Am Ende eines Abenteuers
Der letzte Abend auf der AIDAnova. Heute war ein reiner Seetag. Morgen gegen 6.30 Uhr werden wir in Kiel vom Schiff gehen. Das GefĂŒhl von Urlaub und der Entfernung zum Alltag bleibt jedoch leider auf dem Schiff. Vielleicht winkt es uns noch zum Abschied. Dass dieses GefĂŒhl uns nach Berlin begleiten wird, ist aber ziemlich unwahrscheinlich. Jeder, der in den Urlaub startet, weiĂ auch, dass der Tag kommt, an dem es endet. Aber lasst uns nicht gleich schwermĂŒtig beginnen. Die Woche brachte neue und schöne Erkenntnisse und allein deshalb vieles, was bleiben wird. Soweit kann ich mich wohl auch bereits aus dem Fenster lehnen: Es war eine sehr schöne Woche.
Bevor es aber ins Fazit geht, gönnen wir uns schnell einen Ăberblick ĂŒber den heutigem Tag. FrĂŒhstĂŒck: wie immer top. Danach waren wir in der „Nautischen Stunde“. Der KapitĂ€n beantwortet eine Stunde Fragen aus dem Publikum. Das war nicht huijuijui aber auch nicht langweilig. Es nimmt bequem eine Stunde von der Uhr.

Im Anschluss waren wir dann kurz mal im Casino. Meine Mama war noch nie in einem Casino und ich finde, dass man allein deshalb darĂŒber hinwegsehen kann, dass man sehr sicher dort Geld verliert.

Fakt ist: Meine Mama saĂ am Automaten, drĂŒckte munter auf die Knöpfe und auf einmal wurden aus 20 Euro ĂŒber 30 Euro. Dann kamen meine Frau und ich und das Geld war verschwunden. So kann es gehen. Der ganze Zauber dauerte vielleicht eine halbe Stunde. In dieser Zeit haben wir uns aber gut amĂŒsiert. Ich könnte also auch die These aufstellen, dass wir dreiĂig Minuten SpaĂ fĂŒr drei Erwachsene hatten und dafĂŒr 20 Euro ausgegeben haben. Da gab es in der Vergangenheit auf jeden Fall schon schlechtere Investitionen von mir. Am Ende war es ein kurzes Intermezzo im Tag – hat man dann mal gemacht.
Unserer weiterer Weg fĂŒhrte uns ins Theatrium. Unser Stammkellner war auch schon dort und so bekamen wir eine weitere Chance, die alkoholfreien Cocktails zu probieren. Auf der BĂŒhne lief wĂ€hrenddessen eine Probe fĂŒr eine der Shows.

Und dann ging es auch schon ans Koffer packen. Ich persönlich könnte das innerhalb weniger Augenblicke regeln aber sowohl meine Frau als auch meine Mutter haben da andere AnsprĂŒche. Mein mĂ€nnliches Gen will nicht recht einen Sinn darin sehen, warum man schmutzige WĂ€sche ordentlich zusammenlegt. Bislang ist mir auch kein Koffer untergekommen, den ich nicht mit roher Gewalt hĂ€tte schlieĂen können. Aber gut – mein Auftrag wĂ€hrend des Packens bestand darin, dass ich dösend auf dem Bett lag und damit nicht im Weg bin. Immerhin kann ich mit dieser Art der Arbeitsteilung ganz okay leben.
Der Rest des Tages bestand dann aus viel umher schlendern. Mal saĂen wir hier, mal dort. Mal schauten wir ein bisschen, was im Theatrium lĂ€uft und mal spazierten wir ĂŒber das Sonnendeck. Man merkt eben doch, dass es der letzte Tag ist. Man nimmt noch mal alles ein bisschen mit und schwelgt viel in der GlĂŒckseligkeit der vergangenen Tage.
Zum Abendessen wurden heute auch noch mal richtig dicke Kaliber ausgefahren. Wo sonst relativ unspecktakulĂ€res Schwein lag (weil Speck… und Schwein… ich fands lustig)… jedenfalls, dort wo sonst das Schwein lag, waren heute sehr geil gebratene Rindersteaks aufgetischt. Es gab auch glasierte Ente und Scampi. Heute wollte der Koch es offensichtlich noch mal wissen. Mir war das sehr recht. Auf dem Weg zurĂŒck ins Zimmer fanden wir dann auch noch eine scheinbar ĂŒbliche AIDA Torte.

