Highlights, die nur Island kann
Es ist Tag 2 und wir sind bereits voll im Islandmodus angekommen. Es war ein aufregender Tag mit vielen Highlights und Dingen, die ich fein-säuberlich kundtun möchte. Starten möchte ich, mit dem praktischen Liebesbeweis meiner Frau an mich. Sie weiß sehr genau, dass ich vor ihr wach sein werde. Heute mündete das darin, dass ich im Wohnzimmer für mich vorbereitet meine Wandersachen fand. Ich konnte den Tag also schon mal starten, während sie noch 1-2 Stündchen das Bett hütet. Für manche mag Romantik mit Herzchen und Rosenblüten im Schlafzimmer verbunden sein. Bei uns liegen eben die wetterfesten Hosen auf dem Wohnzimmertisch. Ich find das gut so.
Es war kurz nach 6 Uhr, als ich besagte Klamotten an- und selbst dann von dannen zog. Unweit unserer Unterkunft, so sagt zumindest Google Maps, soll ein Aussichtspunkt sein. Mein Plan war, dass ich voller Tatendrang das kleine Dorf namens Grundarfjörður allein durchquere und sehe, was es zu bieten haben wird.
Als erstes bin ich an einem Kindergarten vorbei. Morgens um 6 Uhr noch ohne Kinder aber auch sonst nichts, was einen Touristen irgendwie interessieren könnte. Eine Straße weiter fand ich dann eine Art Kunstausstellung. Ich bin unsicher, was genau der Künstler dort ausdrücken wollte. Immerhin fand ich die recht blasse Variante von Saurons Auge, direkt in der Blicklinie des benachbarten Kirkjufell.

Allzu lang begeisterte mich das allerdings nicht. Deshalb bin ich dann weiter zur Wasserkante und stand dann tatsächlich in den Morgenstunden vorm majestätischen Kirkjufell. Zwischen ihm und mir plätscherten ein paar Wellen und hier und dort wunderte sich ein Vogel darüber, warum ich zu so einer Zeit dort stehe.

Der Start in den Tag war gelungen. Zumal mein Entschluss zurückzugehen gefolgt wurde, vom ersten Regenschauer des Tages. Mein Timing war also schon mal großartig. Ich wurde kaum bis gar nicht nass. So darf es gern bleiben.
Meine Frau konnte sich dann auch so langsam dafür begeistern, das Bett zu verlassen. Ich sprang noch schnell unter die Dusche und genoss das typisch isländische Wasser, was irgendwie nach Eiern riecht aber sonst wohl zu den besten der Welt zählt. Zumindest behaupte ich das jetzt hier. Ist schließlich mein Tagebuch und ich liebe Island.
Jedenfalls sah es draußen dann insgesamt aber doch noch recht nass aus. Wir beschlossen, dass unser erster Stopp ein weiterer Aussichtspunkt für den Kirkjufell werden sollte. Hier in dieser Region ist im Grunde jeder popeliger Parkplatz ein Aussichtspunkt. Die Kunst ist, einen zu finden, an dem man allein ist. Ein paar Fotos später beschlossen wir dann zum Kirkjufellsfoss zu fahren. Der ist quasi gleich nebenan.

Es sollte sich herausstellen, dass dort gerade auch gebaut wird. Der wohl berühmteste Anblick, bei dem man den Wasserfall und den namensgebenden Berg gleichzeitig sieht, ist im Grunde nur dann möglich, wenn man nicht davor zurückschreckt, durch den Fluss zu gehen.
Auch wenn eine Flussüberquerung ohne Brücke auf meiner Bucketliste steht, habe ich vorgezogen heute keine nassen Füße zu bekommen. Stattdessen habe ich mich mit meiner Kamera in Nahaufnahmen und Slowmotionvideos geübt.

Der Plan sah dann so aus, dass wir gute zwei Stunden in den Osten fahren. Ich wollte gerne zum Hraunfossar und das Wetterradar machte uns Hoffnung, dass wir vielleicht sogar hier und dort ein wenig Sonne erleben könnten. Ihr ahnt es schon – denn genau so kam es dann auch. Wir sind eben Urlaubsprofis.

