Elton und Entschleunigung

Heute keine 10km Wanderung

Als ich gestern Abend in der Hotelbar saß, stellte ich fest, dass ich bereits unwahrscheinlich viel erlebt habe. Nicht nur gestern, sondern den gesamten Urlaub. Es fühlte sich an, als wäre ich schon locker 1-2 Wochen hier. Es freut mich, dass ich ohne Anlauf in diese Auszeit gekommen bin, geht es doch am Samstag bereits zurück in die Heimat.

Das es sich bereits wie ein vollwertiger Urlaub anfühlt, liegt aber sehr wahrscheinlich wirklich am Durchpowern. Heute, heute zahlte ich glaube ich auch ein wenig den Preis dafür.

Meine Beine schmerzen mittlerweile doch sehr vom Muskelkater. Ich kann normal laufen und ich jammere jetzt auch mehr fürs Protokoll. Trotzdem, zwischen Socken und Gürtel gibt es nur wenig, was gerade nicht wehtut. Keine Sorge: Die Stellen, die keinen Muskelkater haben, werden auch weiterhin nicht näher hier im Blog beschrieben.

So gegen 7.30 Uhr wurde ich recht unsanft geweckt Zuerst dachte ich, jemand würde riesigen Mülltonnen sehr unfähig durch die Gegend werfen. Mein Groll auf die österreichische Müllabfuhr verflog aber wenige Augenblicke später, als ich merkte, dass es einfach laut gewittert.

Schlaftrunken bin ich zum Frühstück, aß mein Brötchen, trank meinen O-Saft und ging mit halbgeschlossenen Augen wieder aufs Zimmer. Der Wetterbericht hatte angekündigt, dass es dauerregnet. Ab Mittag sollte es noch schlimmer werden und mindestens im 10-Minuten Takt gewittern. Es sah so aus, als würde er Recht behalten.

Um kurz nach 9 Uhr machte ich erneut die Augen auf und sah blauen Himmel. Soviel zum Wetterbericht. Ich war doch etwas unsicher, was ich nun mit dem Tag anstellen sollte. Meine Beine schmerzten, der Wetterbericht wurde scheinbar doch vom Zufallsgenerator entworfen und ich hatte letztlich relativ wenig Ideen, was das in Summe macht. Also blieb ich erstmal im Bett liegen.

Meine größte „Sorge“ war ehrlich gesagt, dass ich gern irgendwas hier schreiben wollte und das doch sehr knapp ausfällt, wenn ich einfach im Bett liegen bleibe. Zugegeben – Sorge ist schon ein sehr hartes Wort dafür, dass ich mir während dieses Gedankens eine zweite Decke um mich wickelte.

Da dann irgendwann sogar die Sonne aktiv in mein Zimmer schien, hielt ich es für angebracht wenigstens mal eine kleine Runde zu machen. Ihr seht – Motivation und ich sind richtig dicke Freunde heute.

In meinem Tatendrang schoss mir durch den Kopf, dass ich einen Missstand der letzten Tage korrigieren könnte. Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich das Seefelder Einhorn fotografierte. Ein paar Menschen ermahnten mich, dass man das Einhorn auf dem Bild ja gar nicht wirklich gut sehen könne… Mein erster Halt war also das Casino von Seefeld.

Größer geht nicht

Ich hoffe, ich bin nah genug dran. Leider weiß ich aber immer noch nicht, was es mit dem Einhorn auf sich hat. Meine Recherche ergab erstmal nur, dass vor gar nicht langer Zeit ein betrunkener Kerl auf dem Einhorn rumgeklettert ist und dabei Teile abgebrochen hat. Joa – gemessen daran treffe ich doch ganz okaye Lebensentscheidungen.

Ich ging dann noch etwas weiter. Wieder führte mich mein Weg zum Wildsee. Da war es trotz diverser Menschen eigentlich sehr idyllisch und sehr hübsch anzusehen.

Bevor ich am Ufer des Sees war, fand ich noch einen kleinen Freiluft Spa-Bereich. Man kann hier seine Füße und Arme kühlen.

Da es aber doch recht frisch war, ging ich ohne solche Aktivitäten weiter zum See. Dort setzte ich mich auf eine Bank und schaute mir die Szenerie an.

Es hat sich eine Art Hobby bei mir entwickelt, dass ich mit meiner Kamera Zeitrafferaufnahmen von Wolken mache. Das geht an so einem See mit Bergen im Hintergrund ganz hervorragend.

Zeitraffermotiv

Man darf sich das so vorstellen, dass im Zeitraffer alle 3-5 Sekunden ein Bild gemacht wird. Als grobe Faustregel kann man annehmen, dass man für 10 Sekunden Film ungefähr 10 Minuten Aufnahme braucht. Am Ende erhält man ein Video, in dem man zwar auch nicht viel mehr sieht, als zuvor aber durch den komprimierten Schnitt, erkennt man dann doch viel besser Details, wie zum Beispiel der Wind weht oder die Thermik gerade war. Salopp gesagt, sieht man den Teile oder eben den ganzen Lebenszyklus einer Wolke. Ich find es spannend.

Und da ich nun also mindestens 10 Minuten dort saß, machte ich das, was man in so einem Moment macht: Ich schaute in der Gegend rum.

