Sprichwörter

Urlaubsgerechte Lebensweisheiten

Wenn ein gutes Pferd nur so hoch springt, wie es muss, dann besucht ein guter Urlauber auch nur so viele Sehenswürdigkeiten, wie er zum glücklich sein braucht. Ja, vielleicht ist die Redensart mit den Urlaubern noch nicht so gebräuchlich (was womöglich daran liegt, weil ich sie eben erst erfunden habe) aber es fühlt sich doch an, als wäre da was dran.

Getreu dieser neu-gefundenen Lebensweisheit haben wir heute, nach gut 2 Wochen Urlaub, endlich das geschafft, was wir uns ursprünglich vorgenommen haben. Wir haben es wirklich mal langsam angehen lassen.

Informiert die Ältesten – wir haben ausgeschlafen. Auch wenn meine Frau hier vielleicht widersprechen würde. Aber wir lagen um 8 Uhr immer noch im Bett. Wer mich kennt, weiß, dass das ein bemerkenswerter Moment ist. Zumal draußen eigentlich wieder ein Wetter war, dass gerade zu dazu verpflichtet hätte, dass man wieder alles aus so einem Tag rausholt. Aber nein – heute nicht.

Denn der frühe Vogel mag den Wurm fangen. Aber der späte Urlauber… nun… der kann halt länger schlafen. Da meine selbstkredenzten Sprichwörter immer sperriger werden, lasst uns doch einfach zu den Geschehnissen des Tages übergehen.

Nachdem angesprochenem gemütlichen Start in den Tag, fuhren wir zum Skógafoss. Die sagenhafte Entfernung von 4,3 Kilometern zum Parkplatz überbrückten wir dabei ohne Navigationsgerät. Wir sind hier schließlich ortskundig. Diese Sternstunde meines Orientierungssinn wurde bereits kurz hinter unserer Haustür durch ein anderes Ereignis überschattet. Ich weiß nicht warum, aber da stand ein einzelnes Schaf auf der falschen Seite des Zauns.

Was määäht aaab?

Der Bock wollte offensichtlich auf die andere Seite des Zauns und wusste nun aber nicht wie. Er lief ein paar Schritte nach links, dann den gleichen Weg nach rechts, dann meckerte er. Das wiederholte sich ein paar mal und er wurde offensichtlich unzufriedener mit der Situation. Meckernd rannte er irgendwann hinter unser Auto und ich bin sehr sicher, dass er uns die Schuld an seinem (Achtung: richtig guter Wortwitz) Dilämmer gab.

Mit dem Blick auf das heutige Motto der Redensarten, bin ich unsicher, ob man dem Schaf jetzt sagen sollte, dass die anderen Wiesen immer grüner sind. Oder wir stellen die These auf, dass blinde Hühner zwar mal ein Korn finden, dieses Schaf aber nie den Weg zur Wiese.

Wir sind dann jedenfalls beim Skógafoss angekommen und mussten feststellen, dass Island tatsächlich so langsam aus den touristischen Nähten platzt. Wir hatten es nicht mal 9 Uhr und dort waren zig Menschen. Der Campingplatz quoll über und selbst der erste Reisebus stand bereits vor Ort. Vor ein paar Jahren war man vor 9 Uhr hier immer noch völlig allein. Mal sehen wo die Spirale noch hinführt.

Das Problem ist ja mitunter auch gar nicht, dass per se viele Menschen da sind. Es ist eher so, dass es immer schwieriger wird, Fotos zu machen, auf denen man die Menschen nicht sieht. Trick Nummer 1 ist dabei, Objekte finden, die dem Bild gut tun aber gleichzeitig Menschen verstecken.

Zack – Reisegruppen verschwunden

Tatsächlich war die Welt aber selbst mit den Menschen vor Ort in Ordnung. Man hat am Skógafoss morgens mit Sonne auch pauschal einen hübschen Regenbogen und wie sollte es uns auch schlecht gehen, wenn Murphy wieder mit am Start ist?

Der Blick der Urlauber…

Und wenn alle Dämme brechen, macht man eben doch einfach mal Nahaufnahmen.

Postkartenmotiv

Kleine Randanekdote: Als wir so am Ufer des Skógá standen, sah ich am Boden irgendwas glitzern. Bei näherer Inspektion stellte sich dann raus, dass jemand dort ein Sammelsurium wichtiger Dinge verloren hatte. Mit mal hielt ich Personalausweis, Führerschein, Kreditkarte und Büchereiausweis von Eduardo in der Hand.

Meine Frau und ich suchten Eddy direkt, fanden ihn aber nicht. Ich fragte einen Busfahrer, ob es eventuell einer seiner Passagiere wäre – aber nein. Der Busfahrer meinte aber, dass der Gute bei dem Verlust sehr sicher zurückkommen wird, um zu suchen. In diesem Szenario macht es dann wohl einfach viel Sinn, dass man das Fundstück bei der Rezeption des hiesigen Hotels abgibt. Ich hielt das auch für schlüssig und tat dann genau das. Seiner Zeit hatte ich in Norwegen mal einen Moment, wo ich dachte, dass ich meine Kreditkarte verloren hätte. Der Schreck sitzt im Urlaub besonders tief. Also Eddy, wo auch immer du bist, ich hoffe du hast dein Zeug wieder.

Für uns ging die Reise dann auch weiter. Direkt nebenan und doch weit weg von den ganzen Menschenmassen liegt der Kvernufoss. Für uns eine Premiere, weil wir sonst irgendwie immer so viel zu tun hatten, dass wir uns für dieses Schmuckstück schlicht die Zeit nicht genommen hatten. Heute sollte sich das ändern. Besser spät als nie möchte man sagen. Denn der Ausflug hat sich wirklich sehr gelohnt.

