Willkommen in den Bergen
Meine Lieben. Fangen wir damit an, dass mein Hotel relativ sicher darauf abzielt, mich während meiner Anwesenheit in den Zustand einer permanenten Alkoholisierung zu versetzen. Zwischen 11 und 22.30 Uhr darf ich trinken was ich will und der Barkeeper, der so harten Dialekt spricht, dass wir uns auf englisch unterhalten haben, sagte sinngemäß „Ich hab mir dein Gesicht gemerkt, sag einfach ein Getränk – ich regel das“. Und das tut er bislang wirklich außerordentlich gut.
Aber… ihr wisst – wir sind hier im Reisetagebuch chronologisch veranlagt. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich gerade schon weit abseits der Fahrtauglichkeit bin, gebührt mir schon ein wenig Applaus für das Wort chronologisch. Wie dem auch sei – lasst uns von vorn beginnen. Genauer gesagt bei gestern Abend.
Da saß ich also auf der Couch mit meinem Eis und versuchte irgendwie die Aufregung runterzuspielen. Nichts, wirklich gar nichts Konkretes machte mir Sorgen. Es war das undefinierte „Oh Gott, ich fahre weg und habe eigentlich keinen Plan was ich tue“ was mich erfolgreich nervös machte. Gegen 23 Uhr schaltete ich das Licht aus und verbrachte eine unruhige Nacht neben meinen Katern. Um 5 Uhr war ich dann letztlich wieder so wach, dass an ein weiterschlafen nicht zu denken war.
Vielleicht war das auch gut so. Als Berliner ignoriere ich sehr gerne, dass unsere Hauptstadt Austragungsort für diverse Großevents ist. Beispielsweise wäre da der DFB Pokal. Den habe ich gestern Abend sogar noch gesehen. Doch hatte ich bei den Bildern im TV kaum einen Gedanken daran verschwendet, dass ich heute Früh diverse Leverkusen-Fan-Schals auf der Autobahn sehen würde. Dafür, dass ich um 6 Uhr losfuhr, war doch relativ viel Verkehr auf den Straßen.
Wir können an dieser Stelle festhalten, dass Fußballfans aber scheinbar per se gute Autofahrer sind. Denn trotz verhältnismäßig viel Verkehr, flutschte die Fahrt nur so vor sich hin. Und auf einmal, ist man dann hinter München. Kurz vor Garmisch hatte ich meinen ersten „Stau“. Genauer gesagt, stand ich nicht mal 2 Minuten. Es hat aber gereicht, um die Landschaft mal kurz medial festzuhalten.

Eigentlich hatte ich angenommen, dass ich mit Pausen und vielleicht ein paar Baustellen ganz bequem 9 bis 10 Stunden hinterm Steuer verbringe. Am Ende waren es ziemlich genau 8 Stunden und da waren schon die Pausen mit drin. Oder anders ausgedrückt – statt um 16-17 Uhr, stand ich um 14 Uhr an der Hotelrezeption.
Joa, was macht man nun mit der gewonnenen Zeit? Erstmal habe ich meinen Koffer ausgepackt. Denn schließlich bin ich eine ganze Woche hier und möchte in der Zeit nicht aus dem Koffer leben sondern gern richtig wohnlich hier hausen. Dann war ich kurz unter der Dusche und dann, stand ich wieder an der Rezeption und fragte, was man denn hier so machen kann, wenn man sich nicht verausgaben will aber dennoch einen Eindruck von der Gegend kriegen möchte. Die Empfehlung lautete „eine Alm“. Joa – kann man nicht viel mit falsch machen – dachte ich…
Als ich dann aus dem Hotel rausging, bemerkte ich erstmal, dass ich für den Eindruck der Gegend eigentlich gar nicht viel laufen muss. Schaut mal – so sieht es aus, wenn ich aus dem Hotel gehe:

An dieser Stelle war ich schon happy. Allerdings verging das circa 20m später, als ich merkte, dass man mir zwar von der Alm erzählte, blöderweise aber gar nicht, wo genau ich da eigentlich langgehen muss. Ich fragte mein schlaues Handy und bekam dann nach ein paar technischen Schwierigkeiten immerhin so eine schemenhafte Idee, wohin mein Weg mich führt. Nämlich direkt in einen Privatweg, bei dem der Zutritt verboten war. Läuft.
Ich bin dann erstmal stumpf in die allgemeine „da lang“ Richtung (an einer Straße entlang) gelaufen und hatte Hoffnung, dass ich schon irgendwo ankommen werde. Das Glück war mir treu, denn wenig später sah ich ein Schild, auf dem meine Alm draufstand. In 60 Minuten sollte ich dort sein. Dann mal auffi.
Mein Weg startete malerisch durch eine blühende Wiese. Das war richtig richtig toll. Ich habe ja keine Ahnung von Pflanzen. Daher kann ich gerade nur so qualifizierte botanische Auskünfte geben wie „Die Blumen waren gelb und violett und weiß und insgesamt alles sehr hübsch“.

