Außer für die Beine
Es ist heute spät geworden. Während ich hier sitze, verrät mir ein brennen in den Beinen, dass der Muskelkater morgen ein Preis sein wird, den ich für diesen Tag zahlen muss. Ich tue das gern. Der heutige Tag war ein Meisterstück. Kurz nach 7 Uhr in der Früh saßen wir im Auto – kurz nach 20 Uhr kamen wir im Hotel an. Dazwischen gab es alles – nur keine Pausen.
Es ist so, dass die kommenden Tage bis zum Rückflug wohl viel Regen auf uns wartet. Heute allerdings, heute soll noch mal richtig schön die Sonne scheinen, Ja, der Wind wird uns auch heute begleiten aber mittlerweile sind wir den gewohnt.
Nachdem unser Besuch am Blacksandbeach gestern doch sehr nass (von oben) war, wollten wir heute früh die ersten Sonnenstrahlen nutzen, um vielleicht doch noch ein freundlicheres Bild zu erhaschen. Der Plan war gut, scheiterte dann allerdings an der Realität. Als wir ankamen war die Alarmleuchte immer noch rot-pulsierend am Eingang und beharrte darauf, dass man nicht weitergehen sollte. Im Gegensatz zu gestern, wo man den Isländern einfach mal glauben musste, dass es gefährlich ist, war es heute jedoch sehr einfach zu verstehen, dass die Wellen einem nichts Gutes wollen.

Ein paar Wellen mit 2-3m Höhe knallten auf den Strand. Zwar bin ich bekanntlich begeisterungsfähig für Wasser, dass gegen Steine prescht, hier war man dann aber doch ein wenig zu nah am Geschehen. Wir haben uns dann kurzerhand entschlossen zum nächsten Spot zu fahren.
Quasi der gleiche Strand aber ein wenig höher liegt das Vogelschutzgebiet Dyrhólaey. Wir kennen die Ecke bereits von früheren Besuchen. Man hat hier eine traumhafte Anfahrt und danach ein paar wunderschöne Aussichtspunkte auf den Strand, Brutplätze und das Meer.
Oder, man stellt fest, dass wir kurz vor 8 Uhr dort sind und Vogelschutzgebiete in Island offensichtlich nun Öffnungszeiten haben.

Damit die Vögel ausschlafen können, macht das Gebiet erst um 9 Uhr auf. Nun wollten wir keine Stunde sinnbefreit dort warten und nichts tun. Unser Weg ging also zurück auf die Ringstraße und zum nächsten Highlight. In dieser Ecke fährt man selten mehr als 30 Minuten bis zum nächsten Fotomotiv. Wir landeten daher auch relativ schnell beim Sólheimajökull.

Wer meint, dass ich langsam genug Eis gesehen haben müsste, der irrt sich. So ein Gletscher ist jedes mal aufs Neue faszinierend. Andererseits kann man an so einem Ort auch nur bedingt viele Bilder machen. So ein Gletscher verharrt für gewöhnlich in einer einzigen Pose und mal abgesehen von den Wolken darüber, verändert sich die Szenerie quasi gar nicht. Wenn man also nicht gerade eine Gletscherwanderung macht, sitzt man recht fix wieder im Auto und fährt weiter zum nächsten Highlight.
Das sollte in unserem Fall der Skógafoss sein. Jaja, der Skógafoss. Wenn man durch Island fährt, wird man sehr viele Wasserfälle zu Gesicht bekommen. Doch kaum einer ist so fotogen, wie der Skógafoss.

Vielleicht ist die Einfachheit. Es ist ein Wasserfall, der ohne Kaskaden schön gleichmäßig fällt. Links und rechts sind halbwegs gleichhohe Wände mit Gräsern und Moos und im Hintergrund kommt je nach Licht eine schneebedeckte Bergwelt oder eine wabernde Wolkendecke. Man kann hier auch nicht falsch stehen – der Skógafoss sieht aus jeder Perspektive gut aus.
Für meine Frau ist das wohl der schönste Wasserfall Islands. Ich persönlich finde ihn auch sehr gelungen, allerdings habe ich einen anderen Favoriten. Und wie sollte es anders sein? Zu dem kommen wir später noch.
Als nächstes waren wir bei einem Wasserfall, den wir letztes Jahr mehr oder minder zufällig entdeckt haben. Eigentlich ist der Wasserfall auch direkt an der Ringstraße und sehr einfach zu erreichen. Wie so oft, fahren die meisten Leute jedoch schnurstracks an ihm vorbei. Wenn man aber erstmal weiß, dass er da ist, muss man natürlich auch anhalten. Falls sich jemand für den Namen begeistern möchte – die Rede ist vom Íráfoss.

