Wo steht eigentlich mein Mietwagen?
Alle die mit mir auf Kaperfahrt waren, müssen Männer mit Bärten sein. Und alle die mit mir auf Kreuzfahrt sind, müssen aushalten, dass ich hier neu bin und quasi alles kommentiere, was ich sehe / mache / esse / erlebe oder mit dem ich sonst wie interagiere.
Habe ich mir heute Eisbecher Tipps von einem kleinem Mädchen geben lassen? Klar! Habe ich ein Fotoshooting mit einem Kellner besprochen? Auf jeden Fall! Stand ich nichtrauchend auf dem Raucherdeck und habe ich nach einer minimalen Panikattacke (aufgrund der Höhe) Fotos geschossen? Ihr ahnt es… ich bin ein wildes Urlaubstier und ich tue wilde Urlaubstierdinge!
Ich bin nun mal der menschgewordene Individualurlauber und nüchtern damit in der Urlaubswelt ein Fremdkörper auf einem Kreuzfahrtschiff. Aber wenn wir schon hier sind, dann ziehe ich auch das volle Programm durch.
Am heutigen ersten reinen Seetag war die Herausfordung: Was macht man eigentlich auf so einem Schiff? Klar, man könnte sich durch etwas mehr als 20 Restaurants futtern und würde wohl ausnahmsweise mal nicht säuseln „ich habe doch gar nichts gegessen“ wenn die Waage explodiert. Aber wo wäre da das Erlebnis?

Wir haben es bei einem Restaurant zum Frühstück belassen. Allein der Umstand, dass es etwa 329 unterschiedliche Zubereitungsformen von Eiern gab, soll an dieser Stelle verdeutlichen, dass ein Restaurant aber auch mehr als ausreichend ist. Wenn euch jemals jemand sagt, dass so ein Kreuzfahrtschiff wie eine kleine Stadt ist – sagt nein, es ist ein schwimmendes All you can eat Buffet der Extraklasse.
Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es für uns heute mal zum Barrierefreiheitstreff. Ein kleiner Service der AIDA, bei dem man sich noch mal extra um Menschen kümmert, die an anderen Stelle mehr Pech im Leben hatten. Es ist eine kurzweilige halbe Stunde, die noch mal ein paar nette Infos gibt und uns tatsächlich sehr gut für die kommenden Tage gewappnet hat. Wir wissen jetzt schon vor allen anderen, welche Ausgänge wir nehmen sollten oder wo die Busse ebenerdig sind. Das gibt bereits jetzt das wohlige Gefühl, dass die Organisation auch bei den Ausflügen gut klappen wird. Spätestens morgen werden wir dann in Bergen auch das erste mal sehen, wie gut es denn tatsächlich funktioniert. Aber wie gesagt, ich bin guter Dinge. Übrigens, diese kleine Runde fand in einer Bar statt. Überall um uns rum hingen so transparente Kugeln an Fäden. Ich habe noch nie in so einer edlen Umgebung Informationen erhalten.

Der nächste Tagesordnungspunkt sollte „shoppen“ werden. Nun ist weder meine Mama noch meine Frau so eine richtige Shopping-Furie. Wir haben die sagenhafte Ausbeute von zwei Kühlschrankmagneten, einer Postkarte und zwei T-Shirts zustande bekommen. Das Ganze hat etwa 10min gedauert und war damit auch in meinem Geduldsrahmen völlig fein angesiedelt.
Auf der Habenseite gab es durch die Tour auch die Möglichkeit ein paar Ecken des Schiffes zu sehen, die ich sonst wohl eher nicht so oft sehen würde. Wir kamen zum Beispiel an einer Kunstgalerie vorbei.

Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an meine Frau. Sie hat extra für dieses Foto einen gesamte Gang voller Menschen zum Stillstand gebracht. Aus mir unerklärlichen Gründen, bleiben Menschen stehen, wenn sie meine Frau mit einer Kamera bewaffnet sehen. Mir soll es recht sein.
Ein weiteres Fundstück aus unserem Spaziergang war eine Bar namens „The Cube“. Die hatte zwar geschlossen aber ich war doch neugierig, wie es dort wohl aussieht. Auch stand ein Schild vor der Bar, dass die Bar erst ab 18 Jahren ist. Das steigert natürlich noch einmal mehr die Neugier.

Optisch ist es halt eine Bar. An vielen Tischen und Wänden sieht man so Bäume und Grünzeug. Warum die Bar ab 18 ist, hat sich mir nicht erschlossen. Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht wissen.
Wir gingen dann irgendwann wieder zurück ins Zimmer und ich habe eine neue Leidenschaft von mir entdeckt: Hängematten.
Okay, Butter bei die Fische: Hängematten sind megageil! Also – folgende Situation. Aus Gründen hat jemand mal dieses Schiff gebaut und bei den Kabinen mit Balkon gedacht „Hey, so eine Hängematte….“ und er hatte verdammt recht. Ein Ende wir am Geländer befestigt, das andere Ende an der Wand. Et voila – eine neue Welt der Entspannung ist geboren.

Zugegeben, der Wind ist mitunter etwas frisch aber dafür hat der liebe Herrgott uns ja Decken geschenkt und in meinem Fall sogar noch etwas körpereigene Isoliermasse in Form von Bauch. Aber selbst mit dem kühlen Wind…

Wer jetzt anmerkt, dass Socken wohl auch geholfen hätten, ein wenig weniger zu frieren – hat vielleicht recht. Aber wir wollen uns hier nicht mit Details und Fakten aufhalten.
Die Hängematte verdient sich in jedem Fall 10 von 10 Sternen. Tatsächlich war es so, dass ich zum Nachmittag mal eine Runde Mittagsschlaf für eine gute Idee hielt. In zwei Decken verpackt, lag ich als Mumie in meiner Hängematte und war sehr zufrieden mit der Welt. Wer hätte denken können, dass Schiffsreisen an Wert gewinnen, weil man in einer Hängematte liegt? Wieder was gelernt.
Da meine Frau feststellte, dass draußen schlafen bei 12°C womöglich kontraproduktiv für die Fortsetzung des Status „gesund“ sein könnte und mich in der Folge ins Zimmer bat, endete meine Romanze mit der Hängematte dann nach kurzer Zeit aber schon wieder.
Wir hatten nun aber die Situation, dass sie sich schlafen legte, während ich wach war. Kurzerhand bin ich dann noch mal alleine losgelaufen. Auf einem mittleren Deck erregte eine Tür meine Aufmerksamkeit. Auf ihr war zu lesen „Für Raucher reserviert“ und augenscheinlich führte sie nach draußen. Vor Jahren habe ich mal geraucht. Damals hat man mir erzählt, dass der Teer noch Jahrhunderte in meinem Körper zirkulieren wird. Das reicht aus, um als Raucher zu gelten, oder? Jedenfalls bin ich dann mal auf die Raucherinsel gegangen. Und was soll ich sagen? Der Ausblick war schon sehr geil.

Man steht vielleicht 10 Meter über all dem, was das Schiff mit dem Wasser anstellt. Wellen vermengen sich mit Fahrwasser und Spritzen wild umher. Das ganze Getöse findet unter den Rettungsbooten statt und hat insgesamt einen äußerst wilden Eindruck auf mich gemacht. Ich fands auch sehr nett, dass man den Rauchern so Heizstrahler an die Wand gebaut hat. Denn vielleicht weht sie der Wind weg, vielleicht duschen sie unfreiwillig durch das Getöse des Ozeans – aber der Popo ist durchgehend gut gewärmt.
Während ich so auf Erkundungstour war und wild meine Fotos machte, stolperte ich irgendwann auf das Deck 18. Man liest dort am Fahrstuhl, dass es sich um das Sportdeck handelt. Als erstes fielen mir dort ein paar Figuren auf, die scheinbar als Fotomotiv dienen sollen.

