Druck

In allen Varianten

Druck ist ja meistens nicht viel mehr, als Luft, die sich bewegt. Mit diesen weisen Worten, überstehe ich gelegentlich die Arbeit, Stress mit staatlichen Einrichtungen oder auch den handelsüblichen Wahnsinn des Berliner Alltags. Das Leben versucht Dinge auszugleichen und wer bin ich, dass ich gegen dieses Naturgesetz arbeite? Soviel zur Theorie. In der Praxis lernte ich heute, dass es viele unterschiedliche Formen von Druck gibt und manche besser und manche schwerer auszuhalten sind. Aber wie immer – fangen wir vorne an.

Der Tag begann mit der Erkenntnis, dass Druck in der Luft auch Schnee befördern und insgesamt die Temperaturen an einem Ort unter den Gefrierpunkt setzen kann. Der Blick aus dem Fenster sah einerseits, wie schön Island bei Frost und Schnee sein kann. Andererseits gehöre ich zu den Autofahrern, die glitzernde Straßen beim Wissen um längere Autofahrten eher nicht gut finden.

Erstmal Frühstück. Im Hotel war man der Meinung, dass frischgebackenes Brot meinen Start in den Tag verbessert. Sie sollten damit richtig liegen. Ein Kaffee dazu, eine Banane als Frühstücksdessert und der Tag fühlte sich direkt gut an. Es war kurz nach 8 Uhr, wo mich dann die Realität des Fensterausblicks einholte.

Der Druck meines Fußes auf den Boden sollte normalerweise dazu führen, dass ich stabil stehe und je nachdem was meine Beine sonst so tun, kann mich Druck auch fortbewegen. Mein erster Schritt unter freiem Himmel würde, wäre er ein Geräusch, eher „uargs“ klingen. Der kurze Weg bis zum Auto war eine wunderbare Schlitterpartie. Es soll ja Leute geben, die Eiskunstlaufen mögen. Ich gehöre nicht dazu. Aber was soll man machen? Dauerhaft im Hotel wohnen könnte eine Option sein, aber irgendwie packt einen ja dann doch der Ehrgeiz, etwas zu erleben. Oder ist das womöglich auch Erwartungsdruck an die eigene Zeit im Urlaub? Ich weiß es nicht.

Lange Rede, gar kein Sinn. Das Auto wurde gepackt und etwas angespannt wurden die Infos des Straßendienstes beäugt. „Spots of ice“ und „slippery“ soweit das Auge reicht. Wobei ich gestehen muss, dass ich als kleiner Sprachfetischist schon meine Mühe habe, dem Wort „slippery“ etwas Bedrohliches zuzuschreiben. Es klingt ja eigentlich ganz niedlich. Circa 10km später, bei der ersten Abbiegung, stellte sich heraus, dass „slippery“ doch schnell unheimlich wird, wenn es passiert.

Es ist bis auf einen kurzen Schreck nichts passiert. Ich vermute, die meisten Autofahrer werden das Gefühl kennen, wenn man das Lenkrad in die eine Richtung dreht und die Räder fröhlich beschließen, in eine andere Richtung zu rutschen. Es waren nur ein paar Zentimeter und trotzdem atmet man danach erstmal tief durch.

Am Ende der Kurve kam dann eine Schotterpiste. Sie sollte uns zum Kolugljúfur führen. Eine Schlucht oder Canyon (damit es cooler klingt). Tatsache ist aber auch die, dass so eine Schotterpiste deutlich besseren Halt gibt und man auf ihr erstaunlich wenig bis gar nicht rutscht. Heute war der Tag, an dem ich dann verstand, warum die Isländer manche Straßen doch lieber so rustikal lassen. Ein smartes Völkchen.

Der Kolugljúfur war dann schon etwas besonderes. Über allem lag so eine frostige Schneeschicht und mit der strahlenden aufgehenden Sonne konnte man wohl recht einfach den Gedanken bekommen, dass es sich hier um das oft zitierte Winter-Wunderland handeln muss.