Ich hatte hier auch den kurzen Versuch gestartet, mit der Drohne ein paar Aufnahmen zu machen. Allerdings war der Wind so stark, dass die Drohne sofort anfing zu meckern. Der Hauptgrund für eine schnelle Landung war aber, dass an dem Wasserfall ein paar Vögel hausten, die offensichtlich nicht so gut auf Drohnen zu sprechen sind. Wenn man 40m hoch fliegt und die Abstandsmelder rot leuchten piepen, weil etwas unter 3m an der Drohne ist…. da landet man doch lieber schnell wieder.
Außerdem wusste ich ja, dass ich gleich noch mal fliegen kann. Wir fuhren nämlich noch an einem Berg mit dem illustren Namen Stóra-Dímon vorbei. Genau genommen heißt der daneben liegende Fluss wohl auch so. Im letzten Jahr war dies der Ort, wo ich beinahe meine Drohne verloren hätte. Nach einem kurzen Flug brachen alle Signale ab und ich befürchtete das Schlimmste. Sie kam nach einigen Augenblicken dann wieder zu mir zurück. Ich war also heute gewarnt, dass es hier mitunter Störungen geben kann.

Kaum in der Luft bemerkte ich jedoch, dass es heute keinen Blumentopf für die Drohne zu gewinnen gibt. Der Wind wehte so stark, dass sie permanent drohte wegzufliegen oder in der Luft umzukippen. Beides möchte man als Drohnenpilot aus offensichtlichen Gründen eher vermeiden. Wir standen dann nur so ein wenig am Fluss und erfreuten uns über den schönen Anblick.
Doch auch hier blieben wir nicht allzu lang, denn der nächste Halt ist mein persönlicher Lieblings-Wasserfall – der Gluggafoss.

Glugga heißt soviel wie Fenster. Vor Ort sieht man recht gut, dass das Wasser weiter oben durch eben so eine Art Fenster fällt. Das ganze passiert in einer Felsspalte und wenn die Sonne dann noch hineinfällt, hat dieser Ort etwas magisches.
Minutenlang starrte ich auf den Wasserfall und merkte, wie seine Energie, die Meine wieder auffüllte. Es ist ein toller Ort und ich komme wirklich gern hier her. Es ist natürlich doppelt schön, wenn dann so wie heute die Sonne scheint.
Was wir die letzten Jahre ausgelassen hatten, dieses mal aber unbedingt angehen wollten – man kann beim Gluggafoss einen Wanderweg zur Bergspitze gehen. Ich sag mal so – ich habe es versucht.

Neben der Tatsache, dass der Weg konditionell doch recht fordernd ist, fand ich mich irgendwann in einer guten Höhe wieder und sah vor mir einen Weg der etwa 30cm breit war und hauptsächlich aus Matsch, nassem Gras und kantigen Steinen bestand. Direkt daneben ging es steil bergab und meine Höhenangst und ich stellten ab einem gewissem Punkt fest, dass weiterleben auch eine guten Option ist. Wie sagt meine Frau bei sowas gern? „Haben wir es mal gemacht“. Immerhin hatte der Ausflug das Schmankerl, dass ich zwischendurch in luftiger Höhe auf einem Berg in Island saß und kilometerweit die Schönheit von einem Land mit der Schönheit meines Moments mixen konnte.
Als ich irgendwann wieder bergab ging, durfte ich feststellen, dass es zwar nur 11°C sind aber durch die Bewegung und die Sonne wird einem gehörig warm. Gleichzeitig war meine Wasserflasche leer. Kurzentschlossen ging es damit noch mal direkt an den Wasserfall und die Trinkflasche wurde gefüllt. Ich habe dann über den Tag Wasser direkt aus dem Gluggafoss genießen können. Es ist eiskalt und glasklar und ich behaupte jetzt einfach mal, dass es das beste Wasser ist, was ich je hatte.

Mittlerweile war die Mittagszeit angebrochen und die Sonne schien weiterhin prächtig auf uns herab. Es hatte das Gefühl eines Sommerurlaubs und auch wenn wir so nach und nach unsere Knochen bemerkten, es ging noch weiter.
Nach einer guten Stunde Fahrt kamen wir zum Hjálparfoss. Es ist ein Wasserfall, den wir von unserer allerersten Tour kennen. Damals fuhr man noch auf einer zerrupften Schotterpiste und landete dann im Nirgendwo bei diesem schönem Wasserfall. Heute fährt man eine ausgebaute Straße und folgt dann einem ebenem Wanderweg zu einem Aussichtspunkt. Den Wasserfall selbst macht das natürlich nicht hässlich. Der Charme des Erkundens ist aber natürlich schon ein wenig verloren gegangen.

