Weißt du noch…

Ein Tag im Sprühregen

Wenn man auf die Startseite meines Blogs schaut, liest man, dass ich meine Beiträge oft übermüdet schreibe und gern Endungen von Wörtern oder manchmal sogar das ganze Wort vergesse. Meine Finger sind eben schneller als mein Kopf. Gestern führte dieser Umstand dazu, dass im Beitrag zwei Tippfehler passierten. Einmal wurden aus Pflanzen > Pflazen und dann sprach ich an anderer Stelle vom Urlaus… Meine Frau quittierte beides mit viel Gelächter. Das hielt sogar bis heute Früh im Auto.

Pflazen und Urlaus…

So war die Stimmung trotz omnipräsentem Grau und Sprühregen bei uns ziemlich gut. Im Auto sinnierten wir über die Frage, was sich eigentlich zwischen unserem ersten Islandurlaub und dem heutigen Stand verändert hat. Zum einen wäre da zu nennen, dass wir viel besser wissen, wie wir uns anziehen sollten (ein Hoch auf das Zwiebelprinzip) und zum anderen schockiert uns mittlerweile gar kein Wetter mehr. Wenn es regnet, regnet es eben. Wer sich in Island vom Wetter die Stimmung vorgeben lässt, hat vermutlich auch sehr schnell eine schwere Zeit.

Ein anderer Punkt ist, dass in Island die Veränderung auch an jeder Ecke lauert. Beispielsweise konnten wir vor ein paar Jahren noch mühelos bis quasi direkt vor den Ullarfoss fahren. Heute sieht die Welt anders aus. Die Zufahrt ist durch eine Metallkette versperrt. Zu Fuß kann man zwar noch weiter, kommt dann aber an einen Stacheldrahtzaun.

Stacheldraht mit Durchgangserlaubnis

Wenn man an dem Tor vorbeigeht, findet man immer noch die gleiche Schrottkarre, die schon vor Jahren dort stand. Ein alter Volvo, der vermutlich auch noch da steht, wenn wir alle längst vergangen sind.

Der Volvo, der seit den Dinos hier steht

Aber wo sollte er auch hin? Selbst fahren kann er vermutlich nicht mehr und abholen tut ihn scheinbar niemand. In aller Fairness hat er dort auch einfach einen sagenhaft schönen Platz, um rumzustehen. Ich würde es an seiner Stelle nicht anders machen.

Und nach dem Volvo steht noch immer ein kleines rotes Haus am Wasser. Einst überlegte ich, ob das nicht mein Sommersitz werden sollte. Kaum, dass ich es heute wieder gesehen habe, schossen mir die gleichen Gedanken wieder durch den Kopf. Allerdings hatte sich auch am Haus etwas verändert. Aus irgendeinem Grund war ein Spanngurt zwischen dem Haus und dem Zaun gelegt. Weder versperrte das Ding den Weg noch sicherte es irgendwas… jemand wird sich was dabei gedacht haben. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen.

Haus mit Gurt

Vermutlich denken Leute an größere Sachen, wenn sie sagen „Früher war alles besser!“ Heute traf das vor allem auf die Leiter zu, die einst den Stacheldrahtzaun überbrückte. Mittlerweile sieht das gute Stück doch sehr gezeichnet aus. Um nicht zu sagen, dass es völlig hinüber ist.

Lei-d/t-er kaputt

Mit dem Wissen, was uns dahinter erwartete, fanden wir dann trotzdem einen Weg über den Zaun und stapfelten durch ein Gebiet, in welchem sich die Natur scheinbar nach und nach wieder breit macht.

ein „Weg“

Ja und am Ende dieses Trampelpfades steht man auf einem Plateau und schaut auf einen Wasserfall. Laut Google heißt das Ding wohl Benefoss. Lokal lernt man, dass das falsch ist und sich nur niemand die Mühe macht, die Technik zu korrigieren, Richtig ist für diesen Wasserfall der Name Ullarfoss.

Ullarfoss

Mal unabhängig vom Namen, waren wir mal wieder völlig allein auf der Welt und es war schön wieder hier zu sein. Bei besserem Wetter wäre das vielleicht sogar ein Ort, der noch mal zu einer längeren Wanderung einlädt. Heute zogen wir dann aber weiter.

Wobei – das ist so nicht richtig. Wir wollten weiterziehen, doch dann kam eine Herde Pferde und zeigte enormes Interesse an meiner Frau Gattin. Die ihrerseits zeigte dann auch großes Interesse an den Pferden. Und während Pferde und meine Frau sich austauschten, stand ich im Sprühregen von Island und bemerkte, dass ich früher auch viel ungeduldiger war. Mittlerweile stehe ich eben da und mache das Beste aus dem Moment. Was so ein Volvo kann, kann ich doch schon lange. Außerdem entstehen bei meiner Frau auch immer gute Fotos. Insofern lohnt sich das Warten.

Kuschelpferde

Irgendwann ging es dann aber doch weiter und wir fuhren zum Kolugljúfur(-Canyon). Damals von mir verachtet, als Ort, wo sich die Touristen stapelten, habe ich heute einmal mehr bemerkt, dass der Ort dafür gar nichts kann. Der Canyon und die Wasserfälle bieten eigentlich sogar sehr viel schönes.

