Glück in Etappen
Heute ist ein schöner Tag. So, hab‘ ich es mal ausgesprochen. Das latente Grummeln des Alltags wird uns noch schnell genug wieder einholen. Heute aber nicht. Denn heute sind wir in Island und machen Dinge, die glücklich und zufrieden machen.
Da wäre zum Beispiel, dass wir bei blauem Himmel und Sonnenschein aufgewacht sind. Bedenkt man, dass wir gerade im nordwestlichsten Zipfel Europas sind, keine Selbstverständlichkeit. Man ist hier Kälte und Sturm gewohnt – aber nicht heute. Island mag uns vielleicht auch ein bisschen und spendiert uns daher einen weiteren Sommertag.
Dieses Geschenk nutzten wir natürlich gern. Direkt nach dem Frühstück ging es zu einem Anleger, der unweit vom Hotel ist. Ich muss bei solchen Gelegenheiten gern an die Geschichten denken, wo Reiseagenturen Strände aus Island fotografieren, weil diese so schön leer sind aber dann als Strände der Karibik vermarkten. Der Strand heute hätte auch das Potenzial dazu.

Ihr seht, ich hatte heute mit meiner Drohne auch Spaß am Gegenlicht. Dazu auch gleich noch mehr. Der eigentliche Star dieser Gegend ist aber besagter Anleger. Man könnte problemlos mit dem Motiv Postkarten bedrucken.

Man hört hier die Wellen und ein paar Vögel. Ansonsten gibt es hier mal wieder gepflegt nichts. In den Morgenstunden und wenn man so glücklich ist wie wir, kommt die Sonne langsam über die Berge und sättigt die Farben des Wassers, des Strandes und der Berge. Und man kriegt die Gelegenheit mit dem Gegenlicht und den Wasserreflexionen zu spielen. Mein Lieblingsfoto davon ist dieses geworden:

Noch ein bisschen Farbkorrektur, den Horizont ordentlich ausgerichtet und man kann sich dieses Bild doch problemlos an die Wand hängen. Ich bin ein bisschen stolz auf mich.
Einen leeren Drohnenakku später, ging unsere Fahrt dann los. Heute wollten wir die Westfjorde verlassen und zu unserem Zwischenstopp in Hvammtangi. Das entspricht einer reinen Fahrtzeit von mindestens 5 Stunden. Mit Pausen und Fotostopps werden es schnell 7 bis 8 Stunden.
Und den ersten Stopp machten wir dann auch direkt 20 Minuten später. In Ísafjörður wartete neben einem Campingplatz ein Wasserfall auf uns, den wir vorher noch nicht live gesehen hatten. Da der Ort eh so mehr oder minder auf dem Weg lag, gönnten wir uns diesen Fotostopp und wurden nicht enttäuscht.

Das ganze Areal ist voller Blumen und darüber haust ein sehr stattlicher Wasserfall. Drumherum finden sich eine handvoll Wanderwege. Einige davon wenige hundert Meter lang – andere mehrere Kilometer. Wir entschieden uns aufgrund der Zeit für einen kurzen Weg.

Besonders hat mir hier neben dem offensichtlich schönen Wasserfall gefallen, dass alles so eine leichte Wasserschicht hatte. Auf den meisten Pflanzen funkelten Tropfen wie kleine Diamanten und es war einfach zauberhaft.

Zumindest bis ein Reisebus kam und der Alptraum namens Reisegruppe jeglichen Flair aus dem Gebiet nahm. Für uns war das der Moment zu fliehen.
Meine Frau hatte sowie so noch einen Flecken Erde für eine kleine Wanderung rausgesucht, bei dem wir gute Hoffnung hatten, dass kaum eine andere Menschenseele dort ist.

Der Himmel zog sich zwar etwas zu aber das tat der Sache keinen Abbruch. Es blieb trocken und der Verdacht bestätigte sich, dass dies eine Wanderung wird, die den meisten anderen Urlaubern verborgen bleibt.

