Die Welt von Island aus
Das, was wir gestern an Ruhe gefunden haben, glichen wir heute durch Action wieder aus. Das Prinzip vom Ausruhen will sich einfach nicht bei uns durchsetzen. Zu unserer Verteidigung sei aber gesagt, dass das Wetter heute wirklich viel zu schön war, um es nicht zu nutzen. Ob es dann gleich wieder 12-13 Stunden unterwegs hätten sein müssen? Man weiß es nicht. Aber nun ist es so gekommen und wieder einmal bereue ich nichts.
Dabei begann der Tag für meine Verhältnisse sogar beinahe spät. Erst gegen 8 Uhr saßen wir im Auto und beschlossen gen Osten zu fahren. Die Straßen-App war bis dahin noch der Meinung, dass manche Straßen eisig sein könnten. Unser Plan war, dass wir vorher Sachen in sicheren Gefilden unternehmen und der warme Tag die restlichen Straßen schon regeln wird. Ihr kennt das – wir sind Profis – genau so kam es dann auch.
Es hat insgesamt schon was von Luxus, wenn der Stopp zum Zeitüberbrücken in Dimmuborgir passiert. Aber es lag nun mal günstig auf dem Weg und war dann eben auch insofern gut, da die Straßen hierhin auf jeden Fall sicher waren. Wir fuhren eine gute Stunde hierher und mussten dann aber auch feststellen, dass heute scheinbar Tag der Reisegruppen war.

Ein simpler Trick gegen Reisegruppen auf Fotos ist, so ins Detail zu gehen, dass man schlicht nie einen Menschen drauf haben kann. Ein weiterer banaler Trick ist, man geht einfach dahin, wo die Reisegruppen nicht hingehen. In einem Areal wie Dimmuborgir kann man es mit ein wenig Geschick mühelos schaffen, allein zu sein. Wobei, so ganz allein waren wir dann gar nicht. Ein gefiederter Freund stand auf einmal vor uns.

Ich habe nach wie vor keine Ahnung von Vögeln. Da ich das Tier aber angegurrt und auch gerufen habe, es aber seinerseits nicht gehört hat, geh ich davon aus, dass es eine Taube ist (ich fand’s lustig).
Insgesamt war der Stopp auf jeden Fall ein schöner. Das Wetter erlaubte einmal mehr einen kilometerweiten Blick. Durch die Nähe zum Mývatn hat man hier auch in ziemlich jede Himmelsrichtung ein anderes Panorama. Manchmal sind es die schneebedeckten Berge, mal der bildschöne See, mal ein ewiges karges Nichts… man kann das schon mal mitnehmen. Wie gesagt, ein Luxus, hier die Zeit totschlagen zu dürfen.

Eigentlich wollte ich dann zum Námafjall fahren. Ich saß auch schon im Auto und das Navi wollte mich auch bereits dort hinlotsen, Doch meine Frau hatte andere Pläne. Sie rief irgendwas von „Moooment…“ und „da ist ein Vulkan…“ und selbstredend fahr ich dann dort einfach hin.
Ich glaube, sie bereute ihre Entscheidung in dem Moment, als die Straße sich spontan als Schweizer Käse identifizierte und schlicht das Interesse daran verlor, irgendwie eben zu sein. Mir gefällt ja so eine Holperpiste manchmal sogar ganz gut. Diese Strecke allerdings war schon sehr rustikal.
Vielleicht kriegen Straßen in Island auch einfach irgendwann die Pubertät und die Strecke war in einer Aknephase. Man weiß es nicht. Wir müssen aber auch nicht darüber nachdenken, denn die Strecke war am Ende vielleicht 1-2km lang und damit letztlich aushaltbar.
Ja und dann standen wir da auf dem Parkplatz und stellten fest, dass der Vulkan schon recht hoch ist. Mal schnell nachgeguckt: Der Hversfjall hat einen Anstieg von über 400m. Seid ihr schon mal auf losem Schottern 400m stumpf nach oben gegangen? Wobei, es war nicht nur Schotter – auf den letzten 100m kamen auch noch Schnee und Eis dazu. Gute Zeit.
Während meine Frau die nächste Lebensentscheidung hinterfragte, stand ich dann bereits oben und dachte so bei mir, dass man auch diesen Ausblick sehr gern mal mitnehmen kann. Der Vulkankrater ist halt ein Vulkankrater. Für ein paar Momente ist es megacool und dann schaut man doch lieber wieder in die Ferne.

Ehrlicherweise war schon beides sehr cool. Vor allem auch deshalb, weil man ja am Kraterrand steht. Man hat also kurz mal das Privileg, die Grenze zwischen dem Vulkan und der restlichen Landschaft zu sein. Das ist schon ganz nett.

