Wenn es läuft, läuft es

Philosophie eines Urlaubs

Wieder ist ein Tag vergangen. Wieder frage ich mich, warum wir es eigentlich nie schaffen, uns körperlich zu erholen. Wieder bin ich nicht sicher, ob das eigentlich ein Problem ist.

Ja, es ist wohl richtig, dass meine Frau und ich Hummeln im Hintern haben. Unvergessen ist der damalige Strandbesuch an der Ostsee, wo wir uns wirklich vorgenommen haben, dass wir mal wie Erwachsene gepflegt Nichts machen. Es hielt keine Stunde. Dann war uns langweilig und wir sind wieder irgendwohin gefahren.

Das Wetter in Island würde zurzeit auch sehr gut ein Sonnenbad erlauben. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns hier irgendwo hinlegen und nichts machen, geht wohl gegen Null.

Es ist nicht mal so, dass wir aktiv darauf hinarbeiten, dass der Tag möglichst voll wird. Eher darf man es sich so vorstellen, dass die potentiellen Ziele niemals enden. Nehmen wir den heutigen Start in den Tag. Im Grunde war der Plan, dass wir nach Höfn kommen. Auf dem Weg dahin stand der Flögufoss relativ sicher als Fotostopp fest. Der Rest ergab sich recht spontan.

Unser Frühstück nahmen wir unterwegs auf einem Rastplatz ein. Wir kennen da eine Stelle zwischen den Bergen, bei der man ganz wunderbar den Wolken beim langwubbeln zuschauen kann.

Fotogene Wurstpackung

Das heutige unnütze Wissen ist wohl, dass Isländer extrem gutes veganes Brot haben. Ja, die gleichen Isländer, die in jedem Dorfladen quasi ganze Schafe im Kühlregal liegen haben. Aus irgendeinem Grund haben sie veganes Brot richtig gut drauf. Okay, ich hatte Wurst und Käse auf dem Brot, was den veganen Aspekt vielleicht minimal negativ beeinflusst. Wie dem auch sei – das Brot ist sehr lecker.

Gestärkt ging es dann in den Tag. Es dauerte keine 10 Minuten bis meine Frau rief „Planänderung!“ Was insofern witzig war, weil ich gestern völlig übermüdet war, als sie den Plan erklärte und daher keine Ahnung hatte, was eigentlich gerade passierte. Sie tippte dann schnell was ins Navi und in weiteren 10 Minuten sollten wir bereits irgendwo ankommen. An dieser Stelle bemerkt man vielleicht das blinde Vertrauen einer 20 Jahre andauernden Beziehung. Sie weiß, dass ich stumpf dahin fahre, wo sie denkt, dass es gut ist. Ich weiß, dass sie schon gute Sachen findet. Und wir beide wissen, dass das funktioniert.

Wir fuhren durch eine kleine Hafenstadt. Am Stadtrand ging es über eine Ansammlung von Kieseln, die sich Schotterpiste nannten, weiter. Dann mussten wir noch ein paar hundert Meter zu Fuß weiter und auf einmal standen wir vorm Búðarárfoss.

Hidden Gem

Wenn man bei YouTube und Co nach unbekannten Wasserfällen sucht, kommen gern Vorschläge, zu denen stündliche Reisebusse fahren. Beim Búðarárfoss wäre ich nicht mal sicher, ob die Einwohner der benachbarten Hafenstadt ihn kennen.

So schön der Wasserfall auch war, für uns ging es direkt weiter zum nächsten Highlight. Der Werdegang war ähnlich wie zuvor: Meine Frau fand irgendwie irgendwas und ich fuhr einfach dahin.