Wintereinbruch

Etwas schade war, dass man manche Wege nicht gehen konnte. Es war dann doch viel zu rutschig oder matschig oder beides. Selbst bei guten Bedingungen steht vor Ort ein Schild, was darauf hinweist, dass die Wege kaum bis gar nicht gesichert sind und der Weg nach unten wirklich schön, aber am Ende wohl auch sehr schmerzhaft wäre. Doch wofür habe ich eine Drohne? Wenn nicht für solche Gelegenheiten? Eben. Also flog ich einfach zu den Stellen, zu denen ich nicht gehen konnte. Problem gelöst.

Insgesamt konnte ich mich dann auch mehr und mehr mit dem Wetter und den Bedingungen arrangieren. Der Schnee knirschte schön bei den Schritten und irgendwann hatte man auch den Dreh raus, wie man möglichst wenig ausrutscht. Für den Fotografen und Künstler in mir, kam dann noch dazu, dass so Schnee natürlich auch eine ganz wunderbare Leinwand ist.

Schneekunst oder Kunstschnee?

Als nächstes wollten wir dann zum Reykjafoss. Der Wasserfall ist bei normalen Bedingungen circa 1,5h Fahrt von uns entfernt. Ein paar Zweifel hatte ich da allerdings schon noch, ob es bei der Fahrtzeit wirklich bleiben wird.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der spätere Morgen mehr und mehr Autos auf die Straße brachte. Die Sonne war zwar etwas schwach auf der Brust, versuchte ihrerseits aber auch die Straßen zu räumen. Kurzum – hier und dort gab es noch Eisflecken aber insgesamt kann ich sagen, war die Fahrt völlig frei von ungewollten Ausrutschern oder sonstigen wetterbedingten Manövern.

Das einzige Eis, was hier noch mal Erwähnung finden muss, gab es an einer Tankstelle. Man darf sich die Situation so vorstellen. Meine Wenigkeit stand dort und war etwas unbefriedigt in der Rubrik „Snacks“. Aus irgendeinem Grund hielt ich es für eine gute Idee, im Eisfach zu schauen, ob es Lakritzeis gibt. War ja auch schon 10 Uhr durch – da kann man mal ein Eis essen.

Aber Pustekuchen. Es gab Blaubeer-Eis, Karamell-Eis und all die üblichen Verdächtigen, aber kein Lakritzeis. Etwas enttäuscht habe ich mir einen Kaffee geholt und ging zur Kasse. Dort angekommen fragte mich der Kassierer, ob ich außer dem Kaffee sonst noch etwas bekomme. Nun… ich fragte ihn, ob sie denn auch Lakritzeis da im Eisfach haben. Er bejahte. Ich bat ihn, mir zu zeigen, wo ich das finde. Er ging schnurstracks los und… fand dann auch nichts. Allerdings sagte er dann, er hat eine Softeismaschine da und Lakritzsirup – er könnte mir also was zaubern. Gesagt getan. Er fragte dann nur noch, ob ich eher eine große oder eine kleine Portion will. Insgesamt ist die Frage immer eher rhetorischer Natur bei mir. Ich sage aus Reflex eh immer „groß“. Und er machte das Eis groß… sehr groß.

Halb Mensch, halb Lakritzeis

Da stand ich nun. Mit gefühlten 5kg Softeis und das schlimme war, das schmeckte auch noch. Was soll ich sagen. Es hat wohl auch was mit Leistungsdruck zu tun, dass man das Eis aufisst, was man sich hart erkämpft hat. Ging es mir danach schlecht? Ein bisschen. Hatte ich Gehirnfrost? Auf jeden Fall. Musste ich erstmal ins Bad gehen und mir das Gesicht waschen, weil meine ganze Schnute klebte? Jap… Der Tag war bis hierhin ein Erfolg durch und durch.

Ich könnte ehrlicherweise weder schönreden noch sinnvoll erklären, warum ich eigentlich bei Eis gelandet bin. Draußen schien zwar die Sonne, aber das Thermometer kletterte selten über die 5°C-Marke. Mir war dann zwischenzeitlich durch das Eis nicht nur von außen-, sondern auch von innen kalt. Ich bereue trotzdem nichts.

