Fast Schneewittchen

Wenn Urlaub wie im Märchen ist

Am heutigen Tag unterscheiden Schneewittchen und mich eigentlich gar nicht mehr so viele Dinge. Sie war hinter 7 Bergen, ich war in Bergen. Sie war bei 7 Zwergen, ich hatte meine Frau dabei. Bislang möchte mich keine Königin aufgrund meiner Schönheit umbringen. Das mag aber auch einfach daran liegen, dass Norwegen keine Königin hat und der König scheinbar keine Bedrohung in meinem Aussehen sieht (zumindest habe ich noch nichts anderes von ihm gehört). Statt einem Apfel wurde mir auch Softeis angeboten… wo ich so anfange darüber zu schreiben, trennt mich von Schneewittchen vielleicht doch mehr, als ich noch vor 3 Sätzen dachte.

Ich weiß, dass meine Gedankengänge mitunter herausfordernd sind. Aber ich erzähle den Vergleich zu Schneewittchen allein deshalb, weil wir heute in Bergen sind und es durchaus in die Kategorie märchenhaft fällt. Außerdem habe ich mich vorhin verschrieben und aus Schneewittchen kurzerhand Schnittchen gemacht. Insgesamt finde ich es auch viel glaubhafter, dass 7 Zwerge hinter 7 Bergen ein paar Schnittchen hatten, als das eine junge Disney Prinzessin bei ihnen wohnte. Aber das ist eine Diskussion für ein andern mal.

Mein Tag begann heute mitten in der Nacht. Es war etwa 3 Uhr und ich lernte mal am eigenen Leib kennen, wie es sich anfühlt, wenn der geübte Seemann davon spricht, dass eine Boot dank Wellen rollt. Für die Zielgruppe, die dieses Gefühl nicht kennt: Falls ihr schon mal richtig betrunken gewesen seid und im Bett wart und sich das Zimmer trotz körperlicher Ruhe gedreht hat – es fühlt sich etwa so an.

Zu meiner großen Freude fiel im Bad dann auch noch ein kleiner Hocker durch die Bewegungen des Schiffes um und schepperte in einer Qualität, dass mein Körper ohne Anlauf die Position im Bett von horizontal auf vertikal änderte. Es war ein Urlaubserlebnis der anderen Art.

Erstaunlicherweise schlief ich trotz oder vielleicht auch wegen des Schaukelns danach schnell wieder ein. Vielleicht lag es aber auch an der Uhrzeit und dem Umstand, dass ich hundemüde war. Es war dann so circa 6.40 Uhr als mein Handy klingelte und ich begriff, dass vertikal im Bett stehen scheinbar ein natürlicher Reflex von mir ist. Meine Mutter rief an. Sie teilte mir mit, dass sie wach ist. Gut, war ich dann auch.

Und während mein Herz kurz prüfte, ob es noch schlägt und mein Gehirn sortierte, wer ich bin und wenn ja, wie viele – stellte ich beim Blick aus dem Fenster fest, dass das schon alles sehr norwegisch anmutete. Diese kleinen Steininseln mit viel Grün und noch mehr Wasser. Dinge, die man sonst nur aus dem Fernsehen oder Reiseführern kennt. Es ist so andersartig zu Berlin oder letztlich auch allem, was wir in Deutschland haben. Mit so einem Ausblick, kann ein Start in den Tag gar nicht holprig werden.

Und dann ist man in Bergen und was soll ich sagen. Norwegen, und speziell heute früh dann Bergen, sieht einfach direkt so aus, als wäre es aus einer Broschüre für schöne Reiseziele abgepaust.