Im Nirgendwo angekommen, war ich durch das frische Erlebnis des Búðarárfoss noch sehr euphorisch, dass auch dieser Stopp ein Schmankerl wird. Die erste Ernüchterung kam dann allerdings beim Parkplatz. Da stand dann ein runtergekommener Frachtcontainer zwischen Kieshaufen. So richtig einladend war das nicht. Es wurde auch nicht besser, dass dann Wolken auf Knöchelhöhe auf uns zu waberten und uns sehr bald umzingelten. Zwar sah ich dann einen Wasserfall aber Hand aufs Herz: So einen Wasserfall sieht man hier alle 5 Minuten.

Wasserfällchen im Nebel

Meine Frau teilte meine Enttäuschung nicht. Stattdessen ging sie noch ein wenig weiter und fand dann einen sehr versteckten Weg. Wir folgten der 30cm breiten Linie, auf der keine Pflanzen wuchsen. Bis wir auf einmal direkt vor einem Wasserfall standen.

Hidden Gem 2.0

Das war schon richtig stark. Ich sah dann einen Pfad, der sogar noch in eine Höhle hinter den Wasserfall führte. Ich habe genug Videospiele gespielt, um zu wissen, dass der Goldschatz immer hinter dem Wasserfall in der Höhle liegt. Natürlich musste ich dann auch dorthin.

Kein Gold – nur Wasser

Mit dem Schatz hinterm Wasserfall hat es heute nur im übertragenem Sinne geklappt. Schade eigentlich – aber man kann ja nicht alles haben und dass man aus einem Islandurlaub nicht gerade reicher herauskommt, wusste ich auch schon vorher.

Raus aus dem Wasserfall und auch raus aus der Wolke ging es für uns nun weiter in Richtung des Flögufoss. Sonne, Wind und Wolken trieben dabei allerhand Schabernack. So ergab sich beispielsweise die Situation, dass wir beim Fahren doch noch mal tief in eine Wolke kamen. Wenig später ging es leicht bergauf und wir wurden keine 50m später von strahlender Sonne begrüßt. Nebenan im Wasser, peitschten die Wellen gegen Steine – es war mal wieder Islandwetter in seiner schönsten Form.

Wildes Island

Beim Flögufoss machte sich dann bezahlt, dass wir schon mal hier waren. Wenn man die Ecke nicht kennt, neigt man dazu, sehr sehr weit vorn an der Straße zu parken. Das kann man zwar auch machen – dann geht man aber eben auch locker 20-30 Minuten länger pro Richtung spazieren.

Vor Ort stellte sich dann raus, dass der aktuelle Wasserreichtum auch so seine Schattenseiten mitbringen kann. Denn, wenn man nah zum Flögufoss will, muss man über seinen Fluss drüber. Solang der wenig Wasser führt, ist das gar kein Problem. Aktuell ist der Fluss aber teilweise 2-3m breit und durchaus reißend. Wenn man ihn aber ein Stück entlang geht, findet man Passagen mit kleineren Inseln und kann ihn dann doch ganz okay überqueren.

Ohne nasse Füße drüber

Dank der Lage, dem schwierig anmutendem Weg dorthin und dann noch dem Fluss ist man hier tendenziell auch sehr wahrscheinlich allein. Da das Wetter zu dem Zeitpunkt dann auch noch gut mitmachte, nutzte ich die Gelegenheit und startete mal wieder meine Drohne.

Auf Augenhöhe

Und wer darf natürlich nicht bei so einer schönen Gelegenheit fehlen? Richtig – Murphy! Der Gute kommt ganz schön rum und erheitert uns regelmäßig mit seinen Wobbelaugen. Heute stellten wir dann auch fest, dass er ganz toll fotobomben kann.

Was geht aaaaab?

Wir fuhren als nächstes zu einem kurzen Stopp beim Blábjörg. Hier trennten sich dann kurz die Wege von meiner Frau und mir. Denn während sie am Strand Fotos machte…

Der grüne Blauberg

…saß ich im Auto und fragte mich, warum unsere Kiarla es gerade nicht so gut mit uns meint. Während der Fahrt ploppte auf einmal ein gelbes Warnlämpchen auf und in heiteren Lettern konnte ich lesen „Blinklicht prüfen“.

