Kommen und gehen

Stavanger an einem Tag

Unnützes- aber jetzt schon liebgewonnenes Wissen. Irgendwann um 1910 gab es ein „Rennen“ zwischen Schottland und Norwegen, wer als erstes am Südpol ist. Norwegen gewann, zeigte sich dann aber als guter Gewinner und schenkte Schottland einen Königspinguin. Sein Name war Nils Olav. In den 70igern wurde Nils Olav dann ins norwegische Regiment aufgenommen. Später gab es dann sogar einen Ritterschlag und mittlerweile ist er tatsächlich ehrenhalber Generalmajor und damit Teil der königlichen Garde. Es gibt ein Video auf YouTube von seiner Ernennung >>>hier geht’s zum YouTube Video<<<. Es gibt so großartige Geschichten auf der Welt.

Nun bin ich weder ein Pinguin noch werde ich absehbar den Südpol entdecken. Ich möchte trotzdem vom heutigen Tag erzählen. Denn soviel sei gesagt: ich fand ihn grandios.

Den Vorspann spulen wir (wie mittlerweile üblich) vor. Aufstehen gut, Frühstück gut… bla bla. Es ging heute in den Lysefjord. Über Nacht sind wir nach Stavanger geschippert und Dank der räumlichen Nähe, starten die passenden Ausflugsboote direkt neben unserer AIDA. Man sollte meinen, dass ein Transfer damit also relativ reibungslos läuft. Zumal AIDA bislang recht professionell und strukturiert unterwegs war. Nun ja.

Treffpunkt war 10 Uhr am Pier. Für gewöhnlich steht ein junges Mädel dann mit einem Schild da, scannt die Bordkarten und erzählt wo es hingeht. Heute standen da zwar viele Leute, aber niemand, der die Funktion der Reiseleitung einnehmen wollte. Irgendwann stellte sich dann raus, dass unsere Verantwortliche 50m weiter weg stand und ein falsches Schild in Händen hielt.

Mit einem Rollstuhl hat man dann immer so zweifelhafte Ehren, wie beispielsweise, dass man als erstes an Bord gehen darf. Das war auch heute so. Meine Frau musste dann kurzzeitig mal davon abgehalten werden, einen alten Mann an die Gurgel zu gehen, der sich an uns vorbeidrängeln wollte, als ich gerade meine Mutter „parkte“. Kurzer Hinweis, Rollstuhlfahrer haben es nicht leicht. Wenn du Arschloch sein möchtest, während ein Rollstuhlfahrer mal eine gute Zeit hat, stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich Phantasien kriege, deine Schneidezähne umzuformatieren. Aber wie gesagt, heute war meine Frau intensiv im… ich nenne es mal liebevoll „Erklärmodus“, dass weder die Zeit noch der Ort war, ein Arsch zu sein. Ich glaube nicht, dass der alte Mann seine Dummheit wirklich verinnerlicht hat. Er war aber eingeschüchtert genug, um still soweit wegzugehen, dass wir ihn den ganzen Tag nicht mehr gesehen haben. Und nachdem wir dann alle fröhlich da saßen, kam eine Durchsage. „Oopsi, wir sind auf dem falschen Schiff – bitte alle 100 Leute wieder runter vom Schiff.“

Das neue Schiff stand etwa 5m nebenan, war exakt baugleich und letztlich war es egal. Ich hätte trotzdem auch ganz gut damit leben können, wäre auch dieser Ausflug professionell und strukturiert geplant angelaufen.

Ursprünglich hatte man uns einen Platz in der Mitte des Schiffes zugewiesen. Da die Sonne bereits ganze Arbeit leistete, beschlossen wir, dass wir ans Heck des Schiffs nach draußen gehen. Dort war ein wenig freie Fläche. Eigentlich ging es dort nur hoch zum Sonnendeck. Man konnte aber problemlos nach hinten, links und rechts sehen und saß eben nicht hinter Glas. Das war durchaus nett.

