Gastbeitrag
Island braucht den Menschen nicht. Island war schon lange vor dem Menschen da. Man kann also davon ausgehen, dass Island auch gut ohne den Menschen klar kommt. Und Island wird nicht müde dem Menschen zu zeigen, wie kraftvoll und zerstörerisch es sein kann, um den Menschen fern zu halten. Sei es durch Wind und Wetter den Flugverkehr lahm zu legen oder die schwer erbaute Infrastruktur zu überschwemmen bzw. einfach wegzuspülen. Aber dazu später mehr.
Fangen wir von vorne an. Der aufmerksame Leser wird sich sicher schon gefragt haben, wer hier eigentlich schreibt. Und warum schreibt jemand anderes? Und wo ist der eigentliche Autor dieses illustren Reise-Blogs? Nun, es werden Antworten folgen.
Mein Name ist Niels. Ich und meine Frau Alexandra leben in Berlin und sind seit vielen Jahren mit den beiden Blog-Protagonisten sehr eng befreundet. Einige Stimmen behaupten sogar, es seien unsere besten Freunde. Und wer bin ich, diesen Stimmen zu widersprechen.
Wir vier waren schon einige male zusammen im Urlaub, auch auf wochenlangen internationalen Reisen unterwegs. Und daher keimte schon lange die Idee in unseren Köpfen, dass wir alle mal zusammen nach Island fahren. Und hier sind wir nun. Vier Freunde, die gemeinsam Island erleben. Eine wahrhaftige Island-Experience.
Da wir selbst aufmerksame Leser dieses Blogs sind, entstand sehr schnell die Idee eines „Gastbeitrages“. Und heute ist dieser große Tag für mich gekommen: Ich darf mich in diesem Blog (unter den wachsamen Augen von Mr. X) verbal verewigen. So dann. Beginnen wir.
Unsere Anreise oder: Wenn der Pöbel reist.
Wir hatten ja bereits am ersten Tag im Blog-Eintrag „Die Saga beginnt“ gelesen, wie schön es sein kann in der Business Class zu fliegen und in den Genuss derer Vorteile zu kommen. Nun, leider konnten wir nicht Super-High-Class-Business fliegen, sondern mussten uns mit dem normalen Pöbel in die Holzklasse zwängen. Aber das ist völlig OK, es muss ja immer Luft nach oben bleiben.
Schon unsere Anreise war sehr aufregend. Man kann nicht sagen, dass es Island einem leicht macht eine stressfreie Anreise zu gewährleisten. Die Frage, die ich mir immer wieder stelle ist, ob Island es mit Absicht versucht, Menschen von sich fern zu halten. Am Tag vor unserem Abflug kamen nämlich schon die Infos von der Fluggesellschaft, dass es aufgrund von schlechten Wetterkonditionen sein kann, dass es zu „Abweichungen im Flugplan“ kommen könnte. Eine nette Umschreibung dafür, dass sie nicht wissen, ob der Flug stattfindet oder nicht. Dass der Flug am Vortag dann ausfiel, beruhigte uns jetzt auch nicht wesentlich. Die Nacht vor unserer Abreise war also entsprechend sehr unruhig. Gleich am morgen ergaben dann regelmäßige Checks nach neuen Infos und dem Flugstatus die glückliche Fügung, dass wir nun fliegen konnten. Wie nah beieinander doch Nervosität und Erleichterung liegen können.

Wir kamen also pünktlich mit einer Stunde Verspätung in Keflavík an. Nach der Landung holten wir schnell den Mietwagen und fuhren bei stürmischen Bedingungen, in einem fremden Land, auf einer unbekannten Strecke mit einem fremden Auto noch drei Stunden in die Dunkelheit hinein. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass die Fahrt im Dunkeln nicht die schönste war. Sicher, nichts was man nicht hinbekommt, aber im Hellen wäre es natürlich schöner gewesen.
Als wir dann am Abend in unserem Miet-Häuschen angekommen waren, telefonierten wir dann noch mit unseren besten Freunden. Wir wollten uns am nächsten Tag mit ihnen am Diamond Beach treffen und dann gemeinsam zurückfahren. Aber der aufmerksame Blog-Leser wird sicher den Beitrag „Wettermobbing“ gelesen haben und daher wissen, dass auch hier Island wieder deutlich zu verstehen gab, wie sehr es Menschen braucht. Als Resultat der überfluteten Ringstraße trafen wir uns also nicht am Diamond Beach, sondern erst am späten Abend des nächsten Tages.
Der erste Tag am Diamond Beach – Island mag uns Menschen doch
Am nächsten Tag sind wir dann aufgestanden und haben das erste mal unser Häuschen im Hellen fotografiert. Natürlich im Regen. Danach frühstückten wir. Und dann geschah es: Es winziger heller, warmer Lichtstrahl schien durch die Veranda-Tür. Was war das? Hat der Nachbar etwa sein Licht angestellt? Nein, der wohnt zu weit weg. Ufos? Schon möglich. Aber vielleicht war etwas viel unwahrscheinlicheres als Ufos geschehen und es schien einfach die Sonne? Ich beschloss meine Theorie zu prüfen und ging auf die Veranda. Und tatsächlich, da war sie: Die Sonne. „Sie ist der hehelsste Sterrrrn am Himmel. Hier kommt die Sonne!“ Geil. Dazu blaute der Himmel auf. „Der Himmel ist blau, und der Rest deines Lebens wird schön!“ Vielleicht mag Island uns Menschen doch? OK, mal sehen was der Tag so bringt. Kurzum: Wir fuhren zum Diamond Beach und es war ein wunderschöner und sonniger Tag, wie er schöner hätte nicht sein können.


