ein Autogramm. Ich kann es verstehen. Ist ja schließlich das erste mal, dass Murphy in Island ist und speziell unter komischen Vögeln ist Murphy ein Star.

Wie dem auch sei. Die Tour ging weiter und wir kamen mehr und mehr in die Flow, den man gern im Urlaub hat. Beispielsweise wären da die Momente, wo man zu einer Sehenswürdigkeit fährt und dann andere Dinge macht.

So waren wir zum Beispiel bei der Brücke, die die Kontinentalplatten verbindet. Von besagter Brücke oder unserer Anwesenheit gibt es exakt 0 Fotos. Dafür kann ich hier zeigen, wie wir einen Turm gebaut haben, der in manchen Perspektiven fast so groß aussah, wie meine Gattin. Die Prioritäten sind klar gesetzt.

Türmchenbauer 2.0

Wir fuhren dann gute zwei Stunden gen Norden. Zum einen wollten wir noch einen Wasserfall sehen und zum anderen liegt in die Richtung auch unser AirBnB. Doch zuerst zum Wasserfall.

Der Hraunfossar! Die alten Bloghasen wissen, dass Islandurlaube gern mal hier beginnen. Der Wasserfall ist einfach unfassbar schön und heute hat er sich richtig für uns rausgeputzt.

#noFilter

Das Wasser ist kristallklar, türkisblau und überall fließt und rauscht es. Drumherum finden sich saftige grüne Pflanzen und tiefdunkles Lavagestein. Für Naturliebhaber ist das ein Pflichthalt in Island.

Und klar, ich war hier schon x-mal und natürlich weiß ich, was mich hier erwartet. Es wird aber nicht minder schön dadurch. Im Gegenteil. Immer mehr gewinne ich die Qualität, dass ich mich irgendwo hinstelle, Kamera Kamera sein lasse und einfach genieße.

Das funktionierte übrigens auch ganz hervorragend beim benachbarten Barnafoss.

Weißwasser auf dem Weg zum türkis

Und es macht Spaß, stumpf in die Verwirbelungen des Wassers zu schauen. Es schäumt, es spritzt und dennoch könnte man meinen, dass es sich weich anfühlen müsste. Bei 20°C mehr Wassertemperatur, hätte man hier vielleicht sogar Badespaß. So hat das Wasser aber 5-6°C und wir bleiben lieber an Land.

Splashzone

Dann neigte sich der Tag auch langsam schon dem Ende zu. Nicht jedoch, ohne mich noch mal etwas bloßzustellen. Die Autofahrer unter uns kennen das Thema: Man fährt fröhlich vor sich hin und möchte was trinken: Was tun? Man greift zur Flasche und stellte fest, dass gleichzeitiges aufschrauben, trinken und nebenbei Autofahren die koordinativen Fähigkeiten sehr herausfordern. Ich versuchte mich trotzdem in dieser Disziplin. Ich war auch soweit erfolgreich, dass die Flasche bereits meine Lippen berührten. Dann kam ein ordentlicher Hügel auf der Straße und ich merkte wie meine Lippen sich von der Flasche entfernten aber meine Handbewegung bereits unwiderruflich das Schütten einleitete…. lange Geschichte kurzer Sinn. Ich hatte ein nasses T-Shirt und meine Frau viel Spaß.

Aber schaut, wie sollte ich mir bei so einer Aussicht von sowas den Tag verderben lassen?

Es wird Abend

Es kann also wieder losgehen. Vor uns stehen drei Wochen Island. Der erste Tag hat schon angedeutet, was das heißt. Viel zu sehen, viel zu erleben. Dabei werden wir viel Energie lassen und ganz viele neue Erinnerungen sammeln. Ich bin gespannt, was uns als nächstes erwartet.

Morgen sind wir alle schlauer.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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