Ende eines Urlaubs
Und da ist er – der letzte Urlaubstag. Es war mal wieder ein wilder Ritt und der heutige Tag sollte sich nahtlos in die Reihe der erlebnisreichen Tage einreihen.
Mein Hauptproblem am Tag vor der Abreise ist, dass ich es irgendwie schaffen muss, meine Nervosität in den Griff zu kriegen. Am besten klappt das durch Ablenkungen. Wenn mir das nicht gelingt, sitze ich den ganzen Tag wie auf Kohlen und die Zeit will gar nicht vergehen. Dafür hat Island aber letztlich viel zu viel zu bieten. Die Frage ist immer nur: Was macht man eigentlich genau?
Der Anfang war relativ einfach zu gestalten: Das Auto muss gepackt werden. Nach vier Nächten im gleichen Apartment war es beinahe ungewohnt mal wieder Gepäcktetris zu spielen. Der Unterhaltungswert dieser Aktion wurde dann noch um ein vielfaches gesteigert, als uns eine Katze besuchte.

Wir waren einen geschlossenen Kofferraum davon entfernt eine weitere Samtpfote zu adoptieren. Die Kleine war ganz bezaubernd und sehr verschmust. Wie das Bild zeigt, beruhte die Zuneigung wohl ein stückweit auf Gegenseitigkeit.
Nach ein paar Minuten zog die Liebe dann jedoch auch weiter und wir taten es ihr gleich. Für uns ging der Weg noch einmal in den Osten. An einer Tankstelle besorgten wir uns noch einen Snack zum Frühstück und dann fuhren wir zum Gluggafoss.
Wir saßen im Auto, aßen unseren Snack und bestaunten noch einmal diesen wunderschönen Wasserfall. Es gibt schlimmere Wege, Zeit totzuschlagen.

Natürlich sind wir dann irgendwann doch noch mal ausgestiegen und haben uns die Schönheit der Natur noch mal von allen Seiten gegeben. Es ist herrlich hier. Der Wasserfall ist malerisch für sich und wenn man sich umdreht, sieht man in der Ferne die schneebedeckten Berge und Vulkane.

Heute grasten auch noch zwei Schafe tiefentspannt dort entlang. So kann der Tag doch starten. Wir schossen noch ein paar Fotos und fuhren dann über eine Schotterpiste weiter.
Entlang des Stora-Dimon und des Seljalandsfoss, kamen wir irgendwann wieder auf die Ringstraße. Dieser folgten wir für eine gute halbe Stunde und kamen dann zum Skógafoss.
Einmal mehr machte sich meine Autofahrer-Lebensweisheit bezahlt: „Wenn ich schon keinen Parkplatz kriege, kann ich auch keinen guten Parkplatz kriegen.“ Wir standen soweit vorn, wie es für Autos nur ging.
Der Wind wehte hier wieder mal aus allen Richtungen. Auch wenn das Wetter insgesamt freundlich war, ist die Kombination aus sprühendem Wasserfall und Wind etwas, was auf kurz oder lang die Kälte in einen treibt. Als hartgesottene Islandfans sind wir darauf aber natürlich bestmöglich vorbereitet. In der Folge sah es dann so aus, dass immer mehr Leute vom Wasserfall fröstelnd weggingen, während wir eisern dastanden und das Schauspiel genossen.

Natürlich war auch Murphy mal wieder mit dabei. Auch für ihn war es ja die Abschiedstour durch Island und selbstredend braucht er dann auch noch mal ein Beweisbild seiner Anwesenheit.

