Odinshöfn

Der normale Wahnsinn

Fangen wir mit offensichtlichen Dingen an. Ich bin müde und vermutlich erkennt man allein am Jammern über diesen Fakt, dass es heute kein Gastbeitrag ist, sondern ich als „Original“-Reiseblogger den Unsinn der nächsten Zeilen verbrechen werde.

Warum ich müde bin, liegt vermutlich auf der Hand. Es war einmal mehr ein Tag voller Ereignisse. Es gab einmal mehr sehr viel zu sehen und es wurden auch wieder Punkte von der Bucketliste gestrichen. Island bietet im Grunde jeden Tag die Möglichkeit, dass man bequem mindestens 36 Stunden Action haben könnte. Blöderweise bleiben die Tage konsequent 24 Stunden lang und mein Körper weigert sich noch konsequenter, die gesamte Zeit durch zu powern. Wir werden also damit leben müssen, dass ich mehr Energie ausgebe, als mein Körper regenerieren kann und ich mich hier immer wieder über mich selbst wundere. Vermutlich gehört das bereits zum alltäglichen Wahnsinn unseres Islandurlaubs.

Und wo wir schon bei Wahnsinn sind, würde ich gerne einen Punkt der Bucketliste abhaken. Ich muss dazu sagen, dass mich Niels mehr oder minder unfreiwillig auf diesen Punkt gebracht hat. Seinerseits verflucht er diesen Umstand womöglich ein bisschen. Ich finde es großartig. Worum geht es? Laut Bucketliste muss ein Ort einen Wikingernamen kriegen. Im Grunde besteht diese Aufgabe aus zwei Teilen. Finde einen passenden Ort und offensichtlich der Name.

Nun wollte sich die letzten Tage kein Ort so richtig würdig anfühlen. Wir waren bei Wasserfällen, wir waren auf Bergen, wir waren quasi überall, aber entweder hatten die Orte bereits coole Namen oder die Muse küsste mich nicht. Heute früh googlete ich daher, wie genau denn ansich ein Wikingername entstehen würde. Eins führte zum anderen und wir kamen dann zusammen am Frühstückstisch mit dem neuen Input auf „Odinshöfn“. Frei übersetzt bedeutet das dann soviel wie „Der Hafen von Odin“ und mal ehrlich, das klingt schon sehr wikingerisch, oder? Nun brauchte es nur noch einen passenden Ort dafür. Was soll ich sagen… ich bin manchmal ein Mann über 40 auf dem Papier und im Kopf weiterhin 12 Jahre.

Odinshöfn

Und ich finde es dann doch großartig. Niemand muss mehr profan „kacken gehen“. Nein. Ab sofort kann man ein Schiff in Odinshöfn zu Wasser lassen. Oder wie wäre es mit „Ich gehe mal eben Odins Hafen fluten.“ Pipikackahumor will auch gelernt sein. Ich für meinen Teil werde hiermit nun aber offiziell den Punkt der Bucketliste abhaken und dazu dann auch Odinshöfn in meinen Wortschatz aufnehmen.

Der Tag hatte dann natürlich noch mehr zu bieten, als das. Wir beschlossen heute als erstes zu Hjálparfoss zu fahren. Ein wunderschöner Wasserfall, doch wie sollte es anders sein? Wir hielten natürlich vorher schon bei einer Brücke für einen Fotostopp.

Hänge-Party-Brücke

Wie ihr seht, war das Wetter eher so mäßig. Das hinderte uns nicht daran im Auto mit guter Laune durch Island zu fahren. Tatsächlich wurde es aber dann doch leicht heller und es blieb erstaunlich trocken. Wir beschlossen daher, dass wir noch einen Zwischenstopp einrichten und die konditionellen Fähigkeiten unserer Freunde strapazieren.

Wir stoppten beim Berg Gaukshöfði und hatten selbstredend auch vor ihn zu erklimmen. Im Grunde ist es gar nicht so dramatisch, wie man im ersten Moment denken möchte. Gleichzeitig geht man am Ende eben doch so 150m bei 20% Steigung nach oben.

