Die Islandexperience
Man weiß ja letztlich nie, wann der beste Tag des Urlaubs wird. Aber wenn ich nun hier sitze und die Fotos des heutigen Tages schon mal so Revue passieren lasse – es war schon ein sehr toller Tag.
Heute war der erste Tag, an dem wir zusammen mit unseren Freunden Island erkunden durften. Es war das erste mal, dass wir für andere Reiseführer sein durften und in aller Bescheidenheit, ich glaube wir haben das ganz okay gemacht.
Wir waren bei ein paar Pflicht-Sehenswürdigkeiten und haben auch ein paar eher versteckte Perlen im Programm gehabt. Kurzum: Es gab die volle Island-Experience. Dazu hatten wir perfektes Wetter. Blauer Himmel, Sonnenschein, kaum Wind – Urlaubsherz, was willst du mehr? Aber wie immer, lasst mich von Anfang an starten. Auch wenn das zugegebenermaßen schwerfällt, denn ich bin völlig durch mit dem Tag und nun 1-2 Stunden zu schreiben, fühlt sich vielleicht irgendwann nach einer richtigen Entscheidung an, aber gerade würde ich die Dusche und das Bett wirklich vorziehen. Aber genug gejammert. Auf in den Tag.
Dieser startete nämlich direkt mit einem spektakulären Highlight. Wir waren beim Skógafoss. Und ja da waren wir gestern schon und man mag sich denken „Schöner Wasserfall, aber ein spektakuläres Highlight?“ Und doch, war es ganz genau das.

Denn wisst ihr, zusammen mit unseren Freunden ging es dann richtig nah ran. Aktuell läuft der Fluss des Skóga so, dass man schon einen gewissen Sinn für Abenteuer haben muss, um überhaupt nah an die Gischt zu kommen. Es ging über Steine und einen kleinen aber reißenden Bach et voila, standen wir da – alleine auf der Welt und direkt vor einem der wohl schönsten Wasserfälle Islands.

Natürlich wird man dort patschnass. Aber was könnte es für eine bessere Aufnahmeprüfung in den isländischen Urlaub geben? Einmal duschen im Skógafoss – check! Was für ein Start in den Tag.
Als nächstes sind wir zum kleinen Bruder des Skógafoss gefahren. Namentlich der Kvernufoss. Der ist keine 10 Minuten Fahrt entfernt und ohne ironischen Unterton einfach andersschön, als der berühmte Skógafoss.
Man läuft hier durch ein kleines verwunschenes Tal. Das Moos, der Fluss, die Morgenstunde und wir mittendrin. Alles in allem ist der Weg zum Wasserfall bereits schön. Es lässt sich sehr leicht vorstellen, wie Elfen und Feen hier wohnen. Der Wasserfall muss sich aber in Sachen Schönheit auch gar nicht verstecken.

Und so standen wir da. Die Islandprofis und unsere Freunde als Island-Novizen. Da es hier möglich war, gingen wir dann auch zusammen hinter den Wasserfall. Leider steht man da morgens so, dass man gegen das Licht fotografiert. Für den Blog habe ich mich daher mal entschieden, ein Bild zu nehmen, bei dem wir auch zu sehen sind. Kleiner Vorteil von der Idee ist auch, dass wir hinterm Wasserfall doch deutlich nasser wurden und so auf dem Bild eben auch etwas trockener aussehen.

Und wenn wir schon bei Vorteilen sind. Da die Sonne recht günstig stand, haben wir dann auch gleich mal zu viert geschaut, wie so eine Schattenfigur funktionieren könnte. Ich muss leider sagen, dass das den Bereich „unfassbar cool“ verlässt und in den Bereich „ungewollt humoristisch“ umsiedelt.
Was einst Begann, wie eine Schattengöttin mit 4 Armen ist heute dann zu einem riesigen behinderten Insekt mit Koordinationsstörung mutiert. Ich will euch das Foto dazu natürlich trotzdem nicht vorenthalten.

Wie dem auch sei. Eine weise Frau sagte mir einst „Haben wir es mal gemacht“. Und mit was sagt sie das? Mit Recht!
Unser weiterer Weg sollte uns dann zum Seljalandsfoss führen. Doch auf einmal rief meine Frau, dass sie gern einen Zwischenstopp einbauen möchte. Denn in wenigen Minuten könnten wir uns das perfekte Wetter zu Gute machen und hätten einen perfekten Blick auf den Eyjafjallajökull. Einmal mehr sollte sich damit bestätigen, dass meine Frau Profi durch und durch ist.

