Schon wieder…

…ein langer Tag

Wenn ein Bild mehr sagt als 1.000 Worte, wird das heute wirklich ein sehr langer Blog. Es warten zwanzig Bilder darauf verwendet zu werden. Wir können damit auch gleich zu Beginn des heutigen Eintrags festhalten, dass der Tag wieder relativ wenig mit Erholung zu tun hatte. Auch der Gedanke von gestern, dass wir heute nicht allzu viel mit dem Auto umherfahren, stellte sich als unrealisierbares Wunschdenken heraus. Was will man machen – Island bietet einfach zu viele Möglichkeiten, Zeit zu genießen.

Heute früh packte mich dann auch direkt der Tatendrang. Ich stand auf und machte den Abwasch. Angetrieben vom Sonnenschein und zwei Tassen Kaffee ging es dann ohne den Umweg namens Frühstück direkt ins Auto und zur ersten Wanderung.

Start of Trail

Es ging zum Hengifoss. Tatsache ist, dass es hier Supermärkte gibt, die einen kleineren Parkplatz haben, als der Hengifoss. Der Wasserfall ist sehr gut ausgebaut und extrem stark besucht. Wir waren kurz vor 8 Uhr hier und ausnahmsweise mal doch nicht allein.

Die Wanderung zum Wasserfall ist anders als das, was wir sonst kennen. Normalerweise laufen wir durch Wälder und Fjorde und am Ende kommt dann aus dem Nichts die große Überraschung in Form eines Wasserfalls. Beim Hengifoss geht man relativ unspektakulär einen Berg hoch und sieht dabei die ganze Zeit besagten Hengifoss oben auf einen warten.

Wir hatten ganz tolles Wetter und machten dann auch das beste aus dem relativ kargen Weg nach oben. Zum Beispiel habe ich versucht, möglichst adrenalinbetont über einen reißenden Fluss zu laufen.

Actionstar in Action

Und letztlich stimmte es dann auch nicht, dass der Weg nichts zu bieten hat. Denn spätestens ab ungefähr der Hälfte des Weges bekam man immer wieder schöne Anblicke. Was ich bis gestern auch nicht wusste, nun aber live sehen konnte: Unterhalb des Hengifoss fällt der Litlanesfoss.

Litlanesfoss

Allein für diesen Wasserfall hätte sich das frühe Aufstehen schon gelohnt. Der Litlanesfoss fällt aus beachtlicher Höhe. Umrahmt wird er von Basaltsäulen und unten fließt er dann durch einen steilen Canyon ins Tal. Das war schon sehr hübsch.

Immer wieder kamen auf dem Weg Aussichtspunkte, die zeigten, wie das Wasser zu diesem Fall verläuft. Man sieht ein paar Stromschnellen und ein paar kleinere Kaskaden. Der eigentliche Star des weiteren Weges ist dann aber der Weg selbst.

Fast beim Hengifoss

Eine Zeit ist der Weg noch richtig schön ausgebaut. Man geht über ebene Holzbretter entlang von Geröll, durch welches Wasser fließt. Links und Rechts von einem verlaufen die hohen Felswände. Am Ende der Bretter kommt eine kleine Aussichtsplattform. Der Weg danach wird um einiges rustikaler, ist aber immer noch mühelos begehbar, wenn man halbwegs gut zu Fuß ist.

Abenteuerweg

Theoretisch kann man wohl bis fast ganz an den Wasserfall. Das erschien uns aber irgendwie nicht lohnend. Denn wir saßen echt schön beim Wasser, schauten auf den imposanten Hengifoss und seine gut sichtbaren Sedimentschichten. Das Farbenspiel an den Wänden ist dabei fast genauso beeindruckend, wie der Wasserfall selbst.

Schon sehr beeindruckend

Und natürlich darf bei so einer frühen Tour am Morgen Murphy auch nicht fehlen. Der frühe Vogel fängt… den Wasserfall? Oder so ähnlich.