Wir waren insgesamt immer noch ein gutes Stück von einem sonnigen Sommertag entfernt. Aber für unsere Bedürfnisse war das völlig ok. Ab und zu tröpfelte es. Ab und zu gab es Wind. Die meiste Zeit war es einfach schön. Ich ertappte mich dann irgendwann sogar dabei, dass ich mich auf den Boden setzte und gefühlt jeden Wassertropfen einzeln beobachtete und anschließend versuchte ihn auf ein Foto zu bannen.

Vor Ort gab es dann auch noch eine Tasse Kaffee und Tee für uns. Im kleinen Laden wurden außerdem selbstgemachte Kekse angeboten und wenn wir schon mal hier sind, probieren wird die natürlich auch gerne.
Gestärkt führte uns unser Weg dann wieder zurück nach Snæfellsnes. Genauer gesagt ging es zum Bjarnarfoss. Einem wirklich hübschen Wasserfall.

Ursprünglich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, dass ich den Trampelpfad den Berg hinauf gehe. Dorthin, wo der Wasserfall auf die kargen Steine einschlägt und recht sicher eine beeindruckende Gischt erzeugt.
Mein Selbsterhaltungstrieb hob dann allerdings doch recht entschlossen die Hand und wies mich darauf hin, dass ich manchmal schon Gleichgewichtsschwierigkeiten habe, wenn ich auf einem 10cm hohem Stepper stehe.
Der Weg nach oben hatte teilweise (für mich) sehr hohe Steine. Das eigentliche Problem war aber, dass der Weg aus Schlamm, Matsch und nassem Gras bestand. Ich vermute, man hätte sich noch irgendwie hochkämpfen können. Aber wie kommt man dann wieder in einem Stück runter?

Meine Frau und ich haben uns angewöhnt „Better safe than sorry“ zu sagen. In diesem Geiste probiere ich so einen Weg dann eben gar nicht erst aus. Ist das Schade? Schon ein wenig. Ist das trotzdem die bessere Entscheidung? Absolut.
Und es gibt ja am Ende auch keinen Grund, wirklich traurig zu sein. Wir sind nämlich einfach weiter gefahren und Island hatte selbstverständlich noch ein paar Highlights für uns parat.
Vorher mussten wir allerdings im Blindflug über einen Pass fahren. Beim Berg nebenan hatte sich eine Wolke aufgehangen und war nun der Meinung, dass mehr als 25m gucken heute Luxus ist, auf den man auch einfach mal verzichten kann.

Zum Thema „better safe than sorry“… ich hab dann einfach alle Lichter angemacht, die das Auto hat und bin etwas langsamer gefahren. Insgesamt war die Fahrt dann gar nicht mal so schlimm. Und selbst zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch viel guten Mut, dass der heutige Tag noch etwas für uns bereithalten wird. Und so kam es dann auch.
Direkt auf dem nächsten Parkplatz wurde es erstmal richtig kitschig. Es erschien ein Regenbogen, wie er in einem Bilderbuch nicht schöner sein könnte. Die Farben strahlten und wir taten es ihnen gleich.

Das Wetter wusste zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht mehr, was es will. Sonne, Wind und Regen waren einfach alle gleichzeitig da oder eben auch nicht.
Wir gingen einen malerischen Weg entlang und wirklich alle 100 Meter waren Licht und Wetter anders. Es war schon sehr faszinierend. Und wenn ich sage malerisch, dann meine auch wirklich malerisch.

Im Detail kamen wir dann auch an kleinen Flussläufen vorbei. Die waren hier und dort gespickt mit Findlingen und immer wieder zierte ein Regenbogen dazu den Hintergrund. Man hat das Gefühl, man läuft durch einen Fantasyroman.

Da das Wetter für Islandnovizen wohl doch zu eigenartig anmutete, waren wir trotz der eigentlich ganz schönen Bedingungen am Ende ganz allein beim Svöðufoss.

