Der vertikale Ozean

Dett is a Foss

Auch in Island endet eine handelsübliche Woche auf einem Sonntag. Mit dem Wissen, dass heute nicht nur Touristen sondern auch Einheimische etwas unternehmen, galt es für uns, möglichst früh auf die Reise zu gehen. Um halb 8 saßen wir bereits im Auto mit dem großen Tagesziel: Dem Dettifoss.

Als der Tag begann

Die alten Bloghasen wissen, dass der Dettifoss eine Herzensangelegenheit für mich ist. Es ist einer der wenigen Orte, wo die brachiale Schönheit der Natur mich in Ehrfurcht versetzt. Wer mal dort war, wird wissen, dass das keineswegs übertrieben ist.

Neben dem reinen Besuch beim Dettifoss gab es den Plan, dass wir von dort aus eine Wanderung zum benachbarten Hafragilsfoss starten. Gestern Abend schauten wir uns dazu eine Route an und waren etwas verunsichert, ob wir das überhaupt schaffen könnten. Der Weg sah doch sehr ambitioniert aus. Aber wir wollten es zumindest mal versuchen und schauen, wie weit wir kommen.

Auf dem Parkplatz des Dettifoss begrüßte uns die Sonne und tatsächlich waren wir vor der großen Menschenmenge angekommen. Ab hier geht man circa 800m bis zum Wasserfall. Sobald man den letzten Hügel erklommen hat, tobt dahinter bereits das Wasser.

Ein erster Blick

Eine noch immer recht niedrig stehende Sonne und das permanente Dröhnen des Wasserfalls gaben dem Ort einen ganz besonderen Flair. Ich finde, man spürt hier, dass man vor etwas majestätischem steht und das wird noch imposanter, wenn die Sonnenstrahlen überall durch die Gischt brechen.

Vom anderen Planeten

Wir gingen dann entlang der Aussichtsplattformen in die Richtung des Wanderweges. Hinter der letzten Plattform sollte ein Weg starten und dann entlang der Klippen und des Flusses führen. Aber Pustekuchen.

Du – kannst nicht – vorbei

Ein Schild wies daraufhin, dass es nass und matschig ist und der Weg nicht passierbar sei. Ich hatte mich doch ziemlich auf die Wanderung eingestellt und war erstmal etwas enttäuscht.

sad me is sad

Während ich aber gerade zum Schmollen ansetzen wollte, schickte der Dettifoss eine fette Gischtwolke in meine Richtung und ließ mich wissen, dass das Schild vielleicht wirklich eher zu meinem Schutz dasteht, als um mich zu ärgern. Ich tat dann das, was wir bislang im Urlaub immer wieder gut hinkriegt haben: Ich machte das Beste aus der Situation.

Selfie in der Gischt

Für die Relation und das Gefühl. Speziell der Anfang des Wanderwegs liegt komplett in dem Bereich, in dem die Gischtwolken hinfliegen. Diese Wolken waren heute derart wasserreich, dass auf der letzten Plattform – trotz grandioser Aussicht – kein einziger Mensch stand. Außer mir… und ich war dann doch recht schnell nass und wieder glücklich.

Wir gingen dann noch mal ein Stück zurück zur Fallkante. Denn eine Sache musste hier natürlich auch noch gemacht werden: Ein Foto mit Murphy.

Murphy am Dettifoss

Wisst ihr, was richtig verrückt ist? Trotz der immer wieder niedrigfliegenden Regenwolken gibt es hier zig Millionen Fliegen. Das nächste Bild entstand am Parkplatz des Hafragilsfoss und gibt eine grobe Idee, was einen hier erwartet. Wieder einmal war ich auch sehr froh, dass ich einen „Imkerhut“ habe.

Sie sind überall

So konnte ich dann auch den Hafragilsfoss deutlich besser genießen. Zwar wäre ich wirklich gern unten direkt am Wasserfall entlang gewandert. Die Aussicht von oben ist aber auch nicht schlecht.

Nass da unten

Wir beschlossen dann noch auf die Ostseite der beiden Wasserfälle zu fahren. Das ist mit etwa einer Stunde Holperstraße verbunden, lohnt sich aber auch sehr. Denn die Ostseite ist generell eher ursprünglich gehalten.

Man sollte dazu wissen, dass Detti- und Hafragilsfoss in der trockensten Ecke Islands liegen. Wenn man sonst in Island „weit und breit nichts“ sagt, meint das sonst ja gern mal Moose, Wasserläufe und schwarzen Strand. Hier, in dieser Ecke, meint „nichts“ aber halt wirklich gar nichts. Es gibt hier Steine, das war es auch schon. Es hat einen Grund, warum Szenen aus dem Film „Alien“ auf der Ostseite gedreht wurden. Das ist eine andere Welt.

