Ruhig

Ein langsamer Tag

Ja, es ist passiert. Ein Tag, der mal wenig Action bot und das auch vollkommen beabsichtigt. Hätten wir gewollt, wir hätten den Tag wohl einmal mehr problemlos mit allmöglichen Highlights füllen können. Aber heute fühlte sich nach einem guten Tag an, um vielleicht doch mal langsamer zu machen.

Das Wetter jetzt vorzuschieben, wäre auch falsch. Ja, es regnete hier und dort immer mal wieder. Aber eigentlich waren die paar Tropfen kaum der Rede wert. Im Normalfall hätten die uns auch nicht aufgehalten. Aber heute, heute war die Stimmung dann so, dass weniger auch mal mehr ist.

Der langsame Start in den Tag war ein Frühstück. Verurteilt mich soviel ihr mögt, aber ich hatte Rucola Hotdogs. Ich mach da keine Saucen, Senf oder sonstwas rein. Es ist einfach nur ein Brötchen, dann eine Scheibe Käse, eine handvoll Rucola und dann ein Würstchen. Ich erwarte jeden Augenblick den Anruf von Michelin, die mir meinen ersten Stern für dieses Rezept verleihen wollen. Sei es drum. Mich macht das glücklich und nichts anderes zählt in meinem Urlaub.

Nach dem Essen setzte ich mich auf die Couch. Wie so ein Wahnsinniger, der sich auch mal erholt. Kein „wir müssen los“ oder „es wird Zeit..“ – nein, ich nahm mir mein Handy und spielte online eine Runde Poker. Ich gewann meinen Tisch sogar und wäre es echtes Geld, wäre ich jetzt 12.500.000 € reicher. So sind es nur irgendwelche Goldcoupons, von denen ich keine Ahnung habe, wofür ich sie überhaupt gebrauchen kann. Aber hey – bis hierhin hatte ich Hotdogs und bin quasi ungeschlagen im Poker.

Dann hatten wir aber doch noch eine Sache geplant. Gestern meldete sich unser Auto und meinte trotz faktischer Nachweise des Gegenteils, dass der Reifendruck in einem der Vorderreifen zu niedrig ist. Es wäre gelogen, wenn ich sage, dass Europcar nur 5 Minuten von uns entfernt ist. Tatsächlich sind es nämlich nicht mal zwei Minuten.

Herzchenampel

Hinterm Schalter saß Christoph. Seines Zeichens Isländer und tiefenentspannt. Christoph beruhigte erstmal meinen männlichen Stolz, indem er auch nicht den TPMS Knopf fand, den mir die Europcar-Hotline gestern neben das Armaturenbrett reden wollte. Ich war also auch nicht blind. Indes schwand die Hoffnung auf eine Lösung des eigentlichen Problems spätestens dann, als er meinte, er hat auch keine Idee mehr und würde mal ein bisschen googlen.

Nachdem auch das erfolgslos blieb, fragte er noch mal nach, ob uns die Anzeige denn wirklich stört. Wir bejahten – sonst wären wir ja irgendwie auch nicht hier. Er stellte daraufhin fest, dass es relativ easy möglich wäre, dass wir das Auto tauschen. Er hätte nur gerade keins da. Aber wenn wir zum Nachmittag noch mal vorbeischauen könnten, kann er das regeln. Da wir noch gute zwei Tage hier in Akureyri sind, stimmten wir zu.

Um die Zeit zu überbrücken und um irgendwie doch noch ein bisschen was tourihaftes zu machen, zog es uns dann zu einem Highlight der Region. Namentlich der Goðafoss.

Als alter Islandhase stellt man dann bei der Anfahrt Dinge fest, die andere wohl eher kaum bis gar nicht bemerken. So hat zum Beispiel das Gasthaus am Goðafoss scheinbar nun endlich einen neuen Besitzer. Es stand eine Weile zum Verkauf und nun strahlt es doch ein wenig mehr. Nachteilhaft an dem Zustand ist allerdings, dass der neue Besitzer das Beparken seines Grundstücks nicht so lustig findet und deswegen überall Schilder aufgestellt hat, dass man woanders parken soll.