Zuerst geht man entlang einer schönen grünen Wiese und hört schon das Wasser rauschen.

Sommer in Island

Man biegt dann leicht links hinter den Berg ab und folgt einen immer noch sehr gut ausgebautem Weg. Nach etwa 10 Minuten sieht man dann bereits den Wasserfall. Aber es kommt noch mehr.

Noch über den Hügel…

Denn wenn man erstmal auf dem letzten Hügel steht, schaut man in einen Mix aus Canyon, Tal und einer kleinen zauberhaften Welt. Mal im Ernst, es würde doch niemanden wundern, wenn hier Elfen und Feen umherschwirren.

Zauberhaft

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre das, dass analog zum Herrn der Ringe, jemand mal einen Fantasy-Epos schreibt und diesen in Island verfilmt. Hier gibt es so viele Orte, die im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaft sind oder echt magisch anmuten. Doch mit diesem Anblick war die Reise zum Kvernufoss immer noch nicht bei ihrem Höhepunkt. Denn wir sahen, dass man sogar hinter den Wasserfall gehen kann. Bei der gerade hereinbrechenden Sonne… ein Muss!

WOW!

Mein lieber Herr Gesangsverein. Was war das für ein Anblick? Selbst meine Frau, als große Verfechterin und Fan des Skógafoss meinte, dass der Kvernufoss heute schon klar den Tagessieg als bester Wasserfall davon getragen hat. Es war spektakulär! Und wieder fand ich daneben etwas, was dem Kind in mir viel Freude bereitete. Im Spiel aus Sonne und Gischt hatte ich wohl echt mehr Spaß, als ein Erwachsener haben sollte.

Whoop Whoop

Eine toller Erfahrung, dort in diesem Sprühregen vor dieser Naturschönheit zu stehen. Dank der Sonne machte das bisschen kaltes Wasser auch kaum etwas aus und so war es noch nicht mal Mittag und der Tag schon ein Erfolg.

Als nächstes sind wir dann eine halbe Stunde zum Blacksand Beach gefahren. Auf dem Parkplatz sollte sich einmal mehr zeigen, dass Island wohl absehbar im Süden ein Infrastrukturproblem bekommen wird. Es sind wirklich unfassbar viele Menschen für den wenigen Platz. In der Folge gibt es dann eigenartige Situationen. Beispielsweise stand ich blinkend auf dem Parkplatz und wartete auf eine freie Lücke. Autos, die nach uns kamen, taten dasselbe. Als dann mal eine Lücke vor uns aufging, machte sich dann auch gleich ein zweites Auto auf den Weg und hupte mich an, wie ich mich erdreisten konnte, vor ihm da reinzufahren. Ich will nicht wissen, wie viele Gemüter hier am restlichen Tag noch überkochten.

Und wofür macht man das alles? Für einen schwarzen Strand. Ich vergesse durch die vielen Islandurlaube manchmal, dass es immer noch etwas besonderes ist. Mich zieht es hier viel mehr wegen der Wellen her. Aber wenn ich dann erstmal da bin, ist es einfach insgesamt eine sehr imposante Szenerie.

Schwarz weiß

Heute war die Warnstufe bereits gelb. Das heißt, dass man im Grunde kaum weit auf den Strand gehen sollte. Die Möglichkeit von „Sneaky Waves“ ist relativ hoch und man befindet sich hier an keinem Badestrand. Das Wasser hat hier verdammt viel Kraft und es gibt jedes Jahr Menschen, die vom Wasser aufs Meer rausgezogen werden. Vergisst man gern, wenn man in der Sonne steht und die Brise spürt – aber die Gefahr ist da.

Speziell mit meinem gestrigen Malheur der nassen Schuhe, war ich heute also gut sensibilisiert. Ich kann aber gleich sagen, dass die Schuhe heute trocken blieben. Zumindest meine. Bei vielen anderen am Strand konnte man das aber nicht sagen. Muss wohl jeder für sich selbst lernen.

Wir gingen dann ein kleines bisschen am Strand entlang und schauten uns die Wellen und die Gischt an. Hinter uns startete sogar mal ein Paraglider vom Berg. Es ist schon beeindruckend, wenn man hier steht. Auch, weil in der Ferne noch immer die drei Trolle im Wasser lauern und das Gesamtbild abrunden.

Aufgewühlt

Da uns viele Menschen aber meistens auch überfordern, beschlossen wir aus dem Trubel zu verschwinden und tatsächlich in die allgemeine Richtung heimwärts zu fahren. Wir stoppten in Vik noch für ein Crêpes und gingen dann schon mal vorausschauend ein Abendbrot einkaufen.

Und dann… waren wir um 14 Uhr bereits wieder in unserem Cottage und gönnten uns erstmal einen richtig guten Mittagsschlaf. Was war das für eine Wohltat?! Herrlich.

Ich war etwas früher wieder wach und machte mich dann mal daran, die Postkarten des Urlaubs vorwärts zu bringen. Der Anspruch ist nach wie vor, dass wir hier keine Massenware produzieren, sondern jeder einen eigenen kleinen Text kriegt. Ihr kennt meinen Blog, ihr wisst, dass die Texte nicht zwingend gut sind – aber – jeder kriegt einen individuellen Text! Irgendwann gesellte sich dann auch meine Frau zu mir und der Zeitraffer dieser Aktion schenkte uns dieses Meisterstück eines Bildes.

…und einer arbeitet…

Morgen wollen wir dann die Wanderung angehen, die wir uns ursprünglich für heute vorgenommen haben. Dann muss eigentlich nur das Wetter mitspielen. Nach diesem Tag der Erholung, haben wir aber auf jeden Fall genug Kraft für Großes.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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