Wa(h)lheimat

Wale und der Roadtrip

Heute war der Tag gekommen, an dem ich meine geliebten Westfjorde verlassen musste. Wären da nicht noch zwei Wochen isländische Schönheit vor mir, ich wäre wohl wirklich etwas traurig. Aber nun gut. Ich habe einen Roadtrip um die ganze Insel geplant, also machen wir auch einen Roadtrip um die gesamte Insel.

Für den Spannungsbogen ist aktuell das Wetter verantwortlich. Denn es ist das eine, was man plant. Eine ganz andere Geschichte ist, was das Wetter zulässt. So hatten wir eigentlich geplant, dass wir von Súðavík nach Osten über einen Pass nach Hólmavik fahren und von dort aus dann auf die Hauptinsel übersetzen. Der Plan war auch gut, bis ein Nordwind beschloss, immer mal wieder Eis über besagten Pass zu ziehen. Gestern war der Pass dann wechselnd frei und vom Verkehrsdienst als recht rutschig eingestuft.

Als ich wach wurde, galt mein erster Blick wieder den Zuständen der Straße. Unser Weg war „orange“, was laut Beschreibung heißt, dass es auf der Straße immer wieder Eisflächen gibt. Die Straße gilt damit noch nicht als unbefahrbar. Aber wie wohl würdet ihr euch fühlen, wenn ihr 2-3 Stunden vom nächsten Ort entfernt über eine Eisstraße in der Bergen fahren sollt?

Nachdem ich die letzten Tage beinahe ein Mantra aus „better safe than sorry“ gemacht habe, sollte man meinen, dass wir eine sichere Straße gefahren sind, nicht wahr? Tatsächlich haben wir aber beschlossen, dass wir es versuchen wollen. So schlimm wird es schon nicht sein und bis wir da sind, ist das Eis bestimmt weggetaut. Was klingt, wie ein bisschen dümmlicher Optimismus, sollte sich als goldrichtiger Plan rausstellen. Doch wie immer, von Anfang an.

Keine halbe Stunde hinter Súðavík kommt ein Aussichtspunkt. Man schaut aufs offene Meer, die Berge flankieren schneebedeckter Weise den blauen Himmel und für einen Moment, ist die Welt eine Postkarte.

Briefmarke drauf und los

Ich gebe zu, diese Postkartenmomente haben wir hier wie am Fließband. Island ist und bleibt malerisch. Da wir abgesehen vom Wind und klirrender Kälte perfektes Wetter haben, kann man im Grunde auch blind einfach den Fotoapparat irgendwo hinhalten, abdrücken und die Chancen stünden gut, dass das Foto immer noch atemberaubend wird.

Nüchtern betrachtet, mache ich das sogar manchmal fast genau so. Relativ selten schließe ich die Augen, aber im Wesentlichen bin ich neben der Schönheit für die Natur auch einfach sehr angetan von meiner neuen Kamera und wo würde es sich besser eignen, sie im Dauerbetrieb zu haben, als hier? Eben.

Zurück zum Tag. Insgesamt sollte sich unsere Fahrtzeit heute in der Region 4-5 Stunden bewegen. Dort noch nicht eingerechnet sind mögliche Wettereventualitäten oder Zwischenstopps. Von Letzterem sollten heute doch einige kommen.

Der erste Stopp war bei einem Aussichtspunkt, bei dem Rezensionen sagten, dass man wohl recht häufig Robben antrifft. Viel mehr als das braucht es für uns eigentlich gar nicht, um uns zum Anhalten zu bewegen. Wir fuhren auf einen kleinen Parkplatz und sahen erstmal nichts. Dann entdeckten wir einen Fußweg, der ein Stück abseits des Parkplatz führte und siehe da: Man kam zu einem Aussichtspunkt, von dem man tatsächlich Robben sehen konnte.

Faules fotogenes Pack

Das war schon sehr toll. Überall lagen Robben rum. Ein paar sonnten sich, ein paar robbten umher. Hier hüpfte mal eine ins Wasser, dort kam eine gerade aus dem Wasser heraus. Man hätte stundenlang zusehen können, wäre es nicht wirklich unfassbar kalt gewesen. Trotz Fließjacke und gefütterter Winterjacke fand die Kälte ihren Weg. Bis zu einem bestimmten Grad nimmt man das in Kauf, aber wir wollten dann doch nicht gleich morgens erfrieren und gingen deshalb wieder zum Auto.