Mittlerweile findet man beim Museum des Eyjafjallajökull ein paar Schilder, die den damaligen Vulkanausbruch ganz gut beschreiben. Außerdem gibt es vor Ort eine Bäckerei. Diese lässt mich allerdings mit gemischt Gefühlen zurück. Irgendwie wurde dort das Bestellen so eigenartig zelebriert. Ich erzähle einfach mal den Vorgang und vielleicht finden wir ja zusammen raus, warum es irgendwie dumm ist.
Man kommt in den Laden und liest „Such dir was aus, komm an den Schalter, bezahle, lass es dir schmecken“. So weit, so gut. Ich ging also hin, suchte mir einen Keks aus und einen Brownie und ging zur Kasse. Dort angekommen gab ich meine Bestellung auf, bezahlte und bekam…. dann so ein komisches Teil, was vibriert und leuchtet, wenn die Nummer darauf wohl aufgerufen wird…?
Die Kekse und der Brownie lagen dort in der Auslage. Ein Mensch dahinter hat mit mir gesprochen. Warum genau war es jetzt nicht möglich, mir einfach den Keks zu geben? Die Antwort darauf lautet wohl, weil eine andere Mitarbeiterin mich dann rief und den Keks gab. Das komische leucht-vibrier-Teil hat weder das eine noch das andere jemals gemacht. Also… ja. Der Keks war lecker und deckte den Zuckerbedarf Islands für das restliche Jahr. Ich bin also mit dem Ergebnis zufrieden. Der Weg dahin war mindestens irritierend.
Aber wir halten uns nicht weiter mit Keksen auf. Stattdessen kommen wir nun tatsächlich zum Seljalandsfoss. Schließlich ist das wohl der meistfotografierte Wasserfall in ganz Island und für jeden Islandurlauber wohl zumindest beim ersten Besuch ein Pflichtstopp.

Ich habe ja die Theorie, dass der Wasserfall eigentlich nur deshalb so berühmt ist, weil er direkt an der Ringstraße steht und vor Jahren schon clever genug war, einen großen Parkplatz zu haben. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass der Wasserfall bei genauerer Betrachtung viele eindrucksvolle Bilder liefert. Vielleicht ist es also doch nicht nur die Nähe zur Ringstraße und der Parkplatz.

Der eigentliche Star dieses Stopps war dann aber der eher unbekannte Wasserfall nebenan. Mit dem wunderschönen Namen Gljúfrabúi liegt er kaum 500m neben dem Seljalandsfoss aber ich glaube, viele Menschen kennen den Wasserfall gar nicht oder wissen erst von seiner Existenz, wenn sie versehentlich nicht zum Parkplatz laufen sondern den Weg in die andere Richtung entlang schlendern.
Der Gljúfrabúi hat dabei die Besonderheit, dass er in eine Höhle fällt. Den Eingang in diese Höhle füllt ein kleiner Fluss. Das heißt, wenn man zum Wasserfall will, muss man wohl oder übel durchs Wasser. Es ist nicht tief, aber es hat eben auch etwas von Abenteuer, wenn man über Steine springt um irgendwie näher an stürzendes Wasser zu kommen.

Ich muss auch gestehen, dass auch dieser Ort natürlich äußerst nass ist. Ich bin ehrlich gesagt gar nicht sicher, was ich erwartet habe, aber es war wohl nicht, dass dann mein künftiger Gastautor des Blogs neben mir in der nassen Höhle steht. Es ist und bleibt einfach schön, wenn man seine Freude und sein Glück direkt vor Ort mit jemanden teilen kann.

Von hier nun eine Überleitung zu finden, ist gar nicht mal so leicht. Denn das nächste Highlight, war etwas, was ich mir überlegt habe und was im Grunde auch nur für mich war. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich das auch sehr offen so kommunizierte.
Worum ging es nun eigentlich? Wir waren beim Stóra-Dimon. Es handelt sich dabei um einen Berg. Aber nicht irgendeinen Berg. Es ist ein einzelner Berg, mitten in einem Niemandsland. Einst verlor ich hier fast meine Drohne, aber der eigentlich Grund für unseren heutigen Besuch war, dass ich letztes Jahr versucht auf die Spitze des 178m hohen Berges zu kommen und leider scheiterte. Der Weg war matschig und ich konditionell nach etwa 75% des Weges derart fertig, dass ich kaum wusste, wie ich jemals wieder heil runter kommen sollte. Aus irgendeinem Grund nagte das seitdem an meinem Ego und nun stand ich heute wieder vor dem Berg und musste da einfach für mich nach oben.