Als wir da so parkten, bin ich mal ums Auto und sah erstmal, dass alle Blinker das taten, was sie tun sollten. In Textform würde ich es für alle Lichter so beschreiben: Licht an – Licht aus – Licht an – Licht aus… und das wiederholt sich nun endlos. Allerdings wurden die Blinkintervalle manchmal wirklich sehr kurz und schnell. Eine kurze Internetrecherche sagte mir dann, dass sowas schonmal passieren kann, wenn die Elektronik nass wird. Ich mein… es konnte wirklich niemand ahnen, dass es in Island auch mal nasse Tage gibt. Mein Gedanke war dann: „Solang der Blinker irgendwie geht, habe ich kein Problem.“ Erstaunlich entspannt bin ich dann auch noch mal zum Strand und sah, wie meine Frau gerade Fotos von Steintürmchen machte.

Mini grüner Blauberg

Wir beschlossen dann relativ zielstrebig nach Höfn zu fahren. Wohlwissend, dass aber noch ein Wasserfall am Straßenrand kommen würde. Wir fuhren circa 40 Minuten und landeten dann weiterhin bei bestem Wetter beim Barkináfoss.

Klein und fein

Ich mag diesen Wasserfall sehr gern, denn es ist wirklich unfassbar einfach hier direkt ans Geschehen zu gehen. Man macht einen satten Schritt über die circa 1m hohe Steinwand am Anfang und dann setzt man nur noch einen Fuß vor den anderen. Schwupps steht man direkt vorm Wasserfall.

Näher ran geht nur mit Badehose

Und klar, der Weg von Parkplatz zum Wasserfall ist denkbar kurz. Trotzdem gibt es hier viel schönes zu entdecken. Sei es für die Fotos oder für die Seele. Ich mein, Wasser hat allgemein etwas sehr angenehmes, wenn es fließt. Hier umkurvt es Steine und Felsen und ist dabei kristallklar. Was will man mehr?

Berauschend

In meinem Fall will man mehr, dass man die Familie mal direkt von so einem Ort aus per Videotelefonie anruft. Dank wunderbarem Internet und dem Smartphone nie weit weg, konnte ich dann auch mal mit meiner Mama am Telefon direkt zum Wasserfall laufen.

Action Telefonie

Das war auf jeden Fall ein weiteres Highlight für mich. Danach ging es dann aber wirklich nach Höfn.

Zu Höfn muss man wissen, das wir 2018 auch schon mal dort waren. Damals waren wir auch sehr platt und hungrig. Wir fanden zufällig ein Restaurant, welches passenderweise direkt neben unserem Hotel war – das Pakkhús. Damals hatte es sich bei uns eingebrannt, wie gut das Essen dort war und wie wohl wir uns insgesamt dort fühlten. Heute, 6 Jahre später, waren wir endlich mal wieder da.

Aus Gründen, die ich nicht genauer erklären kann, war ich heute in Ausprobierstimmung. Es gab daher für mich mal isländischen Oktupus.

Oktupus in Limettenmayo

Und danach probierte ich mal Pferde-Tenderloin. Ich weiß nicht wie euch das geht, aber wenn man „Pferd“ hört, denkt man ja nun nicht als erstes an Essen. Aber was soll ich sagen – der Gedanke war das einzige, was komisch war. Beide Gänge waren ganz hervorragend.

Gegrilltes Hottehü

Satt und glücklich ging es dann in unsere Unterkunft. Aus unserem Cottage sehen wir in der Ferne schon unsere Ziele für morgen. Dann wollen wir in die weite Welt der Gletscher und Eisberge. Wenn das Wetter weiterhin so schön bleibt, wird das bestimmt ein spannender Kontrast. Aber auch wenn nicht – wir werden bestimmt auch morgen wieder eine gute Zeit haben.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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