Vorfreude, Müdigkeit und Diätpläne
Es ist mal wieder soweit. Noch 19 Tage bis es wieder nach Island geht. Aber die Phase, in der die Frage kommt „Habt ihr nicht bereits alles gesehen?“ hat bereits begonnen. Mittlerweile würde ich es aber eher sogar vermissen, wenn es nicht ab und zu dieses Gespräch geben würde.
Denn kurzgefasst – natürlich haben wir schon viel gesehen. Aber eigentlich noch nie zweimal das Gleiche. Jeder Besuch hat seine eigenen Eigenschaften. Ein Treffen mit guten Freunden läuft ja auch nicht immer gleich ab, nur weil es die gleichen Menschen sind. In Island sind unsere Freunde nicht aus Fleisch und Blut sondern eben Wasserfälle. Naja, und manchmal Lämmer (manchmal auf der Straße, manchmal in der Pfanne).
Aktuell schlägt die Faszination für Zeit wieder zu. Während 19 Tage rückblickend nur ein Wimpernschlag sind, ist der Ausblick auf 19 Tage in die Zukunft eine kleine Ewigkeit. Die Ungerechtigkeit dieses Zustands wird dann dadurch kompensiert, dass wir dieses mal sogar schon bei den Flügen von Reisehighlights sprechen können.
Fragt mich nicht warum, aber aus Gründen hat Icelandair zwischendurch die Premium Saga (also deren höchste Komfortklasse) günstiger angeboten, als unsere obligatorische Holzklasse. Meine Verwunderung hält bis heute. Trotzdem – jedes mal wenn ich in die App schaue: Wir haben tatsächlich den Premiumflug gebucht. Das heißt, wir haben die Premium Check-In Schalter für uns. Genauso wie die Premium Gepäckabgabe, Premium Sicherheitscheck und das Wichtigste von allem – wir haben die geilen Premium 2er Komfortsitze im Flieger. Mir ist natürlich bewusst, dass der Flug trotzdem nicht schneller geht und ich vermutlich weiterhin 1-2 Stunden sinnbefreit am Gate rumlunger. Die Welt wird trotzdem besser, wenn man oft genug Premium sagt.
Etwas irritiert bin ich immer noch darüber, dass wir mehr oder minder scheinbar gezwungen sind, auf einem Flug von knapp 3h eine warme Mahlzeit zu nehmen. Ich beschwere mich nicht. Schließlich ist eine der ersten Amtshandlungen im Flughafen Keflavik nach dem Mietwagen, dass wir uns einen Snack holen. Vielleicht spart man sich dann diesen Schritt und fährt gleich in die raue Schönheit Islands. So insgesamt mutet das alles etwas „viel“ an, wisst ihr? Sonst war man schon happy, wenn es im Flugzeug den Bruchteil von einer Salzstange gratis gab. Jetzt so ein ganzes Essen? Das ist schon wild in meinem Kopf.
Abseits vom Flug muss dann eigentlich nur noch das Wetter mitspielen. Seit ich Island kenne, habe ich vor Wetter viel mehr Respekt. Sei es Wind, Regen, Hagel oder eine Kombination aus allem davon. Natürlich hoffe ich auf schönes Wetter. Sonnenschein. blauer Himmel mit ein paar Puffelwolken und gern windstill, damit die Drohne perfekte Panoramaaufnahmen machen kann. Mein Tipp ist, wir werden alles davon haben. Vielleicht sogar schon in der ersten Stunde.
Apropos Drohne und Aufnahmen. Ich bin seit Kurzem auch Besitzer einer richtig schicken großen Kamera. Ich werde zwar die GoPro trotzdem mitnehmen und bestimmt viel im Einsatz haben. Allerdings sehe ich mich dieses mal auch deutlich mehr mit zum Beispiel einem Stativ rumstehen oder insgesamt dann mit einer professionellen Kamera Motive einfangen. Ich hoffe, dass das gut wird. Aber die Zeit wird es zeigen. Lasst uns auch hoffen, dass meine Frau gute Nerven hat. Sie hat mir zwar auch schon mal gezeigt, wie Langzeitbelichtungen funktionieren. Mittlerweile habe ich das jedoch erfolgreich vergessen und werde es vor lauter Aufregung dann vermutlich auch in Island vor jedem Wasserfall wieder vergessen.
Zurzeit gibt es auch einen Plan für den Fall, dass ich Teil des Motivs werde. Man mag es Eitelkeit nennen. Ich bevorzuge „gute Vorbereitung“. Ich bin gerade auf Diät. Ich zähle Kalorien, ich mache Sport und ich quäle mich durch einen Ernährungsplan. Zurzeit sogar mehr oder minder erfolgreich. Auf der Waage erfolgreich – im Kopf leider noch mit dem Gefühl, dass man zwischendurch auch einfach mal einen Dönerladen leerfressen sollte.
Ich muss da gar nicht supersportlich werden. Aber wenn meine Frau mich in der Landschaft fotografiert, muss der Titel des Bildes auch nicht „Paradies mit menschlichem Ball“ sein. Tatsächlich gehört in die optische Vorbereitung meiner Wenigkeit auch, dass ich einen recht konkreten Zeitplan habe, wann ich mir vorm Urlaub die Haare schneide. Auch wird exakt getimt, wann der Bart das letzte mal getrimmt wird. Beim Bart wachsen gerade auch fröhlich die ersten grauen Haare. Ich begrüße das. Denn die grauen Haare unterstreichen vielleicht noch mehr den Wikinger in mir.
So oder so – bislang endete noch kein Urlaub mit der Aussage „Wir konnten leider nicht genug Bilder machen“ und ich bin diesbezüglich auch in diesem Jahr zuversichtlich.
Bekanntlich kommt das beste zum Schluss. Das gilt nicht nur für diesen Beitrag sondern auch für unseren Urlaub. Denn in der letzten Urlaubswoche werden uns unsere liebgewonnenen Freunde begleiten.
Meine Frau und ich träumen seit Ewigkeiten davon, dass wir das Glück namens Island auch mal vor Ort teilen können und nun ist es endlich soweit. Die beiden wären sonst im Urlaub wohl eher in Regionen mit Strand und 30°C anzusiedeln. Es ist also durchaus ein Schritt aus ihrem üblichen Urlaubsumfeld. Aber was heißt das schon? Island wird sehr sicher auch für sie den ein oder anderen Moment bereithalten, der sie wegflasht. Wenn ich mir etwas für die beiden Wünschen dürfte, dann wären das Nordlichter. Der Wunsch ist natürlich ganz uneigennützig.
Ach – das wird einfach richtig richtig gut und ich freue mich drauf. Und die Zeit bis dahin, wird schon auch wieder gut vergehen. Wie letztlich jedes mal. Wie man aus diesen Zeilen erahnen kann, wird es auch wieder ein Reisetagebuch geben. Wir dürfen uns also auch alle auf übermüdete Texte, fragwürdige Wortspiele und wunderschöne Fotos aus Island freuen.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
X

Hinterlasse einen Kommentar