Murphy am Morgen

Nach guten 5 Kilometern im Berg und einem echten schönen Start in den Tag, ging es dann für uns weiter. Doch sei hier erwähnt, dass selbst der Weg nach unten echt schön war. Die Sonne schien uns ins Gesicht und man konnte kilometerweit schauen. Das war ein ganz starker Start in den Tag.

In die Ferne

Aber weiter. Man darf sich das Gespräch zur heutigen Tagesplanung etwa so vorstellen. Meine Frau: „Ich möchte zum Hengifoss“. Ich: „Ich möchte zum Mjóifjörður“. Entsprechend sind wir also weiter zum Mjóifjörður. Etwas irritiert waren wir, weil Google Maps – sonst eigentlich recht zuverlässig in Island – auf einmal der Meinung war, dass es in diesen Fjord keine befahrbaren Wege mehr gibt.

Zuerst dachten wir, dass vielleicht etwas passiert sei. Ein Erdrutsch womöglich oder eine Überschwemmung. Doch die isländische Website zur Straßenüberwachung zeigte nichts an. Im Gegenteil – laut road.is war die Straße einwandfrei befahrbar. Wer braucht schon Google Maps? Wir sind ortskundig!

Ohne Navi aber mit viel Elan sind wir dann einfach mal blind in den Fjord gefahren. Von Sperrungen oder sonstigen Hindernissen war weit und breit keine Spur. Stattdessen wurden wir von atemberaubender Natur empfangen.

Willkommen in der Einsamkeit

Dieser Flecken Erde ist etwas ganz besonderes. Insgesamt wohnen offiziell ganze sieben Menschen hier. Natürlich ist die Neuzeit auch hier angekommen und es gibt einen Campingplatz, ein Café und eine Wetterstation. Aber viel näher als hier, kommt man als Stadtmensch der unberührten Natur wohl kaum.

Blick in den Fjord

Wenn man erstmal über den Pass gefahren ist und sich so langsam die Serpentinen hinab schlängelt, wird man kurz vorm Tal vom Klifbrekkufossar in Empfang genommen.

Wasserfälle von oben

Genau genommen fließt hier überall Wasser. Es kommt von den Hängen, es fließt durch Bäche und selbst die Wiesen stehen unter Wasser, wie ich heute dann mit nassen Füßen feststellen musste. Der Klifbrekkufossar ist nichtsdestotrotz ein sehr beeindruckender Wasserfall. Auch deshalb, weil man von seinem Fuße einen weiteren tollen Blick ins Tal und die dahinter liegenden schneebedeckten Berge erhaschen kann.

Versteckt

Folgt man der einzigen Schotterpiste weiter in den Fjord, kommt man zu einem kleinen Rastplatz, wo die US Navy vor Jahren mal ein Schiff zur ewigen Ruh‘ gebettet hat. Wir nutzten den Ort dann ganz profan um nun endlich doch mal was zu essen. Ein paar Wraps mit Wurst und Käse taten echt gut und gaben neue Kraft. Diese neue Kraft wurde auch direkt in Dummheiten umgewandelt.

Wir so beim „tanzen“(?)

Wir haben dann aber auch noch etwas vernünftiges aus unserem Aufenthalt gemacht. Meine Frau tigerte los und fand zum Beispiel eine Mama-Ente mit Nachwuchs. Sie konnte dann beobachten, wie die Jungtiere das Köpfchen ins Wasser tauchten und das Schwänzchen in die Höh‘ streckten.

Alle meine Entchen

Ich für meinen Teil flog dann den nächsten Drohnenakku leer. Dabei versuchte ich möglichst außer Reichweite der komischen Möwen zu bleiben. Sobald mir das gelang, war die Idee, mal eine Aufnahme vom zerfallenen Metallhaufen des Boots und der Weite dahinter zu bekommen. Ich bin für den Moment ganz zufrieden.

Schiff ahoi

Für uns ging es dann allmählich wieder aus dem Fjord hinaus. Wir überlegten uns, dass wir zu einem Wasserfall fahren, an dem wir schon zigfach vorbeigefahren sind – ohne jemals wirklich dort gewesen zu sein.