Gaukshöfði

Das Ganze für einen wunderschönen Weitblick, selbst bei dann doch wieder leicht diesigem Wetter. Aber Fakt ist auch, dass selbst bei diesen Witterungsbedingungen viel Schönheit im Detail liegen kann. Das Gras ist ein wenig grüner und die ganzen Herbstfarben der Gewächse kommen auch deutlich besser zur Geltung. Ich find das zumindest alles sehr schön und mehrere hundert Fotos können bezeugen, dass ich auch immer wieder versuche, diese Schönheit in Bilder zu bannen.

Moosfotograf

Da es auf dem Berg aber doch recht windig war und wir ja eigentlich woanders hin wollten, fuhren wir recht schnell weiter. Der nächste Stopp wurde dann auch wirklich der geplante Hjálparfoss.

Hjálparfoss

Meine Frau und ich fahren nun schon seit sieben Jahren immer wieder zu diesem Wasserfall. Man erinnert sich daran, wie es damals nur einen Feldweg gab und wie der Wasserfall noch zu den versteckten Perlen zählte.

Heute gibt es Asphalt und eine Infrastruktur. Das ändert aber nichts daran, dass der Wasserfall schön ist. Wir hatten heute auch das Glück, dass kaum Menschen dort waren und die wenigen vor Ort dankenswerterweise kaum unsere Wege kreuzten.

Ich fand dann vor Ort einen Moment, in welchem ich mich für Nahaufnahmen begeistern konnte. Ich zoomte in den Wasserfall und schaute mir minutenlang die Spritzer des Wassers an. Stellt sich auch raus, dass es gar nicht so einfach ist, vernünftige Bilder von fließendem Wasser zu machen. Aber ich denke, manche Aufnahmen sind ganz ok geworden.

Rauschen

Aber natürlich ist es nicht so, dass ich dort in Island stehe und versuche meine Fotoskills zu verbessern, während meine Frau und meine Freunde irgendwo in der Ecke geparkt auf mich warten. Es passieren selbstredend im Grunde überall auch Dinge, die man eben nur mit Freunden macht. Beispielsweise gehören dazu Versuche, Fotos von uns zu machen, bei denen es quasi unmgöglich ist, dass vier Erwachsene mal gleichzeitig „normal“ in die Kamera gucken.

Beispiel 1
Beispiel 2

Aber sind wir ehrlich: Gestellte Fotos sind eh immer ein bisschen blöd und so fangen wir wohl die Essenz unseres Urlaubs am Ende auch viel besser ein.

Als nächstes hatte ich dann eigentlich den Wunsch, unseren Freunden den Gjáin zu zeigen. Das wäre ein wunderschönes Tal gewesen. Eines, bei dem man denkt, dass die Zeit es vergessen hat. Überall fließt Wasser und es ist wirklich wunderschön.

Blöderweise war es so, dass man auf dem Weg dorthin durch ein Wasser-Stein-Gemisch hätte fahren müssen. Meine Frau lehnte direkt ab und während die Männer der Runde ausstiegen, um zu schauen, ob eine Überfahrt irgendwie möglich wäre, fing es natürlich doch an zu regnen.

Da der Gjáin im nassen Zustand im Grunde zwar auch noch schön ist, aber so circa 80% der Sachen nicht mehr erreichbar sind, haben wir die Überfahrt dann tatsächlich sein gelassen. Aber was macht man dann an dieser Stelle? Richtig, man erfüllt einen weiteren Punkt der Bucketliste und überquert einen Fluss ohne Brücke.

Eleganz hat einen Namen

Vielleicht ein paar Gedanken noch dazu. Im Laufe des Urlaubs bin ich vermutlich schon über 30 kleine Flüsse rüber. Manchmal gesprungen, manchmal quer durch und manchmal im Tippeltappel über kleine Steine im Wasser. Der Punkt auf der Bucketliste hätte also auch schon längst erledigt markiert werden können, aber mein Stolz wollte doch immer noch mehr.