Ich bin unsicher, ob der Gag zu ausgelutscht ist, wenn ich sage, dass es dann auch mal bergab ging. Aber irgendwie mussten wir vom Hversfjall auch wieder nach unten.
Im Auto angekommen sollte es nun wirklich zum Námafjall gehen. Schon ein paar Kilometer vor unserer Ankunft konnte man deutlich riechen, was uns da heute erwarten wird.

Das Gebiet roch wirklich sehr intensiv nach Schwefel oder salopp gesagt faulen Eiern. Wir hatten ziemlich stark den Eindruck, dass die brodelnden Flächen auch größer sind, als in den letzten Jahren.

Und wenn wir schon mal hier sind, war es dann auch Zeit für mich, endlich mal wieder einen Punkt von der Bucketliste abzuhaken. Überraschenderweise habe ich mich dafür entschieden, hier mal im Dampf eines Geothermalgebiets zu stehen.

Zugegeben – es wäre schwerer gewesen, nicht irgendwann mal im Dampf zu stehen. Das ganze Gebiet kocht und brodelt und ist wirklich beeindruckend.
Dazu kommt, dass man hier auch immer mehr Strukturen für Touristen schafft. Ich fand das insgesamt ganz angenehm, weil es nun auch klarere Wege gibt oder auch hier und dort Aussichtsplattformen.
Fraglich bleibt, ob in den Dämpfen irgendwas enthalten ist, was mir nicht bekommt. Aus Gründen sind auch Fotos entstanden, die wohl gut zeigen, wie ich aussehen würde, wäre ich eine Elfe.

In der nordischen Mythologie würde es bei mir wohl eher nicht zur Elfe reichen. Wenn es sie nicht schon vorher gegeben hätte, würde man für mich wohl den trampeligen Troll erfinden. Sei es drum – ich hatte eine gute Zeit.
Nachdem ich genug im Dampf stand und Blödsinn gemacht hatte, ging unsere Fahrt weiter zum Dettifoss. Auf der Fahrt selbst gab es das fragwürdige Erlebnis, dass ich latent fluchend hinterm Steuer saß, weil das Auto vor mir nur 85km/h statt der erlaubten 90 fuhr. Es hat immer etwas eigenartiges, wenn man die Polizei überholt. Noch komischer fühlt es sich an, wenn sie einem dann die nächsten 30km hinterher fährt. Im Grunde nervte mich das aber nur noch mehr. Warum konnten sie auf einmal 90km/h fahren, nachdem ich sie überholt habe? Egal – ich wurde nicht angehalten und von daher passt das schon.
Auf dem Weg zum Dettifoss war das kleine Intermezzo schon wieder vergessen. Stattdessen fand ich eine Ecke, in der relativ viel Schnee lag und ich machte das, was jeder vorbildliche Tourist machen sollte. Ich versuchte einen Schneemann zu bauen. Ich weiß nicht genau warum, aber irgendwie sah mein Schneemann dann eher aus wie ein Stormtrooper.

Er hielt auch ziemlich genau nur für das Foto. Keine 10 Sekunden später kippte er nach vorn in seinen matschigen Tod. Vielleicht rief er „Trustfall“ und ich habe es in der Aufregung nicht gehört. Vielleicht war ihm auch zu warm bei nun schon fast 10°C – man weiß es nicht. Ich musste dann aber auch weiter zum Dettifoss.

Denn schaut selbst. Der Dettifoss ist nach wie vor eine Naturgewalt. Wer hier keine Ehrfurcht vor der Natur, Wasser und den Kraft der Elementen spürt, der spürt sie vermutlich nirgends.
Leider waren heute die unteren Aussichtsplattformen gesperrt. Normalerweise kann man auf dieser Seite des Wasserfalls sehr nah ran, aber das blieb uns verwehrt. Auf einem Schild war dann aber auch zu lesen, was in den letzten Tag hier so passiert ist.

Da stand dann sinngemäß zu lesen: „Die Aussichtsplattformen sind sicher – der Rest… eher nicht so. > Siehe Erdrutsch da drüben.“
Zumindest beantwortete das dann auch meine unausgesprochene Frage, ob wir heute den Wanderweg vom Dettifoss zum Hafragilsfoss bestreiten. Hätten uns nicht bereits Eis, Schnee, Matsch und Wind abgehalten – der Erdrutsch war auf jeden Fall überzeugend.
Wir gingen dann noch zu einer weiteren Aussichtsplattform, beschlossen aber kurze Zeit später, dass wir die circa einstündige Autofahrt auf die Ostseite des Dettifoss antreten wollen.
Die Ostseite ist bei Weitem nicht so gut ausgebaut, wie der Westen. Man fährt eine Schotterpiste und in aller Bescheidenheit: Wäre ich nicht mittlerweile geübt in solchen Straßen, es hätte wohl eine kleine Ewigkeit gebraucht, bis wir angekommen wären.
Vom Parkplatz zum Wasserfall geht man dann über Findlinge, Schneematsch und Pfützen. Der Osten ist karger und schroffer und ich liebe es. Beim Wasserfall angekommen, setzte ich mich erstmal auf einen Stein und beschloss, dass Kamera mal Kamera sein darf, aber ich jetzt diesen Moment erlebe.

