Sommerurlaub am Strand
Ein weiterer Tag im Paradies. Nachdem wir vor 2 Tagen noch besorgt auf den Wintereinbruch schauten und uns fragten, ob wir wohl überhaupt die Rundreise fortsetzen könnten, haben wir heute zwischendurch knapp 16°C und T-Shirt-Wetter gehabt. Island ist und bleibt etwas sehr Besonderes. Doch nicht nur beim Wetter. Der heutige Tag sollte uns in den äußersten Nordosten des Landes führen. Einmal mehr überraschte uns Island dabei mit seinem Abwechslungsreichtum. Aber wie immer – von Anfang an.
Unsere Unterkunft in Akureyri war schon wirklich schön. Es strahlte so wenig „Ferienwohnung“ aus, sondern hatte mehr einen wohnlichen Charme. Entsprechend fiel es mir beinahe schwer heute von dort abzureisen. Gleichzeitig gilt die Wahrheit, dass man eigentlich auch immer was erlebt, wenn man sich ins Auto setzt und losfährt.
Die heutige Reise startete erstmal damit, das Google vehement behauptete, dass unser Ziel nicht erreichbar ist. Wir wollten zum Aldeyjarfoss und dieser liegt an der F26. Der isländische Straßendienst wusste zu berichten, dass die Straße noch offen ist. Google war eben anderer Meinung. Wer weiß schon, woher Google seine Daten nimmt. Die Straße war jedenfalls problemlos zu befahren. Und das obwohl sie quasi das Einstiegstor zum Hochland ist. Jener Bereich, der tatsächlich zur Zeit mehr und mehr gesperrt wird, weil die Bedingungen dort gelinde gesagt als „touristenunfreundlich“ bezeichnet werden müssen.
Vielleicht war die Konstellation aber insgesamt ganz gut für uns. Denn wenn Google sagt, dass eine Straße zu ist, kommen sicherlich auch deutlich weniger Menschen dorthin. Am Wasserfall selbst waren wir dann tatsächlich weitestgehend allein.

Hier kann man noch so richtig Erkundungen anstellen. Niemand hält einen auf, wenn man über Steine klettern will, durch die Prärie läuft oder einfach schaut, wohin einen der nächste Schotterweg führt. Gleichzeitig muss man natürlich aufpassen, weil es hier auch genug Stellen gibt, wo der nächste Schritt gute 20m abwärts führen würde. Aber wir sind ja vorsichtige Erkunder.
Wir verbrachten eine ganze Weile hier. Ich flog einen Drohnenakku leer und war auch nur einmal kurz vorm Herzinfarkt. Ich hatte die Idee, dass ich mal direkt über der Fallkante des Wasserfalls schweben könnte und nach unten filme. Die Idee war solang gut, bis ich sah, dass meine Drohne gefühlt in einem 45° Winkel in der Luft stand. Eine Windböe und das wäre es gewesen. Es war dieser Moment, als ich bemerkte, dass es heute auch noch ganz schön windig ist und vielleicht kein ideales Drohnenwetter.
Wir gingen dann irgendwann zurück zum Auto und machten uns erstmal Frühstück. Bei der Gelegenheit kam mir nun auch die Idee, dass ich Zweierlei Dinge erledigen kann. Als erstes: Ich werde mal den Punkt von der Bucketliste abhaken, dass ich isländische Lakritze esse.

Als nächstes dachte ich bei mir, dass ich die mittlerweile weltberühmten Rucola-Hotdogs auch mal für den Blog festhalten sollte. Schließlich geht es ja hier auch darum, das Erlebte passend zu visualisieren und wie sollte die Nachwelt sonst wissen, wie so ein Hotdog richtig aussieht? Ich verstehe dieses Reisetagebuch schon auch als Dienst an der Menschheit.

