Wie immer in Island
Es ist wieder in den Ostfjorden, wo das Wetter auf einmal noch stärker am Rad dreht, als sowieso schon. Wir haben in diesem Urlaub bereits 3-4 Jahreszeiten durchlebt. Natürlich mochten wir am meisten den zuletzt vorherrschenden Sommer. Bei Temperaturen um die 16°C lässt es sich hier gut aushalten. Doch es musste ja so kommen, wie es eigentlich immer kommt, wenn wir in die Ostfjorde fahren. Der Wind nimmt zu, es gibt die ersten Wetterwarnungen und aktuell ist man sich hierzulande unsicher, ob es dann bald sehr stürmt, eine Sintflut gibt oder beides gleichzeitig. Mich beschleicht das Gefühl, dass so ein wenig Sorge ums Wetter zu einem Islandurlaub wohl auch dazu gehört. Die Kunst besteht dann wohl darin, auch aus so einer Situation irgendwas was Gutes zu machen. Wie erfolgreich wir damit waren, wissen wir wohl am Ende des heutigen Beitrags.
Unser Tag begann mal wieder relativ spät. Ich weiß, ich weiß – das normalsterbliche Volk lacht immer wieder über mich, wenn ich von „spät aufstehen“ schreibe und damit 7.30 Uhr meine, aber für mich ist das nun mal 1-2 Stunden hinter meiner sonstigen Aufstehzeit.
Gegen 8 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zu unserem ersten Ziel. Es sollte der Hengifoss werden. Dort stellte ich als erstes fest, dass man selbst am Himmel gut ablesen kann, wie unentschlossen Island über seine heutigen Wetterabsichten ist.

Meine Frau hat sich mit dem Urlaubsbeginn angewöhnt verlässlichere Wetterprognosen zu machen, als jeder Wetterbericht. Sie meinte, dass die Wolken zwar da sind, aber weiterziehen werden. Meine Frau ist nicht nur Urlaubs- sondern auch Wetterprofi.
Zurück zum Hengifoss. Man geht vom Parkplatz relativ einfach den Berg hinauf. Das sind so etwa 2-3km Weg auf Schotter, aber mit normaler Kondition wohl problemlos machbar. Zumal der Weg immer wieder gespickt ist mit Einblicken in die Schlucht und auf dortige Wasserfälle.

Die Sonne kämpfte sich dann mehr und mehr durch die Wolken und wir hatten dadurch immer wieder richtig schönes Licht bei einer richtig schönen Aussicht. Und wenn es doch mal etwas langatmig wurde, den Berg hochzumarschieren, macht man eben Blödsinn.

Aber allzu oft hat man gar nicht die Gelegenheit dazu. Dafür ist der Weg in Summe dann doch viel zu schön. Allerdings war ich dann irgendwann doch immer mehr irritiert, wie andere Menschen den Trail bestreiten.
Ich konnte mich manchmal gar nicht satt sehen. Immer wieder gibt es auch kleine Abzweigungen vom Hauptweg, sodass man in den Canyon schauen kann oder einen ganz tollen Weitblick bekommt.

Doch aus irgendeinem Grund haben es sehr viele Menschen hier sehr eilig. Als wäre es ein Wettkampf, möglichst schnell ganz oben zu sein. Hauptsache keine Zeit verlieren..? Ich weiß nicht. Es soll jeder Urlaub machen, wie er es möchte. Ich fand es aber doch etwas eigenartig, warum so gut wie niemand mal stehen blieb und das Gesamtbild der Wanderung bewunderte.
Aber gut, vielleicht ist es auch fair, dazu dann den Hengifoss selbst zu zeigen. Denn wenn man ihn mal sieht, versteht man wohl auch ganz gut, warum Leute schnell zu ihm möchten.