Am Abend trafen wir dann wie im Blog-Beitrag „Den kenn ich doch“ beschrieben unsere Freunde. Der krönende Abschluss eines an sich schon unübertreffbaren Tages.
Der zweite Tag – Wofür man hier ist
Den zweiten Tag überspringe ich an dieser Stelle mal ganz dezent. Er wurde im Blog-Beitrag „Wofür man hier ist“ sehr treffend und ausführlich beschrieben. Aber an diesem zweiten Tag hatte Island uns alle ganz ganz doll lieb.
Was braucht Island also nun? Ich glaube, dass Island uns Menschen nicht braucht. Diese Insel ist so rau und pur, dass sie ohne Probleme auch ohne uns auskommen würde. Dies zeigt sie uns mit abstrakten Wetterphänomenen wie Starkregen und Orkanen, sowie Vulkanausbrüchen, deren schiere Naturgewalt auf uns Menschen dermaßen herunterprasselt, dass wir uns nur noch schnellst möglich in Sicherheit bringen können. Aber da gibt es auch diese Sehnsucht in Island, die uns Menschen ihre Schönheit und Einzigartigkeit zeigen möchte. Vielleicht ist Island auch etwas eitel und möchte von uns Menschen hören wie wunderschön und einzigartig es ist. In unserer kurzen Zeit hier auf der Insel haben wir schon Regenbogen in einer Intensität gesehen, wie es noch nie zuvor der Fall war. Wie sich das Licht in riesigen Eisbrocken im Wasser oder am Strand bricht, ist einfach atemberaubend.

Der dritte Tag – Island wie es nun mal ist
Heute sind wir nicht so früh aufgestanden. Nach dem gestrigen, anstrengenden (aber wunderbaren) Tag, war das auch nötig. Die ganze Nacht bis zum Morgen peitschte immer wieder der Wind gegen das Haus und machte Geräusche, wie in einem klassischen Gruselfilm. Dazu kam der Regen, der gegen die Fensterscheiben prasselte. Wie ihr merkt, das Wetter heute konnte nicht ganz an die letzten Tage anknüpfen.
Nach dem Frühstück sind wir dann auch gleich los. Heute wechselten wir unser Haus und fuhren weiter in die Nähe von Selfoss. Die Fahrt dorthin war von Regen, Wind, Pfützen und Gischt geprägt. Es regnete teilweise so stark, dass mein Auto kurzum entschied den Tempomat zu deaktivieren, weil es ihm anscheinend zu viel Wasser auf der Straße oder den Sensoren oder wo auch immer war. Nichtsdestotrotz haben wir die Strecke von ca. 100 km professionell gemeistert.
Am Haus angekommen hatte es aufgehört zu regnen und wir standen vor unserem neuen „Palast“. Von der Größe mindestens das doppelte von unserer vorherigen Behausung und auch sehr viel liebevoller und hochwertiger eingerichtet. Die erste positive Überraschung des Tages. Aber keine Zeit lange das Haus zu genießen, die Zeit rennt. Wir waren noch schnell etwas einkaufen und dann ging es weiter auf große Island-Erkundung.
Da wir am Golden Circle von Island sind, wartet quasi hinter jedem Stein ein neues Highlight. Und da das Wetter sich nun entschied recht stabil „Gut genug um rauszugehen“ zu bleiben, hüpften wir ins Auto und düsten ab zum ersten Wasserfall: Der FixiFoxi, oder richtig „Faxifoss“. Hier waren wir nur kurz und haben ein paar Fotos in die Kamera geknippst. Die Wolken hingen recht tief und selbst der Typ, der sich beim Angeln einen fetten Fisch gefangen hatte, schien so langsam zusammenzupacken.

Wir fuhren dann weiter zu einem absoluten „Must See & Must Smell“ in Island. Wir waren am Strokkur. Hier brodelt es unter der Erde, hier kocht das Wasser im Boden und hier ziehen nach Schwefel stinkende Rauschschwaden und Touristen über das Terrain. Natürlich zog es uns zuerst zu dem Top-Spot des Strokkur: Dem Geysir. Alle 4 bis 10 Minuten bricht der Geysir aus und pustet heißes Wasser und Wasserdampf meterhoch in den Himmel. Jeder Ausbruch wird von den drum herum stehenden Touristen mit einem euphorischen „Oh“ und „Ah“ kommentiert. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es die Überraschung, dass der Geysir jetzt gerade tatsächlich ausbricht und niemand damit gerechnet hat.