Zurück zum Naturschauspiel in Island. Wir fuhren gute 2,5 Stunden nach Nordosten und landeten dann in Kópasker. Früher war die Region durch den Heringsfang am Aufblühen. Irgendwann blieben die Heringe aus und nun ist die ganze Region letztlich selbst für Isländer etwas, wo man hingeht, wenn man nie wieder gefunden werden will.
Man kann hier problemlos eine Stunde in eine Richtung fahren und dabei keinen Menschen sehen, oder ein Haus, oder irgendetwas aus dem Bereich Zivilisation. Schaut man in einem Lexikon nach dem Begriff Landflucht, stehen die Chancen wohl ganz gut, ein Bild von dieser Ecke zu sehen.
Der Tourismus ist bislang auch noch nicht so richtig hier angekommen. Die Ringstraße ist eben doch recht weit weg und so insgesamt fehlen bisweilen die richtig imposanten Highlights, wie es sie im Süden oder auch bei Akureyri gibt. Gleichzeitig (und deswegen sind wir ja hier) findet man durchaus Perlen, wenn man bereit ist, ein bisschen Aufwand zu betreiben.
Nicht nur wegen des sommerlichen Wetters, sondern auch weil er wunderschön ist, sind wir zum Strand von Kópasker. Als erste Amtshandlung dort, beschloss ich, einen weiteren Punkt der Bucketliste abzuhaken. Mit den Füßen im Wasser stehen – natürlich unter freiem Himmel.

Aus der Ego-Perspektive sah das ganze so aus.

Das Wasser war schon sehr kalt. Kennt ihr diese Kälte, die sich erst ein wenig kalt anfühlt und dann merkt ihr doch relativ schnell, wie die betroffenen Körperteile jegliches Gefühl verlieren? Diese Kälte. Trotzdem war es eigentlich sehr schön, diese Challenge so zu erfüllen. Wenn man schon mal am Strand ist, gehören die Füße nun mal auch kurz ins Wasser. Als Kind einer (mehr oder minder) Küstenregion gehört sich das einfach so für mich.
Danach verbrachten wir auch noch ein wenig Zeit am Strand. Schlicht, weil er wirklich schön ist. Man sitzt dort sehr vom Wind geschützt. Die Wellen sind kaum der Rede wert und alles ist friedlich. Die Sonne scheint direkt auf einen und wäre das Wasser nicht arschkalt, wäre es wohl der perfekte Ort für den Sommer.

Ich wollte eigentlich auch kurz mal die Drohne hochjagen und die Szenerie aus der Luft einfangen. Ich baute alles auf, startete die Drohne und kaum war sie einen Meter über dem Boden, segelten zwei richtig fette Raben über mir. Augenscheinlich habe ich sie mit der Drohne geweckt oder gar in den Modus der erhöhten Aufmerksamkeit versetzt. Ich zog es vor, dann doch schnell wieder zu landen. Gibt es eben keine Luftaufnahmen. Dafür dann aber welche von mir im Gegenlicht.

Ich setzte mich dann noch auf ein paar Steine und schaute in die Ferne. Wieder einmal fand ich mich in einer Stille wieder, die ich so aus der Großstadt gar nicht mehr kenne. Hier passiert einfach nichts und das ist eine sehr sehr schöne Erfahrung. Für einen Moment ist man dann Teil einer heilen Welt. Manchmal kann die Welt sehr einfach sein.

Aber genug philosophiert. So schön der Ort ist, wir wollten dann noch weiter ziehen. Denn auch wenn ich sagte, dass die Region den Tourismus noch nicht so richtig für sich entdeckt hat – eine Sache gibt es dann doch. Nämlich den Arctic Henge.

Das Areal ist offensichtlich an Stone Henge angelehnt. Man merkt noch immer recht stark, dass das ganze „künstlich“ von Menschenhand geschaffen wird. Aber das tut der Sache keinen Abbruch. Man kann hier sowohl vom Boden, als auch aus der Luft ganz wunderbare Aufnahmen machen.

Ich lernte dann an diesem Ort, welchen Vorteil chinesische Reisegruppen bieten. Wisst ihr, ich mache mir mit der Drohne manchmal Sorgen, dass sie doch zu laut ist oder ihr Geräusch einfach zu sehr den Moment stört. Ward ihr schon mal in der Nähe einer chinesischen Reisegruppe? Egal wie laut ihr seid, sie sind lauter. Entsprechend fühlte ich mich diesbezüglich doch ganz gut beim Fliegen.

