Urlaubsblues

Wer will schon ans Ziel?

Ich weiß nicht, ob es das nahende Ende des Urlaubs ist oder vielleicht war es die Familienpackung Eiscreme, die den gestrigen Abend nicht überlebte, aber ich habe unrund geschlafen und fühle heute nun akut den Urlaubsblues.

Ihr kennt das, oder? Man wird wach und möchte den Urlaub gut finden, aber dann kommen so Gedanken wie „Übermorgen um diese Zeit sind wir schon am Flughafen…“ und auch wenn die Tage bis hierhin allesamt schön waren, es will dann erstmal ein bisschen Schwere auf dem Gemüt liegen.

Entsprechend kam ich schwer in den Tag. Draußen hat sich Island dazu überlegt alle Farben in ein ebenfalls wenig ermutigendes Grau zu verwandeln. Tristesse lauert nun überall, wo bis gestern noch die Schönheit meine Augen traf. Eine weitere Ungerechtigkeit des Urlaubsblues. Irgendwann spürt man, wie ein isländischer Troll mit rauchiger Stimme von irgendwo singt „Glaub nicht, dass du hier ohne schweres Herz davon kommst…“ Blöder Troll.

Ungeachtet aller Umstände sitzen hier immer noch vier Urlaubsprofis und wollen noch mehr entdecken, als den Frühstückstisch. Nun – wollen ist vielleicht auch etwas hoch gegriffen, aber wir haben zumindest versucht irgendwo motiviert zu werden. Außerdem haben wir nach wie vor den Golden Circle nicht ganz geschafft. Es fehlt noch immer der Nationalpark Þingvellir.

Damit hätten wir auch direkt das Ziel des Tages geklärt. Lasst uns heute den Stolz des isländischen Tourismus besuchen. Das Prunkstück des Golden Circle und ein Eldorado für Freunde wilder Steinformationen und… nun… es gibt wirklich viel Moos und bestimmt auch Menschen, die sich darüber freuen.

Als wir auf dem ersten Parkplatz ankamen, regnete es in einer Qualität, dass wir erstmal gekonnt im Auto blieben. Kennt ihr die Szene bei Forest Gump, in der er erzählt, dass der Regen von allen Seiten kam? Ja, sogar mal von unten. Wir haben das heute in Island live erlebt. Von allen Seiten bot sich die Möglichkeit, dass man mal so richtig schön nass wird. Und sicherlich mag nasswerden auch eine tolle Aktivität sein, aber wir wollten doch lieber trocken den Park erkunden.

Als der Regen dann endlich etwas weniger wurde, packte uns der Tatendrang und gut eingepackt, ging es zum ersten Aussichtspunkt. Das sollte der Öxarárfoss werden. Und was soll ich sagen? Auf dem Weg dorthin hörte es dann für ein paar Momente sogar mal ganz auf zu regnen. Vielleicht gibt es so eine Art Bewegungssensor für Trockenheit und es war unser Fehler, dass wir zu lang im Auto sitzen geblieben sind. Ich beschwere mich nicht. Das letzte bisschen feuchte Nass von oben war ab hier aber problemlos auszuhalten.

Beim Wasserfall angekommen, drängte sich die Frage auf, was eigentlich mehr nervt. Regen oder andere Menschen. Da der Regen wegging, als wir dort waren – die Menschen aber nicht, habe ich hierzu auch mittlerweile eine Entscheidung getroffen. Ich beschloss mich dann aber einfach auf die Fotografie zu konzentrieren. Meine Frau schoss hier einst ein Wahnsinssbild mit Langzeitbelichtung und ich dachte so bei mir, ich kann das jetzt auch. Schließlich hat mir meine Frau in der Kamera die passenden Einstellungen auch schon alle vorgespeichert.

Ist doch ganz gut geworden

Ich bin mit meinem Ergebnis insgesamt sehr zufrieden. Das Wasser hat dieses weiche, milchige bekommen und die Dramatik des Geschehens ist auch noch gut erhalten. Es sieht insgesamt sogar noch etwas bedrohlicher aus, als es vor Ort war. Aber mir gefällt es.