Na jedenfalls gibt es gegen Kälte von innen ein relativ einfaches Hausmittel: Bewegung. So geschehen dann bei einem Parkplatz. Die Luft war kalt und klar und man konnte kilometerweit schauen. Die Berge des Nordens waren wie ein Gemälde, was jemand als Hintergrundbild zu der Straße aufgestellt hat. Soweit das Auge reichte, sah man ihre schneebedeckten Gipfel. Ein wunderbares Panorama.

Erstmal Fotos machen

Ja okay, mir war trotzdem kalt und ich saß keine 10 Minuten später wieder im Auto und freute mich darüber, dass ich a) eine Sitzheizung habe und b) auch eine Lenkradheizung. Wenn Bewegung nicht hilft, muss eben doch die Technik ran.

Wieder etwas aufgewärmt, ging unsere Fahrt dann weiter zum Reykjafoss. Der Wasserfall liegt auf dem Gelände eines riesigen Reiterhofes. Man kann auf dem Hof gegen ein kleines Entgelt parken und wandert dann vielleicht 15 Minuten einen Weg entlang.

Wanderweg

Ich glaube, die meisten Leute, die hier herkommen, tun dies gar nicht mal wegen dem Wasserfall. Denn ein paar Meter hinter dem Wasserfall gibt es eine heiße Quelle. Man hätte hier also auch die Chance, gleichzeitig in einem heißem Bad, als auch im kalten Wasser des Wasserfalls zu sitzen. Mich persönlich interessiert diese Erfahrung relativ wenig, aber wie gesagt, erstaunlich viele Menschen pilgerten direkt dorthin.

Umso besser für mich, denn so sind im Umkehrschluss nur wenige Menschen dann beim Wasserfall. Neben ein paar Fotos und Videos fühlte ich mich auch wieder motiviert, die Drohne in die Luft zu jagen und mir das Geschehen von oben anzuschauen. Letztlich verdienten sich aber auch hier die Berge im Hintergrund ihren Platz auf einem Foto mit dem Wasserfall. Das klappte am Ende vom Boden aus doch deutlich besser.

Nicht aus der Luft

Es war dann auf dem Parkplatz des Wasserfalls, als sich das Thema Druck heute ein weiteres mal bemerkbar machte. In leuchtenden gelben Lettern verriet mir ein Display im Auto, dass mein Reifendruck vorne rechts niedrig sein soll.

Letztes Jahr im Urlaub waren wir in den Westfjorden, als wir herausfinden durften, wie es sich mit einem Platten fährt. Sollte uns heute ein ähnliches Schicksal ereilen?

Da das Auto zum Zeitpunkt der Meldung schon mal rollte, war mein erster Impuls, ich schau erstmal, was der Reifendruck genau sagt. Die Anzeige war bei 31, während die restlichen Reifen bei 34 / 35 standen. Also so irre weit weg war der vermeintlich niedrige Druck nicht. Es dauerte keine 2 Minuten Fahrt, da wurde aus der 31 eine 32 und eine 33. Das ein platter Reifen mehr Druck aufbaut, halte ich auch eher für ein Gerücht.

Und dennoch ist man natürlich angespannt. Wir fuhren dann eine gute halbe Stunde zu einer Tankstelle und pumpten einfach mal den Reifen noch mal gut auf. Die 35 stand dann auch wieder im Display, aber leider auch immer noch die Meldung, dass der Reifendruck niedrig ist.

Ein Anruf bei Europcar brachte uns auch nicht weiter. Eine eigentlich sehr nette Frau meinte, wir sollen einen TPMS Knopf drücken und den Reifendrucksensor resetten. Ich hätte das auch wirklich gern gemacht. Nur leider hat unser Auto diesen Knopf nicht.