Dabei habe ich ein Kernproblem mit dieser Aufgabe. Ich habe keinen Gleichgewichtssinn. Nicht mal so ein bisschen. Es ist ein Wunder, dass ich beim Schreiben des Blogs nicht vom Stuhl falle und würde die Schwerkraft nicht manchmal für mich arbeiten, ich würde wohl sogar im Liegen umkippen. Es ist wirklich schlimm. Da ich auch ungern in kaltem Wasser stehe, ist der Punkt der Bucketliste also schon eine recht große Herausforderung für mich. Aber… heute habe ich es getan und war erfolgreich!

done!

Zur Wahrheit gehört auch, dass ich dann direkt Übermut fühlte und den guten Meter zurückging und natürlich den letzten Stein so erwischte, dass er wegrutschte und mein Fuß damit schön ins Wasser ditschte.

Links im Wasser

Egal. Der Punkt lautete ja nur, dass ich einmal den Fluss überquere und das tat ich auch. Es war nie die Rede davon, dass ich dabei trocken bleiben muss oder im Anschluss nicht direkt eine Dummheit machen darf. Mit einem nassen Fuß und ungebrochener guter Laune ging es dann ein paar Meter weiter zum Stöng.

Ramalam – Ding Stöng

Wenn Menschen als Kind gern im Sandkasten gebuddelt haben und sich irgendwie nicht davon trennen können, werden sie eben später mal Archäologen. Ein paar Leute dieser Spezies haben in Island eine alte Wikingerhalle entdeckt, ein Dach drüber gebaut und das dann für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Immoscout Island

Ehrlicherweise war das tatsächlich mal ganz interessant zu sehen. Dass es nebenbei Dank dem Dach für uns trocken war, half natürlich auch, dass wir uns hier eine Weile aufhielten.

Wir fanden dann dort auch ein kleines Gästebuch und natürlich hielten wir es für eine gute Idee, uns dort zu verewigen. Unser meisterlicher Beitrag sah dann so aus.

stöngly recommended

Der Regen wurde weniger und wir zogen dann auch ein Stück weiter. Tatsächlich veränderte es sich inhaltlich aber gar nicht so viel. Denn wir fuhren nur ein kurzes Stück zum Þjóðveldisbærinn. Ein wunderschöner Name, ich weiß.

Es handelt sich dabei um einen Ort, wo man versucht originalgetreu und teilweise sogar mit Originalmitteln das Leben der alten Wikinger nachzustellen.

Þjóðveldisbærinn

Auch hier waren wir heute sehr allein. Der nette Wikinger am Eingang erzählte uns auch dazu, dass wir Glück hätten, denn heute ist der letzte Tag der Saison. Morgen hätten wir also wohl vor verschlossenen Wikingertüren gestanden. So hingegen, konnten wir uns allerhand Utensilien aus der Zeit der Wikinger anschauen.

Wie Zuhause

Das Highlight hier ist aber unangefochten, dass man die Möglichkeit hat, sich mal wie ein Wikinger anzuziehen und Fotos davon zu machen. Für einen Bär von einem Mann wie mich, natürlich endlich mal die Chance, so richtig mit der eigenen Statur zu glänzen.

Axel Thorson (aus Odinshöfn)

Wir hatten dort eine richtig gute Zeit. So ein Fotoshooting hatten wir natürlich nicht auf dem Zettel, aber wir haben sehr sicher eine Menge draus gemacht. Ich fand den ganzen Ort insgesamt sehr liebevoll gemacht. Ich würde ihn auf jeden Fall sehr empfehlen, auch wenn so ein Eisenhelm recht kalt ist und erstaunlich schwer.

Der letzte Stopp des Tages sollte dann der Kerið werden. Wir wohnen aktuell gefühlte 2cm von diesem Krater entfernt. Trotzdem waren wir bislang nicht dort und hatten es gar nicht so richtig auf dem Schirm. Aber heute kam der Wunsch auf und da das Wetter mehr oder minder hielt, fuhren wir also auch dort hin.

Krater mit Kratersee

Wenn man hier ist, sind die möglichen Aktivitäten relativ limitiert. Über allem steht, dass man staunend sehen kann, was die Natur da geschaffen hat. Ansonsten kann man oben einmal um den Krater laufen oder man geht die Treppen runter und steht dann unten am See. Da wir scheinbar eine Schwäche für körperliche Erschöpfung haben, sind wir völlig folgerichtig auch hier den anstrengendsten Weg gegangen.