Auf einmal Aufregung: „WALE!!!“ hörte ich meine Frau rufen. Und tatsächlich. Mitten im Fjord gingen die berühmten Fontänen hoch. Immer wieder sahen wir sie. Mal war da ein Buckel, mal eine Schwanzflosse, mal irgendwas undefiniertes.

Wale sind toll

Ich bin eigentlich nicht sonderlich nah am Wasser gebaut, aber ich muss gestehen, dass mich so Momente doch sehr aufweichen. Da steht man am Straßenrand und hatte eben noch Sorgen wegen irgendwelchen Eisstraßen und nun schwimmen da Wale an einem vorbei. Einfach so. Als wäre das das normalste der Welt. Es ist eine verrückte Welt und ich bin wirklich dankbar, dass ich das erleben darf.

Nach einer Weile waren die Wale dann nicht mehr zu sehen und wir relativ gut durchgefroren. Es ging dann tatsächlich ins Auto und erstmal ein Stück weiter. Auf einem Parkplatz beschlossen wir dann erstmal zu frühstücken. Das Auto wurde so geparkt, dass wir wunderbar aufs Wasser schauten und dann wurden erstmal Hotdogs gemacht.

Und so sitzt man da, mit seinem Brötchen und der kalten Wurst, schaut aus dem Fenster und natürlich kommen dann gleich wieder Wale vorbei. Island ist ein Wahnsinn.

Klein aber fein

Und ja, sie waren dieses mal noch weiter weg. Aber es waren deutlich Wale und wieder einmal muss man das Gesehene erstmal verarbeitet werden. Ich kann das gar nicht so genau erklären, aber Wale sehen macht mich schon wirklich absurd viel glücklich.

Doch auch diese Wale verschwanden irgendwann und wir fuhren daher unsere Strecke weiter Richtung Hólmavik. Meine Frau entdecke dann einen kleinen unscheinbaren Wasserfall. Namentlich der Gervidalsárfoss. Wer kennt ihn nicht?

Mal so am Straßenrand

Tatsächlich war es für uns auch das erste mal, dass wir ihn bemerkt haben. Und das, obwohl wir mindestens schon zwei mal zuvor an ihm vorbei gefahren sein müssten. Warum auch immer wir ihn nun heute fanden, es lohnte sich auf jeden Fall für den kleinen Stopp. Ich konnte auch noch mal meine Drohne auspacken und beiläufig erinnerte uns Island so auch noch mal daran, dass es neben Walen auch noch andere schöne Dinge gibt.

Unser nächster Stopp fällt auch in die Kategorie „Wir müssten eigentlich schon mal hier gewesen sein aber irgendwie ist nun doch heute das erste mal.“ Es stellt sich raus, dass es in Island verlassene kleine Schlösser gibt. Eins von ihnen lag ziemlich genau auf unserem Weg und wenn wir schon mal hier sind, halten wir dort natürlich auch an.

Eher ein Schlösschen

Ich muss gestehen, dass ich hier ein fauler als auch bequemer Touri war. Das Privileg eines Drohnenpilots ist es, ab und zu auch einfach mal im warmen Auto sitzen zu bleiben, während die handelsüblichen Fotografen (wie meine Frau) nun mal in die Kälte aussteigen müssen, um Fotos zu machen.

Insgesamt ist das Schloss in meinen Augen auch einfach so da. Man sieht es sich mal an, es ist irgendwie nett und vielleicht hat man in 20 Jahren mal so einen „ja, da war was Moment“. Aber es würde mich auch nicht wundern, wenn ich es absehbar wieder vergesse. Wir sind da in Deutschland und Mitteleuropa wohl beeindruckendere Bauten gewohnt. Vielleicht bin ich auch einfach ein Schlossbanause. Es mag beides stimmen.

Dann kamen wir nach Hólmavik und hatten dort einen geplanten Stopp in einem Museum. Soll ja niemand behaupten, wir tun nichts für die Kultur im Urlaub. Das Museum dreht sich um Zauberei und Magie im alten Island.

Exponat eines Hexers

Ich glaube, hier muss man ein wenig Erwartungsmanagement betreiben. Das Museum sind im Grunde 3 Räume. Am Anfang bekommt man ein Heft in die Hand. Das Heft gibt es sogar in deutsch. Dazu gibt es die Aussage, dass alles im Museum durchnummeriert ist und der isländische Text an den Ausstellungsstücken im Heft dann deutsch übersetzt ist.

