Wie niemand ĂŒberrascht ist
Auf einmal geht es dann ganz schnell. Man weiĂ nicht recht, ob man sich erklĂ€ren soll, warum es schon wieder nach Island geht. Dann passiert lange nichts. Dann packt man, ist aufgeregt und bevor alles greifbar wird, sitzt man in Island, stellt fest dass es auf Mitternacht zugeht und man ein Reisetagebuch schreibt. Das Leben kann schon verrĂŒckte Zeiten haben.
TatsĂ€chlich bin ich seit geraumer Zeit Berufspendler zwischen Vorfreude und dezenter Panik. Man vermisst seine Haustiere, man hat irgendwie noch 1.000 Dinge, die man machen sollte oder mĂŒsste und gleichzeitig beschleicht einen dabei immer mehr das GefĂŒhl, dass so ein Urlaub vielleicht sogar sinnvoll und verdient ist.
Aber genug der Philosophie. Ich sitze in Island und wie man unschwer erahnen kann, schreibe ich auch dieses mal darĂŒber. Aus GrĂŒnden die das Schicksal kennt, lesen das hier sogar Menschen. Ansporn genug, dass ich auch dieses mal ĂŒbermĂŒdet um den Literatur Nobelpreis kĂ€mpfe oder zumindest um Unterhaltung.
Die alten Bloghasen wissen, dass ich Chronologie mag. Das hat so den banalen Vorteil, dass man dem Tag einfach so folgen kann. Ich schlage daher vor: Never change a winning… chronologischen Blogschreibstil. Ist keine gelĂ€ufige Redewendung, aber ich arbeite auch daran.
Was ihr nicht wisst ist, dass ich an dieser Stelle innerlich kurz zusammengesackt bin, weil mir klar wurde, dass ich nicht nur Wörter aneinanderreihen werde, sondern mich nun auch noch eine Weile damit befassen darf, dass ich die Videos und Bilder des heutigen Tages anschauen, sortieren und dann ein Best of in diesen Blog lade. Ich bin mĂŒde…. und es ist noch nicht mal Tag 1 geschafft. Was tut man nicht alles fĂŒr die Kunst.
Zwischen dem Absatz hiervor und diesem liegen nur knappe 30 Minuten. Ich stelle fest, dass das Zentrum, dass in meinem Kopf fĂŒr „wir haben etwas gemacht“ Aussagen zustĂ€ndig ist, so BanalitĂ€ten wie einen Aufenthalt im Flughafen schlicht nicht anerkennt. Wenn ich dann aber durch die Fotos und Videos klicke: TatsĂ€chlich war ich heute in einem Flughafen. Sogar mehrere Stunden.
Aber Hand aufs Herz: Ihr wisst wie das lĂ€uft. Man soll zwei Stunden frĂŒher da sein, um dann mindestens 1,5 Stunden davon am Gate zu sitzen und sich dabei innerlich zu schwören, dass man es beim nĂ€chsten mal besser macht und spĂ€ter anreist. (Spoiler: Wir werden auch beim nĂ€chsten mal viel zu frĂŒh da sein).
Der Flug selbst war interessant, wenn es um das Thema Verhaltensforschung geht. Zum einen bin ich beim Start eingeschlafen. Meine Frau war dankbar, weil ich dabei trotzdem ihre Hand hielt. Ich dagegen wurde ĂŒber den Wolken wach und war irritiert darĂŒber, wie dass denn nun passieren konnte. Normalerweise fĂ€llt es mir doch schwerer im Flugzeug zu schlafen. Na gut – versuchen wir das gleich noch mal. Und wieder war ich scheinbar binnen Sekunden weggedöst. Leider auch wieder nur fĂŒr ein paar Minuten, weil eine unfassbar charmante Stewardess mich antippte, ob ich Tee oder Kaffee möchte. Da ich offensichtlich zwar dieses mal schlafen könnte, es aber nicht darf, habe ich mich fĂŒr Kaffee entschieden.
Kurze Zeit nach dem Kaffee kam dann auch schon das Essen. Was soll ich sagen… es passiert nicht oft, dass meine Frau ihr und dann mein Essen quasi weg-inhaliert.

Die gleiche liebevolle Stewardess fragte mich dann noch, ob ich was dazu trinken möchte. So bekam ich dann ein alkoholfreies Bier und fĂŒhlte mich damit sehr zufrieden. Denn wenngleich meine Frau mein Brötchen, meine rote Bete, meinen Lachs, meinen KĂ€se…. usw aĂ – Bier trinkt sie nicht. Ich war also versorgt und ehrlicherweise amĂŒsierte es mich köstlich, dass meine bessere HĂ€lfte scheinbar Höhenluft braucht, um zum Scheunendrescher zu mutieren.

Ansonsten war der Flug unspektakulĂ€r. Der Anflug auf Island erzeugt mittlerweile schon dieses GefĂŒhl von „nach Hause kommen“ aber dann steht man doch wieder beim Mietwagenschalter und fragt sich, warum man jetzt eigentlich auf den Mietwagen warten muss, den man bereits vor Monaten reserviert hat. Konnte es wirklich niemand kommen sehen, dass ich den Wagen abholen will, den ich bestellt und bezahlt habe? Musste es wirklich sein, dass erstmal ein Kollege loslaufen muss um den SchlĂŒssel zu holen? Nun – ich habe Urlaub und muss mich nicht mit derartigen Fragen befassen und warum Europcar sie mehrheitlich mit „Ja!“ beantwortet hat.