Ich jedenfalls habe ca. 1000 Videos davon gemacht, wovon ich aber mindestens 995 wieder löschen werde, weil man eben NICHT sieht wie der Geysir ausbricht, sondern einfach ein Standbild sieht bis was passiert. Viel Spaß beim Sortieren nachher. Aber die fünf übrigen Videos sind natürlich beeindruckende Aufnahmen vom Ausbruch und dafür lohnte sich das ganze Warten.
An dieser Stelle möchte und muss ich auch erwähnen, dass hier nun eine weitere Challenge abgeschlossen wurde: „Lass dich vom Strokkur berieseln„. Es hat zwar ein paar Anläufe gedauert, aber am Ende können wir ein Beweisfoto liefern (siehe „Stand der Bucketliste“).

Es ist schon ein faszinierendes Naturschauspiel. Es ist in etwa mit dem Yellowstone Nationalpark vergleichbar, hat aber den unverwechselbaren Charme Islands. Letztendlich haben wir viel Zeit am Strokkur verbracht, aber irgendwann mussten wir uns dann trennen und wir zogen weiter. Wie bereits geschrieben: Hinter jedem Stein ist die nächste Sehenswürdigkeit.
Wir fuhren zu unserem letzten Punkt auf unserer heutigen Liste. Wir fuhren nur knapp 10 Minuten und schon waren wir am „Godfather of Waterfalls“: Der Gullfoss. Zumindest von denen, die ich kenne. Der Parkplatz war voll mit Menschen, aber das hielt uns nicht ab uns auch in die Zombieparade der Touris einzureihen. Wir liefen also in Richtung Wasserfall los und sahen immer wieder die gleichen Leute. Diese jenigen welche wir auch schon am Diamond Beach und am Strokkur gesehen haben. Ist Island nicht ein Dorf?

Angekommen am Wasserfall bietet sich ein ehrfürchtiger Anblick. Dieser Wasserfall ist größer als alle anderen zuvor gesehenen. Es ist unvorstellbar wie viel Wasser da pro Sekunde bewegt wird und in die Tiefe fällt. Diese immense Kraft der Natur lässt einen wieder klar werden, wie kleinlaut wir Menschen doch einem solchen Naturphänomen gegenüber stehen. Wir bauen eine Aussichtsplattform daneben und fühlen uns stark. Aber wehe wir wären diesen Gewalten ausgesetzt. Dann sähe das schon anders aus. Aber egal, schön anzusehen war es auf jeden Fall. Wir haben auch hier wieder viele Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven gemacht und haben dann glücklich aber müde die Heimreise angetreten.

Was morgen passiert? Ich habe keine Ahnung. Ich lasse mich von der Reiseleitung täglich neu überraschen. Ich fahre dahin, wo sie hinfährt. Blind wie ein Lemming folge ich gehorsam und mache viele überflüssige Fotos und Videos. „Wertvolle Aufnahmen“.
In diesem Sinne bedanke ich mich beim treuen Leser und hoffe, dass dieser Gastbeitrag auch den Geschmack des Ein oder Anderen getroffen hat. Aber morgen schreibt wieder der Hausherr.
Habe die Ehre
Lordnibblerblog
Stand der Bucketliste
| Aufgabe | Status | Beweisfoto |
|---|---|---|
| Erzähle einem Isländer einen Witz. Natürlich auf isländisch | erledigt 16.09.2025 Breiðavík | |
| Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schaf | offen | |
| Iss etwas typisches isländisches. | offen | |
| Halte eine Hand in einen Wasserfall | erledigt 25.09.2025 Búðareyrarfoss | ![]() |
| Finde Lavagestein in der freien Natur | offen | |
| Trinke Wasser aus einem wilden Fluss | erledigt 15.09.2025 Nameless | ![]() |
| Mach ein Foto von einem Regenbogen | erledigt 14.09.2025 Svöðufoss | ![]() |
| Streichle ein Pferd | erledigt 25.09.2025 Stormur | ![]() |
| Baue einen Freund für Kleifakarl | erledigt 15.09.2025 Kleifakarl | ![]() |
| Nasch isländische Lakritze | erledigt 23.09.2025 Aldeyjarfoss | ![]() |
| Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autos | erledigt 17.09.2025 Dynjandi | ![]() |
| Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollen | erledigt 18.09.2025 Valagil | ![]() |
| Sing ein isländisches Lied mit – egal wie gut du den Text kannst | erledigt 27.09.2025 Die Tour… | ![]() |
| Lass dich vom Strokkur berieseln | erledigt 29.09.2025 Strokkur | ![]() |
| Überquere einen Fluss ohne Brücke | offen | |
| Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurant | offen | |
| Stehe im Dampf in einem Geothermalgebiet | erledigt 22.09.2025 Námafjall | ![]() |
| Gib einem Ort einen Wikingernamen, den du dir selbst ausgedacht hast | offen | |
| Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmel | erledigt 23.09.2025 Kópasker | ![]() |
| Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörst | erledigt 15.09.2025 Skálmarfjörður | ![]() |














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