Da saß ich nun. Neben mir diese Naturgewalt, aber eigentlich war sie sehr friedlich. Ja, beinahe beruhigend. Das Dröhnen des Wassers, die sanften Verwehungen der Gischt. Klar, runterfallen will man hier nicht und ich werde den Punkt der Bucketliste „Eine Hand in einen Wasserfall halten“ auch definitiv nicht hier absolvieren. Aber so insgesamt, konnte ich an diesem Ort schon sehr schön abschalten. Ist immer gut, wenn der Kopf mal Pause macht und einfach genießen kann.

Irgendwann stand ich dann natürlich doch auch wieder auf und machte noch ein paar Fotos und Videos. Der Ort ist nicht nur sehr beruhigend für mich, sondern auch unheimlich fotogen. Man muss sicherlich etwas die Augen aufhalten. Gleichzeitig sollte es am Ende nicht schwer fallen, außergewöhnliche Motive zu finden.

In meinem Fall endete dieser Gedanke damit, dass ich mit unterschiedlichen Einstellungen zum Fokus rumspielte und irgendwie versuchte, die Ruhe und Unruhe dieses Ortes einzufangen. Ob das Gelungen ist oder nicht, darf ja jeder gern für sich bewerten.
Meine Frau hatte dann parallel dazu noch den Gedanken, dass sie künstlerisch-wertvolle Aufnahmen von mir macht. Es gibt daher auch noch coole neue Bilder von mir.

Den Rückweg zum Apartment haben wir dann so gelegt, dass wir über einen nördlichen Fjord und Húsavik zurückfahren. Theoretisch hätten wir auch einfach die Ringstraße entlang fahren können. Aber das machen wir morgen eh schon sehr viel. Außerdem hat es in Island auch immer seinen Charme, wenn man eher Straßen abseits der meistgefahrenen Wege nimmt.

Und dennoch wurde an dieser Stelle der Tag schon sehr lang. Das ganze Erlebte möchte irgendwie im Kopf verdaut werden und auch der Körper meldet sich irgendwann, dass Schlaf eine sehr interessante Idee ist. Aber schaut selbst – nach einem wunderschönen Tag, war das der Abendhimmel, der uns auf der Heimfahrt begleitete:

Es wäre wirklich schade drum gewesen, hätten wir aus dem heutigen Tag nicht alles rausgeholt.
Morgen verlassen wir dann Akureyri und machen uns auf den Weg in den äußersten Nordosten. Die Ecke ist noch immer eher touristisch-unerschlossen. Wir wissen aber aus den letzten Jahren heraus schon, dass es sich trotzdem lohnt, dort mindestens einmal durch zu fahren. Man darf also gespannt sein, was der morgige Tag bringen wird. Ich bin es zumindest schon.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
X
Stand der Bucketliste
| Aufgabe | Status | Beweisfoto |
|---|---|---|
| Erzähle einem Isländer einen Witz. Natürlich auf isländisch | erledigt 16.09.2025 Breiðavík | |
| Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schaf | offen | |
| Iss etwas typisches isländisches. | offen | |
| Halte eine Hand in einen Wasserfall | offen | |
| Finde Lavagestein in der freien Natur | offen | |
| Trinke Wasser aus einem wilden Fluss | erledigt 15.09.2025 Nameless | ![]() |
| Mach ein Foto von einem Regenbogen | erledigt 14.09.2025 Svöðufoss | ![]() |
| Streichle ein Pferd | offen | |
| Baue einen Freund für Kleifakarl | erledigt 15.09.2025 Kleifakarl | ![]() |
| Nasch isländische Lakritze | offen | |
| Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autos | erledigt 17.09.2025 Dynjandi | ![]() |
| Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollen | erledigt 18.09.2025 Valagil | ![]() |
| Sing ein isländisches Lied mit – egal wie gut du den Text kannst | offen | |
| Lass dich vom Strokkur berieseln | offen | |
| Überquere einen Fluss ohne Brücke | offen | |
| Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurant | offen | |
| Stehe im Dampf in einem Geothermalgebiet | erledigt 22.09.2025 Námafjall | ![]() |
| Gib einem Ort einen Wikingernamen, den du dir selbst ausgedacht hast | offen | |
| Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmel | offen | |
| Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörst | erledigt 15.09.2025 Skálmarfjörður | ![]() |







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