Das Wechselspiel zwischen Sonne und Wolken sorgte dann noch dafür, dass der Hengifoss im Minutentakt in anderem Licht zu sehen war. Manchmal gab es einen Regenbogen dazu, manchmal wehte eine Windböe einen weiten Schleier aus dem Wasserfall. Man kann hier schon eine Weile sitzen und staunen. Das tat ich auch und war wieder einmal sehr glücklich mit der Welt und mir.
Und gleichzeitig blieb die Irritation über die anderen Menschen. Denn schaut mal, wenn man sich vom Hengifoss umdreht, ist dass der Ausblick. Und ist das nicht auch wunderschön?

Außer meiner Frau und mir machte auf dem Rückweg so ziemlich niemand mehr Bilder. Geschweige denn, dass mal jemand stehenblieb und sich alles genauer ansah. Naja, wie gesagt: Soll jeder so machen, wie es beliebt. Ich war sehr froh darüber, dass wir für die 4-5km am Ende knapp drei Stunden gebraucht haben. Denn jede Minute war wertvoll und schön.
Unten angekommen, fanden wir dann einen Foodtruck. Dort sollte es Waffeln wie bei Oma geben. Nach so einer schönen Wanderung, sind Waffeln auf jeden Fall eine gute Idee. Da es dann auch noch isländische Suppe geben sollte und auch Aufwärmen in die Kategorie „gute Idee“ gehörte, bestellten wir uns erstmal was.
Die Wartezeit habe ich dann mal ausprobiert, was wir hier die letzten Tage vermehrt sehen konnten. Aus irgendeinem Grund haben speziell asiatische Reisegruppen eine bestimmte Pose für Fotos. Manchmal kann man dabei zusehen, wie jemand wirklich direkt zu einer Sitzgelegenheit läuft, die Pose macht und binnen 30 Sekunden fotografiert wird und dann weiterläuft. Und was soll ich sagen? Jetzt, wo ich mal so ein Foto von mir sehe, finde ich, man kann das schon mal so machen.

Die Hand vorm Hals kaschiert auf jeden Fall schön das Doppelkinn und irgendwie bringt diese Pose auch meinen Bart gut zur Geltung. Ich weiß nicht, ob das der Hauptgrund für diese Pose ist, aber hey – nachdem ich gestern immer nur teilnahmslos in der Gegenstand rumstand, ist diese Pose sicherlich eine Verbesserung.
Wie dem auch sei. Suppe und Waffel waren toll und so fuhren wir gestärkt weiter zum Rjúkandafoss. Es handelt sich dabei um einen mächtigen Wasserfall direkt an der Ringstraße.

Irgendwie hatte ich dort die Eingebung, ich könnte mir ja mal das Schild durchlesen, was da seit Jahren zum Wasserfall steht. Ich erfuhr, dass es scheinbar einen ausgewiesenen Trail gibt und man am Ende des Weges dann so eine Art Gästebuch finden könnte.
Da das Schild mindestens seit 2018 dasteht und der Tourismus damals noch ein anderer war, war ich auch etwas unsicher, wie verlässlich die Geschichte mit dem Gästebuch wirklich ist. Der einzig sichtbare Weg ist der, den eigentlich alle dort gehen und am Ende gibt es eine schöne Aussichtsplattform, aber weit und breit kein Gästebuch.
Mein Blick schweifte dann auch mal ein wenig in der Umgebung umher und mit mal sah ich circa 5m über mir im Hang einen Holzstab mit grüner Farbe. Das war sehr eindeutig eine Markierung für einen Weg. Ich suchte ein wenig weiter und fand einen zweiten Stab. Ich ging noch ein wenig weiter zurück und entdeckte dann so eine Art Einstieg ins Gestrüpp. Kaum ein Fuß breit, aber wenn man es erstmal gesehen hat, deutlich erkennbar als Weg.
Und so ging ich auf einmal einen Berg hoch. Meine Frau stand noch immer auf der Plattform und machte Fotos und ich fragte mich nach 50m dann doch, wo genau ich jetzt eigentlich hin will. Mein Blick nach oben fand zwar noch weitere Abschnitte des Wanderweges, allerdings waren diese teils von Geröll übersäht oder steil oder matschig oder alles davon. Ich beschloss daher einfach meine erhöhte Position zu nutzen und Fotos zu machen.