Wir gingen von dort aus dann noch ein Stück den Weg entlang. Man geht parallel zu den schroffen und mit moosbewachsenen Felswänden. Einst trafen sich hier die Wikingerhäuptlinge und klärten so Dinge, die eben Wikinger insgesamt bewegten. „Wem gehören die Rentiere? Habt ihr auch das Gefühl, dass der Gletscher dort näher kommt?“ Oder „Wollen wir im Sommer nach Mallorca segeln?

Hübsch isses

Unsere Themen waren da vielleicht nicht so hochtrabend. Wir gingen den Weg entlang und ich bemühte mich hin und wieder als Reiseführer. Ich erzählte, was ich zu den tektonischen Platten weiß, die hier auseinander driften und da ich hier dazu nicht ins Detail gehe, erahnt man vielleicht schon, dass das nicht viel ist. Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich dann nicht trotzdem lange reden würde.

Letztlich muss man dort aber auch gar nicht viel reden, sondern kann auch einfach die Szenerie für sich wirken lassen. Es ist alles sehr beeindruckend und durchaus schön anzusehen.

Die Kunst keine Menschen zu sehen

Wir machten uns dann mit dem Auto auf dem Weg zum nächsten Aussichtspunkt. Wohlwissend, dass die Natur dort wieder schön sein wird, folgte ich jedoch erstmal ihrem Ruf woanders hin. Wer auch immer dieses Gebäude einst „stilles Örtchen“ nannte, war nie dort, während ein Reisebus auch da war. Viel spannender als das fand ich jedoch, wie dramatisch die Darstellungen waren, die zeigten, wie die Türen zu öffnen sind.

Erstmal dehnen vorm Geschäft
FREIHEEEEIIIIT!!!

Das traf zumindest gut mein Humorzentrum. Der Anblick dahinter war dann eher wieder typisch isländisch: wunderschön. Ich fand dazu auch noch mal die Gelegenheit, mit so einen Metallkompassdingens schöne Bilder zu machen.

Idee sponsored by meiner Frau

Insgesamt ist der Þingvellir schon sehr schön touristisch erschlossen. Die Aussichtplattformen zeigen alles, was man sich von diesem Ort erwartet. Man sieht die Kluft zwischen den tektonischen Platten, man sieht einen tollen See, man sieht alte Häuser und auch genügend Tourikram überall dazwischen.

Für den Überblick

Soweit wir das heute erfahren haben, hat wohl der isländische Premierminister wohl sogar hier sein Sommerhaus. Man mag es verstehen. Ich persönlich würde zwar weiterhin die Westfjorde vorziehen, aber wenn mir hier jemand ein Sommerhaus schenken wollte, würde ich es wohl trotzdem annehmen. (Falls du das liest, Bjarni Benediktsson jr. – ich warte auf deinen Anruf).

Als nächstes fand ich mich dann in einem Souvenirladen wieder. Ich erwähne das deshalb, weil meine Freunde mir hier den Gefallen taten und mir einen Punkt auf der Bucketliste ermöglichten.

Schafes Foto

Ich dachte ja wirklich, dass ein Foto mit einem Schaf kein großes Problem sein wird. Theoretisch wäre das wohl auch ganz einfach. Man stelle sich vor eine Wiese, lächelt in die Kamera – knipps – fertig. Doch dann stehen die Schafe sehr weit weg und man hat so gar keinen Bezug dazu. Ich wollte irgendwie ein besonderes Foto und so recht kam das nie zustande. Ein Schaf auf der Schulter ist auf jeden Fall ein okayer Schnappschuss für diesen Punkt, finde ich und bevor nachher noch etwas bei der Liste offenbleibt, nehmen wir jetzt erstmal das.

Damit gibt es eigentlich nur noch drei offene ToDos. Einmal etwas isländisches essen (was im Grunde auch nur noch offen ist, weil mein Anspruch das so will) und in einem Restaurant „SKÁL“ rufen. Letzteres freut meine Freunde, da sie wohl unweigerlich dabei sein werden, wenn das passiert. Allerdings würde es bei beiden Sachen helfen, wenn wir in ein Restaurant gehen. Heute passiert das nicht und im Grunde bleibt dann nur noch morgen. Last but not least muss ich noch Lavagestein finden. Da wir morgen vermutlich beim letzten Vulkanausbruch vorbeifahren, bin ich diesbezüglich guter Dinge. Wir werden sehen. Zurück zum Text. Wir hatten noch einen weiteren schönen Stopp im Nationalpark.