Schönes #1

Man kann sehr nah an der Kraft stehen, die den Stein schleift und die das Wasser mit Getöse durch die Schlucht treibt. Es ist schon ein sehr spannendes Naturschauspiel. Mir gefällt an der Szenerie besonders, dass man mit dem Wasser einen Kraftprotz der Natur hat und daneben gibt es hübsche kleine gelbe Blümchen, die sehr sicher den nächsten Winter nicht überleben. Natur ist schon spannend.

Blümchen vor dem Wasserfall

Außerdem bietet der Canyon durch die vorhandene Brücke die Chance, dass man Aufnahmen macht, die sonst eher aus einer Drohe kommen würden.

von oben

Und natürlich gab es auch heute wieder Touristen, die sich meinen Groll verdienten. Ich weiß auch nicht, warum es immer diejenigen sind, die eine knallrote Jacke anhaben… aber es muss mich Gott sei Dank auch nicht viel kümmern.

Es sprühregnete immer noch und wir überlegten uns, dass wir noch zum Hvítserkur weiterfahren wollen. Um dorthin zu gelangen, fährt man sehr lange über Schotterstraßen. Wie gestern bereits im Blog beschrieben, mag ich das Fahren auf solchen Straßen.

Blöderweise fuhren heute sehr viele Menschen auf diesen Straßen und ich lernte dabei, dass es scheinbar Länder gibt, wo es optional ist, auf den restlichen Verkehr zu achten. Und so hat man dann mal einen ängstlichen Fahrer vor sich, der bei erlaubten 80km/h mit 40km/h genau so fährt, dass man weder links noch rechts passieren kann. Oder man hat die Experten, die solang am Rand fahren, bis man beim Überholen neben ihnen ist – nur damit sie dann weiter nach innen ziehen.

Letztlich sind wir unfallfrei angekommen und standen dann auf dem Parkplatz des Hvítserkur. Wir gingen dann den wunderbar ausgeschilderten Weg zum Stein und freuten uns, dass am Viewpoint gerade wenig los war.

Hvíthjartaserkur

Ich weiß noch, dass ich mich beim ersten Besuch damals ein wenig ärgerte, dass ich nicht mit der Drohne fliegen konnte. Heute, im Sprühregen, ging das wieder nicht und wieder war es eine angenehme Erkenntnis, dass die Drohne halt nett ist, aber keine Pflicht.

Der Besuch beim Hvítserkur war dann auch recht schnell zu Ende und wir fuhren so langsam aber sicher in die allgemeine Richtung von Akureyri. Einen Zwischenstopp gab es aber noch. Nämlich den Reykjafoss.

Früher konnte man hier deutlich näher am Wasserfall parken und das auch umsonst. Heute waren wir etwas weiter weg und zahlten dafür 10 Euro. Ich versuche mir einzureden, dass es für einen guten Zweck ist.

Der Wasserfall selbst ist indes sehr schön und durch den regenreichen Juli führte auch dieser Wasserfall aktuell noch deutlich mehr Wasser.

Reykjafoss – Gefällt mir

Falls ihr mal in der Ecke seid und das euer Ding ist: Bevor der Reykjafoss in die Tiefe stürzte, wird er kurz vor der Fallkante noch von einer heißen Quelle gespeist. Dieses Phänomen ist gleichermaßen vor Ort berühmt wie gesichert. Es nennt sich dann Fosslaug und man kann darin baden. Heute sahen wir auch einige Leute, die das tatsächlich taten. Ist bestimmt auch mal ein Erlebnis.

Unser letzter Stopp vor Akureyri war dann ein Rastplatz, direkt am Weg zwischen den Bergen. Man kann hier ganz wunderbar sehen, wie sich das Wasser einst durch den Berg geschliffen hat. Heute ist der Fluss nicht mehr ganz so mächtig – der Ausblick ist es aber dennoch.

Erhabener Blick

Ja und dann waren wir auch schon in Akureyri. Hier haben wir ein Apartment bezogen. Zum ganzen Glück gehört dabei, dass wir uns den Kühlschrank gefüllt haben und erstmal wieder für uns gekocht haben. Typisch isländisch habe ich Kartoffel mit Lamm gemacht.

Nomnomnom

Jaja, früher gab es in Island eigentlich nur Käsebrote. Und auch heute haben Käsebrote nicht nur einen Platz in unseren Herzen sondern auch regelmäßig in unseren Mägen. Aber es ist schon auch eine Verbesserung, ab und zu selbst ein Stück Fleisch in die Pfanne zu hauen.

Wo ich das alles so tippe, hilft dieses Reisetagebuch vielleicht auch dabei, in ein paar Jahren greifbar zu machen, wie sich Island- und man sich selbst verändert hat. Wenn das mal nicht spannend ist.

Doch alles zu seiner Zeit. Jetzt haben wir erstmal Urlaub und sind mit diesem Tag hochoffiziell in der Hauptstadt des Nordens angekommen. Von hier wird es Touren zu beeindruckenden Wasserfällen und großen Geothermalgebieten geben. Es bleibt also spannend.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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