Was den Tag ausmacht…
Gestern endete der Blog mit der Erkenntnis, das ich schlafen sollte. Gerade ist es Mitternacht und ich fange jetzt erst an, für den Blog zu schreiben. Es war wild heute und wir haben so einiges erlebt. Wasserfälle, Kämpfe gegen Insekten, F-Straßen, Polizei und soviel mehr. Blöderweise (oder Gott sei Dank?) ist mein Wunsch nach einem vollständigem Tagebuch aber größer als der nach Schlaf. Zumal es morgen wohl eh schlechtes Wetter gibt. Da kann ich also auch jetzt noch ein Stündchen schreiben und dafür eben morgen länger schlafen.
Im Grunde habe ich heute sogar schon ausgeschlafen. Es war gegen 8 Uhr als ich mich so langsam, wie ein Phönix aus der Asche, aus dem Bett erhob. Ich würde nicht sagen, dass ich bei 100% war aber gemessen an meinem gestrigen Zustand (oder dem Aktuellen) war ich heute früh echt fit.
Für das Gesamtbild des Tages ist wichtig zu wissen, dass ich noch in Deutschland eine intensive Episode hegte, in der ich es ermöglichen wollte, legal beim Dettifoss zu fliegen. Der gute Wasserfall liegt in einem Nationalpark mit durchgehendem Drohnenverbot. Um eine lange Geschichte kurz zu machen – ich bin mit den Leuten in guten Kontakt gekommen und habe eine Erlaubnis erhalten, um nach 18 Uhr zu fliegen – und zwar für heute.
Nun liegt der Dettifoss etwas mehr als zwei Stunden von unserem aktuellen Hauptquartier entfernt. Es war also vielleicht auch absehbar, das heute ein langer Tag wird. Sei es drum – so überraschend das anmuten mag: Island hat uns auch heute nicht enttäuscht.
Den Start machte heute der Goðafoss. Als Touristenmagnet bekannt, erahnten wir bereits, dass uns heute bei 20°C und Sonnenschein wohl doch sehr viele Menschen dort begegnen werden. Was wir wussten – die meisten anderen aber nicht: Außer den unzähligen Menschen gibt es im Sommer eine schier unzählbare Menge an Fliegen und Mücken in Island. So kommt es dann vor, dass man wildwedelnde Menschen rumlaufen sieht. Denn die Viecher stechen und beißen nicht. Nein, die versuchen in Ohren und Nase zu fliegen und sie sind überall.
Wie gesagt, wir ahnten was dort auf uns zukommt und waren vorbereitet.

Zugegeben, wir sahen vielleicht nicht schick aus aber im Gegensatz zu den meisten anderen, hatten wir vor Ort eine entspannte Zeit. Selbstredend haben wir dabei auch allmögliche Perspektiven des Goðafoss mitgenommen.

Als nächstes wartete ein kleines Abenteuer auf uns. Die Reise ging zu einem Wasserfall, der an einer F-Straße liegt. Das „F“ steht für Fjalla -> Berg. Das kommt daher, weil das für gewöhnlich die Straßen im Hochland sind, welche weder geteert noch gepflastert noch irgendwas sind. Man hat eine einen schemenhaften Bereich, auf dem man mehr oder minder gut fahren kann und das muss dann eben reichen. Entsprechend war die Aufregung vor der F-Straße groß.

Allerdings mussten wir nur gute 4km auf der Strecke zurücklegen und die Straße selbst war dabei eigentlich ganz ok. Die anderen Autofahrer dagegen… Kleiner Tipp: Wenn man auf Schotter fährt und eine Kurve nicht einsehen kann – einfach mal langsamer werden. Das wirkt wahre Wunder und ich habe das Gefühl es erwähnen zu müssen, weil es leider viel zu viele Leute gibt, die ihren Mietwagen mit einem Rallyefahrzeug verwechselt haben.
Bis auf 1-2 Schreckmomente ist uns aber nichts passiert und wir kamen heile beim Aldeyjarfoss an. Für uns übrigens das ersten mal bei diesem Wasserfall. Selten genug, dass es eine Premiere gibt. Bei diesem Wasserfall war es auf jeden Fall auch eine gelungene.