Fairerweise ist keine 100m weiter noch ein Parkplatz. Man übersteht diese Veränderung also recht problemlos. Am Goðafoss stellten wir dann fest, dass es doch sehr windig ist. Wisst ihr, die Kombination aus Wind und Gischt ist dann trotz aller Islanderfahrung auch heute unangenehm gewesen. Im Wind verwandelten sich die Wassertropfen dann auch gern zu Miniatur-Eisspeeren. Der Wasserfall selbst war trotzdem sehr hübsch.

Goðafoss

Auf dem Bild bekommt die Szenerie schon beinahe etwas post-apokalyptisches, oder? Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht. Es war ein bisschen raues Island und halt anders schön.

Wir nutzten die Anwesenheit am Goðafoss auch, um den Souvenirshop vor Ort mal wieder zu besuchen. Man kann da für zwei Euro Pipi machen gehen oder allmöglichen Krams kaufen. Zwischen Wolljacken und Eisbären-Kugelschreibern findet sich wohl für jedes Touriherz etwas. Bei uns wurde es am Ende ein Spiel, bei dem man raten muss, was isländische Redensarten bedeuten. So habe ich dann heute auch gelernt, dass es den Satz gibt „Er ist beim Papst für eine Runde Schach“. Dahinter verbirgt sich die Aussage, dass jemand am stillen Örtchen ist und Nummer 2 macht. Isländisch ist eine tolle Sprache.

Unser Entspannungstag ging dann auf einem Parkplatz weiter. Wie so oft in letzter Zeit zierten dort die schneebedeckten Berge den Hintergrund. Im Vordergrund findet sich ein bildschöner See.

Rastplatz

Würde man wollen, es gäbe hier sogar Bänke und Tische und man könnte ein richtig schönes Picknick veranstalten. Doch ich hatte ja schon Hotdogs und wetterbedingt wäre wohl auch alles essbare einfach weggeflogen, hätten wir es dort auf einen Tisch legen wollen. Naja, ein andern mal vielleicht.

Kurz vor Akureyri nutzten wir dann aber noch ein weiteres mal die hiesigen Rastplätze. Wenn man von Osten zur Stadt fährt, kommt man unweigerlich von einem Hügel herunter und hat einen ganz wunderbaren Blick auf die Stadt und den Hafen. Manchmal kann man von hier die ganz großen Kreuzfahrtschiffe beobachten. Heute waren da zwar keine zu sehen, aber es gab doch wieder ein recht stetiges Treiben und so lohnt es sich eben auch hier mal für ein paar Minuten zu verweilen.

Akureyri von oben

Zwischenzeitlich rief uns dann Christoph an. Er hat ein anderes Auto für uns auftreiben können und wir könnten vorbeikommen, es zu tauschen. Das war dann tatsächlich auch unsere nächste Aktion.

Nach nun knapp 2.200km trennten wir uns dann vom Kia und sagen hallo zum Toyota Rav4. Der Toyota ist auf jeden Fall noch mal eine Nummer größer und macht insgesamt auch deutlich mehr den Eindruck, ein Geländefahrzeug zu sein. Es ist nicht so, als ob ich beim Kia nun das Gefühl hatte, dass ich manche Strecken nicht fahren kann. Aber beim Toyota hat man schon sehr deutlich den Eindruck, dass die Straße, die dieses Ungetüm nicht fahren kann, erst noch gebaut werden muss (oder eben nicht gebaut… ihr kriegt die Idee).

