Leben am Festplattenlimit
Die willkürliche anmutende Zahl in der Überschrift sagt aus, wie viele Bilder und Videos heute entstanden sind. Es könnte auch die Zahl der Stunden sein, die ich an Schlaf nachholen sollte. Aber wer braucht schon Schlaf, wenn er Island in perfektem Wetter erleben kann?
Ich sitze gerade an einem kleinem Tisch in einem Hotelzimmer im Skaftafell und ich würde nicht all mein Hab und Gut darauf setzen, dass ich zum Ende des Blogs noch wach bin. Was war das wieder für ein Tag. In erster Linie einer, der mir aufzeigt, dass ich noch viel zu lernen habe. Wisst ihr, normalerweise hat man in Island immer mal wieder einen wirklich madigen Tag vom Wetter her. Man ärgert sich ein wenig darüber aber am Ende schläft man sich aus, erholt sich und tankt Energie. Mir fehlt dieser Tag und mein Drang hier möglichst alles aufzusaugen, hindert mich ausreichend, mir so einen Tag auch mal bei gutem Wetter zu gönnen. Einsicht ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung.
Wenn ich durch die besagten 557 Dateien gehe, ist für mich schwer greifbar, dass man soviel Glück echt an einem Tag erleben kann. Fangen wir damit an, dass heute früh zur Abfahrt der Himmel recht grau war und es nieselte. Unser erster Stopp sollte der Flögufoss werden. In den vergangenen Jahren war es uns leider nie vergönnt gewesen, diesen Wasserfall zu besuchen. Entweder gab es Sturm oder richtig schlimmen Sturm. Heute war es nun also soweit.

Wie schon ein paar mal erwähnt, machte sich auch hier die Wasserknappheit bemerkbar. Allerdings waren wir allein auf der Welt und wie auf Kommando hörte der Regen auf und die Sicht war klar. Da steht man also mitten in Island und freut sich. Ein guter Start in den Tag.
Unser nächster Halt war eine kleine Klippe, die sich Blábjörg nennt. Ich habe hier immer gemischte Gefühle, weil das die Region ist, wo wir einst von der Polizei die Mitteilung bekamen, dass es nicht weitergeht. Damals stürmte es einfach zu sehr und wir saßen fest. Heute war ebenfalls recht viel Wind unterwegs aber kein Vergleich zum damaligen Orkan. Es ging also an den Strand des Blábjörg und dort tat ich das, was ich am besten kann – Touri-Dinge.

Nachdem der kitschige Part erledigt war, wurden natürlich auch noch die namensgebenden Klippen bestaunt. Auch hier – kein Regen und die anwesenden Menschen verstanden es, uns weder ins Bild zu laufen noch sonst zu stören – es bleibt ein guter Tag.

Wir folgten dann eine Weile der Ringstraße und kamen zum Barkináfoss. Praktischerweise ist dieser Wasserfall direkt hinter einem Rastplatz und für uns komplett auf dem Weg. Ich mag 0-Umweg-Wasserfälle einfach gern.

Und da wir auch hier alleine waren, kann man einerseits die Zeit nutzen und die Schönheit der Natur genießen. Wenn das erledigt ist, macht man Blödsinn. Wahlweise wirft man Steine ins Wasser oder man posiert elegant wie ein Kartoffelsack auf Steinen.

Das Wetter wurde dann zusehends besser. Wir fuhren immer weiter gen Süden und stoppten immer mal wieder in Parknischen am Straßenrand. Dort entstehen dann solche Aufnahmen.

Und könnte ich posieren, meine Frau würde mich easy mit ihrer Fotografie zu einem Modell erheben. Aber da ich auch stehend eher den Vergleich zum Kartoffelsack bemühen darf, sehe ich halt einfach nur so aus, als hätte ich vergessen den Herd auszumachen – das dann aber immerhin vor einer echt schönen Landschaft und gestochen scharf.

