Auf einmal ein Seemann
Nun ist es also tatsächlich passiert. Ich bin auf einem Schiff. Nicht irgendeinem – nein, auf einem waschechtem Kreuzfahrtschiff. Ich weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Aber immerhin bedient es das Bild von mir als Abenteurer.
Ich bin nicht allein hier. Meine Frau und meine wehrte Frau Mama sind bei mir. Meine Mutti hat aufgrund des Rollstuhls (und weil es sonst irgendwie komisch wäre) eine eigene Kabine. Meine Frau und ich teilen uns das Quartier. Wir haben jeweils eine Veranda-Kabine und so wie ich den Mann an der Rezeption verstanden habe, besteht unsere Buchung im wesentlichen daraus, dass wir alles kostenfrei Essen und Trinken können, was nicht bei 3 auf einem Baum sitzt. Da es auf dem Meer relativ wenig Bäume gibt, werden wir in gut einer Woche auch sehr sicher ein wenig zugenommen haben.
Gestartet sind wir heute in Kiel. Das darf man sich so vorstellen, dass wir keinen Parkplatz mehr bei AIDA buchen konnte. In der Folge habe ich ein Parkhaus am hiesigen Busbahnhof gefunden und einen Dauerstellplatz für die Woche gebucht. Preislich ist das völlig ok. Vom Weg her würde ich mich auch nicht sonderlich beschweren. Man geht etwa 15 Minuten vom Parkhaus bis zum Schiff. Den Regen auf dem Weg hätte ich jetzt nicht gebraucht aber da ich auch vorhabe in wenigen Tagen als Vikinger zu gelten, war das frontale Nass auf dem Weg schon mal eine gute Abhärtung.
Bei AIDA angekommen habe ich erstmal ein paar Karma-Punkte verbraucht. Man muss als Passagier vorab seine Koffer abgeben. Das tat ich auch. Und zwar so, dass ich von rechts kommend auf einen Mann zuging, ihm meine Koffer in die Hand drückte und wieder ging. Beim gehen stellte ich fest, dass von links kommend eine Schlange an Menschen wohl eher mäßig begeistert von dieser Aktion waren. Da ich aber keine Koffer mehr hatte (sie aber schon), konnten wir recht schnell von dannen ziehen.
Bei unserem Check in muss ich sagen… ich bin ein schlechter Mensch. Ich denke, dass ich ab sofort nur noch mit meiner Mutti oder jemanden im Rollstuhl reise. Die Halle vom Pier war irre voll. Ungelogen standen dort Tausende Menschen. Das wäre recht sicher eine immense Wartezeit geworden…. wenn wir nicht direkt am Eingang abgefangen worden wären. „Mit dem Rollstuhl bitte direkt zum ersten Fahrstuhl“. Aye Aye Sir!
Die erste Stunde warten hätten wir damit erfolgreich übersprungen. Der Sicherheits-Check war ähnlich voll. aber wieder nicht für uns. „Bitte gehen Sie direkt zum Schalter hier vorn“. Aye Aye Sir!
Jetzt nur noch Bordkarten abholen. Ihr ahnt was kam – „Bitte nutzen Sie die Überholspur“. Ich kam aus dem Aye Aye Sir sagen schon gar nicht mehr raus. Zwischen Koffer abgeben und auf dem Schiff sein vergingen etwa 15 Minuten. Ich glaube, dass AIDA insgesamt gut organisiert ist, aber dass ist bestimmt ein Rekord.
Auf den Zimmern angekommen, fiel auch erstmal einiges an Last von mir. Die Fahrerei nach Kiel. das Packen die ganze Aufregung der letzten Tage und Wochen… es hatte sich einiges gesammelt und mit mal steht man auf dieser schwimmenden Stadt und schaut in den Kieler Hafen.

Okay. Die Sicherheitsübung erduldet man dann kurz mal und ehe man sich versieht, steht man auf dem Schiff mit der Frage: Was machen wir jetzt eigentlich hier?
Es war kurz nach 15 Uhr, als wir beschlossen, dass ersten der gefühlt 1.000 Restaurants zu probieren. Wir waren im Fuego. Im Vorfeld hatte ich bei YouTube so Sachen gehört wie „Die Restaurants unterscheiden sich vom Ambiente und den Speisen“. Was die Speisen angeht, kann ich mir natürlich noch kein Urteil erlauben. Bezüglich des Ambiente…. ich bin unsicher ob sehr sehr viele Menschen auf einen Haufen unter die Kategorie „Ambiente“ fallen.
So oder so haben wir gegessen wie die Scheunendrescher. Burger, Pommes, Eiscreme… ja, in einer Woche bin ich sehr sicher kugelrund. Fürs Protokoll: Ich habe Sportsachen mit und ich bin versucht das hiesige Fitnessstudio tatsächlich mal zu benutzen. Die Zeit wird zeigen, ob es beim ehrenvollen Gedanken bleibt oder mal Realität wird.
Das Highlight des Tages ist dann wohl die Abfahrt. Dank unserer Veranda-Kabine saßen wir um 17 Uhr draußen und schauten, wie dieses Ungetüm von einem Schiff sich in Bewegung setzte.

Wir fuhren durch die Kieler bucht und staunten nicht schlecht, was alles zu sehen war. Ein paar Möwen begleiteten uns während kleine Schiffe, Strände, ein U-Boot und vieles mehr an uns vorbeizog.



Es ist schon sehr beeindruckend und ich kann spontan gut nachvollziehen, warum so viele Menschen in einer Kreuzfahrt ein unvergessliches Erlebnis sehen.
Müsste ich eine Schattenseite benennen, dann ist das wohl jetzt schon die Fahrstuhlsituation. Wir sind in der 14. Etage und allein wegen des Rollstuhls auf die Fahrstühle angewiesen. Es gibt derer 8 – für eben etwas mehr als 6.000 Menschen… ja… Als Einzelperson oder Paar mag man sich noch mal schnell irgendwo reinquetschen. Mit einem Rollstuhl ist die Welt eine andere. Ich erahne, dass ich die kommenden Tage mal „ausversehen“ jemanden über den Fuß fahre oder womöglich, in Folge von mehreren unglücklichen Zufällen, jemanden über Bord werfe. Ich hatte letzte Woche noch gescherzt, dass ich nicht bereit wäre, für einen Mord auf internationalen Gewässern. Tja.. es hat keine 4 Stunden an Bord gebraucht….
Wie dem auch sei. Der heutige Tag geht unterm Strich als Erfolg in die Geschichtsbücher des reisenden Murphys ein. Ich bin voller Vorfreude und insgesamt denke ich, werden wir hier eine gute Zeit haben. Morgen ist ein reiner Seetag. Meine Frau hat bereits so Dinge gerufen wie „Handtaschenladen“ und „Kletterpark“. Es wäre ja aber auch gelacht, wenn nicht auch irgendwas für mich auf diesem Schiff zu erleben ist.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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