Es spricht einmal mehr für die Begabung meiner Frau, dass sie aus dieser Situation dann irgendwie trotzdem noch das coolere Bild gemacht hat. Nach Urlaubs- und Wetter- nun auch noch mal nachweislich Fotoprofi.

Wir schauten danach noch mal zu zweit nach dem Weg, kamen dann aber letztlich auch beide zu dem Ergebnis, dass heute nicht der Tag ist, wo wir ausprobieren, wie gut man auf den Kamm des Berges kommt.
Stattdessen fuhren wir noch mal nach Seyðisfjörður. Zwar waren wir gestern schon mal hier, aber es gibt noch mindestens einen weiteren Wasserfall hier, den wir noch ansehen wollten.
Der Búðareyrarfoss ist eigentlich recht charmant. Man hat hier mittlerweile einen voll-ausgebauten Pfad, der einen entlang des Wassers bis nach oben zum Wasserfall führt. Hinter einem liegt das spiegelglatte Wasser und dann das bildschöne Fischerdorf Seyðisfjörður. Der Wasserfall selbst ist auch durchaus hübsch.

Man geht hier vielleicht 20 Minuten vom Parkplatz nebenan bis nach ganz oben. Da heute kein Kreuzfahrtschiff mehr da war, ist die Stadt im Grunde auch völlig leer und man ist entsprechend recht allein unterwegs. Es stört einen also auch niemand, wenn man mal ein bisschen Dinge mit der Kamera ausprobieren möchte.

Für mich wird der Wasserfall aber aus einem anderen Grund in Erinnerung bleiben. Denn es sollte hier sein, wo ich den Punkt der Bucketliste erfüllte und die Hand in einen Wasserfall hielt.

Bereits am Hengifoss hatte ich heute versucht bei einem kleineren Wasserfall die Challenge zu erfüllen. Allerdings hat diese Aufgabe einen ganz eigenen Schwierigkeitsgrad. Denn man denkt so oft, dass es doch ein Kinderspiel sein müsste, dass man den Wasserfall erreicht. Und dann geht man näher und stellt fest, hoppala – die letzten 2-3 Meter sieht man nicht mal den Grund des Wassers oder der Selbsterhaltungstrieb meldet sich mal wieder und sagt Dinge wie „Merkste selbst…?“, während er auf schräge, nasse Steine zeigt.
Aber hier, hier sollte es nun sein. Um jeden Zweifel auszuräumen, krabbelte ich auch einmal so auf den Stein, dass ich eher mit dem rechten Arm irgendwie rankam. Das machte mich im Gesamtbild zwar nicht fotogener, aber es geht ja hier nicht ums tolle Foto, sondern um die Sache selbst.

Es gehört wohl zum Schicksal dieses Punktes, dass mir durch die Aktion vermutlich mehr Wasser in den Ärmel lief, als eigentlich über die Hand. Man bringt halt Opfer. Ich bin so oder so happy, dass ich mal wieder so an einer Wand hing.
Wir aßen dann noch in Seyðisfjörður. Es war zwar erst 15 Uhr, aber wir waren doch schon etwas knülle und bevor wir noch einkaufen und selbst kochen, gab es dann eben noch mal Backofenkartoffel.
Auf dem Weg zum Auto hatten wir dann kurz mal die gesamte Regenbogenstraße des Ortes für uns allein. Am Ende steht eine Kirche und wieder einmal tut sich der Verdacht auf, dass Island eigentlich nur gemacht wurde, damit Influencer coole Motive haben. Aber ich gebe zu, ich fand das auch sehr schick.

