Wettermobbing

Das nennst du Wind?

Wir sitzen fest. In den Ostfjorden. Wie hätte es auch anders kommen sollen?

Gestern Nacht war da noch ein Schimmer von Hoffnung, dass es sich schon irgendwie alles gut ergeben wird. Für unsere Freunde stimmt das sogar insofern, da sowohl der Flughafen in Berlin als auch der Flug selbst beschlossen haben, recht gut zu funktionieren. Während ich diese Zeilen tippe, sind sie bereits in der Luft in sollten in ein paar Stunden dann auf isländischen Grund und Boden landen.

Was uns angeht, so muss man sagen, dass wir wohl mittlerweile wirklich sowas wie Routine im „Feststecken“ haben. Alles was der Tag so brachte, löste gar nicht mehr dieses „oh mein Gott, was machen wir nur?“ aus sondern war halt dann so.

Als wir heute früh wach wurden, schauten wir direkt mal auf die Straßenkarte und erstmal sah es auch alles grün und damit gut aus. Auf den zweiten Blick dann ein Sperrsymbol. Zu lesen gab es „Die Straße ist einfach zu befahren“ und dann ein Sperrzeichen mit dem Hinweis „Der Fluss hat beschlossen, dass nur noch Boote hier lang dürfen – wenn du das lesen kannst, bist du kein Boot.“

Da ich mit widersprüchlichen Informationen nicht so gut umgehen kann, rief ich entgegen meiner introvertierten Art erstmal beim Straßendienst an. Dort wurde mir dann mitgeteilt, dass da gerade ein neuer Fluss entstanden ist und immer noch Wasser vom Berg kommt. Weder wissen sie bislang wie schlimm es ist, noch wie lange es dauern wird, bis da wieder was fahren kann. Die Empfehlung war, dass wir noch eine halbe Stunde bis Stunde warten sollten.

Eine Stunde später sind dann aus der einen Sperrmeldung drei Sperrmeldungen geworden. Neben dem neuen Fluss gibt es wohl auch noch eine Stelle, wo die Straße weggebrochen ist. Dazu gesellen sich Meldung, das mancherorts eben Wasser auf der Straße steht oder der Fjord hin und wieder mal überschwappt, aber sonst kann man den Rest fahren.

Wir haben dann gegen 10 Uhr beschlossen, dass es keinen Wert hat, heute Experimente zu wagen. Tatsache ist, dass wir gerade nur einen Steinwurf von Egilsstaðir und damit der größten Stadt der ganzen Region sind. Wenn wir die Straße bis zur Sperrung fahren, kommen noch mal 2-3 Fischerdörfer aber kaum was, was der Rede wert wäre.

Also bleiben wir wohl hier. Hier gibt es Essen, Internet, ein warmes Bett. Es könnte schlimmer sein. Zumal es noch den Punkt gibt, dass die Hotelkette, bei der wir im nächsten Halt gewesen wären, auch hier in Egilsstaðir ein Hotel hat. Die Chancen stehen also sogar ganz gut, dass wir einfach das Geld fürs Hotel zurückkriegen.

Aber wisst ihr, was mich gerade wirklich nervt? Draußen scheint die Sonne und es ist blauer Himmel. Ja, ich weiß, dass es im nächsten Fjord schon wieder ganz anders aussehen kann (und zurzeit wohl auch wirklich wird) und mir ist auch bewusst, dass die einzige Straße zum nächsten Hotel gerade irgendwo im Ozean treibt…. trotzdem. Es wäre irgendwie „besser“ wenn es draußen nicht nach perfektem Islandwetter aussehen würde. Wisst ihr was ich meine? So wie jetzt, ist es einfach nur Mobbing vom Wetter.

Unwetter auf isländisch

Aber nein. Nur weil wir in einer recht ruhigen Ecke gestrandet sind, ändert das nichts daran, dass es andere Regionen gibt, die gerade mehr Themen haben. Ich verlinke den Interessierten hier auch mal einen kurzen Bericht von den isländischen Nachrichten (auf englisch).