Moosbedeckte Trolle

Insgesamt muss man sagen, dass es sich hier um einen sehr schönen Flecken Erde handelt. Auch scheint der Trick heute gewesen zu sein, dass wir einfach aus dem Auto aussteigen. Denn Tatsache ist, dass es immer nur dann regnete, wenn wir gerade im Auto waren. Sobald wir ausstiegen, blieben wir recht trocken.

Da das auch mein mehr oder minder erster Auftrag als isländischer Reiseführer ist, war ich dann auch froh, dass wir unseren Freunden den gesamten Golden Circle zeigen konnten. Es wäre ja auch irgendwie schade, hätten sie diesen ikonischen Ort nicht mal live erlebt.

Wir machten uns dann langsam aber sicher wieder auf den Weg zurück. Auf der Fahrt stoppten wir noch mal kurz bei einem Ort, der für meine Frau und mich sehr nostalgisch ist.

Im Jahr 2018, als wir zum ersten mal Island erkundeten, fuhren wir die Straße runter und sahen, wie Wasser sprudelnd fällt. In Erwartung eines Wasserfalls bogen wir direkt dorthin ab und mussten dann feststellen, dass es ein Wasserwerk ist. Zwar enthält das irgendwie auch einen Wasserfall, aber vermutlich sind wir nun in all den Jahren trotzdem die einzigen Touris, die hier immer wieder halten.

Tradition

Danach ging es noch nach Selfoss zum Einkaufen. Heute ist zwar Restessentag, aber ein Eis im Gefrierschrank schadet ja nicht. Auch ein kleiner Nachmittagssnack ist uns in den Korb gefallen… was will man machen?

Morgen ist dann schon der Tag, wo wir dieses Haus im Golden Circle verlassen werden. Die allgemeine Richtung wird leider schon der Flughafen werden. Zwar heißt das auch, dass wir noch einen Tag voller schöner Dinge sehen können, aber eben auch, dass am Abend der Mietwagen abgegeben wird und damit der Abschied aus der Wahlheimat einen sehr deutlichen Meilenstein erreichen wird.

Ihr seht, der Tag hat eine gute Kurve gekriegt, aber der verdammte Troll mit dem Urlaubsblues sitzt hier immer noch irgendwo in einer Felsspalte und singt sein Lied. Aber hey, nachher gibt es ein Eis und morgen noch mal eine volle Dosis Island.

In diesem Sinne

Habe die Ehre

Stand der Bucketliste
AufgabeStatusBeweisfoto
Erzähle einem Isländer einen Witz.
Natürlich auf isländisch
erledigt
16.09.2025
Breiðavík
Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schaferledigt
01.10.2025
Þingvellir
Iss etwas typisches isländisches.offen
Halte eine Hand in einen Wasserfallerledigt
25.09.2025
Búðareyrarfoss
Finde Lavagestein in der freien Naturoffen
Trinke Wasser aus einem wilden Flusserledigt
15.09.2025
Nameless
Mach ein Foto von einem Regenbogenerledigt
14.09.2025
Svöðufoss
Streichle ein Pferderledigt
25.09.2025
Stormur
Baue einen Freund für Kleifakarlerledigt
15.09.2025
Kleifakarl
Nasch isländische Lakritzeerledigt
23.09.2025
Aldeyjarfoss
Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autoserledigt
17.09.2025
Dynjandi
Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollenerledigt
18.09.2025
Valagil
Sing ein isländisches Lied mit –
egal wie gut du den Text kannst
erledigt
27.09.2025
Die Tour…
Lass dich vom Strokkur berieselnerledigt
29.09.2025
Strokkur
Überquere einen Fluss ohne Brückeerledigt
30.09.2025
Gjáin
Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurantoffen
Stehe im Dampf in einem Geothermalgebieterledigt
22.09.2025
Námafjall
Gib einem Ort einen Wikingernamen,
den du dir selbst ausgedacht hast
erledigt
30.09.2025
Odinshöfn
Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmelerledigt
23.09.2025
Kópasker
Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörsterledigt
15.09.2025
Skálmarfjörður
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