Die Saga beginnt

Premium Isländer

Es ist 23.34 Uhr und ich habe herausgefunden, dass Rucola in einem Hotdog erstaunlich gut funktioniert. Als der Tag vor knapp 18 Stunden begann, hätte ich auch nicht erwartet, dass mein erster Reisetagebucheintrag damit startet. Aber hier sind wir nun. In Island, übermüdet, mit Rucola-Hotdog und im Inbegriff die Grenzen der lyrischen Notwendigkeiten neu zu definieren. Oder anders ausgedrückt: Willkommen, in meinem Reisetagebuch von Island 2025.

Es heißt ja, dass es nur dann ein Fehler ist, wenn man nicht daraus lernt. Es ist jetzt das achte oder neunte Reisetagebuch und ich bin wirklich fertig. Wir starten also auch dieses mal mit der im Hintergrund laufenden Wette, ob ich es auch mal schaffe, dieses Ding zu finden, von dem immer alle reden… Air… Ähr…. Erholung? Ja, ich glaub so nannte sich das.

Um kurz vor 6 Uhr morgens war meine Nacht vorbei. Einer meiner Kater war aufgeregt, der andere hatte Hunger, beide waren nicht damit zufrieden, dass ich liege. Als guter Katzenpapa steht man dann natürlich auf, stellt das falsche Futter hin (denn das andere schmeckt naturgemäß immer besser) und schaltet sich den Blaulichtreport auf RTL an. Es ist ein gutes Leben. Es braucht dann jedoch nicht lang, bis die wache Gehirnzelle sich daran erinnert, dass man im Modus der Anspannung und Aufregung ist. Schließlich soll es gegen 11 Uhr zum Flughafen gehen.

Man hat also gute 5 Stunden Zeit, sich zu fragen, warum manchmal die Minuten sich wie Jahre anfühlen und manchmal ein paar Wochen in einem Wimpernschlag vergehen. Jeder der schon mal im Unterarmstütz stand und nach 1,5 Minuten dachte, es müsste doch locker schon eine halbe Stunde vergangen sein, kennt dieses Phänomen.

Wie dem auch sei. Unsere Freunde holten uns pünktlich und mit strahlendem Sonnenschein ab. Als unnützes Bonbon fuhren wir heute damit dann auch erstmalig den neuen Autobahnabschnitt in Berlin. Es sollte sich rausstellen, dass unsere Fahrtzeit zum Flughafen damit nicht viel mehr als eine halbe Stunde ist. Es ist beinahe so, als hätte sich jemand was bei dieser Autobahn gedacht.

Von Freunden zum Flughafen gebracht zu werden, hat dann auch immer den Charme, dass die Aufregung bereits bei der Anfahrt immer mehr in positive Energie gewandelt wird. Man redet sich bereits in einen Urlaubsmodus und selbstredend darf auch das erste Bild dann nicht fehlen.

Die Saga beginnt

Danach erlebte ich dann, was es wohl heißen muss reich zu sein. Ich glaube bis heute, dass wir irgendeinen Buchungsfehler von Icelandair gefunden / genutzt haben. Jedenfalls sind wir heute Premium Saga Kunden. Also die Business Klasse. Die, die selbst auf die 1. Klasse herabgucken. Und das, obwohl die Tickets sogar günstiger waren, als seiner Zeit die Holzklasse. Ich beschwere mich nicht. Ich wundere mich nur sehr konstant.

Der erste Vorteil kam direkt beim Check in. Während am normalen Schalter unzählige Menschen standen (darunter eine gesamte Schulklasse), war der Premium Schalter leer.

Der Pöbel

Es entsteht so ein Wechselbad der Gefühle. Man spürt hier und dort einen neidischen Blick und wäre vielleicht sogar geneigt sich ein wenig demütiger zu zeigen. Gleichzeitig ist es schon wirklich sehr sehr geil, dass man sich nicht zum Pöbel gesellen muss. Ich kam ehrlicherweise sehr schnell dann doch dauerhaft in den zweiteren Gemütszustand.

Bei der Security hätten wir theoretisch wohl auch Priorität gehabt. Da dort aber eh nichts los war, konnten wir auch einfach so da durchspazieren. Erstaunlicherweise wurde heute nicht mal mein Rucksack auseinander genommen. Ich durfte meine gesamte Technik verpackt lassen und wurde auch ausnahmsweise mal nicht „verdachtsunabhängig“ zur Seite gebeten. Kurzum, es dauerte keine 25 Minuten und wir waren mit allem fertig und saßen am Gate.

Gates noch?

Man darf dann auch als einer der ersten ins Flugzeug. Das ist im Grunde relativ egal. Aber man hat dann auch gesichert keinen Stress mit seinem Handgepäck. Im Flieger selbst sitzt man dann nicht in einer Dreier-Reihe, sondern hat die komfortablen 2er Reihen. Es gibt dann auch nicht nur so lieblos Wasser aus einem Plastikbecher. Da kommt dann schon jemand und hat das gute Porzellan und fancy Schälchen für die Brezeln.

Vornehm geht die Welt zu Grunde

Mein Highlight war dann aber ehrlicherweise, dass ich den gesamten Flug über W-Lan hatte. Ich saß in 10km Höhe, hörte die Konferenz der Fußball Bundesliga und spielte online Poker. Meine Frau flexte dann noch richtig und erstellte während des Fluges einen Status in Whatsapp. Wer kann, der kann, sag ich da.

Es gibt in der Premiumklasse dann auch ungefragt was zu Essen. Irgendwie Tapas Hähnchen… Schinken… Tomaten und isländischen Käse. Das kann man auf jeden Fall mal so machen.