Die islĂ€ndische Uhr zeigt bereits eine Zeit jenseits des frĂŒhen Abends. Geplant war, dass wir noch einkaufen und dann eine circa 100km Tour zu unseren ersten Unterkunft machen.
Einkaufen war frĂŒher irgendwie noch aufregender. Damals, als man nicht wusste, was diese ganzen komischen islĂ€ndischen Wörter bedeuten. Heute steht man im Laden und denkt „NatĂŒrlich will ich Ostur und Pylsa“ als wĂ€re es das normalste der Welt. Irgendwie auch schön so.
Mit zwei Einkaufsbeuteln voller Habseligkeiten ging unsere Fahrt dann weiter. Wir fahren ĂŒbrigen einen Kia Sportage. Wir haben sie Franky getauft. Das liegt primĂ€r daran, weil wir jemanden aus einem Spiel kennen, die Franky heiĂt. Franky ist liebevoll, tut mehr oder minder was sie soll und kann im wesentlichen nur einen Knopf drĂŒcken. Es ist erstaunlich, wie viele Ăhnlichkeiten ihre FĂ€higkeiten mit unserem neuem Auto haben. Der Name mag sich daher fĂŒr viele beliebig anfĂŒhlen – fĂŒr uns war es Schicksal.

Kurze Zeit spĂ€ter ĂŒberkam uns dann doch der Gedanke, dass Essen womöglich auch ein zweites mal am Tag eine gute Idee sein könnte. Zumal wir nach Borgarnes fuhren. Einen Ort, wo wir bei unserer allerersten Islandtour (damals in 2018) ein schönes Restaurant fanden und tatsĂ€chlich gibt es das immer noch. Namentlich das Settlement Center. Und wer könnte schon so einem kleinen nostalgischen Moment am ersten Abend widerstehen? Wir nicht!

Das Essen dort ist auch ĂŒber jeden Zweifel erhaben. Die spĂ€te Stunde motivierte wohl unseren Kellner auch, dass er uns als Vorspeise quasi ein ganzes Bort mit Skyrbutter hinstellte. Als Hauptgang gab’s dann Lamm und Pferd. Beides so, dass wir direkt noch 2% mehr islĂ€ndischer geworden sind.


Im Anschluss gingen wir noch einen kleinen Weg zum Wasser und sollten ihn nicht bereuen. Denn neben einer fantastischen Aussicht, kann ich hiermit auch verkĂŒnden, dass ich hochoffiziell meinen ersten Punkt von der ToDo Liste streichen kann. Und zwar ganz konkret: Finde einen neuen Freund. Ich gebe zu, es ist eine Freundin geworden – es zĂ€hlt trotzdem.

Das arme Ding hat noch nie vorher Liebe bekommen. Wurde allerhöchste Zeit, dass ich also wieder nach Island komme.
Aber ja… der Abend ging so vor sich hin. DrauĂen immer noch herrliches Wetter, 15°C, sehr sonnig, der Bauch ist voll und das Herz glĂŒcklich. Gibt schlechtere Einstiege in den Urlaub, denke ich.
Wir fuhren dann noch circa 15 Minuten zu unserer Unterkunft. Nur um dort zu lernen, dass der Gott der HotelĂŒbernachtungen es einmal mehr wirklich gut mit uns meinte. Unser Cottage liegt direkt am Wasser. An einem AuslĂ€ufer von einem Fjordarm (Fun Fact: Wenn man es falsch liest, steht da „Fjor-Darm“…). Nebenan gibt es eine alte kleine Kirche und ein Mini-Tor davor. Es ist wunderschön hier.

Wir gingen hier ein paar Meter spazieren und ich stand dann auch einfach mal ein paar Minuten da und freute mich darĂŒber, dass ich hier sein darf.

Ja und dann stellten wir noch mal fest, dass es schon 23 Uhr ist, aber die Sonne noch immer nicht so richtig weg ist. Und was macht man mit so einem Moment? Richtig! Man hĂ€lt ihn mit Fotos fest! Aber natĂŒrlich nicht mit irgendwelchen Fotos. Nein. Hier werden Kunstobjekte geschaffen.

Es war ein guter Einstieg. Mittlerweile ist es mitten in der Nacht und immer noch nicht dunkel. Ich bin trotzdem mĂŒde und frage mich zum Abschluss, ob meine Frau eigentlich auch manchmal hofft, dass ich viel weniger schreibe, damit sie viel weniger lesen muss. Tja, das sind die ungeklĂ€rten Fragen. Aber wir haben ja noch ein paar Tage Urlaub. Vielleicht finden wir es heraus.
In diesem Sinne – bis Morgen
| Aufgabe | Beweisfoto | Status |
| Ein Foto mit einem Schaf 2.0 | ||
| Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen) | ||
| Eine coole Schattenfigur machen | ||
| Posieren mit einer Islandflagge | ||
| Baue eine Eisskulptur | ||
| Umarme einmal Island (so gut es geht) | ||
| Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto | ||
| Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich mĂŒde bist und Blog schreiben solltest | ||
| Ausschlafen! | ||
| Sei einmal auĂerhalb des Badezimmers richtig nass | ||
| Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages | ||
| Springe auf einem Regenbogen | ||
| Verschwinde im Dampf | ||
| Hab ein typisch islĂ€ndisches FrĂŒhstĂŒck | ||
| Warte geduldig auf einen Wal | ||
| Gönn dir Lakritzeis | ||
| Halte einen „Warum tue ich mir das an?“ Moment fest | ||
| Einen neuen Freund finden | ![]() | 21.05.2026 Hafen von Borgarnes erledigt |
| Schreibe eine islÀndische Saga | ||
| Errichte ein Elfenhaus |
Habe die Ehre
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