Und dann ging es für uns bereits zur nächsten Unterkunft. Heute darf ich mit Fug und Recht behaupten, dass das noch mal ein Highlight ist. Wir sind im Grásteinn Guesthouse. Mal davon ab, dass die Bungalows so liebevoll eingerichtet sind, wie es kaum mehr geht, haben wir aber auch einfach ganz wunderbare Gastgeber.
Beim Check-in meinte ich scherzhaft, dass mir Hunde auf der hiesigen Farm versprochen wurden. Unsere Gastgeberin lachte kurz, ging dann eine Treppe runter und kam zurück mit der Info, dass dann draußen ein Hund auf mich wartet. Und das war dann auch genau so. Es war gar nicht so leicht, mit dem Kuscheltier am Bein irgendwie die Koffer in den Bungalow zu bekommen, aber irgendwie hat es dann doch geklappt. Im Anschluss war ich wohl der erste Mensch, der dem armen Tier mal ein paar Streicheleinheiten gegeben hat.

Naja, aber wie das so ist. Irgendwann muss man sich ja doch trennen. Wir müssen ankommen, vielleicht mal was essen und ich muss dann noch Fotos sortieren und einen Blog schreiben und… 20 Minuten später hörten wir etwas vor der Tür. Als wir rausgingen, um nachzusehen, war da erneut ein Fiepen und mein neuer bester Freund stand direkt vor unserer Tür. Na gut – dann wird doch noch mal gekuschelt.

Wir riefen dann kurz noch mal die Gastgeberin an und fragten, was wir nun am besten machen sollen. Ein Hund ist im Bungalow offiziell nicht erlaubt, aber technisch gesehen, ist es ja nicht mal unser Hund. Sie meinte dann nur, dass ihr Sohn den Hund eigentlich schon hätte wieder reinholen sollen, aber sie das dann jetzt sofort macht. Keine Minute später war ein Pfiff zu hören und schweren Herzens trennten wir uns dann. Aber hey, keine Stunde in der neuen Unterkunft und ein Freund fürs Leben gefunden. Es könnte schlimmer sein.
Während ich diese Zeilen tippe, ist es draußen relativ windig. Ich hoffe ein wenig, dass der Wind die Wolken wegweht und wir die Chance auf Nordlichter haben. Laut der Gastgeberin war hier gestern Abend am Nachthimmel richtig was los. Es fühlt sich nach einer unverschämten Bitte an, aber ich wäre nicht böse darüber, wenn wir das Glück von Nordlichtern noch mal bekommen würden. Ich werde berichten.
Morgen geht es dann auch schon weiter in die Ostfjorde. Klassisch ist es dort immer noch ein bisschen windiger, als im restlichen Land. Nachdem es hier schon ordentlich weht, darf man gespannt sein, was uns dort erwartet. Auch hier werde ich berichten.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
X
Stand der Bucketliste
| Aufgabe | Status | Beweisfoto |
|---|---|---|
| Erzähle einem Isländer einen Witz. Natürlich auf isländisch | erledigt 16.09.2025 Breiðavík | |
| Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schaf | offen | |
| Iss etwas typisches isländisches. | offen | |
| Halte eine Hand in einen Wasserfall | offen | |
| Finde Lavagestein in der freien Natur | offen | |
| Trinke Wasser aus einem wilden Fluss | erledigt 15.09.2025 Nameless | ![]() |
| Mach ein Foto von einem Regenbogen | erledigt 14.09.2025 Svöðufoss | ![]() |
| Streichle ein Pferd | offen | |
| Baue einen Freund für Kleifakarl | erledigt 15.09.2025 Kleifakarl | ![]() |
| Nasch isländische Lakritze | erledigt 23.09.2025 Aldeyjarfoss | ![]() |
| Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autos | erledigt 17.09.2025 Dynjandi | ![]() |
| Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollen | erledigt 18.09.2025 Valagil | ![]() |
| Sing ein isländisches Lied mit – egal wie gut du den Text kannst | offen | |
| Lass dich vom Strokkur berieseln | offen | |
| Überquere einen Fluss ohne Brücke | offen | |
| Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurant | offen | |
| Stehe im Dampf in einem Geothermalgebiet | erledigt 22.09.2025 Námafjall | ![]() |
| Gib einem Ort einen Wikingernamen, den du dir selbst ausgedacht hast | offen | |
| Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmel | erledigt 23.09.2025 Kópasker | ![]() |
| Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörst | erledigt 15.09.2025 Skálmarfjörður | ![]() |









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