>>> zur mbl Nachrichtenseite

Also was wird heute noch passieren? Ich denke, dass ich mich absehbar in den Hotelbar setze. Die superfreundliche Frau an der Rezeption hatte uns schon auf die Happy Hour hingewiesen und ich muss sowieso noch mehr Postkarten schreiben.

Ansonsten wird es wohl noch ein paar mal die Frage geben: Wie geht es eigentlich jetzt weiter? Unsere Freunde sitzen dann ohne ihre Reiseführer in einem etwas zu großem Haus. Das klingt nach keinem allzu großem Problem. Wenn ich dann aber in den Nachrichten lese, dass die Straßenbauarbeiten wohl frühestens morgen beginnen werden und dann 15 bis 20 Stunden dauern dürften… das klingt schon eher nach einem Problem.

Es gäbe noch die Theorie, dass wir den gesamten Weg einfach wieder rückwärts fahren. Lasst mich das kurz mal visualisieren.

Wir sind der rote Punkt rechts. Wir möchten zum grünen Punkt unten. Die Strecke oben entlang, die ich liebevoll mit einer roten 1 gekennzeichnet habe, sind 725km und gute 9 Stunden Autofahrt. Die Strecke unten rum sind 528km bei 6,5 Stunden Fahrt – aber eben zurzeit gesperrt.

Beides eher nicht geil. Deshalb hatten wir auf der Route 2 eigentlich auch den Zwischenstopp heute geplant. Wenn man bedenkt, das morgen wohl Route 2 auch nicht klappt, bleibt die Frage, ob man dann im Zweifel noch einen Tag länger wartet, um die 2,5h Fahrt zu sparen, oder macht man mal was richtig dummes und fährt an einem Tag um gute dreiviertel der gesamten Insel?

Immerhin hat auf diese Weise selbst der heutige Tag also seinen Spannungsmoment. Ich werde dann wieder berichten.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
X

Stand der Bucketliste
AufgabeStatusBeweisfoto
Erzähle einem Isländer einen Witz.
Natürlich auf isländisch
erledigt
16.09.2025
Breiðavík
Mache ein Foto von dir zusammen mit mindestens einem Schafoffen
Iss etwas typisches isländisches.offen
Halte eine Hand in einen Wasserfallerledigt
25.09.2025
Búðareyrarfoss
Finde Lavagestein in der freien Naturoffen
Trinke Wasser aus einem wilden Flusserledigt
15.09.2025
Nameless
Mach ein Foto von einem Regenbogenerledigt
14.09.2025
Svöðufoss
Streichle ein Pferderledigt
25.09.2025
Stormur
Baue einen Freund für Kleifakarlerledigt
15.09.2025
Kleifakarl
Nasch isländische Lakritzeerledigt
23.09.2025
Aldeyjarfoss
Zeichne ein Schaf auf eine schmutzige Scheibe eines Autoserledigt
17.09.2025
Dynjandi
Erfinde deine eigene Islandsage mit Trollenerledigt
18.09.2025
Valagil
Sing ein isländisches Lied mit –
egal wie gut du den Text kannst
offen
Lass dich vom Strokkur berieselnoffen
Überquere einen Fluss ohne Brückeoffen
Erhebe dein Glas und rufe Skàl in einem Restaurantoffen
Stehe im Dampf in einem Geothermalgebieterledigt
22.09.2025
Námafjall
Gib einem Ort einen Wikingernamen,
den du dir selbst ausgedacht hast
offen
Steh mit den Füßen im Wasser unter freiem Himmelerledigt
23.09.2025
Kópasker
Steh an einem Ort, an dem du niemanden siehst oder hörsterledigt
15.09.2025
Skálmarfjörður
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Eine Antwort zu „Wettermobbing“
  1. Avatar von Was Island braucht – My Daily Bad Luck

    […] und dann gemeinsam zurückfahren. Aber der aufmerksame Blog-Leser wird sicher den Beitrag „Wettermobbing“ gelesen haben und daher wissen, dass auch hier Island wieder deutlich zu verstehen gab, wie […]

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