Als letzte Amtshandlung (vor dem Beitrag natĂŒrlich) saĂen wir bei soliden 20°C und strahlendem Sonnenschein auf dem Balkon. Ein paar leichte Wellen umgeben uns und irgendwo am Horizont sieht man etwas, was wohl DĂ€nemark ist. So schnell vergeht eine Woche.
Und damit sind wir wohl auch beim Fazit. Joa – der Floskelgenerator hĂ€tte eine Menge Möglichkeiten, diese Woche zusammenzufassen, ohne richtig klar eine Stellung zu beziehen. Ich will es aber mal versuchen, klare Gedanken zu formulieren.
Ich bin im Herzen ein Individualurlauber. Ich mag es, mich in einen Mietwagen zu setzen und unabhĂ€ngig zu sein. Offensichtlich kann eine Kreuzfahrt meine BedĂŒrfnisse in diesem Bereich nicht sinnvoll oder nur sehr oberflĂ€chlich bedienen.
Gleichzeitig muss ich sagen, hatte ich vorab durchaus Sorgen, wie schlimm es hier fĂŒr mich werden könnte. Ich befĂŒrchtete durchgehenden Stress, permanente nervige Animation und ein typisches Klientel an Menschen und das sich das alles mehr und mehr hochsummiert, bis ich irgendwann wippend in der Ecke sitze und hoffe, dass alles bald vorbei ist. Und ehrlich gesagt… es verlĂ€uft sich doch sehr. NatĂŒrlich sind viele Menschen auch auf einem Schiff viele Menschen. Aber man findet seine Ecke, wo man in Ruhe sein FrĂŒhstĂŒck isst oder seinen Cocktail schlĂŒrft. Mehrheitlich hatten wir sehr gute Erfahrungen im Fahrstuhl-Smalltalk oder auch mal mit unseren Tischnachbarn. Das war tatsĂ€chlich sogar sehr angenehm. Die breite Masse will selbst einfach Ruhe und eine gute Zeit und verhĂ€lt sich dementsprechend.
Bei den AusflĂŒgen treffen dann aber wirklich unterschiedliche Welten aufeinander. Wenn ich sonst etwas fĂŒr den Urlaub plane, dann passiert es durchaus, dass wir stundenlang am Zielort allein sind. Die Recherche fĂŒr solche Orte braucht aber ebenfalls Stunden und kostet mitunter sogar richtig Nerven. Auf der AIDA spreche ich irgendwen vom Ausflugsteam an und habe damit Transfer, den Guide. die Fahrt und im Zweifel sogar den passenden Kaffeestop bereits in der Tasche. Es ist verdammt bequem – kostet dafĂŒr dann aber auch noch mal einen Taler mehr. Man könnte die Situation also auch auf die Frage runterbrechen, was einem wertvoller ist: Zeit oder Geld. Denn eins von beiden wird die jeweilige Planung verbrauchen.
Ich glaube, ich werde kein reinrassiger KreuzfahrtengĂ€nger mehr in diesem Leben. DafĂŒr gibt es einfach zu viele Dinge auf der Welt, wo nicht mal ein Schiff hinfĂ€hrt und wo es mir auch schlicht ein BedĂŒrfnis ist, sie exakt nach meinen WĂŒnschen zu planen. Aber wenn mich jemand fragt, ob ich noch mal auf eine Kreuzfahrt gehen wĂŒrde? Ja klar. Vor allem, wenn es vielleicht mal heiĂt „Wir haben noch eine Woche Urlaub ĂŒbrig und wissen so gar nicht wohin…“ Warum nicht eine Kreuzfahrt?
Ich wĂŒrde einige Dinge bei einem „nĂ€chsten mal“ sicherlich anders planen. Aber ich wĂŒrde auch sagen, fĂŒr meine erste Kreuzfahrt, habe ich mich hier sehr respektabel geschlagen.
Unterm Strich haben wir viel von Norwegen gesehen, hatten viele Entspannungsmomente und nebenbei auch unverschĂ€mtes GlĂŒck mit dem Wetter. Ich will sagen, es war schön und es hat ja sogar funktioniert, dass ich gutes Internet hatte und tĂ€glich mein Tagebuch schreiben konnte. Was will man mehr von so einer Woche? Eben – das passt schon sehr gut.
Was am Ende bleibt, sind drei lange Töne und dieses mittlerweile sehr nervige „sail away“ Lied. Wie immer darf ich mich bedanken, dass es scheinbar wirklich Leute gibt, die meine Reisen verfolgen und sich meine Gedanken dazu durchlesen. Ich hoffe, ich konnte euch ein stĂŒckweit mitnehmen oder auch hier und da gut unterhalten. Wir lesen uns dann hoffentlich bei der nĂ€chsten Reise wieder.

Habe die Ehre
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