Und so ging ich los und merkte doch recht schnell, dass es ein Unterschied ist, im Fitnessstudio auf dem Laufband mit 15% Steigung zu gehen oder in der Natur einen Berg zu erklimmen. Aber egal – das wird heute durchgezogen.
Ich sag mal so, nach etwa 75% des Weges spürte ich, wie meine Waden mehr als deutlich Grüße ans Schmerzzentrum sendeten. Mein Puls wurde mehr und mehr ein Dauerton und meine Atmung hatte schon eher was Hecheln. Alles egal – es geht weiter nach oben. Teilweise auf allen Vieren und teilweise mit dem Wissen, dass der Weg wohl eher nicht vom TÜV auf Sicherheit abgenommen wurde. Alles egal – das Ziel ist klar und wird nicht verhandelt. Und dann war es wirklich geschafft. Ich kam oben an. Fragt nicht wie… ich war oben.

Wie man erahnt, habe ich nicht nur mich den Berg hochgeschleppt, sondern auch meine Drohne. Das spricht wohl für meine Zuversicht, dass ich es wirklich bis nach oben schaffe. Der Zufall wollte es dann, dass ich oben ankam und erstmal 3m² fand, die wie gemalt waren für einen Drohnen Start- und Landeplatz.
Ich stand also dort, schaute in die Welt, auf den Fluss, auf den Vulkan im Hintergrund und das ganze Land zu meinen Füßen. Es war ein richtig erhabener Moment und ich bin glaub ich schon sehr lange nicht mehr so stolz auf mich gewesen. Dass es dann dazu auch noch coole Aufnahmen gab, ist quasi die Kirsche auf dem Tortenstück.

Meine Frau und meine Freunde vertrieben sich derweil die Zeit im Flussbett. Ich für meinen Teil bemerkte dann schmerzlich, dass auf den Berg kommen das eine ist. Es ist eine ganz andere Geschichte, wie man wieder nach unten kommt.
Meine ersten Schritten waren noch ok. Doch dann kickte meine Höhenangst rein und man stellt fest, dass so 170m eine doch recht steile Schräge runter sehr viel Respekt einflößen können. Man darf sich das dann so vorstellen, dass ich die ersten 30-40 Höhenmeter vorzugsweise auf meinem Hintern und Zentimeter für Zentimeter den Berg hinunter „ging“.
Ich sah dabei relativ sicher aus wieder erste Mensch aber wisst ihr was? Das interessiert mich exakt gar nicht. Ich war auf dem Stóra-Dimon. Ich habe den Berg bezwungen und dann auch noch den Kampf gegen meine Höhenangst beim Abstieg gewonnen. Ich mag manchmal nicht wissen, wann ein Erfolg ein Erfolg ist. Aber das war ein Sieg durch und durch und was stört mich dann die fehlende Eleganz beim runterklettern?

Irgendwann kam ich unten an und war körperlich fix und fertig. Ein Schluck Wasser (und womöglich auch ein Energydrink) erlaubten mir dann recht schnell mit den restlichen Islandurlaubern weiter zu fahren.
Schließlich ging es dann zum Gluggafoss. Die alten Bloghasen wissen, dass es sich hierbei um einen meiner Lieblings-Wasserfälle handelt. Auch heute sollte er sich von seiner besten Seite zeigen.

Man steht da, in dieser kleinen engen Schlucht und sieht die Wassermassen aus dem Steinfenster fallen. Unten wartet dann ein Regenbogen, während das Wasser malerisch an einem vorbeizieht. Es ist ein traumhaft-schöner Ort.
Ich war dort schon sehr dankbar und jetzt wo ich das Foto sehe bin ich es wieder. Es ist einfach richtig richtig schön, dass man seine Lieblingsorte auch mal seinen Freunden zeigen kann. Wieder weiß ich gar nicht, was ich mir eigentlich dazu vorgestellt hatte. Aber egal – Hauptsache jetzt ist es schön.