Am Seeufer

Es ist schon schön, mal dort unten zu stehen. Der See hat eine wunderbare Farbe und wie oft kriegt man sonst die Gelegenheit, in einem Vulkankrater Fotos von sich zu machen? Eben.

Fit wie ein Turnschuh

Ehrlich gesagt, half hier einfach die Freude über den Augenblick. Durch den ganzen Tag trägt einen die Energie, dass man seinen Freunden zeigen kann, wovon man selbst seit Jahren begeistert ist. Dass die beiden dann ihrerseits auch eine gute Zeit haben, hilft dabei natürlich ungemein.

Dass der Akku aber doch so langsam fraglich ist, zeigte sich spätestens bei der Konzentration auf dem Parkplatz des Supermarktes. Es brauchte etwa 41 Versuche, bis ich die Parklücke traf. Im Prozess verunsicherte ich mindestens 10 andere Autofahrer und tat auch sonst genug, um durch jede Fahrprüfung zu fallen. Toi toi toi, mehr ist bis auf den Moment des Schämens nicht passiert.

Wir gingen dann noch einkaufen und fuhren dann nach Hause. Erneut meldete sich meine Konzentration. Denn ich wollte eigentlich Kartoffeln im Ofen machen. Dazu holte ich Kartoffeln und Rosmarin. Zumindest dachte ich das. Ich stand dann in der Küche und der Rosmarin sah irgendwie nicht nach Rosmarin aus. Er roch auch nicht nach Rosmarin. Vermutlich lag das daran, weil es Oregano war. Jedenfalls gab es dann heute Abend Oregano Kartoffeln. Ich würde beim nächsten mal zwar doch wieder nach Rosmarin schauen, aber für den Notfall stellt sich raus, dass Oregano gut zu Kartoffeln passt. Satt wurden wir zumindest alle und bislang zeigt niemand Anzeichen von Vergiftungen. Auch hier – toi toi toi.

Mein Abend wird dann gleich damit komplettiert, dass ich duschen gehe und dann ins Bett falle. Morgen gibt es die Hoffnung, dass das Wetter reicht, um in Nationalpark Þingvellir zu fahren. Als kleine Nebenaufgabe hoffen wir glaube ich alle, dass der Tag dann auch nicht zuuu lang wird. Wir werden sehen. Eins steht fest: Es wird so oder so wieder schön.

In diesem Sinne

Habe die Ehre

Stand der Bucketliste
AufgabeStatusBeweisfoto
Erzähle einem Isländer einen Witz.
Natürlich auf isländisch
erledigt
16.09.2025
Breiðavík
Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schafoffen
Iss etwas typisches isländisches.offen
Halte eine Hand in einen Wasserfallerledigt
25.09.2025
Búðareyrarfoss
Finde Lavagestein in der freien Naturoffen
Trinke Wasser aus einem wilden Flusserledigt
15.09.2025
Nameless
Mach ein Foto von einem Regenbogenerledigt
14.09.2025
Svöðufoss
Streichle ein Pferderledigt
25.09.2025
Stormur
Baue einen Freund für Kleifakarlerledigt
15.09.2025
Kleifakarl
Nasch isländische Lakritzeerledigt
23.09.2025
Aldeyjarfoss
Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autoserledigt
17.09.2025
Dynjandi
Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollenerledigt
18.09.2025
Valagil
Sing ein isländisches Lied mit –
egal wie gut du den Text kannst
erledigt
27.09.2025
Die Tour…
Lass dich vom Strokkur berieselnerledigt
29.09.2025
Strokkur
Überquere einen Fluss ohne Brückeerledigt
30.09.2025
Gjáin
Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurantoffen
Stehe im Dampf in einem Geothermalgebieterledigt
22.09.2025
Námafjall
Gib einem Ort einen Wikingernamen,
den du dir selbst ausgedacht hast
erledigt
30.09.2025
Odinshöfn
Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmelerledigt
23.09.2025
Kópasker
Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörsterledigt
15.09.2025
Skálmarfjörður
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