Wir machten natürlich ein paar Fotos und Videos aber dann standen wir auch einfach eine Weile dort und genossen den Moment. Man wird ganz klein und groß zugleich, wenn man die Erhabenheit einer solchen Schönheit erleben darf.
Irgendwann, wie sollte es anders sein, kam dann aber natürlich doch noch ein anderer Mensch. Ich würde sagen, er war Spanier. Er sprach aber weder deutsch noch englisch und selbst sein spanisch war… na sagen wir mal so, wir haben uns überhaupt nicht mit Wörtern unterhalten können.
Ich bin aber natürlich Tourist genug, als das ich es verstehe, wenn ein einzelner Mensch auf seine Kamera und dann auf einen Wasserfall zeigt. Also nahm ich seine Kamera, er positionierte sich und ich schoss fröhlich drauf los.
Was viele ja nicht wissen ist, dass ich dazu neige aus dem Nichts heraus direkt ein Fotoshooting zu machen. Du willst nur ein Foto? Pech! Ich finde instinktiv 38 Perspektiven und bin so in meinem Tunnel, dass du deine Kamera auch erst zurückkriegst, wenn ich zufrieden bin.
Jedenfalls schaute er sich dann die Bilder an, die ich gemacht habe und ich will sagen, er war zufrieden. Mit Händen und Füßen und einzelnen Lauten kam bei mir an, dass die meisten Leute ihn immer mittig auf Fotos platzieren. Ich tat das nicht. Er war am Rand, der Wasserfall zentral und aus jedem Winkel gab es einen Rahmen durch die Felswände und den Himmel. „You, ok, good Foto“ waren seine exakten Worte. Ich denke einfach mal, das war ein Kompliment.
Da dann ein wenig die Poesie aus dem Moment verschwunden war, haben wir noch kurzerhand ein paar Blödelfotos gemacht. Man weiß, dass man in einer wunderschönen Natur steht, wenn selbst solche Fotos dann noch gut aussehen.

Danach ging es dann langsam wieder zurück in unsere Unterkunft. Wir hatten beide Hunger, mussten Pipi und so insgesamt war gestern schon ein sehr langer Tag und heute durfte gern etwas kürzer werden.

Zum Abendbrot gab es dann noch mal Rucola-Hotdogs und ein Glas Milch. Wir sind schon richtige Gourmets. Müsste ich noch was negatives am Tag finden, dann ist das wohl, dass ich auch heute im Grunde nichts von der Bucketliste geschafft habe. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.
Morgen geht es dann in die Westfjorde. Ich bin jetzt schon voller Vorfreude. Die alten Bloghasen wissen, dass ich kaum eine Region mehr mag, als die Westfjorde. Der Wetterbericht behauptet bislang auch, dass es trocken bleiben soll. Aber wenn ich so an heute denke… selbst wenn es nicht trocken bleibt, wird es am Ende doch sehr sicher schön werden.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
X
Stand der Bucketliste
| Aufgabe | Status | Beweisfoto |
|---|---|---|
| Erzähle einem Isländer einen Witz. Natürlich auf isländisch | offen | |
| Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schaf | offen | |
| Iss etwas typisches isländisches. | offen | |
| Halte eine Hand in einen Wasserfall | offen | |
| Finde Lavagestein in der freien Natur | offen | |
| Trinke Wasser aus einem wilden Fluss | offen | |
| Mach ein Foto von einem Regenbogen | offen | |
| Streichle ein Pferd | offen | |
| Baue einen Freund für Kleifakarl | offen | |
| Nasch isländische Lakritze | offen | |
| Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autos | offen | |
| Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollen | offen | |
| Sing ein isländisches Lied mit – egal wie gut du den Text kannst | offen | |
| Lass dich vom Strokkur berieseln | offen | |
| Überquere einen Fluss ohne Brücke | offen | |
| Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurant | offen | |
| Stehe im Dampf in einem Geothermalgebiet | offen | |
| Gib einem Ort einen Wikingernamen, den du dir selbst ausgedacht hast | offen | |
| Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmel | offen | |
| Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörst | offen |
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