Doch der Tag war damit immer noch nicht zu Ende. Es ging für uns weiter nach Vík. Dort waren wir kurz ein bisschen Einkaufen und danach besuchten wir zusammen die dort ansässige Lavashow.
Meine Frau und ich waren hier schon ein paar mal aber letztlich ist es immer wieder ein Erlebnis, wie in so einen kleinen Raum extrem heiße Lava fließt und ein Gastgeber mit einer Metallstange damit rumspielt.

Die Vorstellung war heute auch nicht mal halbvoll. Es gab im Raum also kein Gedränge und wir konnten uns am Anfang schön aussuchen, wo wir am liebsten sitzen wollen.
Unser Gastgeber erzählte dann ein bisschen was über Lava aber fairerweise könnt ich kaum mehr etwas davon wiedergeben. Man starrt letztlich doch sehr gebannt auf die Lava und ist einfach sehr fasziniert.

Den Tagesabschluss sollte dann Dyrhólaey machen. Eine wunderschöne erhöhte Halbinsel. Die meiste Zeit des Jahres ist das ein Vogelrefugium. Mittlerweile klingt diese Saison aus und so ist es einfach ein wunderschöner Ort, um den Sonnenuntergang zu genießen.

Wir hatten eigentlich darauf gehofft, dass die Sonne zwischen Wolken und Meer untergeht. Leider hatten die Wolken dafür etwas zu viel Geltungsdrang. Der Ausblick auf das weite Meer und den scheinbar unendlichen schwarzen Strand waren aber trotzdem ein wunderbarer Ausklang für den Tag.
Dann ging es zurück in unsere Unterkunft und wir bemühten uns mal als Hobbyköche. Das, was wir ursprünglich für eine Sauce hielten, entpuppte sich als Marinade. Wer mal wissen möchte, wie man aus Milch und Marinade am Ende trotzdem eine ganz passable Sauce machen kann, darf sich gern mal bei uns melden. Immerhin hat der Reis, den wir dazu gekocht haben, ganz okay und ohne nennenswerte Vorkommnisse funktioniert.
Morgen soll das Wetter mindestens über den Vormittag nicht so doll werden. Wir werden diese Zeit nutzen, um in unsere neue Unterkunft umzuziehen. Wir sind dann sehr nah am Golden Circle und selbstredend gibt es die Idee, dass wir da die kommenden Tage auch noch auf Erkundung gehen.
Doch das ist dann eine Geschichte für einen anderen Tag. Heute bin ich besagtermaßen sehr sehr müde. Meine Ziel ist nur noch duschen und hoffen, dass ich nicht schon in der Duschkabine einschlafe.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
X
Stand der Bucketliste
| Aufgabe | Status | Beweisfoto |
|---|---|---|
| Erzähle einem Isländer einen Witz. Natürlich auf isländisch | erledigt 16.09.2025 Breiðavík | |
| Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schaf | offen | |
| Iss etwas typisches isländisches. | offen | |
| Halte eine Hand in einen Wasserfall | erledigt 25.09.2025 Búðareyrarfoss | ![]() |
| Finde Lavagestein in der freien Natur | offen | |
| Trinke Wasser aus einem wilden Fluss | erledigt 15.09.2025 Nameless | ![]() |
| Mach ein Foto von einem Regenbogen | erledigt 14.09.2025 Svöðufoss | ![]() |
| Streichle ein Pferd | erledigt 25.09.2025 Stormur | ![]() |
| Baue einen Freund für Kleifakarl | erledigt 15.09.2025 Kleifakarl | ![]() |
| Nasch isländische Lakritze | erledigt 23.09.2025 Aldeyjarfoss | ![]() |
| Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autos | erledigt 17.09.2025 Dynjandi | ![]() |
| Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollen | erledigt 18.09.2025 Valagil | ![]() |
| Sing ein isländisches Lied mit – egal wie gut du den Text kannst | erledigt 27.09.2025 Die Tour… | ![]() |
| Lass dich vom Strokkur berieseln | offen | |
| Überquere einen Fluss ohne Brücke | offen | |
| Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurant | offen | |
| Stehe im Dampf in einem Geothermalgebiet | erledigt 22.09.2025 Námafjall | ![]() |
| Gib einem Ort einen Wikingernamen, den du dir selbst ausgedacht hast | offen | |
| Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmel | erledigt 23.09.2025 Kópasker | ![]() |
| Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörst | erledigt 15.09.2025 Skálmarfjörður | ![]() |












Hinterlasse einen Kommentar