Bei der Ausfahrt aus Stavanger stellten wir erstmal erneut fest, dass Norweger eine Schwäche für Streetart haben. Das wird sich im späteren Tagesverlauf auch noch mal bestätigen. Gestartet sind wir erstmal mit einer riesigen bemalten Fassade.

So interessant das sein mag, wir sind auch heute primär wegen der Natur hier. Wobei auch der nächste Schnappschuss eher davon lebt, dass nicht nur Natur da ist. Brücken haben allgemein ein gewisses Maß an Faszination mehr, wenn man unter ihnen durchfährt.

Dann waren wir aber wirklich im Fjord und direkt mit atemberaubenden Eindrücken konfrontiert. Kleiner Nachteil unserer Platzwahl war, dass im Boot ab und zu ein Tonband lief und scheinbar benannte, was man eigentlich sieht. Dank Umgebung und Motorengeräuschen kann ich nur so Dinge sagen wie „Da war Wasser bei hohen Steinen und es war sehr wow“.

Auch fehlt mir ein bisschen der Kontext, warum auf einem relativ leerem Stein im Fjord ein paar Ziegen hausen. Wir wurden langsamer und es steht dort ein Futterbehälter. ich gehe also mal davon aus, dass es schon seine Richtigkeit hat. So ganz verstehe ich es aber nicht. Auch frage ich mich, wie wohl ein Gedankenprozess aussieht, der damit endet, dass man irgendwann zwei Ziegen auf einem Stein aussetzt und es erfolgreich als touristische Attraktion verkauft. Ihr seht, wir sind kaum 5 Minuten im Beitrag und schon gibt es die richtig großen Fragen der Welt.

Quasi in Sichtweite der Ziegen-Insel wartete dann bereits ein wirklich hübscher Wasserfall auf uns.

In Norwegen ist es ja immer so eine Sache, wie weit die Schneeschmelze ist. Manchmal verschwinden Wasserfälle und manchmal werden sie bedrohlich groß. Dieses Exemplar hatte eine sehr angenehme Größe.

Unser Kapitän manövrierte das Boot gekonnt in einem Halbkreis um den Wasserfall, sodass man ihn von allen Seiten mal betrachten konnte. Man merkt hier durchaus, dass die Leute Tourismus beherrschen. Ich beschwere mich nicht. Ich find das gut.

Und weil so ein Umkreisen eines Wasserfalls einmal gut funktioniert hat, fuhren wir keine 500m weiter und fanden direkt einen zweiten Wasserfall, bei dem unser Kapitän erneut sein fahrerisches Können beweisen durfte.

Ich muss sagen, dass mir der heutige Fjord von den Wasserfällen her sehr gut gefallen hat. Ich würde sogar soweit gehen und ihn über dem Geirangerfjord einordnen. Das ist natürlich nur mein persönlicher Geschmack aber ja, die Wasserfälle waren heute schon sehr schick.

Und wenn es keine Wasserfälle gab, dann eben schöne Buchten oder spannende Formationen. Der Fjord heute hatte einiges zu bieten.

Wenn ich auf ganz hohem Niveau meckern möchte, dann stell ich fest, dass so Bergkämme mysteriöser und auch fotogener sind, wenn kleine Wolkenfetzen dran hängen. Aber sollte ich mich wirklich über 20°C, blauen Himmel und Sonnenschein bei einer Bootstour in Norwegen beschweren? Ich denke nicht.

Nach etwa drei Stunden ging es dann allmählich zurück nach Stavanger. Die Eindrücke waren sensationell, Wetter und Stimmung blieben bemerkenswert gut und ich stand am Heck des Bootes und ließ meine Hand durch den Fahrtwind segeln. Das Leben ist gut.

Zurück in Stavanger genossen wir das schöne Wetter und entschieden uns, dass wir noch ein wenig bummeln wollten. Der Ursprungsplan war, dass wir ein Eis essen gehen. Allerdings wollten wir uns in kein Restaurant dafür setzen… der Eisplan blieb daher unvollendet.