Im Grunde sind sich alle Parteien einig, dass der Reifendruck in Ordnung ist. Nur der Sensor, der für die Fehlermeldung verantwortlich ist, hat eben eine andere Sicht der Dinge. Da die Werkstatt von Europcar bereits um 16 Uhr geschlossen hat, werden wir wohl morgen mal vorbeifahren. Ich bin ehrlicherweise schon etwas gespannt. Mein Lieblingsszenario wäre, wenn ich zu dumm war den Knopf zu finden und wir in 5min wieder losfahren können. Mich würde es aber auch nicht überraschen, wenn die was am Sensor schrauben wollen und wir dann mit einem neuen Auto zurückkommen. Ich werde berichten.

Jedenfalls hat uns die Reifengeschichte dann nicht wirklich aus der Bahn geworfen. Wir fuhren zum nächsten Parkplatz, mitten in den Bergen und mit wunderbarem Ausblick auf einen Flusslauf. Wieder einmal kam die Drohne zum Einsatz.

Erkundugstripp

Wie ihr sehen könnt, hat die Sonne uns auch hierhin begleitet. Es war eine gute Zeit. Zwar fehlt hier in der Ecke so das nennenswerte explizite Highlight. Aber die Natur ist insgesamt sehr schön und man kann es auch gut mal aushalten, einfach mal eine Weile rumzustehen und in die Gegend zu schauen.

Vielleicht war es am Ende dann doch zu viel unterschiedlicher Druck, aber irgendwie verließen uns dann so langsam die Kräfte. Wie heißt es so schön? Nach durch kommt dumm. Als ich das Auto noch mal anhielt, kommentierte ich die Aktion in der Art eines Piloten und wollte eigentlich „Parking Position“ sagen. Es kam aber „barking position“ aus meinem Mund und ich freute mich über meine eigene Dummheit und den Umstand, dass „barking position“ noch viel lustiger wäre, wenn wir einen Hund dabei haben würden.

barking position gnihihihi

Wir fuhren dann schnell nach Akureyri, gingen noch ein wenig Lebensmittel für den Abend einkaufen und fuhren dann in unser Apartment.

Dort angekommen, machen wir erwachsene Dinge wie: Wäsche waschen, selbst Abendbrot kochen und eben Reisetagebuch schreiben. Wir sind schon echte Urlaubsprofis.

Morgen soll es über den Tag noch mal richtig schütten. Ich vermute, dass so ein Eiskristall im Wetterbericht auch eher nicht ironisch gemeint ist. Man darf also gespannt sein, wie stark morgen der Winter hereinbricht. Als einzigen mehr oder minder festgeplanten Tagesordnungspunkt haben wir aber nur den Besuch bei Europcar. Vielleicht wird also morgen auch der Tag, wo wir dann mal Postkarten schreiben und nichts machen. Wir werden sehen.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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Stand der Bucketliste
AufgabeStatusBeweisfoto
Erzähle einem Isländer einen Witz.
Natürlich auf isländisch
erledigt
16.09.2025
Breiðavík
Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schafoffen
Iss etwas typisches isländisches.offen
Halte eine Hand in einen Wasserfalloffen
Finde Lavagestein in der freien Naturoffen
Trinke Wasser aus einem wilden Flusserledigt
15.09.2025
Nameless
Mach ein Foto von einem Regenbogenerledigt
14.09.2025
Svöðufoss
Streichle ein Pferdoffen
Baue einen Freund für Kleifakarlerledigt
15.09.2025
Kleifakarl
Nasch isländische Lakritzeoffen
Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autoserledigt
17.09.2025
Dynjandi
Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollenerledigt
18.09.2025
Valagil
Sing ein isländisches Lied mit –
egal wie gut du den Text kannst
offen
Lass dich vom Strokkur berieselnoffen
Überquere einen Fluss ohne Brückeoffen
Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurantoffen
Stehe im Dampf in einem Geothermalgebietoffen
Gib einem Ort einen Wikingernamen,
den du dir selbst ausgedacht hast
offen
Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmeloffen
Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörsterledigt
15.09.2025
Skálmarfjörður
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