Ich bemerkte noch schnell genug, dass Luftlinie 20m von dieser Figur der FKK-Bereich ist. Mein Bauch sagt mir, dass Kameras an FKK Stränden eine sehr eigene Wirkung haben und ich diese nicht kennenlernen will. Tatsächlich habe ich es dann vorgezogen, einen kleinen Umweg zu gehen. Vorbei an Strandkörben und einem Joggingkurs umrundete ich das Deck und ging zufrieden mit meiner Ausbeute noch mal in die Mitte des Schiffes. Dort fand ich erneut eine Bar – namentlich die Rock Box.

Die macht zwar auch erst um 21.30 Uhr auf und lies mich damit vor verschlossen Türen stehen. Da die Türen und Wände aber sehr viel Bezug zum Thema Musik hatten, fand ich das gar nicht mal schlimm. Immerhin gab es mir die Möglichkeit noch ein wenig mit meiner Kamera zu spielen.
Kurz darauf bin ich aber doch wieder zurück aufs Zimmer und habe mit meiner Frau und meiner Mutter den Kampf gegen einen Schuh verloren. Ein Reisverschluss hat sich beim Schuh meiner Mutter derart dumm verfangen, dass drei Erwachsene mit Scheren und Gewalt es nicht schaffen konnten, ihn wieder zu öffnen.
Da unser Shoppingabenteuer vom Vormittag noch halbwegs im Gedächtnis war, wussten wir immerhin, wo wir neue Schuhe finden könnten. Gesagt getan. Wenig später nannte meine Mama ein neues paar Schuhe ihr eigen. Wir sind direkt vom Schuhladen dann ins Restaurant und haben einmal mehr viele zu viel gegessen.
Es war übrigens auch in diesem Restaurant (wenngleich bereits schon zum Mittagessen) als ich an einer Eistheke stand, mir meine Kugeln Eiscreme in eine Schale machte und von etwa Hüfthöhe eine junge weibliche Stimme hörte, die so etwas sagte wie „Also ich würde das ja anders machen“. Kurze Zeit später hatte ich noch Sahne, Krokant und Streusel auf dem Eis. Soll niemand sagen, dass ich mich nicht belehren lasse.
Jedenfalls gab es wieder mal eine vortreffliche Mahlzeit. Damit sollte der Abend aber nicht zu Ende sein. Kurzentschlossen saßen wir auf einmal im Theatrium des Schiffes. Es sollte eine einstündige Musikshow folgen. Und wenn wir schon mal da sind, nehmen wir die natürlich auch mit.

Eine virtuelle Band spielte im Hintergrund die Instrumente, während sechs Sänger:innen auf der Bühne performten. Manche Songs sangen wir sogar mit, andere Songs habe ich in meinem Leben noch nie gehört. Es war eine sehr kurzweilige Show und spätestens jetzt, bin ich doch als echter Kreuzfahrer im Tourimodus angekommen.
Nach der Musik gab es auf der gleichen Bühne noch ein Interview mit dem Kapitän. Das haben wir uns dann auch direkt noch gegönnt. Aus Gründen haben wir uns zu dem Interview dann noch Cocktails bestellt. Ich sags mal so – es war sehr lecker. Aber ich bin auch recht sicher, dass ein Pina Colada nicht brennbar sein sollte. War er aber… naja egal, ich beschwere mich nicht.
Das Interview mit dem Kapitän entpuppte sich als erstaunlich unterhaltsam. Der Mann pflegt einen sehr trockenen Humor und ehe man sich versah, lachte man eine gute halbe Stunde über seine Ausführungen von seinem Beruf.
Joa, und nun ist es 22 Uhr durch, ich sitze im Zimmer, schreibe diesen Blog und denke, dass der Tag insgesamt doch eine runde Sache war. Morgen früh sollen wir in Bergen ankommen und unseren ersten Landgang haben. Das wird bestimmt auch noch mal aufregend. Ich freue mich aber jetzt schon sehr drauf.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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