Fairerweise ist der Weg aber auch etwas, was man wirklich wollen muss. Mitunter durchquert man Wiesen, die bei jedem Schritt Wasser hochquellen. Der ein oder andere Bach ist auch dabei und hin und wieder wird es auch sehr matschig. Also ja, ein Weg mit Charakter. Und scheinbar setzt sich in Island auch weiter der Trend zum Gästebuch durch. Auch hier haben wir uns wieder verewigt.

Der Weg sollte uns dann zu einem Wasserfall führen. Tat er auch – zu meiner großen „Freude“ musste man dafür aber über eine Brücke. Brücke heißt in diesem Fall, dass jemand ein paar Europaletten zusammengetackert hat und über einen 10m hohen Graben gelegt hat.

Todesmutig, wie ich nun mal bin, ging ich natürlich trotzdem drüber. Und das wohlwissend, dass ich auch noch mal zurück muss.

Doch es sollte sich lohnen. Der Wasserfall ist vermutlich wirklich noch sowas, wie ein Geheimtipp. Er ist malerisch eingebettet und durch die Wanderung, hat man am Ende zusätzlich das Gefühl, dass man sich dieses Prachtstück verdient hat.

Der Wasserfall fällt dabei aus beachtlicher Höhe. Die unteren Kaskaden waren aber eigentlich die, die mich noch mehr beeindruckt haben. Das Wasser war wieder kristallklar, sodass man die ganzen Steine darunter sehen konnte. All das ergab ein Bild einer rauen und zugleich wirklich schönen Natur.

Insgesamt hat die Wanderung dann aber vielleicht doch etwas länger gedauert, als ich dachte. Nicht, dass ich es bereut hätte. Aber wir haben immer noch sehr viel Fahrt vor uns gehabt.
Wir beschränkten uns dann darauf, dass wir nur noch ein paar kleinere Stopps machten. Da wir über die Pässe aus den Westfjorden fuhren, war es draußen dann auf einmal auch sehr kalt. Falls ihr mal sehen wollt, wie ein Foto aussieht, wenn man zu dünn bekleidet aussteigt und aufs beste hofft….

Ja, man hätte sich dicker anziehen- oder einfach kurz zusammenreißen können. Haben wir beides nicht gemacht und nun müssen wir alle damit leben.
Die weitere Fahrt war dann so, wie man sich 3-4 Fahrt vorstellt. Ab und zu schläft die Beifahrerin ein, mal tankt man, mal gibt es eine Pipipause und ansonsten schaut man auf eine faszinierende Umgebung.
Wenn man dann so circa 1,5h vor Hvammstangi ist, wird aus der Straße eine Schotterpiste. Ich bin da absolut in meinem Element. Ich weiß, dass es Menschen gibt, denen so eine Straße Sorgen bereitet und ich verstehe das. Hin und wieder gibt es Schlaglöcher oder manchmal rutscht man unfreiwillig ein paar Zentimeter und kriegt einen Schreck. Ich will da auch nicht zu arrogant daherkommen aber ich sehe recht schnell eine Art Ideallinie und fahre diese dann sportlich entlang. Hinter mir zieht sich dann eine ewig lange Staubwolke und selbst meine Frau muss eingestehen, dass mein Fahrspaß auf solchen Strecken ansteckend ist.

Es spricht wohl auch für mein Kurzzeitgedächtnis, dass ich den Platten von gestern, auf solchen Strecken, völlig ausblenden kann. Alles andere hätte wohl sonst auch dazu geführt, dass die Fahrt einfach noch viel länger wird.
Zum frühen Abend kamen wir dann in unserem Hotel an. Passenderweise kam dann die Sonne wieder raus. Das gab zum Tagesende noch mal ein bisschen positive Energie.
Morgen geht es dann auch schon weiter. Das Ziel wird Akureyri, die Hauptstadt des Nordens. Doch auf dem Weg dorthin werden wir sicher auch wieder das ein oder andere erleben. Ich freu mich drauf.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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