Ich sah, dass sich vor mir im Wasser etwas bewegte. Mitmal stand ein kleiner Vogel vor mir. Meine Internetrecherche meint, es könnte ein Blässhuhn gewesen sein. Jedenfalls war der gute völlig unbeeindruckt von meiner Anwesenheit und knabberte Gras und Insekten rund um mich herum weg. Doch kaum, dass jemand anderes vorbeikam, lief er direkt ins Wasser. Ich fühlte mich schon ein bisschen, wie etwas besonderes.

Elton und mein Schatten

Ich habe ihn Elton getauft und ihm eine Geschichte gegeben. Ihr müsst wissen, dass Elton hier am Wildsee der Landschaftsarchitekt ist. Er empfiehlt den Anbau von mehr Gras. Außerdem sind mehr Wasserflächen auch mehr gut! Hat er mir genau so gesagt – ich gebe das hier nur weiter.

Aber zurück zum Blog. Ich saß dort in der Sonne und beschloss, was bereits offensichtlich war: Heute sei ein ruhiger Tag. Manchmal hilft es trotzdem, wenn man eine Wahrheit einfach mal ausspricht.

Gemütlich und durch die Sonne dann doch aufgewärmt, verließ ich Elton und ging durch den Ort zurück zum Hotel. Dort fand ich noch etwas, was den Stadtbewohner in mir schmunzeln lies.

Der Eierautomat

Man fragt sich, wie so ein Ding in Berlin wohl ankommen würde. Es war mir dann aber keine 4€ Wert, dass Ding mal auszuprobieren. Eigentlich wollte ich dann noch in einen Laden für Holzarbeiten aber blöderweise ist hier Feiertag. Der Laden hatte also zu und damit ging es eben doch direkt zum Hotel.

Mittlerweile war der Tag regelrecht zum Sommer mutiert. Das reinste Kaiserwetter herrscht dort, wo der Wetterbericht sogar in Warnmeldungen Gewitter prophezeit hatte.

Wenn es denn doch so gutes Wetter ist, wollte ich doch noch ein bisschen was mit dem Tag anstellen. Ich schnappte mir meine Gitarre und ging zum Geigenbühel. Das ist jener kleine Hügel, auf dem eine Bank steht und man in die Berge schaut. Dort setzte ich mich hin und spielte vor mich hin.

Thats Punkrock!

Ich weiß gar nicht genau, wie lang ich da war. Es wird irgendwas zwischen einer und zwei Stunden gewesen sein. Ich merkte nur irgendwann, dass mir doch sehr warm wurde.

Ich bin dann wieder zum Hotel und überlegte, dass ich mich vielleicht noch mal in eine Alm setzen könnte. Allerdings taten meine Beine immer noch weh. Meine Überlegung war, dass ich mir ein eBike leihen könnte und damit dann die Strecke zurücklege. Der Plan war auch grundsolide – scheiterte aber auch an dem Umstand des heutigen Feiertags.

So richtig traurig war ich wegen den fehlenden Aktivitäten aber nicht. Ich setzte mich ein wenig auf die Terrasse und eine Kellnerin brachte mir irgendwann ein bisschen Kuchen. Das war sehr nett und sehr lecker zugleich.

Am späteren Nachmittag überkam mich dann noch die Müdigkeit. Ich döste ein wenig in meinem Zimmer dahin, hörte Musik. Ich weiß, aufregend. Deswegen sparen wir uns jetzt auch weitere Details meines Jetset Lebensstils.

Der Plan sah an dieser Stelle so aus, dass ich noch Abendessen gehe und dann so nach und nach wohl einfach ausschlafe. Heute kam hier eine Reisegruppe an. Das bedeutete, dass der Saal vom Abendessen merklich lauter war. Dem Essen tat das Gott sei Dank aber keinen Abbruch.

Und so verging ein ruhiger Tag. Aber, ist ein ruhiger Tag im Urlaub nicht immer noch besser, als ein normaler Tag auf Arbeit? Ich denke schon.

Morgen ist dann schon der letzte Tag dieses kleinen Abenteuers. Laut Wetterbericht soll es wieder regnen. Wieder gibt es Warnmeldungen und wieder bin ich unschlüssig, was ich damit anstellen soll. Ich lass mich einfach mal überraschen. Hat ja bislang ganz gut funktioniert.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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4 Antworten zu „Elton und Entschleunigung“
  1. Avatar von haraldboettger

    Hehehe, hier gibts sogar Käseautomaten. Eierautomaten auch. Und noch diverse andere. In jedem Kaff 😉

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    1. Avatar von mydailybadluck

      Du warst ja lang genug Berliner 😉 In der Hauptstadt gibt es vieles – aber das nicht 😉

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  2. Avatar von m.mama

    Ha, jetzt habe ich auch noch etwas über Tirol gelernt! Nachdem wir nur eine Uni haben, an der man Landschaftsarchitektur studieren kann und die in Wien ist (die „Boku“), aber die Tiroler nicht unbedingt die größten Fans von Wien sind (nach dem Motto „Es kann nur einen Großkopferten geben“) bilden sie also heimlich ihre eigenen Gartenexperten aus! Und das vermutlich im Eiltempo: Innerhalb von 2 Monaten ist der Nachwuchs soweit, alleine loszulegen … Raffiniert. Da können sich manche Länder noch was abschauen *gg*

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    1. Avatar von mydailybadluck

      Und Elton ist absolut vom Fach! Ich würde diesen Tiroler Landschaftsspezialist sofort empfehlen 😉 Ist schon ein schönes Fleckchen Erde hier

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