Die Sonne ballerte regelrecht nach unten und ich optimierte unfreiwillig meine Fähigkeit Sonnenbrand zu bekommen. Trotzdem war es dort sehr schön. Zuerst standen wir zwar zwischen diversen anderen Menschen. Kurz danach waren aber alle weg und wir konnten uns nach Herzenslust frei entlang des Beckens bewegen und nach Belieben Fotos machen und mit der Drohne fliegen. Eine gute Zeit.
Vor allem war es auch viel gute Zeit. Wir erinnern uns – nach 18 Uhr darf ich erst mit der Drohne am Dettifoss fliegen. Jetzt war es gerade mal Mittagszeit. Es musste also noch ein wenig der Tag gefüllt werden.
Unser nächster Halt war deswegen auch schon gut 1,5h Fahrt entfernt. Es ging zum stinkenden Berg des Námafjall. Wir haben eben schon gelernt, das Fjall soviel wie Berg bedeutet. Náma lässt sich grob mit Bergwerk oder Zeche übersetzen. Wenn ich euch jetzt sage, dass dieser Berg im Grunde nur deshalb auf der Karte existiert, weil man hier eine Weile Schwefel abgebaut hat und dafür ein Werk gebaut hatte, wisst ihr auch grob, wie kreativ Isländer bei der Namensgebung von Gebieten sind.
Heutzutage wird dort kein Schwefel mehr abgebaut. Nebenan ist aufgrund der hohen geothermalen Aktivität ein Kraftwerk entstanden. Das hat aber mit der Touristenattraktion relativ wenig zu tun.
Der Laie wandert hier einfach durch ein eigenartigen anmutendes Feld, wo es aus alles Ritzen und Löchern blubbert, brodelt und sehr deutlich nach verfaulten Eiern stinkt.

Interessant anzusehen ist das aber allemal. Zumal man sich im Grunde dort auf einem aktiven Vulkansystem bewegt. Sollte der große Knall dort einmal passieren, hat mindestens Island, sehr wahrscheinlich aber auch Europa oder gar die ganze Welt ein Thema. Man muss sich das so vorstellen, dass dort auf 200km² richtig Rummel unterhalb der Erdoberfläche ist. Lasst uns einfach mal hoffen, dass wir nie erleben, dass der Rummel auch oberhalb „Guten Tag“ sagen möchte.
Ein weiteres Highlight dieses Vulkanssystems ist ein Krater und der darin enthaltene See. Vor Ort nennt sich das Ding Viti. Das klingt vielleicht niedlich, übersetzt sich aber je nach Kontext mit böses Omen oder Hölle. Joa… und man kann einmal drum laufen und Fotos machen.

Und was macht man, wenn man auf einem aktiven Vulkan bei einem Krater namens Hölle steht? Richtig, man isst erstmal ein paar selbstgemachte Hotdogs. Und nach dem Essen sollte es dann schon mal sehr deutlich in Richtung Dettifoss gehen. Allerdings noch mit einem Stopp vorneweg: dem Hafragilsfoss. Wobei man dazu sagen muss, dass Detti- und Hafragilsfoss in der Luftlinie kein Kilometer trennt.

Und dennoch – ich sagte es beim letzten mal bereits und wiederhole mich da gern: Trotz der räumlichen Nähe gibt es einen himmelweiten Unterschied beim Besucheransturm. Beim Dettifoss türmen sich teilweise die Menschen. Beim Hafragilsfoss steht man allein auf der Welt. Warum das so ist, weiß ich bis heute nicht. Aber ich beschwere mich nicht sondern genieße einfach dieses Naturschauspiel.
Kurze Zeit später ging es dann zum Dettifoss. Zu meiner großen Freude wurde die im April überflutete Besucherplattform wieder eröffnet. Das heißt, man kann wieder sehr nah an die Fallkante des Wasserfalls. Was mich weniger freute war, dass es mittlerweile sehr stark Böen gab und die Gischt kilometerweit ins Land getrieben wurde.
Wisst ihr, was Drohnen so gar nicht mögen? Viel Nässe. Der Dettifoss ist ein Monster und ich bin weit weg davon mich über den Tag zu beschweren, weil wirklich viel zu sehen war, worum einen Leute beneiden. Und dennoch, wenn man sich so einen Tag zurechtlegt und dann auf den letzten Metern der Platz durchkreuzt wird…. nicht so geil.
Wir setzten uns dann noch mal eine Stunde ins Auto und fuhren auf die andere Seite des Dettifoss. Für gewöhnlich sind im Osten ein paar Menschen weniger und der Zugang ist noch viel ursprünglicher. Überall liegen Steine und es wirkt viel schroffer und kantiger. Der Wasserfall bekommt hier noch ein wenig mehr den Charme der Naturgewalt, die er ohne Zweifel ist.
Ja und was soll ich sagen, im Osten angekommen war der Wind nicht weg aber für die Drohne machbar.