Die Texte selbst sind gut und wenn man sich ein wenig für die Materie begeistern kann, ist das zu lesende auch wirklich spannend. Es geht dann viel um Hexenverbrennung und den Umstand, dass in Island nur eine Frau auf dem Scheiterhaufen landete. Die Mehrzahl der Opfer der Hexenverbrennung waren Männer.

Es gibt dann auch detaillierte Schriften, wie man zu Reichtum kommt. Mitunter sind die Werke sehr… nun, ich sag mal so: Es wird beschrieben, dass ein Hexer die Haut eines toten Mannes vom Bauchnabel abwärts tragen soll. Im Hoden wird eine Münze platziert und wenn man dann die Rituale richtig ausführt, zieht die Münze weitere Münzen an. Man muss aber schauen, dass man vor seinen eigenem Ableben irgendwie eine andere Person motiviert in ein Hautbein zu schlüpfen, weil man sonst Läuse kriegt. Es hat was verstörendes. Manchmal ist es auch ein wenig lustig oder eklig und manchmal alles gleichzeitig. Schon eigenartig sich vorzustellen, dass Menschen tatsächlich mal einen festen Glauben an sowas hatten.

Und trotzdem – im Grunde zahlt man Eintritt dafür, sich ein Heft durchzulesen. Ich fand das jetzt unterm Strich okay, würde es wohl aber nicht wieder machen.

Danach kamen wir auch schnell wieder in den klassischen Islandmodus. Das bedeutet selbstredend nichts anderes, als dass wir am Straßenrand einen Wasserfall entdeckten und uns drüber freuten.

Im Nirgendwo

Der Wasserfall hat offiziell wohl keinen Namen. Laut Maps heißt der Fluss wohl Middelalsá. Ich würde den kleinen Wasserfall daher mal typisch isländisch Middelalsáfoss nennen. Es könnte glatt meine Berufung werden, dass ich Orte in Island benenne. Ich werde darüber nachdenken.

Jedenfalls saßen wir dann beim Abendessen in einem Hotel, in dem wir schon ein paar mal waren. Es ist nicht sonderlich hübsch oder irgendwie spektakulär. Es ist nur so, wie Friends gucken. Man weiß was passiert, es ist angenehm und wenn man fertig ist, kann man es sofort wieder machen.

Uns kam die Idee, dass wir morgen eine Whalewatching Tour machen könnten. Also noch mal richtig einen draufsetzen, nachdem wir gestern und heute Wale gesehen hatten. Es dauerte keine 10 Minuten, da hatten wir einen passenden Anbieter gefunden und direkt gebucht. Yay

Jetzt, also gute zwei Stunden später, schreibt uns der Anbieter, dass die Tour für morgen abgesagt werden muss. Grund dafür sei, dass morgen extreme Konditionen auf dem Wasser erwartet werden und man diese Gefahr nicht vertreten kann. Das ist natürlich einerseits schade, andererseits aber absolut in unserem Sinne.

Es bringt ein wenig die Verlegenheit mit, dass wir nun gerade noch gar nicht so genau wissen, was wir morgen eigentlich machen. Aber ich denke, man darf recht selbstbewusst annehmen, dass wir den Tag schon irgendwie gut gestalten werden.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
X

Stand der Bucketliste
AufgabeStatusBeweisfoto
Erzähle einem Isländer einen Witz.
Natürlich auf isländisch
erledigt
16.09.2025
Breiðavík
Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schafoffen
Iss etwas typisches isländisches.offen
Halte eine Hand in einen Wasserfalloffen
Finde Lavagestein in der freien Naturoffen
Trinke Wasser aus einem wilden Flusserledigt
15.09.2025
Nameless
Mach ein Foto von einem Regenbogenerledigt
14.09.2025
Svöðufoss
Streichle ein Pferdoffen
Baue einen Freund für Kleifakarlerledigt
15.09.2025
Kleifakarl
Nasch isländische Lakritzeoffen
Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autoserledigt
17.09.2025
Dynjandi
Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollenerledigt
18.09.2025
Valagil
Sing ein isländisches Lied mit –
egal wie gut du den Text kannst
offen
Lass dich vom Strokkur berieselnoffen
Überquere einen Fluss ohne Brückeoffen
Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurantoffen
Stehe im Dampf in einem Geothermalgebietoffen
Gib einem Ort einen Wikingernamen,
den du dir selbst ausgedacht hast
offen
Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmeloffen
Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörsterledigt
15.09.2025
Skálmarfjörður
Previous Post
Next Post

Hinterlasse einen Kommentar