Auch hier war es eine tolle Idee, sich die Zeit zu vertreiben. Der Skógafoss ist einfach sehr fotogen, imposant und mit den richtigen Klamotten kann man dann doch sehr lang dastehen und genießen.
Wir beschlossen dann irgendwann aber auch weiterzuziehen. Erst hatten wir überlegt, dass wir im Hotel am Skógafoss etwas essen könnten. Aber so richtig hatten wir noch keinen Appetit auf Mittagessen. Stattdessen führte uns unser Weg weiter zum Cáfe am Kvernufoss.
Es gibt dort ein kleines Museum und einen Souvenirshop und eben besagtes Cáfe. Es gab allerlei Torten und einen frischen Kaffee. Wieder lässt sich festhalten, dass ich schon schlimmer Zeit totgeschlagen habe.
Als nächstes fuhren wir nach Vik und bummelten noch einmal durch den vermutlich größten Laden des Landes. Ein paar Kühlschrankmagnete später, verließen wir das Geschäft aber auch schon wieder und fuhren zum eigentlichen Star unseres heutigen Tagesprogramms: Der Lava Show.
Ja, wir waren schon zweimal bei der Show, aber ich kann jetzt schon sagen, es hat sich auch ein drittes mal gelohnt. Eine gute Stunde erfährt man einiges über Lava. Für einen Moment fließt hier echte Lava kontrolliert in den Raum. Ein Mitarbeiter demonstriert dann zum Beispiel, wie die Verglasung passiert oder zeigt eindrucksvoll, wie dünne Lavafäden aussehen.

Das ganze hat latent etwas wissenschaftliches. Gleichzeitig ist es natürlich eine wahnsinnige Show. Da steht jemand und piekst in 1.000°C heißer Lava umher. Nebenbei erzählt er von Vulkanen, und dass er Obsidian hauptsächlich in Minecraft kennengelernt hat. Es ist eine gute Stunde, bei der man viel zu sehen hat.

Und wieder ging eben Zeit von der Uhr, die mich sonst in den Wahnsinn getrieben hätte. Gegen 14 Uhr war die Show vorbei und es lag nun eine dreistündige Autofahrt vor uns.
Die Fahrt verlief im Grunde recht ereignislos. Einmal musste ich vollbremsen, weil jemand ohne blinken und scheinbar auch ohne zu schauen vor mir auf die Spur zog… einmal musste ich vollbremsen, weil ein Selbstmordvogel eigenwillige Flugmanöver zeigte. Aber sonst – ereignislos.

Trotzdem finde ich diesen Part des Urlaubs immer sehr anstrengend. Das Volltanken ist noch der harmloseste Teil. Den Mietwagen abgeben, mit allem was wir bislang erlebt haben, kostete mich aber einiges an Nerven.
Letztlich muss man sagen, war der Unfall mit dem Vogel etwas kostspielig, aber nichts, was uns die warme Mahlzeit am Abend rauben wird. Die restlichen kleinen Macken am Auto oder die ganze Geschichte rundum den Fahrzeugwechsel waren den Menschen bei Europcar wie immer ziemlich egal. Uns dann natürlich auch.
Unsere Koffer haben wir mittlerweile auch schon im Flughafen abgegeben. Das ist ein wirklich praktischer Service, wenn man einen Flug in den frühen Morgenstunden hat. Wir werden also dann morgen früh direkt zum Sicherheitscheck laufen und dann rumgammeln.
Abendbrot hatten wir jetzt auch schon. Und der letzte Blog nähert sich auch unweigerlich den Schlussgedanken.
Ja und das war es dann mit dem Urlaub. Gute drei Wochen waren wir hier und haben einiges erlebt. Das Wetter war wirklich großartig und mal abgesehen von einem platten Reifen im Nirgendwo, einem toten Vogel, einem zerquetschten Finger und nassen Schuhen am Diamond Beach… war doch eigentlich das Meiste ganz wunderbar. Der Zufall spielte uns auch immer wieder in die Karten und so fanden wir in diesem Urlaube einige Orte, die uns bislang verborgen blieben.
Island ist und bleibt ein ganz besonderes Geschenk für uns. Ich betrachte es durchaus als Stück Lebensqualität, dass ich die ganzen Eindrücke sammeln durfte.
Wenn ich dann nun auf den Blog schaue, habe ich es auch tatsächlich wieder geschafft jeden Tag ein mehr oder minder gelungenes Résumé zu schreiben. Laut Statistik haben sich täglich 10-20 Leute meine Ergüsse angeschaut. Das finde ich schon wirklich verrückt. Wer auch immer ihr Bekloppten seid – ich hoffe, dass euch das Lesen ein bisschen von der Freude mitgegeben hat, die ich hier in Island hatte.
In diesem Sinne
Bis zum nächsten Urlaub
Habe die Ehre
X
Hinterlasse einen Kommentar