Und was macht man dann mit einem solchen Geländewagen? Richtig, man fährt shoppen. Ich glaube ja, dass wir in einer Mall waren. Es ist nur so komisch das zu schreiben, wenn man weiß, wie es dort aussieht. Im Grunde ist es analog wie in Amerika oder auch in jeder Großstadt in Mitteleuropa. Ein Geschäft reiht sich ans nächste und man bekommt vermutlich alles, was das Herz begehrt. Es ist nur so, dass man die Menge an Menschen in der Mall problemlos an zwei Händen abzählen könnte. Es ist alles so… ruhig? Kein Gedrängel, kein Lärm – einfach ein paar Shops und gut ist es. Wäre das immer so, ich würde ja vielleicht sogar öfter mal shoppen gehen. Meine Ausbeute aus der Shoppingtour ist übrigens ein T-Shirt geworden.

Beste Shirt

Dann war es 14 Uhr und wir sind langsam wieder nach Hause. Ich hab mal eine Art Lammgulasch angesetzt und kann zum jetzigen Zeitpunkt schon sagen, dass das tatsächlich ganz okay gelungen ist. Ansonsten habe ich angefangen Postkarten zu schreiben. Meine nicht so wirklich heimliche Urlaubsleidenschaft.

Im Schreibmarathon

Ich glaube, es sind knapp 40 Postkarten, die ich dieses mal schreiben mag. Ich hab jetzt vielleicht 15 geschafft. Der Anspruch bleibt weiter, dass keine Karte inhaltlich einer anderen gleicht. Wer schon mal eine Karte von mir gekriegt hat weiß, dass dabei nicht unbedingt intelligente Texte entstehen. Aber ich bilde mir weiterhin ein, dass wohl jeder ein paar Momente lächeln kann, wenn er neben Werbung und Rechnungen eine Postkarte aus dem Briefkasten holt. Es ist dann manchmal doch recht einfach, ein bisschen Freude in die Welt zu bringen.

Morgen haben wir dann wieder klassische Urlaubspläne. Wenn das Wetter es erlaubt, geht es hoffentlich zum Dettifoss. Europas mächtigsten Wasserfall. Vor dem Urlaub hatte ich auch noch die Hoffnung, dass wir vom Dettifoss aus noch die Wanderung zum Hafragilsfoss machen können. Allerdings wird diese Route schon gesperrt, wenn es einfach mal bisschen windiger ist. Nun hatten wir die letzten Tage Schnee, Eis, Wind und gern alles gleichzeitig. Ich vermute daher, dass der Weg für dieses Jahr schon längst geschlossen ist. Aber was solls – der Dettifoss ist auch allein etwas, was die Fahrt lohnend macht. So oder so – ich werde berichten, was wir morgen dort vorfinden werden.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
X

Stand der Bucketliste
AufgabeStatusBeweisfoto
Erzähle einem Isländer einen Witz.
Natürlich auf isländisch
erledigt
16.09.2025
Breiðavík
Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schafoffen
Iss etwas typisches isländisches.offen
Halte eine Hand in einen Wasserfalloffen
Finde Lavagestein in der freien Naturoffen
Trinke Wasser aus einem wilden Flusserledigt
15.09.2025
Nameless
Mach ein Foto von einem Regenbogenerledigt
14.09.2025
Svöðufoss
Streichle ein Pferdoffen
Baue einen Freund für Kleifakarlerledigt
15.09.2025
Kleifakarl
Nasch isländische Lakritzeoffen
Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autoserledigt
17.09.2025
Dynjandi
Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollenerledigt
18.09.2025
Valagil
Sing ein isländisches Lied mit –
egal wie gut du den Text kannst
offen
Lass dich vom Strokkur berieselnoffen
Überquere einen Fluss ohne Brückeoffen
Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurantoffen
Stehe im Dampf in einem Geothermalgebietoffen
Gib einem Ort einen Wikingernamen,
den du dir selbst ausgedacht hast
offen
Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmeloffen
Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörsterledigt
15.09.2025
Skálmarfjörður
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Eine Antwort zu „Ruhig“
  1. Avatar von lordnibblerblog

    Nur Puffin schenkt mir die Kraft und Ausdauer die ich brauche. 🙂 Geiles Shirt.

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