Was es dort alles gibt
Gestern Abend verriet uns der Blick in den Wetterbericht, heute wird ein guter Tag. So verblüffend das ist, in Island sagt der Wetterbericht manchmal sogar das richtige Wetter voraus. Nachdem Wetter und Plan für den heutigen Tag damit geklärt waren, lag es jetzt nur noch an uns, alles in die Realität zu bringen.
Um kurz nach 7 Uhr saßen wir beim Frühstück und eine halbe Stunde später rauschten wir bereits gen Rauðasandur. Gegen 8 Uhr und damit früher als die meisten anderen Menschen, waren wir vor Ort und bereit für Großes. All das passierte bei schon ganz gutem Wetter. Soweit hat der Plan bereits funktioniert.
Was wir nicht eingeplant hatten, war die hiesigen Tierwelt. Zum einen gibt es zurzeit wieder unfassbar viele Fliegen und Schlupfmücken, die versuchen in Öffnungen menschlicher Köpfe zu krabbeln und daneben gibt es vermutlich sogar noch mehr Schafe. Letztere versuchen Gott sei Dank eher selten in Körperöffnungen zu krabbeln, stehen dafür aber ganz hervorragend im Weg rum.

Es ist so, dass man am Ende der Welt zwar gut wandern kann. Gleichzeitig besteht eine recht gute Chance, dass man über kleine Bäche und Flüsse drüber muss. Für gewöhnlich liegen 1-3 größere Steine da und die Überquerung wäre kein Problem… hätte man Gleichgewicht. Hab ich nicht. Muss also anders gehen. Ich neige dann gern dazu, grazil mit der Eleganz eines Presslufthammers irgendwie über Dinge rüber zu springen. Es stellte sich heute heraus, dass das auf Fotos sogar irgendwie dynamisch aussieht. Von daher behaupten wir ab sofort, das wäre so gewollt.

Und wofür mache ich das alles? Die Antwort ist leicht. Das Ende der Welt ist wunderschön und man kommt sehr schnell in den Genuss, so einen Anblick um sich zu haben.

Ja, der Rauðasandur hat es in sich. Und ich würde jetzt schon mal sagen: Prägt euch ein, wie das Wetter auf dem Bild aussieht. Zu dem Zeitpunkt hatten wir circa 15°C und es war trotzdem sehr angenehm. Der Wind, der uns die letzten Tage noch etwas zu schaffen gemacht hatte, war heute sehr friedlich unterwegs. Es war damit auch ganz wunderbare Bedingungen, um mit der Drohne zu fliegen.

Allerdings stellte sich heraus, dass diverse Vögel diverse Probleme mit einer Drohne haben. Wenn man in 60m Höhe auf einmal 6-10 Flügel vor der Kamera sieht, landet man instinktiv lieber wieder und macht auf althergebrachte Weise vom Boden aus Fotos.

Der guten Laune, dem guten Plan und dem gutem Gefühl hier zu sein, tat das aber auch keinen Abbruch. Wir wanderten weiter entlang der Küste. Dabei spazierten wir durch Gräser und überquerten noch den ein oder anderen Bach. Wir sahen irgendwann auch, woher eigentlich die ganzen Bäche kamen.

Ich dachte, dass man bei dieser Wanderung sogar auf den Bergkamm kommt. Doch der offizielle Weg endet früher. Wir standen auf einmal bei einem Steinhaufen und hätten nur noch selbst Pfade trampeln können. Das fanden wir aber beide irgendwie blöd. Von daher sollte es nun langsam doch wieder zurückgehen. Dann sah meine Frau aber, dass dort neben den Steinen eine Metalbox aufgebaut war. Inhalt der Box: Ein Gästebuch. Wie cool ist das denn bitte? Wir haben uns natürlich sofort verewigt.

Und ihr seht es an diesen Bildern bereits: Das Wetter wurde immer besser. Es war mittlerweile völlig entspannt möglich, im T-Shirt rumzulaufen. Sommer in Island ist herrlich.
Beim Rückweg hatten wir dann noch einen kleinen Abstecher in eine Art Flussbett des Wasserfalls gemacht. Die Sonne schien auf uns und neben uns rauschte kristallklares Wasser. Weit und breit noch immer keine einzige Menschenseele. Ich weiß nur deshalb, dass es nicht das Paradies ist, weil es hier kein Lakritzeis gab. Anderes Thema.

Ja, und dann muss ich auch heute wieder sagen, dass Island schlicht nicht in der Lage ist, schlechte Fotos von einem entstehen zu lassen. Das Wetter wurde besser und besser und während wir umherwanderten, gab die Ebbe große Teile des Strandes wieder frei. Die Kombination aus nassem orangem Sand unter blauem, sonnigem Himmel sieht dann so aus.

Nach guten vier Stunden verließen wir dann wieder das Ende der Welt. Dabei hatten wir unzählige Eindrücke und mindestens genauso viele Fotos und Videos im Gepäck. Bereits jetzt war der Tag ein grandioses Privileg.
Wir fuhren dann ein Stück und fanden uns am nächsten Strand wieder. Der Barðastrandarsandur ist letztlich auch nur 40 Minuten weit weg gewesen. Auch hier erlaubte die Ebbe, dass man sehr weit zum Wasser gehen konnte. Das gute Wetter machte dazu möglich, dass man bis nach Snæfellsnes schauen konnte.
Wir verweilten mit dieser Aussicht ein bisschen, machten dann auch noch ein paar wertvolle Fotos…

Ich wollte auch noch eine Runde mit der Drohne fliegen, hatte aber wieder das Thema, dass Vögel mit Hausrecht bei diesem Strand darauf keine Lust hatten. Wieder reicht aber auch das Bild vom Boden aus.

Damit war der Tag aber noch nicht zu Ende. Ein letzter Trip führte uns zu einem See – Vatnsdalsvatn. Ich sag es mal so, der See war schon schön. Die Umgebung malerisch und all das, hätte man auch vielleicht genießen können, wären hier nicht zig-Millionen Fliegeviecher gewesen. Wir gönnten uns den Spaß und schmissen ein paar Steine in den See und fuhren dann wieder aus diesem Fliegeninferno fort.

Auf dem Rückweg stoppten wir noch schnell beim Kleifakarl. Die Statue, die den Weg in den Fjord überwacht. Es fühlte sich richtig an, dass er und Murphy sich mal persönlich kennenlernen.

Am Abend waren wir noch hier im Ort in einem kleinen aber sehr feinen Restaurant essen. Gott, haben die geilen Kuchen gehabt. Fast, hätte ich vergessen, dass ich bislang immer noch kein Lakritzeis hatte. Aber hey, man kann nicht alles haben und wenn ich den Tag so Revue passieren lasse, hatte ich sonst heute schon wirklich sehr viel.
In diesem Sinne
Lasst uns schauen, was Morgen bringt
Habe die Ehre
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