Entsprechend viele Menschen waren dann heute auch dort. Ihr kennt das mittlerweile sicherlich von mir: Wenn irgendwo viele Menschen sind, bin ich nicht allzu lang dort. So war es auch hier.
Unweit vom Hjálparfoss, vielleicht 20 Minuten die Straße hinunter gibt es einen Ort, den wir auch von früheren Touren bereits kennen. Es ist ein Parkplatz hinter einem Berg und ich behaupte: Wenn man ihn nicht kennt, findet man ihn nicht.
Da die Sonne so schön schien und der Wind immer mal kurze Momente verschnaufte, nahm ich meine Drohne mit und siehe da – ich konnte wenig fliegen. So entstanden Aufnahmen, die ich mir sehr sicher auch noch in einer späteren Zukunft gern anschaue.

Zugegeben, das Bild gerade ist gar nicht von der Drohne sondern von meiner Frau. Aber das folgende Bild ist per Drohne entstanden. Meine Frau meinte vorhin, es lässt uns sehr klein aussehen und ich finde, das beschreibt es sehr gut. Man hat einen Tag randvoll mit Erlebnissen und fühlt sich wie der König der Welt und kaum wechselt man einmal kurz die Perspektive, wird man ganz schnell sehr klein.

Bevor es nun aber zu philosophisch oder theatralisch wird, lasst uns den letzten Part des heutigen Tages begehen. Den Tagesabschluss sollte der Golden Circle machen. Zumindest Teile davon.
Als erstes waren wir beim Namensgeber des Golden Circle – dem Gullfoss. Gull heißt einfach Gold und Foss bedeutet Wasserfall. Neben diesem bescheidenem Namen ist der Gullfoss wirklich sehr beeindruckend. Es geht schon damit los, dass man vom Parkplatz diese riesige Gischtwolke sieht, die von einem Regenbogen durchzogen wird.

Wenn man dann noch den Spaziergang zum Plateau wagt, wird man mit einer Aussicht auf pure Energie in wasserform belohnt. Selbst wenn man es mit eigenen Augen sieht, ist es schier unvorstellbar, was hier an geballter Kraft passiert.

Durch den direkt anliegenden Canyon steigt eine Gischtwolke dem Himmel entgegen. Es bildet sich also ein Spiel, wo einerseits tonnenweise Wasser fällt und gleichzeitig einen Regenwand aufsteigt. Es ist ein Spektakel und auch wenn natürlich tausende Touristen hier rumlaufen – ich würde jedem empfehlen sich das selbst einmal anzuschauen.
Als nächstes auf der Agenda stand der Strokkur. Die alten Bloghasen wissen, dass der Strokkur und ich eine sehr innige Liebesbeziehung führen. Der Strokkur ist der kleinere Geysir neben dem… naja… großen Geysir. Allerdings ist der Strokkur im Gegensatz zum großen Geysir noch sehr aktiv und spuckt alle paar Minuten eine Fontäne in die Luft.

Es gefällt mir einfach sehr, wie man hier sieht, wie diese Fontäne aus der Erde gen Himmel schießt. Man kann den Strokkur fast komplett umrunden und somit von allen Seiten dieses kleine Wunder genießen. Klar, es dauert jedes mal 5-8 Minuten bis die nächste Fontäne kommt. Mir ist es das aber jedes mal wert zu warten.

Dadurch das der Tag schon sehr lang war, haben wir es dann gelassen das restliche Areal zu erkunden. Theoretisch gibt es hier noch ein paar heiße Becken, ein paar blubbernde Löcher und viel Dampf. Für heute muss es jedoch reichen, dass wir den Strokkur bestimmt 15x haben explodieren sehen.

Unser letzter Halt war der Faxi-Foss. Wieder ein Wasserfall aber hier muss man sagen, war das Highlight von Menschen gemacht. Als wir ankamen wir es nämlich so, dass gerade zwei Kayakfahrer dort unterwegs waren. Einer war noch oben beim Wasserfall, der andere wartete bereits unten.
Es kam dann so, wie es kommen musste. Der Kayakfahrer oben paddelte kurz an, wurde dann recht schnell von der Strömung mitgerissen und…

Als er unten ankam waren Freudenschreie zu hören. Die handvoll Menschen, die das Spektakel gesehen hatten klatschen und pfiffen. Wir hatten eigentlich mit einem Wasserfall gerechnet, bekamen so aber eine kleine Show. Der Wasserfall selbst war natürlich auch sehr sehenswert.

Und falls ihr euch gefragt habt, wie ich das ganze so erlebt habe – dann kann ich euch hier auch noch ein Bild dazu präsentieren

Es war ein langer aber sehr sehr schöner Tag. Mir tun die Knochen weh und ich bin dankbar, dass ich soviel Schönes erleben darf. Morgen soll das Wetter wieder sehr regnerisch werden. So aus dem Bauch heraus, ist es vielleicht aber auch gar nicht so doof, einfach mal ein wenig auszuschlafen und sich auszuruhen. Wir werden sehen was der Tag bringt. Ich berichte bestimmt wieder.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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PS: Es ist knapp Mitternacht – Ich weiß um meine Rechtschreibung aber ihr kommt schon zurecht 😉

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