Kurze Zeit später waren wir dann wieder in unserer Unterkunft. Mittlerweile mehrten sich die Nachrichten, dass es vielleicht regnen und oder stürmen soll. Gleichzeitig gibt es Meldungen, dass das Wetter vielleicht doch nicht so schlimm wird, wie ursprünglich befürchtet. Da wir vor zwei Jahren aber ziemlich genau in dieser Ecke mal wetterbedingt festsaßen, machen solche Meldungen natürlich etwas mit einem.
Erschwerend kommt dazu, dass gute Freunde von uns eine Woche zusammen mit uns Island entdecken wollen. Sie sollen eigentlich morgen ankommen. Wir hoffen nun also mindestens zu viert, dass die Flüge irgendwie funktionieren werden. Daumen drücken eurerseits ist auch gern genommen.
Letztlich ist das Wetter aber eben Wetter und so sehr das ganze auch stresst, habe ich den Gedanken gefunden, dass ich mich heute noch nicht zu sehr da reinsteigere (das kommt morgen eh von ganz allein). Stattdessen folgte ich einem Impuls und schrieb unserem Gastgeber eine kurze Nachricht, in der sinngemäß stand „Da stehen Pferde am Zaun, darf ich da mal hin?“ und er bejahte direkt.
In der Folge darf ich nun mehr auch verkünden, dass ich heute also sogar noch einen zweiten Punkt der Bucketliste erfüllen konnte. Ich habe Pferde gestreichelt!

Ich muss gestehen, dass mir Pferde immer suspekt sind. Es sind schöne Tiere und ich mag total, wie sie eigentlich immer neugierig sind. Aber ihr Verhalten ist so komisch. Einerseits können sie super selbstbewusst sein, andererseits erschrecken sie sich, wenn eine Fliege pupst und rennen dann wie bekloppt weg.
Der eine Kollege hier war irgendwie der Meinung, dass meine Hand scheinbar lecker ist. Er versuchte ein paar mal irgendwie dran zu knabbern oder dran zu lecken. Ich wollte das nicht, aber nun gut. Er gab mir ein Foto, ich gab ihm meine Hand.

Der Eigentümer schrieb mir übrigens nicht nur, dass ich die Pferde begrüßen darf, er meinte auch, dass er sie aber in 30 Minuten in den Stall bringen wird, aufgrund des angekündigten Sturms. Und da war sie dann doch wieder, die Sorge vor dem, was vielleicht kommen könnte.
Aber gut – am Ende wird passieren, was eben passieren wird. Ich hoffe einfach, dass der morgige Tag unsere Freunde heil nach Island bringt. Alles weitere ergibt sich dann schon. Es bleibt also auch dieses mal spannend. Ich werde morgen berichten, wie es weitergeht.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
X
Stand der Bucketliste
| Aufgabe | Status | Beweisfoto |
|---|---|---|
| Erzähle einem Isländer einen Witz. Natürlich auf isländisch | erledigt 16.09.2025 Breiðavík | |
| Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schaf | offen | |
| Iss etwas typisches isländisches. | offen | |
| Halte eine Hand in einen Wasserfall | erledigt 25.09.2025 Búðareyrarfoss | ![]() |
| Finde Lavagestein in der freien Natur | offen | |
| Trinke Wasser aus einem wilden Fluss | erledigt 15.09.2025 Nameless | ![]() |
| Mach ein Foto von einem Regenbogen | erledigt 14.09.2025 Svöðufoss | ![]() |
| Streichle ein Pferd | erledigt 25.09.2025 Stormur | ![]() |
| Baue einen Freund für Kleifakarl | erledigt 15.09.2025 Kleifakarl | ![]() |
| Nasch isländische Lakritze | erledigt 23.09.2025 Aldeyjarfoss | ![]() |
| Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autos | erledigt 17.09.2025 Dynjandi | ![]() |
| Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollen | erledigt 18.09.2025 Valagil | ![]() |
| Sing ein isländisches Lied mit – egal wie gut du den Text kannst | offen | |
| Lass dich vom Strokkur berieseln | offen | |
| Überquere einen Fluss ohne Brücke | offen | |
| Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurant | offen | |
| Stehe im Dampf in einem Geothermalgebiet | erledigt 22.09.2025 Námafjall | ![]() |
| Gib einem Ort einen Wikingernamen, den du dir selbst ausgedacht hast | offen | |
| Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmel | erledigt 23.09.2025 Kópasker | ![]() |
| Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörst | erledigt 15.09.2025 Skálmarfjörður | ![]() |











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