Es folgte ein kurzes Stück Straße und dann sah ich ein Schild. welches mich in Richtung eines Forstweges leitete. Dort war ich dann zumindest erstmal sicher, dass ich grundsätzlich in die richtige Richtung gehe.

Wisst ihr, wenn man 8 Stunden im Auto saß und davor viel Aufregung hatte, ist man körperlich vielleicht nicht unbedingt in Topform. Bedenkt man dabei, dass ich allgemein eher nie in Topform bin, mag es wie eine dumme Idee anmuten, in dieser Verfassung erstmal 3,5 Kilometer bergauf zu gehen. Aber… da war ich nun – am pumpen und schwitzen im Kampf gegen die Steigung des Berges und fand die Idee weiterhin gut genug, um sie weiter zu verfolgen..

Es sollte sich lohnen. Schaut mal wie hübsch der Weg zur Alm war. Links und rechts liegen die Kühe auf saftigen Grün. Der Himmel ist blau, die Wolken fluffig und aus der Alm kam die Geräuschkulisse vom munteren Treiben. Es fehlte nur noch, dass Heidi trällernd an mir vorbeihüpft.

Auf der Alm tat ich dann das, was man so für gewöhnlich auf einer Alm tut. Ich genoss das Leben bei einem kühlen Radler, schaute Kühen zu und starrte immer wieder beseelt vom Glück auf die gar nicht so weit entfernten Berge.

Nach einem kleinem amüsanten Intermezzo mit dem Kellner, der mich übrigens nach wenigen Sekunden als „Preiße“ entlarvte, zog ich dann auch schon wieder zurück ins Tal. Schließlich bin ich 3,5km den Berg hoch – ergo muss ich 3,5km den Berg wieder runter. Im Chat mit einer Arbeitskollegin gab es die Feststellung, dass ich erst noch lernen muss, wie das mit dieser „Erholung“ funktioniert. Vielleicht ist da was dran.
Zurück im Hotel kann man meine Aktivitäten sehr gut mit genau einem Bild zusammenfassen.

Ich verweilte einfach etwas und machte Zeitrafferaufnahmen der Wolken über den Bergen. Nebenbei verdunstete immer wieder ein Glas Aperol…
Es ist in der Tat so, dass ich gerade nur „Aperol“ sagen muss und der Barkeeper zaubert mir Einen. Ich werde weder nach der Zimmernummer gefragt noch wird sonst ein Smalltalk geführt. Warum auch – der Barkeeper spricht eine mir völlig fremde Sprache. Wir haben es wirklich am Anfang versucht. Aber stellt es euch so vor:
„Bibidieibapididipa Bababadidpapupapi Bibibisalamibabumsibam Trinken?„
Ich glaube trotzdem, dass es unterm Strich irgendwie… deutsch ist? Aber nein – da kommen wir nicht zusammen. Er macht gute Drinks und wir lächeln uns zu, wenn wir aneinander vorbeigehen oder ich Getränkenamen rufe. Beziehungen zwischen Männern können sehr einfach sein.
Nach nun mehreren Aperol und den vorhergegangenen Radlern war der Zeitpunkt gekommen, eine Besonderheit des hiesigen Hotels auszuprobieren. Namentlich bin ich im „Hotel zum Gourmet“ und man bot mir an, dass ich abends ein 4 Gänge Menü bekommen könnte. Das lass ich mir natürlich nicht entgehen.




Das war schon eine sehr runde Sache. Ich werde also die Tage hier definitiv auch nicht verhungern.
Satt und womöglich noch leicht beschwipst, sitze ich nun hier im Hotelzimmer, schreibe meinen ersten Eintrag fürs Reisetagebuch und bin guter Dinge, dass ich auch morgen – mit dem angesagten Regen – irgendwie eine gute Zeit haben werde. Ich werde sicherlich berichten.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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