Und so flog ich mit meiner Genehmigung in der Tasche umher und freute mich des Lebens. An dieser Stelle auch der Hinweis (zu dem ich rechtlich sogar verpflichtet bin).
Die gemachten Drohnenaufnahmen sind nach erteilter Genehmigung des Vatnajökull National Park zum freigegebenem Datum und Uhrzeit entstanden. Das fliegen einer Drohne ist im Nationalpark ansonsten komplett untersagt.
Soviel Zeit muss sein. Aber nun zum Highlight des Tages. Ich durfte also dort fliegen, wo legal kaum mal Drohnen in die Luft dürfen. Klar, irgendein Held fliegt da sicherlich auch mal ohne Erlaubnis aber hey… ich durfte mich offen hinstellen und sagen „Die Park Ranger haben es mir gestattet“.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich nur eine konkrete Idee, was für ein Bild ich möchte. Klar, man fliegt dann doch deutlich mehr und macht sehr viele Aufnahmen. Bei mir wurde es etwas mehr als eine Stunde in der Luft und ich hab quasi durchgehend Aufnahmen gemacht. Aber als ich diese Aufnahme im fliegenden Kasten hatte, war ich schon sehr zufrieden mit der Welt.

Ihr kriegt hier die unbearbeitete Version, frisch von der SD Karte. Meine Drohne schwebte über der Fallkante und schaute direkt in den Tumult aus Wasser, Gischt, Steinen und was auch immer dort noch alles tobt. Ich stand vor Ort und starrte wie hypnotisiert auf meinen kleinen Controller-Bildschirm. Dieser Wasserfall ist aus allen Perspektiven beunruhigend kraftvoll.
Wir blieben dann am Ende bis knapp 21 Uhr dort und machten noch ein paar Fotos und Videos vom Boden aus. Das dürfte an Material reichen, um irgendwann mal einen kleinen epischen Trailer nur zum Dettifoss zu machen,

Nur, wie vorhin erwähnt, ist der Dettifoss über zwei Stunden von unserer Unterkunft entfernt. Das Navi sagte uns, dass wir 23.30 Uhr ankommen werden.

Kurz vor Akureyri dann Stau. Mir war nicht mal bewusst, dass Island überhaupt genug Menschen hat, um einen Stau zu produzieren. Aber da war er. Mitten in der Nacht, auf der einzigen Straße in die Stadt standen die Autos.
Es ging im Schneckentempo vorwärts. Irgendwann sagen wir am Ende der Straße Polizei. Man ahnt dann schon das Schlimmste. Man kommt heute nicht mehr heim, muss einen riesigen Umweg fahren… all die Gedanken ploppen gleichzeitig hoch und werden dann nur von der Polizisten unterbrochen, die einen nach dem Führerschein fragt.
Führerschein geht aus dem Fenster in ihre Hand und kommt mit dem Hinweis „da vorn beim Kollegen bitte einen Alkoholtest machen“ wieder zurück.
Wisst ihr, was ich nach 14h actionreichem Tag richtig gut finde? Alkoholtests!
Ja und dann war da dieser innere Druck, dass ich heute noch den Blog schreiben möchte. Habe ich jetzt hiermit getan. Rechtschreibprüfung dürfte heute noch mehr ausfallen, als die letzten Tage schon. Ich habe gerade noch eine handvoll Kommas willkürlich in den Text geschmissen. Das muss reichen.
Ich kippe jetzt tot ins Bett und bin geneigt morgen einfach auszuschlafen und nichts zu machen. Oder wenigstens nicht wieder 500km hinterm Steuer zu sitzen.
Alles wird gut. In diesem Sinne
Habe die Ehre
X

Hinterlasse einen Kommentar