Wir gingen dann zum Frühstück und stärkten uns für das, was heute kommen sollte. Der große Plan war nämlich, dass wir mit einem Bus eine Stadtrundfahrt machen. Wir haben das zwar x-mal mit dem Reisebüro durchgespielt und selbst vor Ort hier noch mal nachgefragt aber ich war trotzdem recht angespannt, ob dass alles so klappt. Meine Sorge galt wechselwirkend den Fragen, ob der Bus gut ausgestattet für einen Rollstuhl ist und ob meine Mutti gut gerüstet für eine Busfahrt ist. Kleiner Spoiler: Beides war derart kein Problem, dass ich mich Frage, warum ich überhaupt Sorgen hatte.

Tatsächlich war AIDA auch heute wieder gut organisiert. Wir kamen problemlos aus dem Schiff und hatten vielleicht Luftlinie 200m bis zum Bus zu gehen. Am Bus selbst wurden wir kurz begrüßt, der Busfahrer fuhr entspannt eine hydraulische Bühne hin und her und die Welt war gut.

Am Rande davon sei erwähnt, dass direkt neben dem Rollstuhlplatz bereits ein älteres Paar saß. Sie sahen uns und gerade als meine Mutter einstieg, sind sie aufgestanden und haben sich eine Reihe weiter nach hinten gesetzt. Meine Frau und ich konnte damit direkt bei meiner Mama sitzen. Die Sonne brach dann auch noch ein wenig mehr durch die Wolken und alle Vorzeichen standen auf „Es wird ein guter Tag“.

Wer jetzt eine dramatische Wendung erwartet und denkt, dass es doch ins Schlechte kippte, wird enttäuscht. Wir fuhren durch die Stadt und sahen allerhand Dinge, während uns ein charmanter Guide die ein oder andere Anekdote zum Besten gab. Besonders gefallen hat mir beispielsweise das Gebäude, dessen Zweck ich schon wieder vergessen habe – aber noch weiß, dass es die Form eines Flügels hat und Edvard Grieg gewidmet ist.

Auch die „Golden Gate“ von Bergen war durchaus ansehnlich und konnte Dank eines eingelegten Fotostopps auch sehr schön bewundert werden.

Mein Highlight der Tour war dann, dass wir an einer Seitenstraße des Fischmarktes anhielten und quasi über das Wasser den historischen Teil der Stadt sehen konnten. Im Hintergrund die Berge und die Seilbahn. Ein Panorama, was man wohl ohne Übertreibung als atemberaubend beschreiben darf.

Bergen hat auf jeden Fall eine Menge zu bieten. Das liegt neben offensichtlichen touristischen Attraktionen aber auch daran, weil es hier irre viele Details gibt. Beispiele gefällig? Da stehen Poller am Hafen, die aussehen wie Kätzchen. Es gibt an jeder Ecke Straßenkunst und wenn alles nichts hilft, dann stehen dort auch noch Statuen von Löwen.

Ich muss jetzt keine Woche hier Urlaub machen (wobei man vermutlich selbst die voll kriegt). Aber es ist schon so, dass Bergen sich für einen erneuten Besuch empfohlen hat. Unser Guide wusste auch zu erklären, dass man Bergen offiziell nur dann besucht hat, wenn man mal im Regen hier war. Das ist wohl eine Anspielung darauf, dass Bergen als regenreichste Stadt Europas gilt. Ich will es mal so sagen, ich habe den Regen heute nicht vermisst und würde, wenn ich wiederkomme, hoffen, dass es ähnlich gutes Wetter gibt, wie heute.

Nach der zwei-stündigen Bustour sind wir dann auch noch mal zu Fuß ein stückweit durch die Straßen geschlendert. Bei bestem Wetter gab es dann am Fischmarkt noch ein Softeis und genug Eindrücke, um den Tag bereits jetzt als Erfolg zu sehen.

Zum Nachmittag sind wir dann aber doch so langsam zurück zum Schiff. Die Füße qualmten und mit der Zeit meldete sich dann doch auch der Magen und fragte, ob die Dehnübungen der letzten Tage nicht noch ausgebaut werden könnten.