Es ist so, dass man auf dem Weg nach Seyðisfjörður die Chance hat, zum Fardagafoss zu kommen. Ein Parkplatz steht direkt an der Straße bereit und von hier aus wandert man dann circa zwei Kilometer bergauf. Dabei passiert man wieder mal schöne Stromschnellen und sogar noch einen weiteren Wasserfall.

Hatte-bestimmt-auch-einen-Namen-Foss

Allerdings war der Tag bis hierhin doch schon sehr ereignisreich und die Kräfte werden auch nicht mehr, wenn man die ganze Zeit bergauf geht.

Immer wieder Berge…

Am Ende sollte sich aber natürlich auch diese Strecke lohnen. Nicht nur, dass wir einen weiteren tollen Wasserfall sehen durften. Nein, es gab auch noch einen ganz wunderbaren Blick über die Region. Wieder mal konnten wir kilometerweit sehen, wo wir schon alles waren und bald noch sein werden. Und hinter uns rauschte der Wasserfall. Kann man mal so machen.

Fardagafoss

Wo wir schon mal hier waren, dachten wir so bei uns, dass auf der anderen Seite der Berge noch der Gufufoss steht. Da sich das mit der Erholung heute eh schon erledigt hatte, fuhren wir also auch noch schnell dort hin.

Zwar schien hier die Sonne nicht mehr aber das Licht war trotzdem großartig. Eigentlich wollte ich auch noch mal kurz die Drohne hochjagen. Allerdings kamen dann spontan doch sehr viele Menschen und ich dachte so bei mir, dass das auch okay ist, wenn die nicht alle meine Drohne hören müssen. Schließlich hatte ich heute schon genug tolle Aufnahmen gemacht. Apropos tolle Aufnahmen: Man sehe und staune, was meine Frau spontan für Bilder macht…

Gufufoss

Ich find das Bild richtig stark und erahne, dass ihm ein Platz in unserer Wohnung zuteil werden könnte. Die Zeit wird zeigen, wie gut der Gufufoss die Wohnung ziert. Für heute war das aber zumindest die letzte Sehenswürdigkeit, die wir im Programm hatten.

Es ging hiernach nur noch in einen Supermarkt, Abendbrot jagen. Ursprünglich wollte ich uns ein Lamm mit Kartoffeln braten. Da es aber irgendwie kein gutes Lamm gab, landeten wir spontan bei einem ganzen Hähnchen. Und während ich mit Sabberfaden im Mund schon ans Essen dachte, stand meine Frau dann doch noch mal vor der Tür unseres Cottages und machte Bilder, wie die Regenwolken langsam aber sicher über die naheliegenden Berge rückten.

Wolkendecke

Morgen fahren wir dann in den Süden. Das Ziel wird ein kleiner Ort in der Nähe von Höfn sein. Erfahrungsgemäß sind die Tage im Süden auch immer sehr vollgepackt, weil es einfach unfassbar viel zu erleben und staunen gibt. Auch morgen prophezeit der Wetterbericht, dass es weitestgehend trocken bleiben wird. Ich würde mir daher heute die Lüge sparen, dass wir versuchen, es morgen etwas ruhiger angehen zu lassen. Stattdessen werde ich mir jetzt noch einen Schluck isländisches Wasser gönnen, einen Moment durchpusten und dann völlig knülle ins Bett fallen.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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2 Antworten zu „Schon wieder…”.
  1. Avatar von haraldboettger

    Wieviele Kilometer habt ihr denn in dem kleinen Island jetzt schon zurückgelegt? Wir haben selbst für Berlin, halb Spanien und Portugal hin und zurück grad mal so 8 bis 9.000 Kilometer gefahren 🙂

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    1. Avatar von mydailybadluck

      Durch den Mietwagenwechsel müsst ich mal genauer nachrechnen. Aber so grob überschlagen…. 3.500km werden es wohl sein. Gibt halt viel zu entdecken 🙂

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