’nen Guten

Die knapp 3 Stunden gingen dann… nun… wie im Flug vorbei. Und auf einmal lichtet sich die Wolkendecke. Der Pilot nuschelt irgendwas Unverständliches ins Mikrofon. Das Flugzeug sinkt ein wenig und dort ist Island…

Unter den Wolken

Danach ist man dann auf dem Papier wohl kein Premium Saga Kunde mehr. Aber dafür ist man in Island und naturgemäß darf man sich hier schon immer ein bisschen Premium fühlen.

Willkommen zu Hause

Was dann folgt, ist wohl chronologisch fest-verankerte Wille eines jeden Flughafens. Man wartet auf sein Gepäck. Dann stellt man fest, dass der Flughafen das Ausgabeband geändert hat, aber nichts dazu durchsagt. Also läuft man zu einem anderem Ausgabeband und holt eben dort seine Koffer. Dann geht man in eine Haupthalle, in der dutzende Menschen sich einen Mietwagen abholen wollen und man selbst irgendwie den Status vermisst, als man noch einfach so zu einem Premiumschalter gehen konnte und nicht warten musste.

Wrumm

Aber all die Nebensächlichkeiten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das bereits jetzt wie Zuhause anfühlt. Wir haben passenderweise einen Kia Sportage als Mietwagen bekommen. Als so ziemlich genau das gleiche Auto, was bei uns Zuhause vor der Tür steht. Unser gutes Stück in Berlin heißt bekanntlich K(i)arla. Da das Nummernschuld unseres isländischen Autos „S IS“ lautet, gehen wir fest davon, dass es sich hierbei um ihre Schwester handeln wird.

Uns stand dann noch eine fast 3stündige Autofahrt bevor. Einerseits muss man sagen, dass wir vom Wetter her wirklich wieder mal viel Glück hatten. Zwar war es sehr windig, aber davon merkt man im Auto ja nichts. Dafür schien sehr viel und schön die Sonne und tauchte alles in ein warmes Licht. An den Bergen schoben sich dazu dann Wolken auf und an anderen Hängen fielen die Wolken dann wie ein Wasserfall vom Himmel. Es war wunderschön.

Sonne – Wolke- Berg

Einen kleinen Zwischenstopp zum Einkaufen legten wir noch ein. Ansonsten fuhren wir die guten 200km in einem Ritt durch. Man möchte ja schließlich doch irgendwann ankommen. Außerdem ist es so, dass in Island vielleicht im Sommer die Sonne nicht untergeht. Mitte September tut sie das aber sehr wohl und ich mag einfach nicht gern im Dunkeln Auto fahren.

Kirkjufell bei Nacht

Ja und so endet dann auch schon der erste Tag. Der Laptop wollte mich kurz noch erschrecken und ging in den ersten zwei Versuchen nicht an. Ich hoffe, dass es bei diesem einmaligen Schreck bleibt. Nebenher kopieren sich bereits sämtliche Fotos und Videos von den SD Karten auf eine Festplatte und ich, ich hatte eben die Eingebung, dass so ein Hotdog-Brötchen und ein Wiener auf jeden Fall durch etwas Rucola ergänzt werden sollten. Ich glaube, dass zählt noch nicht für meine Bucketliste als etwas „typisch isländisches zu Essen“ aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich das hier noch ein paar mal öfter essen werde.

Nun – ich bin müde. Die nächsten drei Wochen werden lang und wie immer gilt: Die Texte werden bestimmt bei Gelegenheit noch etwas korrigiert. Ich würde trotzdem davon ausgehen, dass mehr Rechtschreibfehler drin sind, als je jemand mit Deutsch-Leistungskurs haben sollte. Auch in diesem Urlaub werden wir uns sicherlich alle gut damit arrangieren können. In diesem Sinne – bis morgen.

Habe die Ehre
X

Stand der Bucketliste
AufgabeStatusBeweisfoto
Erzähle einem Isländer einen Witz.
Natürlich auf isländisch
offen
Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schafoffen
Iss etwas typisches isländisches.offen
Halte eine Hand in einen Wasserfalloffen
Finde Lavagestein in der freien Naturoffen
Trinke Wasser aus einem wilden Flussoffen
Mach ein Foto von einem Regenbogenoffen
Streichle ein Pferdoffen
Baue einen Freund für Kleifakarloffen
Nasch isländische Lakritzeoffen
Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autosoffen
Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollenoffen
Sing ein isländisches Lied mit –
egal wie gut du den Text kannst
offen
Lass dich vom Strokkur berieselnoffen
Überquere einen Fluss ohne Brückeoffen
Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurantoffen
Stehe im Dampf in einem Geothermalgebietoffen
Gib einem Ort einen Wikingernamen,
den du dir selbst ausgedacht hast
offen
Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmeloffen
Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörstoffen

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3 Antworten zu „Die Saga beginnt“
  1. Avatar von haraldboettger

    Dann viel Spaß in eurem „zuhause“ 😉 Wir wünschen euch tolle Tage, viele Wasserfälle 🥱 und tolle Fotos für uns nicht Premiumdaheimgebliebene 🥳🥰🤗

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    1. Avatar von Murphy

      Du bist Premium-Blogleser. Das muss reichen 😉

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  2. Avatar von Was Island braucht – My Daily Bad Luck

    […] hatten ja bereits am ersten Tag im Blog-Eintrag „Die Saga beginnt“ gelesen, wie schön es sein kann in der Business Class zu fliegen und in den Genuss derer […]

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