Das Buffet war dann wieder recht schön und lecker und weil das so ist, verdient es sich heute nun auch keiner tieferen Erwähnung. Stattdessen hat es mich viel mehr gefreut, dass ich mit der neuen Kamera scheinbar auch langsam ein Gefühl dafür kriege, Details in meiner Umgebung zu sehen. Zwar scheitert es hier und dort noch an Belichtungen, Fokus oder sonstigen Einstellungen – aber ich halte schon mal gezielter die Linse auf die Objekte meiner visuellen Begierde. Im heutigen Fall war das eine Kirschblüten-Imitation im japanischen Restaurant.

Ja und dann saßen wir auch schon wieder auf dem Balkon und warteten gebannt darauf, dass es 17.30 Uhr wird. Denn um 17.30 Uhr sollte das Schiff ablegen und es gehört intuitiv zur guten Sitte, dass man sich das anschaut.

Als es dann „Leinen los“ hieß und das Schiff sich in Bewegung setzte, fühlte es sich schon wirklich stark nach Urlaub an. Man hat viel erlebt und ist dafür dankbar. Man hat auch noch viel vor sich und ist auch dafür dankbar. Es ist ein guter Mix.

Dass dieser Moment dann wieder einmal von vielen fantastischen Eindrücken begleitet wird, hilft natürlich. Kleine Inseln, dahinter Brücken, um einen herum noch dutzende Möwen… es ist schon ein Erlebnis.

So ein richtiges Abendessen gab es dann letztlich nicht mehr. Dafür war der Buffetnachmittag dann doch zu ausgeprägt. Morgen geht es dann auch relativ früh weiter. Ich meine, dass unser Ausflug gegen 8.30 Uhr geplant ist. Da wir recht sicher vorher noch frühstücken, lohnt es sich auch nicht mehr, jetzt (um kurz vor 21 Uhr) noch was zu essen.

Offen gestanden bin ich immer noch unsicher, inwiefern Kreuzfahrten so wirklich mein Ding sind. Aber der Tag heute, so ehrlich muss ich sein, dass war schon eine sehr Runde Sache.

In diesem Sinne – mal schauen, was der morgige Tag zu bieten hat.

Habe die Ehre
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4 Antworten zu „Fast Schneewittchen“
  1. Avatar von haraldboettger

    Du warst in Bergen und hast kein Foto von den bunten Bryggehäusern??? DEM Fotomotiv in Bergen schlechthin? Nur ganz klein und dunkel von der gegenüberliegenden Seite? Tststs 😉
    Bei unserem letzten Besuch mit der AIDAbella (2024) hat es in Bergen nicht geregnet, es hat geschüttet. Wir waren nach dem Stadtspaziergang nass bis auf die Haut, trotz Regenklamotten, brrrr. Die Male davor war es aber besser. Nächstes Mal müsst ihr hoch auf den Floyen 😉

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    1. Avatar von Murphy

      Ich war Softeis essen. Ich habe meine Prioritäten 😉 Und ehrlicherweise hat mich der Fischmarkt in meinen Grundfesten erschüttert… so viele Menschen, so viel Hektik… da waren keine Nerven mehr für das suchen gezielter Fotomotive 😉

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  2. Avatar von lordnibblerblog

    Vor ein paar Tagen, als wir von Rügen zurück nach Berlin gefahren sind, da waren wir auch in Bergen und haben getankt. Aber da sah es irgendwie nicht so schön aus wie auf deinen Fotos. 🙂

    Aber Spaß beiseite: Deine Erlebnisse klingen toll, ich bin gespannt wie dein Fazit nach der Reise bezüglich Kreuzfahrten ausfällt.

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    1. Avatar von Murphy

      Soweit ich mich erinnere, gab es hier in Bergen keine Rügen 🙂

      Ja, mit dem Fazit bin ich auch gespannt. Meine Mama hat schon weise festgestellt, dass der Urlaub nicht mit anderen zu vergleichen ist… ich glaube, da ist was wahres dran. Aber ich werde weiter berichten

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