Tatsächlich sind wir dann erstmal an unserem Hotel vorbei und gleich zum Diamond Beach gefahren. Das sollte sich auch lohnen, denn es lagen doch recht beachtliche Eisklumpen dort. Und auch hier versteht meine Frau, eine Menge aus der Szenerie rauszuholen.

Außerdem toppten sich diverse Vogelschwärme über dem offenem Meer (aber nah dem Strand) aus und machten recht viel Krach während einige waghalsige Flugmanöver gezeigt wurden.

Es gab auch ein paar Robben zu sehen aber der Star an diesem Strand ist natürlich das Eis. Was Mutter Natur hier an Schauspiel liefert, ist schon wirklich sehr fesselnd. Klar, am Ende schwimmt einfach mal ein Eisklumpen in einer Welle. Man weiß, dass exakt nichts passieren wird, egal wie sich dieser Eisklumpen dabei bewegt. Man bleibt trotzdem stehen und schaut gebannt zu. Ein magischer Ort.

Ja und dann war es soweit. Ich hatte mit dem Nationalpark vorab geklärt, ob ich eine Flugerlaubnis für die Gletscherlagune bekomme. Die gleiche Antwort wie bereits beim Dettifoss: Nach 18 Uhr ist es ok. Bevor ich euch ein paar Aufnahmen zeige, bin ich jedoch auch heute verpflichtet folgenden Absatz zu schreiben.
Die gemachten Drohnenaufnahmen sind nach erteilter Genehmigung des Vatnajökull National Park zum freigegebenem Datum und Uhrzeit entstanden. Das fliegen einer Drohne ist im Nationalpark ansonsten komplett untersagt.
Hätten wir das auch. Wobei ich sagen muss, ich finde das gut, dass die dort auf den Drohnenverkehr aufpassen. Gibt viel zu viele Kloppis, die rücksichtslos unterwegs sind und auch wenn das ein sehr deutscher Wesenszug bei mir ist: Regeln helfen da.
Wie dem auch sei – der Moment kam, wo ich fliegen durfte. Ich suchte mir eine ruhige Ecke, packte meine Drohne aus, startete alles, ging in die Luft, flog die ersten Meter und… nööööt „SD ist voll – bitte wechseln“. Ich war schon ein wenig grrrr, Da kümmere ich mich um eine Flugerlaubnis, suche passende Orte und Gegebenheiten und vergesse das Wesentliche. Na gut – noch mal gelandet – SD Karte aus der Actioncam genommen und wieder in die Luft.

Ich musste relativ viel aufpassen und immer wieder schauen, weil ein paar Möwen in der Ecke ihre Kreise zogen. Denen war ich zwar per se recht egal, ich wollte ihnen trotzdem nicht in die Quere kommen. Entsprechend bin ich einfach deutlich höher geflogen als sie.

Insgesamt bin ich eine gute Stunde dort umher geflogen und habe eine Menge Adrenalin durchlebt. In so einer unwirklichen Gegend mit der Drohne zu fliegen, ist auf jeden Fall ein riesiges Highlight. Als I-Tupferl bekamen wir dann noch einen Bilderbuch Sonnenuntergang zum Abschied.

Ich war so fasziniert von all dem, dass ich beim Sonnenuntergang schon gar nicht mehr so recht die Drohne auf dem Schirm hatte. Das kam erst wieder, als die Sonne schon ganz weg war. Das Licht und die Stimmung in der Lagune waren aber auch dann noch atemberaubend.

Da zu diesem Zeitpunkt (sieht man auch links auf dem Bild) ganze Vogelschwärme angeflogen kamen, war es das dann wirklich mit der Drohne und für uns ging es nach einem wieder mal ewiglangen Tag ins Hotel.
Und hier sitze ich nun, schreibe den Blog und sehe, dass die kommenden Tage laut Wetterbericht weiter die Sonne scheinen wird. Womöglich brauche ich nach diesem Urlaub erstmal eine Zeit, wo ich mich erholen kann. 😉
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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