Bevor wir aber bei besagter Ostseite ankamen, gönnten wir uns noch einen Stopp bei einem Aussichtspunkt. Ein wenig versteckt, gab es die Möglichkeit ins Tal, auf den Flusslauf und die vielen riesigen Steine zu blicken. Das alles immer noch bei bestem Wetter.

Beine und Seele baumeln lassen

Wenig später kamen wir dann doch beim Hafragilsfoss (Ostseite) an. Es gab hier den verwirrenden Moment, dass dort zwei VW Busse mit jeweils 7 Sitzen standen – insgesamt aber 20 Italiener vor Ort waren. Mathematik war noch nie meine Stärke, also konzentrierte ich mich lieber weiter auf den Wasserfall.

Hafragilsfoss (Ostseite)

Mit so vielen Menschen um uns, fühlen wir uns erfahrungsgemäß aber auch eher nicht wohl. Wir fuhren daher recht schnell weiter zum Dettifoss.

Ja und hier holte mich dann die Demut ein. In einem Moment fiel mir auf, wie privilegiert ich bin, dass ich hier sein darf. Am mächtigsten Wasserfall Europas, keine 5m von zig Tonnen stürzendem Wasser entfernt. Bei bestem Wetter, mit meiner Frau und so viel Zeit, wie ich will.

Life is good

Vielleicht war es ein wenig Müdigkeit, vielleicht die Demut oder einfach alles in dieser Situation zusammen, doch ich saß dann letztlich bestimmt 15-20 Minuten stumpf da und schaute mir das wassergewordene Chaos an. Ich bemerkte nicht mal, dass rund um mich auf einmal doch sehr viele Menschen standen. Erst als meine Frau mich antippte und fragte, ob wir langsam weiter wollen, bemerkte ich, dass ich wohl etwas gedanklich weg war. Es war ein schöner Moment.

Unser Tag war damit dann aber noch nicht zu Ende. Wir fuhren noch zum Námafjall. Ich hatte damit einmal mehr die Gelegenheit, über eine Schotterpiste zu ballern. Es mag ja sein, dass Deutschland mit seinen Autobahnen ein Paradies für Autofahrer ist. Aber wenn man mal mit 80km/h seinen eigenen Schweif aus Staub und Sand zieht… ich mag Islands Straßen.

Wrumm!

Ja und dann waren wir auch schon beim Námafjall. Ein Geothermalgebiet und wie immer in solchen Regionen, darf man nicht darüber nachdenken, was wenige Meter unter der Erdoberfläche so abgeht. Es hilft auch nicht, dass meiner Frau und mir sofort auffiel, dass die Schwefelstellen allesamt deutlich größer geworden sind.

400°C Blubbelbad

Abseits vom komplett lebensfeindlichen Terrain ist es völlig atemberaubend hier. Auch im wahrsten Sinne des Wortes. Es stinkt wirklich schlimm an manchen Stellen. Gleichzeitig staunt man nicht schlecht, wenn Schwefelsäure den Boden zu Lehm verwandelt und zum Kochen bringt.

Kochende Erde

Und wenn man alles schon gesehen hat, dann bietet sich hier die Gelegenheit, dass man seinen dramatischen Auftritt üben kann. Wo sonst kann man proben, aus einer Nebelwolke zu erscheinen?

Episch!

Ihr seht, die Stimmung war auch heute wieder ungebrochen gut. Das letzte Highlight war dann, dass wir unsere geliebte isländische Schattenfigur noch mal zum Besten geben konnten.

Vier Arme mit Antenne

Morgen wollen wir dann in der Früh noch mal zu Europcar und den Papierkram klären, der offen geblieben ist, als wir unser Ersatzauto gekriegt haben. Ich hoffe, dass das nur ein kurzes Intermezzo wird. Denn danach wollen wir in den Nordosten der Insel. Das ist eine Ecke, die wir bislang meist eher ausgelassen haben. Dieses mal soll sich das ändern. Allerdings sieht der Wetterbericht gerade auch nicht so rosig aus… Aber hey, wir werden auch morgen sehen, was der Tag bringt. Ich bin guter Dinge, dass ich morgen Abend genug haben werde, über das es sich zu schreiben lohnt.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
X

Previous Post
Next Post

Hinterlasse einen Kommentar