Meine Mutter und meine Frau fügten sich dann jedoch erfolgreich dem weiblichen Klischee und waren shoppen. Eine Jacke, eine Kette und eine Norwegenflagge (welche für mich ist) später, war der Kaufrausch ohne nennenswerte (Geld-)Verluste auch schon wieder beendet.

Wir schlenderten dann noch ein wenig los und genossen weitere Street Art, die engen Gassen und die allgemein sehr farbenfrohe Stadt.

Was aber ein wenig blöd lief war, dass Stavanger quasi nur aus Kopfsteinpflaster und „bergauf“ besteht. Es dauerte daher auch nicht lang, dass wir den „Heimweg“ antraten.

Zurück auf dem Schiff gab es eine wirklich niedliche Überraschung. Ich öffnete die Zimmertür und unser Housekeeping hatte uns aus einem Handtuch einen kleinen Hund aufs Bett gesetzt.

So Aufmerksamkeiten sind wirklich schön. Danach gönnte ich mir erstmal eine erfrischende Dusche. Heute sollte kein Mittagsschlaf folgen. Stattdessen gingen wir mal zu einer Eisbar und bestellten uns Kuchen.

So ganz habe ich die Bezahlphilosophie an der Stelle nicht verstanden. Wenn ich eine Kugel Eis dort haben möchte, zahle ich zwei Euro pro Kugel. Wenn ich 8 ganze Torten im gleichen Laden essen möchte, wäre das kostenlos möglich. Aber hey, man kann alles essen, muss aber nicht alles wissen. Manchmal kann man alles essen, muss aber nicht alles bezahlen. Und manchmal kann man alles essen, muss aber nur ein bisschen bezahlen… okay, ich bin wieder mal müde und es wird verwirrend.

Nach einem wieder mal gutem Abendessen (für mehr Details den „Bla bla Teil vom Frühstück noch mal lesen) gingen wir zu einer Show. Heute sollte im Theatrium der „STEAM PUNK Zirkus“ auftreten. Meine Frau hatte gemeint, sie will das unbedingt sehen und ich bin durchaus auch Fan von solchen Veranstaltungen.

Als kleiner Fun Fact kann ich jetzt auch abhaken, eine willkürliche Show unter dem Einfluss mehrerer Gin-Tonic mit meiner Mama gesehen zu haben. Ist immer schön, wenn Lebensziele erreicht werden.

Auch wenn ich formell nicht mehr „nüchtern betrachtet“ verwenden darf, mach ich es hier und jetzt doch noch mal. Denn nüchtern betrachtet, war die Show wirklich stark. Ich habe zwar insgesamt keine Ahnung, was die Geschichte sein sollte. Aber die Akrobatik war sensationell und so waren es auch ein paar der genutzten Effekte.

Manches war auch einfach wirklich gut arrangiert. Ich mochte zum Beispiel die Seifenblasennummer wirklich gern. Es hatte was kindliches und war doch auch für einen Erwachsenen sehr unterhaltsam zu sehen.

Und dann war es 20 Uhr, der Kapitän macht eine Durchsage und eskortiert von Möwen verließen wir Stavanger wieder. Ein wenig merkwürdig ist das schon. Einerseits gibt es den Gedanken, dass es bestimmt auch wieder schön sein wird Zuhause zu sein. Andererseits fühlt es sich so an, als würden wir langsam den Dreh für eine Kreuzfahrt raushaben. Entsprechend schade ist es, dass wir nun nur noch einen Seetag haben.

Aber ich will noch gar nicht in die finale Auswertung und schon gar nicht will ich jetzt bereits den Urlaub beenden. Wir hatten am ersten Seetag eine richtig gute Zeit – wir werden auch morgen bestimmt noch mal viele gute Dinge erleben.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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Eine Antwort zu „Kommen und gehen”.
  1. Avatar von lordnibblerblog

    Ich habe hier gerade 10 Minuten lang eine Lobrede auf deine tollen Beiträge und meine Erfahrungen in Stavanger geschrieben. Dann habe ich den Text aus Versehen gelöscht. Weil ich keine Lust hatte alles nochmal zu schreiben, eben jetzt nur diese kurze Variante.

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